Dr. Julia Fischer (Ärztin und rbb-Moderatorin) (Bild: rbb)
rbb
Video: rbb|24 | 06.05.2020 | rbb SPEZIAL | Bild: rbb

Video | Dr. Julia Fischer erklärt - Immunitätsausweis gegen Covid-19?

Anmerkung: Die Erklärvideos entsprechen dem Wissensstand des Ausstrahlungsdatums. Da zu dem neuartigen Coronavirus noch nicht viel bekannt ist, sind viele Erkenntnisse medizinisch und wissenschaftlich noch nicht ausreichend gesichert und durch Studien belegt.

Klar: Auf den ersten Blick wirkt die Idee toll, dass alle bereits von Covid-19-Genesenen sich ausweisen und wieder am normalen Leben teilhaben könnten: Immunes medizinisches Personal könnte sich gefahrlos um Erkrankte und Verdachtsfälle kümmern, und auch für andere exponierte Berufsgruppen wäre es von Vorteil, wie für Kita-, Schul- oder Polizeipersonal. Außerdem nährt die Idee des Ausweises natürlich eine Sehnsucht, die jeder von uns hegt: Möglichst bald zu einem normalen Leben zurückkehren zu können.

Aber das ist viel zu leicht gedacht. Denn 1.: Wir wissen noch nicht, wie lang die Immunität nach durchgemachter Covid-19-Erkrankung anhält. 2. sind viele Antikörper-Tests bisher fehleranfällig und können falsch positive Ergebnisse liefern. Aus beiden Gründen könnten sich als immun Getestete also in falscher Sicherheit wiegen und erneute Ausbrüche verursachen. Und 3. könnte der Ausweis zu einer fatalen Stigmatisierung der "Nicht-Immunen" führen: Was wäre das für eine Gesellschaft, in der Genesene auf Geburts-tagspartys und Konzerte gehen, ihre Verwandten besuchen und Geld verdienen dürften, während Menschen aus Risikogruppen und solche, die sich an die Maßnahmen zur Eindämmung halten, mit Kontaktsperren, finanziellen Einbußen und Ausgrenzung bestraft würden? Möglicherweise wäre das sogar eine Motivation für Menschen, sich absichtlich mit dem Coronavirus anzustecken, um ihre Freiheit zurückzuerlangen. Die Folge wären erneute Ausbrüche. Vermutlich würde so ein Pass also mehr Schaden als Nutzen bringen.

kurz erklärt

Mehr Videos