Dr. Julia Fischer, Ärztin und rbb-Moderatorin (Bild: rbb)
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Video: rbb|24 | 19.06.2020 | Material: rbb spezial | Bild: rbb

Video | Dr. Julia Fischer erklärt - Was Fledermäuse mit dem Coronavirus zu tun haben

Anmerkung: Die Erklärvideos entsprechen dem Wissensstand des Ausstrahlungsdatums. Da zu dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 bislang nur wenig bekannt ist, sind viele Erkenntnisse medizinisch und wissenschaftlich noch nicht ausreichend gesichert und durch Studien belegt.

Zur Familie der Coronaviren gehören eine ganze Reihe unterschiedlicher Krankheitserreger. Und es gibt sie schon lange: Erstmals charakterisiert wurden sie in den 1960er Jahren - heute sind dutzende Coronavirusstämme bekannt. Die meisten von ihnen befallen Säugetiere, Nager und Vögel, und insbesondere in Fledermäusen kommen sie vor.

Seitdem es Coronaviren gibt, verändern sie sich: Zum einen über Mutationen, also zufällige Fehler, die die Viren bei der Vermehrung ihres Erbguts machen, und zum anderen über sogenannte Rekombinationen. Rekombinationen entstehen, wenn zwei unterschiedliche Viren in ein und derselben Zelle eines Wirtstieres landen, zum Beispiel eben in einer Fledermaus, und dort kleine Stücke ihres Erbguts untereinander austauschen.

Coronavirus wahrscheinlich in Fledermäusen in der freien Wildbahn entstanden

Das kann bewirken, dass ein Virus plötzlich auf eine andere Art überspringen kann - etwa vom Tier auf den Menschen. So entstehen sogenannte Zoonosen. Krankheiten wie Tollwut, Tuberkulose und Influenza stammen ursprünglich von Tieren - genau wie Ebola, HIV, MERS und SARS.

Am Anfang der aktuellen Coronapandemie stand die Vermutung im Raum, das neuartige Virus wäre künstlich in einem Labor erzeugt worden, denn zwei seiner Bausteine waren noch nicht aus anderen, natürlich vorkommenden Viren bekannt. Mittlerweile haben Wissenschaftler aber überzeugende Ähnlichkeiten sämtlicher seiner Bestandteile in anderen Fledermausviren nachgewiesen.

Bis jetzt weist also alle Evidenz darauf hin, dass es sich natürlich entwickelt hat. Theoretisch wäre zwar möglich, dass diese Entwicklung in einem Forschungslabor in Wuhan stattgefunden hat und es von da freigesetzt wurde. Beweise dafür gibt es bisher aber nicht. Als wahrscheinlicher gilt, dass das neuartige Coronavirus in Fledermäusen in der freien Wildbahn entstanden ist.

kurz erklärt

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4 Kommentare

  1. 4.

    Es besteht kein Grund Fledermäuse zu meiden, denn Menschen werden nicht von diesen Säugetieren attackiert und im Kot überleben die Viren selten längere Zeit (die Nukleinsäuren können i.d.R. noch nachgewiesen werden). Nichtsdestotrotz sollte man verletzte oder gar tote Tiere nicht mit den bloßen Händen anfassen.

    Coronaviren in Fledermäusen sind hierzulande weniger problematisch (wenn überhaupt wurden harmlose Varianten entdeckt), aber einige Fledermausarten sind u.a. Träger von Lyssaviren (Auslöser der Tollwut). Fledermäuse haben ein sehr robustestes Immunsystem, das viele Viren in Schach hält. Studien deuten darauf hin, dass das mit der Immunabwehr durch Interferone zusammenhängt.

    In Bayern existiert eine letzte Population der Hufeisennasen (Gattung Rhinolophidae), die sich allerdings von der Art der Java-Hufeisennase (Rhinolophus affinis), aus der die SARS-CoV in China (Yunnan) isoliert wurden, unterscheidet. Diese letzten vom Aussterben bedrohen Arten, gilt es zu schützen.

  2. 3.

    Meine Güte, bricht jetzt etwa Panik gegenüber Fledermäusen aus? Wer kommt denn diesen Tierchen schon so nahe? Außerdem waren es asiatische Fledemäuse, die das Virus übertragen haben, die in Asien verzehrt werden. Hierzulande gibt es weder diese Fledermausarten noch werden hier Fledermäuse zum Verzehr angeboten.

  3. 2.

    Ich fass es nicht, Markus. Es geht hier nicht nur um deine Gesundheit.

  4. 1.

    Meine Fledermauskästen im Garten bleiben hängen.... ;))

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