Ärztin und rbb-Moderatorin Dr. Julia Fischer (Foto: rbb)
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Video: rbb|24 | 07.04.2020 | rbb SPEZIAL | Bild: rbb

Video | Dr. Julia Fischer erklärt - Warum wir Zuneigung brauchen

Inzwischen haben wir es fast alle verstanden: Abstand ist die neue Nähe. So wenige soziale Kontakte wie möglich - dabei ist es genau das, was uns und unsere Gesellschaft ausmacht. Die Kontaktsperre ist ein Dilemma. Sie kann richtig schmerzen.

Anmerkung: Die Erklärvideos entsprechen dem Wissensstand des Ausstrahlungsdatums. Da zu dem neuartigen Coronavirus noch nicht viel bekannt ist, sind viele Erkenntnisse medizinisch und wissenschaftlich noch nicht ausreichend gesichert und durch Studien belegt.

Soziale Kontakte sind seit jeher überlebenswichtig für uns. Zu Zeiten der Jäger und Sammler war das noch deutlicher als heute: Um zu jagen und sich vor wilden Tieren zu schützen, war jeder auf die Gruppe angewiesen. Allein drohte der sichere Tod. Deswegen schlägt unser Gehirn Alarm, wenn wir zu viel allein sind oder Gefahr laufen, jemanden zu verlieren. Dann vermittelt es uns Schmerz. Faszinierender Weise passiert das in den gleichen Gehirn-arealen, in denen auch der Schmerz verarbeitet wird, den wir spüren, wenn wir uns zum Beispiel in den Finger schneiden. Die Message unseres Gehirns: Aua, hier geht was kaputt, tu was!

Deswegen aktiviert Schmerz unseren Sympathikus. Den Teil des vegetativen Nervensystems, der für Kampf- und Fluchtverhalten zuständig ist. Er mobilisiert unsere Kräfte, damit wir uns aus der schmerzhaften Situation befreien: Wenn wir uns in den Finger schneiden, schmeißen wir das Messer weg, wenn uns ein Feind verletzt hat, kämpfen wir oder rennen was das Zeug hält. Und wenn Einsamkeit schmerzt, werden wir ebenfalls unruhig. Damit wir uns bemühen, in die Gruppe zurückzukehren. Einsamkeit ist purer Stress und als solcher ungesund für Körper und Psyche. So funktioniert Einzelhaft als Folter. Zuneigung und körperliche Nähe hingegen sind ein Quell für Kraft. Wir brauchen das Verständnis anderer, ihr Feedback und ihre Anerkennung für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Deswegen: Seien Sie gerade jetzt füreinander da! In Form von Telefonaten, Videos, Briefen oder Geburtstagsständchen am Zaun.

kurz erklärt

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6 Kommentare

  1. 6.

    Ha ha ha, geht mir auch so. Was ich zu Ostern aber wirklich vermisst habe ist eine Ansprache; Wir gedenken den vielen verstorbenen, die es nicht geschafft haben und von uns gegangen sind. Herzliches Beileid an alle Angehörigen, die diesen schweren Verlust, neben dieser Krise tragen müssen. War da nicht was Herr Steinmeier, außer der Wirtschaft mit Ihren Genossen immer nur den Rücken zu stärken!?

  2. 5.

    Das ist der Vorgeschmack für all diejenigen, die im Niedriglohn und Mindestlohn Sektor arbeiten. Was glaubt Ihr denn wie es denen ergeht die 40 Jahre und mehr gearbeitet haben, mit so einen Verdienst und dann in Rente gehen? Genau so wie sie jetzt zuhause sitzen wegen der Pandemie werden sie jetzt oder später da sitzen. Nur heißt das dann nicht Pandemie, sondern Rente. Könnt Ihr euch vorstellen was diese Menschen durch machen. Tag, täglich in der Wohnung sitzen, gerade mal Geld für das Nötige. Soziale Kontakte können nicht aufrecht gehalten werden, weil das Geld für nichts mehr reicht um vor die Tür zu gehen. Das ist das, was diese Merkels und Steinmeiers dieser Welt schon immer wussten und für richtig halten, sonst hätten sie längst was dran geändert.

  3. 4.

    Jetzt muss ich es wohl mal schreiben!
    Von dieser ganzen tollen Solidarität habe ich bis jetzt nur immer in den Medien gehört, was man da alles tolles machen kann und wie Alle füreinander da sind.
    In der Realität sieht es total anders aus.
    Mein Mann ist vor Jahren verstorben und als ich gerne Hilfe privat u. Umfeld gehabt hätte hieß es : hilf dir selbst sonst willst du nichts verändern.
    Ich bin gesund und finanziell ist es für mich ok, aber wenn man aus welchen Gründen auch immer keine Familie hat ist man heutzutage ganz schön einsam.
    Es sind überall nur Päarchen, Familien und Gruppen unterwegs und da ist Ostern und Co. besonders deprimierend. Für Menschen ab 60 gibt es z.B. wie im Fernsehen täglich zu sehen nur Vitasprint,Treppenlifter, Hörgeräte und vor allem Always Ultra damit man beim Sport nicht ausläuft und vieles mehr.
    Wenn man nicht irgendwie in der Lage ist aktiv wenn auch allein zu sein ist es ganz schön deprimierend und mit den verschiedensten Zukunftsängsten behaftet.

  4. 3.

    Das ganze virtuelle Zeug usw. ersetzt nicht den echten menschlichen Kontakt. Thema verfehlt. Ich finde es alles nur noch Mist und langsam sind mir die Regeln egal. Bis jetzt hab ich mich daran gehalten, aber es deprimiert mich. Schluss damit. Ich werde heute weder telefonieren, noch chatten noch sonstwie elektronisch Kontakten, denn das schmerzt noch mehr. Keine Ahnung was ich mache.. Aber irgendwie muss menschlicher Kontakt her

  5. 2.

    Ich habe hier schon verschiedene Kommentare in den jeweiligen Bereichen geschrieben, aber leider ist es schwierig diese auch nach Tagen dann wiederzufinden.

  6. 1.

    Ich finde den gesamten Corona-Blog vom RBB echt super informativ und auch sehr unterhaltsam. Nicht nur ein reiner Zeitvertreib, obwohl ich mir damit schon viele Stunden überbrücken konnte.

    Vielen Dank!!

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