Eine Frau hält geerntete Rhabarberstangen in der Hand (Quelle: dpa/Sina Schuldt).
Bild: dpa/Sina Schuldt

Der Absacker - Wo der Rhabarber wächst

Wir sind längst angekommen in der neuen Normalität mit Corona - mit Maske, mit Einschränkungen. Dennoch wälzt Lisa Schwesig Zukunftsfragen. Um abzuschalten, versucht sie sich an Rhabarber-Ästhetik.

Es ist nichts mehr, wie es war. Und doch fühlt sich vieles schon normal an. Fast jeder hat in seinen Corona-Alltag gefunden und versucht, mit den Einschränkungen zurechtzukommen. Viele Menschen aus Berlin und Brandenburg schreiben uns täglich über unsere Social-Media-Kanäle, dass ihr Leben sich eigentlich nicht groß geändert hat. Und dennoch spürt man permanent die Maßregelungen, die Blicke der anderen, die Maske im Gesicht.

Meine Kollegin Sarah Mühlberger schrieb gestern im Absacker: "Wie wir im Frühling 2020 leben würden, hätte sich vor wenigen Monaten niemand vorstellen können." Dieser Satz ist mir im Gedächtnis geblieben, denn tatsächlich stellt sich die Frage, was nach der Pandemie kommt. Wie lange werden wir 1,50 Meter zwischen uns und andere bringen? Wird es dieses Szenario ein zweites Mal geben? Und wie werden die Gesellschaft und die Wirtschaft aussehen, wenn es keine neuen Covid-19-Fälle mehr gibt und wir die Krise überstanden haben?

1. Was vom Tag bleibt

Ein wenig Normalität herrscht auf den Campingplätzen in Berlin und Brandenburg. Wer schon einmal zwischen Dauercampern gewohnt hat, weiß, dass sie sich durch wenig aus der Ruhe bringen lassen. Viele verbringen Freizeit und Urlaub zwischen Campinganhänger und Gemeinschaftstoilette - und das teilweise seit Jahrzehnten. Doch das Coronavirus macht auch an der Schranke des Campingplatzes nicht halt.

Wirklich beunruhigend ist, was am 19. November des vergangenen Jahres passierte und ab heute in einem Prozess aufgearbeitet wird: Damals wurde ein Arzt bei einem Vortrag über Leberbeschwerden in der Berliner Schlosspark-Klinik getötet. Es handelte sich bei dem Opfer um Fritz von Weizsäcker, den Sohn des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Als Nachrichtenredakteurin bin ich täglich mit Morden, Unfällen und Gewalt konfrontiert. Dieser Fall hat aber auch bei mir ein beklemmendes Gefühl ausgelöst. Seit heute muss sich der mutmaßliche Täter vor Gericht verantworten. Dort wird es vor allem um die Frage gehen, ob Gregor S. eine psychische Erkrankung hat und sein Handeln steuern kann. Unser rbb-Gerichtsreport Ulf Morling begleitet den Prozess.

2. Abschalten

Selten wurde so viel gekocht und gebacken wie in den vergangenen Wochen. Aktuell sprießt der Rhabarber und füllt Gärten, Marktstände und Supermarktregale. Rhabarber ist mit seiner Kombination aus Süße und Säure nicht nur lecker, sondern auch reich an Vitamin C, kurbelt Verdauung und Stoffwechsel an und besticht mit seiner Farbkombination. Seine volle Schönheit entfaltet er auf diesen Kuchenkunstwerken von Bloggerin und Rhabarbermusterinitiatorin "Hellrosagrau":

Auch ich habe mich schon an einem Rhabarbermosaik probiert. Es ist ein bisschen wie Meditieren: Der Geist ist hochkonzentriert und die Alltagsgedanken ziehen davon.

