Julia Fischer zur Wissenschaft und Corona
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Video: rbb|24 | 02.05.2020 | rbb SPEZIAL | Bild: rbb

Video | Dr. Julia Fischer erklärt - Sind Wissenschaftler, die ihre Meinung ändern, unseriös?

Anmerkung: Die Erklärvideos entsprechen dem Wissensstand des Ausstrahlungsdatums. Da zu dem neuartigen Coronavirus noch nicht viel bekannt ist, sind viele Erkenntnisse medizinisch und wissenschaftlich noch nicht ausreichend gesichert und durch Studien belegt.

Das Wesen der Wissenschaft besteht darin, Hypothesen aufzustellen und zu überprüfen. Je nach Ergebnis muss die Hypothese verworfen oder angepasst und erneut untersucht werden. Und auch, wenn eine Vermutung bestätigt wird: Ergebnisse von Studien meißeln niemals die absolute, ewig gültige Wahrheit in Stein. Kein seriöser Wissenschaftler würde das je behaupten. Vielmehr spiegeln sie den aktuellen Stand der Forschung wieder. Wenn es später neue Erkenntnisse gibt, müssen alte Vorstellungen angepasst werden.

Beispiel Masken: Gehen wir davon aus, dass nur Infizierte mit Symptomen die Überträger sind, gilt die Empfehlung: Tragen Sie einen Mund-Nasenschutz, wenn Sie sich krank fühlen. Stellt sich aber heraus, dass Erkrankte bereits ohne Symptome ansteckend sein können, muss die Empfehlung angepasst werden: Eine Maske bitte für jeden, der den Mindestabstand nicht einhalten kann.

Wissenschaft ist nicht einfach

Auch, dass sich die statistische Größe ändert, an der die Entwicklung der Pandemie bewertet wird - erst an der Verdopplungszahl der Fälle, später anhand der Reproduktionszahl - offenbart keinen Irrtum sondern bedeutet, dass die Ausbreitungsdynamik sich aufgrund der Maßnahmen verändert hat - und wir sie daran angepasst bewerten müssen.

Dass Wissenschaftler damit offen umgehen, dass sie neue, vielleicht widersprüchliche Ergebnisse transparent kommunizieren und einen Meinungsumschwung verständlich begründen, ist kein Zeichen von Unsicherheit, sondern von Professionalität. Dagegen ist das unumstößliche Festhalten an einer bestimmten, möglichst einfachen Erklärung viel eher ein Erkennungszeichen für falsche "Experten". Denn eins ist klar: Wissenschaft ist nicht einfach. Sie lebt davon, dass jedes Ergebnis neue Fragen aufwirft, die bewertet und diskutiert werden müssen. Nur so kommen wir der Wahrheit Schritt für Schritt ein wenig näher.

kurz erklärt

2 Kommentare

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  1. 2.

    Grundsätzlich richtig ist, dass die Wissenschaft immer neue Erkenntnisse gewinnt. Falsch ist jedoch, wenn Drosten und Co jeden zweiten Satz mit: „Wir gehen davon aus, dass...“ beginnt (auf gut Deutsch übersetzt: „Wir wissen es nicht genau, aber wir vermuten es“)
    In bestimmten Situationen ist es besser, man geht erst an die Öffentlichkeit, wenn man sich seiner Sache wirklich sicher ist. Zumal solche schwerwiegenden Äußerungen fatale Auswirkungen auf die Lebensumstände und die deutsche Wirtschaft haben, weil sich die Bundesregierung sich auf die Virologen und deren Aussagen verlässt.

  2. 1.

    Nein, schlimm wäre es wenn das nicht so wäre, sonst bräuchte ich auch nicht zu forschen.

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