Eine junge Frau steht in einem Supermarkt vor leeren Regalen. (Quelle: imago images)
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Der Absacker - Die Zeit der Leerstellen

An allen Ecken ist der Ausnahmezustand zu spüren und das vor allem weil Sachen fehlen - seien es nun Masken, Desinfektions- oder Lebensmittel. Doch der größte Mangel, den wir gerade erleben, passt in kein Regal, findet Haluka Maier-Borst.

Der gestrige Abend war für mich persönlich wieder einer dieser merkwürdigen Abende in dieser nun langen Reihe an merkwürdigen Abenden. Eine Freundin hatte Geburtstag und feierte ihn digital. Wir waren zugeschaltet per Zoom, dieser App, die vielleicht neben Skype und Whatsapp prägen wird, wie wir uns an diese Zeit erinnern. Und genau dieses Thema kam auch heute in der Politik zur Sprache.

1. Was vom Tag bleibt

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) war für mich bisher kein Politiker, der sonderlich in Erinnerung bleiben wird. Und das wird sich vielleicht auch mit dieser Krise nicht ändern. Aber seine Regierungserklärung traf - da bin ich offenbar nicht alleine mit meiner Meinung - den richtigen Ton.

Müller sprach an, dass viele von uns jetzt gemeinsam getrennt durch die Krise müssen. Er sprach davon, dass jeder nun eine Mauer um sich ziehen müsse und man nur gedanklich zusammenstehen kann. Er sprach davon, dass Skype und Whatsapp eben nicht die menschliche Nähe untereinander ersetzen kann. Und da hat er mir, der ich in Quarantäne hocke, aus dem Herzen gesprochen.

Aber es gibt auch andere Positionen: Unter dem Artikel über die Regierungserklärung kritisieren viele Nutzer die derzeitigen Zustände. Zurecht. Ob irgendein Regierender etwas für die massiven Leerstände in den Supermärkten kann, sei dahingestellt. Aber dass das Personal in den Vivantes-Kliniken den eigenen Mundschutz zu Hause auskochen muss, das wäre vor ein paar Wochen undenkbar gewesen.

2. Abschalten.

Schon vor der Corona-Krise habe ich gerne Live-Mitschnitten von Konzerten gelauscht, bei und nach der Arbeit. Einfach weil live besonders ist. Weil mein Körper und meine Gedanken anders ins Schwingen geraten, wenn etwas nicht studioblank aus den Boxen oder den Kopfhörern kommt. Und entsprechend bin ich großer Fan der Tiny-Desk-Konzerte des amerikanischen Rundfunks NPR. Dutzende, wahrscheinlich Hunderte Musiker haben hier schon Live-Versionen hinter einem kleinen Schreibtisch gespielt. Und das kann dann so klingen:

Mir ist schon klar, dass das kein exklusiver Geheimtipp ist. Aber ich bin ja auch nicht Kulturjournalist. Und falls Sie eher Klassikfan sind, dann gibt es dort auch etwas für Sie. Zum Beispiel ein NPR-Konzert von Igor Levit, das ebenfalls auf dem Youtube-Kanal von NPR [youtube.com] zu finden ist. Wobei, Sie können Levit derzeit sogar jeden Abend dabei zuhören, wie er ein Konzert spielt. Nämlich auf Twitter.

3. Und, wie geht’s?

Heute sind wir an der Reihe, zu erzählen, wie es uns geht und das übernimmt der Kollege Tim Schwiesau. Er gehört noch zu den wenigen, die tatsächlich ins "echte" Büro kommen. Seine Schilderung ist keine kurze. Aber manche Texte brauchen Länge. Nur eins noch, bevor ich hier Platz mache: Wir wollen auch weiterhin hören, wie es Ihnen geht. Schicken Sie mir/uns also dafür gerne ein paar Sätze, ein Foto, ein Gif oder was auch immer an haluka.maier-borst@rbb-online.de. So und los:

Eigentlich muss ich das nicht mehr schreiben, weil es viele schon erlebt haben: Es ist gespenstisch leer in der Stadt. Und genau so ist das auch im Büro. Ich kann mir meinen Platz im Großraum aussuchen. Um mit den Kolleginnen und Kollegen Absprachen zu treffen, muss jeder fast schreien. Die Kantine ist zu, die Flure leer. Selbst mein Fahrrad kann ich ins Büro stellen, ohne dass es im Weg steht. Die Kaffeemaschine brodelt seltener. Mittlerweile hat jeder gelernt, Türen mit dem Ellenbogen zu öffnen. Handcreme ist ein ständiger Begleiter, weil die Haut vom andauernden Händewaschen merkwürdig aufgeraut ist.
 
Klingt alles irgendwie locker oder leicht verkraftbar, ist aber eigentlich traurig: Mit vielen Kolleginnen und Kollegen nur via Slack zu schreiben (ein Tool zum Kommunizieren mit vielen Leuten, aber auch zum Senden von Daten) und sie nicht permanent zu sehen, mit ihnen zu lachen, essen zu gehen, zur U-Bahn zu laufen, über Privates zu reden, zu diskutieren, zu streiten – das fehlt. Kleine Videoschalten sind natürlich nett, aber nicht vergleichbar.

Wie sagte Müller heute in seiner Regierungserklärung: Whatsapp und Skype seien “nur ein schwacher Trost" derzeit, oder: Es gebe einen "Wunsch nach Nähe in schwierigen Zeiten". Ich stimme ihm zu – das gilt (für mich) aber nicht nur für das Privatleben. Sondern auch hier im Haus des Rundfunks.
 
Vermutlich (und hoffentlich) kann die Arbeitswelt viel lernen aus dieser Pandemie: Dass viele Meetings durch Videokonferenzen ersetzbar und manche Dienstreisen unnötig sind. Dass Home-Office zur Selbstverständlichkeit wird. Dass wir (nicht nur der rbb) unterstützen, dass Menschen mit Schnupfen von zu Hause arbeiten können. Dass wir Verständnis für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, die während des Home-Office auf ein-zwei-drei Kinder aufpassen – und dann halt mal 1 oder 2 Stunden weg sind, weil Kinder nach draußen wollen oder schreien.

Nur eines wünsche ich mir nicht: Dass wir glauben, dass Technik den persönlichen Kontakt ersetzen kann.

4. Ein weites Feld...

[Entfällt]

Bis morgen, bleiben Sie drinnen und Prost, sagt

Haluka Maier-Borst

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