Dr. Julia Fischer (Ärztin und rbb-Moderatorin)
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Video: rbb|24 | 19.05.2020 | Material: rbb SPEZIAL | Bild: rbb

Video | Dr. Julia Fischer erklärt - So mutiert das Coronavirus

Anmerkung: Die Erklärvideos entsprechen dem Wissensstand des Ausstrahlungsdatums. Da zu dem neuartigen Coronavirus noch nicht viel bekannt ist, sind viele Erkenntnisse medizinisch und wissenschaftlich noch nicht ausreichend gesichert und durch Studien belegt.

Im Zusammenhang mit dem Coronavirus gibt es immer wieder beunruhigende Nachrichten, die als Laie oft nur schwer zu verstehen sind. Ein Thema, zu dem diese Nachrichten immer wieder auftauchen, sind Mutationen des Virus. "Unterschiedliche Stränge des Virus sind aufgetaucht!" heißt es dann. Oder "Gefährliche Variante des Virus breitet sich immer schneller aus!" Aber was ist von diesen Nachrichten zu halten? Was sind Mutationen überhaupt, was bedeutet "Virus-Stamm" und wann werden Mutationen gefährlich?

Viren mutieren ständig. Auch das neuartige Coronavirus. Allerdings: "Mutationen" mögen zwar nach "Zombie" und "Apokalypse" klingen - aber sie sind völlig normal. Denn bei seiner Vermehrung in den Wirtszellen kopiert das Virus seine Erbinformation immer und immer wieder - und dabei macht es Kopierfehler. Diese zufälligen Mutationen sind so etwas wie das genetische Äquivalent zu Tippfehlern - und haben meistens keinen Effekt. So entstehen nach und nach eine Vielzahl von Virusvarianten, oder "Viruslinien" - wie Äste an einem Baum.

Aber diese Linien zählen nicht sofort als neuer Virusstamm. Dieser Begriff trifft erst zu, wenn Mutationen zu einer bedeutenden Veränderung der Eigenschaften des Virus führen. Wenn es zum Beispiel ansteckender oder resistent gegen eine Impfung wird. Solche Änderungen können durch Zufall entstehen oder durch natürlichen Selektion: Sie bewirkt, dass sich Mutationen durchsetzen, die einen Überlebensvorteil für das Virus darstellen. Solche Veränderungen sind ein Grund dafür, dass wir jedes Jahr neue Grippe-Impfstoffe benötigen.

Im Vergleich zum Grippevirus verändert sich das neuartige Coronavirus aber bedeutend langsamer. Und bisher ist die Existenz verschiedener Stämme oder gefährlicherer Varianten des Coronavirus umstritten. Es haben sich zwar verschiedene Linien unterschiedlich schnell verbreitet, aber es ist gut möglich, dass das eher dem Zufall als einer erhöhten Ansteckungsfähigkeit der Viruslinie geschuldet ist. Ein wissenschaftlicher Beweis dafür, dass ein neuer Virusstamm entstanden oder dass eine Virusvariante gefährlicher ist, erfordert viel Zeit - und ist bisher nicht erfolgt. Überschriften, die anderes suggerieren, sollten momentan also mit Vorsicht genossen werden, und die Angst vor dem Virus nicht vergrößern.

kurz erklärt

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