Und wer mit Backen nichts anfangen kann, den erheitert vielleicht - ebenso wie mich einst in meinem Linguistikseminar - dieses Video:

3. Und, wie geht's?

Einige Menschen in der sogenannten Covid-19-Risikogruppe über 60 Jahre fühlen sich derzeit in vielerlei Hinsicht abgehängt. Das erzählte Schauspielerin Eleonore Weisgerber gestern in der rbb-Abendschau. Daher möchte ich heute Ingrid zu Wort kommen lassen. Sie ist 67 Jahre alt, lebt in Weißensee und war bis zur ihrer Pensionierung Lehrerin (auch meine). Sie schreibt:

"Ich gehöre zur Risikogruppe. Wie sich das anhört mit 67 Jahren. Und immer 'fit wie ein Turnschuh', wie mein Schulleiter zu sagen pflegte. Mich stört diese Pauschalisierung gewaltig. Ich bin sehr aktiv, mein Tag ist nach wie vor strukturiert. Ich brauche Anerkennung. Ich möchte etwas Sinnvolles tun. Zwei kleine Jobs helfen mir dabei sehr.

Ich möchte den Kontakt gerade zu jüngeren Menschen, das hilft mir, selber jung zu bleiben. Krankheit ist kein Thema und jetzt wird man damit ständig konfrontiert. Das verdirbt mir manchmal die Laune. Ich verstehe, dass dieses Virus gefährlich ist. Ich halte mich an die Vorschriften, aber trotzdem.

Reisen ist meine Leidenschaft. Nun ist alles abgesagt. Ich hatte und habe so viel vor. Manchmal denke ich, mir läuft die Zeit davon. Das ist der Vorteil der Jugend. Trotzdem möchte ich nicht mehr jung sein. Aber alles wird wieder gut. Davon bin ich überzeugt."

Gehören Sie auch zur Risikogruppe und fühlen sich stigmatisiert? Wie sieht Ihre neue Normalität in Zeiten von Corona aus? Schreiben Sie uns an absacker@rbb-online.de.

4. Ein weites Feld…

Heute bekommen Sie eher einen Milchkaffee nach dem Mittagessen als einen abendlichen Absacker serviert, denn auf mich warten nachher Spielplatz, Abendessen und eine Gute-Nacht-Geschichte. Auch bei mir herrscht viel Normalität auf dem Weg durch die Krise. Und wenn es mich wieder eiskalt erwischt, lege ich eben noch ein Rhabarbermuster und atme dabei ganz tief durch.

Namaste,

Lisa Schwesig

Alle Absacker

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    Christophe Gateau/dpa

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    Der Absacker 

    Wann sind wir endlich daaaaaaaaaaa?

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    Der Absacker 

    Die Verschwörungstheoretiker von Oran

    An diesem Montag sollte der erste Tag der Rückkehr zur Normalität sein. Inzwischen haben viele genug von den Einschränkungen. Dabei stand noch vor ein paar Wochen die Mehrheit hinter ihnen. Jetzt will so mancher Corona am liebsten verdrängen. Von Efthymis Angeloudis

  • Symbolbild: Ein Friseur bei der Arbeit (Quelle: imago images/Hernandez and Sorokina)
    imago imges/Hernandez and Sorokina

    Der Absacker 

    Die Zahlen haben mir den Kopf gewaschen

    Ab morgen gibt es wieder mehr Lockerungen in Berlin und Brandenburg. Das ist auch möglich, weil gewisse Zahlen sich besser entwickeln als gedacht. Doch es bleibt vertrackt mit den Statistiken. Von Haluka Maier-Borst

  • Archivbild: Inge Deutschkron, Zeitzeugin und Schriftstellerin, und Stefan Tidow (l-r), Staatssekretärs für Umwelt und Klimaschutz in Berlin, nehmen an den Feierlichkeiten für den Spatenstich für Otto-Weidt-Platz in der Europacity teil. (Qualität: dpa/B. Pedersen)
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    Der Absacker 

    Zuhören, bitte!

    Vor 75 Jahren kapitulierte Berlin. Bis heute erzählen Jüdinnen und Juden über die Zeit im Untergrund während des Zweiten Weltkrieges - ein großes Glück für uns alle. Derweil macht besonders ein Vorfall am 1. Mai fassungslos. Von Johannes Mohren

  • Abfall liegt am 12.03.2017 an einem Haus auf dem Gehweg im Berliner Stadteil Kreuzberg. (Quelle: dpa/Steinberg)
    dpa/Steinberg

    Der Absacker 

    Liebe kaputte Stadt

    Am 1. Mai wird besonders spürbar, was gerade in Berlin fehlt. Statt bunten Demos und Treiben auf der Straße herrschen betäubende Ruhe und einzelne Krawallmacher. Dass das nach Corona wieder anders wird, hofft Haluka Maier-Borst.

  • Archivbild: Vermummter Demonstrationsteilnehmer bei der 1. Mai Demonstration in Berlin (Quelle: dpa/Christian Mang)
    dpa/Christian Mang

    Der Absacker 

    Ein bisschen Anarchie im Pandemie-Wahnsinn

    Die Revolutionäre 1. Mai Demo wird wohl nur eine Übung in Grüppchenbildung, die Polizei kündigt aber schon mal eine harte Linie an. Derweil liegen Arbeitsmarkt und Wirtschaft mit Covid-19 flach. Von Sebastian Schöbel

  • Symbolbild: Eine Frau mit zwei Kindern (Quelle: dpa/Julian Stratenschulte)
    dpa/Julian Stratenschulte

    Der Absacker 

    Suche Lebensqualität, biete Kinder

    Viele Eltern mit Kita-Kindern spüren von etwaigen Verbesserungen durch die Lockerung der Corona-Maßnahmen kaum etwas: Sie müssen weiter Home-Office, Haushalt und Kinderbetreuung irgendwie unter einen Hut bringen. Ein Abnutzungskampf. Von Sebastian Schöbel

  • Zahlreiche Kirschblüten leuchten rosa an der Bornholmer Straße in der Sonne, während Menschen dort flanieren. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
    dpa/Paul Zinken

    Der Absacker 

    Ein zarter Hauch von Freiheit

    Endlich wieder Freiheit. Danach sehnen sich wohl die meisten Menschen zur Zeit. Ein kleines bisschen davon war schon am letzten Wochenende zu spüren. Doch werden wir zu gierig, könnte das düstere Folgen für uns alle haben. Von Laura Kingston 

  • Symbolbild: Ein Löffel mit Sesamöl (Bild: dpa/Ralph Kerpa)
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    Der Absacker 

    Mehrere Anekdoten sind noch kein Beweis

    Ist es wirklich so schlimm? Könnte dieses Mittel nicht helfen? Mit Maske passiert doch sicher nichts? Man möchte so gerne der Unsicherheit des Virus etwas entgegensetzen. Aber die einfachen Wahrheiten können nur scheitern. Von Haluka Maier-Borst 

  • Blaulicht auf einem Streifenwagen (Bild: imago images/Michael Eichhammer)
    imago images/Michael Eichhammer

    Der Absacker 

    Die Polizei hat gut zu tun

    Nachdem es bislang verhältnismäßig ruhig zuging, spitzt sich für die Polizei an einigen Punkten die Lage zu. Denn die Krise geht an die Substanz aller Bürgerinnnen und Bürger. Nur bei manchen äußert sich das extrem. Von Haluka Maier-Borst

  • Ein Grenzübergang nach Polen vor der Schließung
    Imago Images/Christian Thiel

    Der Absacker 

    Brandenburgs besondere Leiden in der Corona-Krise

    Brandenburg hat weniger als halb so viele Corona-Fälle wie Berlin. Doch wo das Virus zuschlägt, sind die Folgen besonders heftig. Selbst Probleme, die längst überwunden schienen, tauchen in dieser Zeit wieder auf. Von Haluka Maier-Borst

  • Symbolbild: Auf einem Friedhof ist ein mit Blumen geschmücktes Grab und im Hintergrund ein Mann zu sehen (Bild: imago-images/Becker&Bredel)
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    Alles nur im kleinen Kreis

    Taufe, Hochzeit oder Trauerfeier - in diesen Zeiten dürfen Stand jetzt höchstens 20 Leute zu solch wichtigen und normalerweise großen Anlässen kommen. Was macht das mit unserem Gemeinschaftsgefühl? Von Haluka Maier-Borst

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Beitrag von Lisa Schwesig

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