Dr. Julia Fischer (Ärztin und rbb-Moderatorin) (Bild: rbb)
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Video: rbb|24 | 17.04.2020 | Material: rbb spezial | Bild: rbb

Video | Dr. Julia Fischer erklärt - Das bedeutet "Triage"

Anmerkung: Die Erklärvideos entsprechen dem Wissensstand des Ausstrahlungsdatums. Da zu dem neuartigen Coronavirus noch nicht viel bekannt ist, sind viele Erkenntnisse medizinisch und wissenschaftlich noch nicht ausreichend gesichert und durch Studien belegt.

Wer wird zuerst behandelt? Wer hat die schlechteren Überlebenschancen? So eine Priorisierung von Patienten müssen Rettungskräften teilweise in Katastrophenfällen und bei großen Notfällen vornehmen. Dieser Vorgang heißt „Triage“, von französisch trier: „sortieren" oder „auslesen“.

Weil es in Deutschland jedoch keine gesetzliche Regelung für diese Priorisierung gibt, haben sieben medizinische Fachgesellschaften kürzlich Empfehlungen herausgegeben, um Klinikpersonal angesichts der aktuellen Corona-Epidemie in der möglichen Triage-Situation zu unterstützen. Das entscheidende Kriterium dabei sollen die medizinischen Erfolgsaussichten sein.

Heißt: In einer Art medizinischen Gesamtschau vergleichen erfahrene Intensivmediziner die Patienten miteinander. Und zwar alle: An Covid-19-Erkrankte genau wie jemand mit Herzinfarkt. Evaluiert wird zum Beispiel: Hat der Patient eine unheilbare Krankheit? Ist die Therapie schon aussichtslos? Wird der Patient ohne Intensivstation überhaupt weiterleben? Und möchte der Patient eine intensivmedizinische Behandlung? Keine Rolle spielen darf, ob jemand eine Familie versorgen muss, eine Behinderung hat oder aus einem bestimmten Land kommt. Auch nicht allein das Alter der Person.

Behandelt werden soll also, wer die höheren Überlebenschancen hat. Möglich ist dann auch, dass einem Patienten das Beatmungsgerät wieder weggenommen wird, wenn ein anderer mit höheren Überlebenchacen eingeliefert wird. Hart. Noch ist eine solche Abwägung in Deutschland glücklicherweise nicht nötig. Möge es so bleiben.

kurz erklärt

3 Kommentare

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  1. 3.

    Ja, es hätte durchaus deutlicher angesprochen werden können, dass es keine gesetzlichen Regelungen deswegen gibt, weil sich ethisch und verfassungsrechtlich Leben nicht miteinander abwägen lässt: Es ist kein Dilemma, sondern eine unmögliche Entscheidung. Sie durchzudeklinieren, s. Fachexpertise, verschleiert nur die Willkür und Wertung, die der Triage anhaften. Sie kann sich nicht vom Utilitarismus lösen, dem Ansatz, den größtmöglichen, gesellschaftlichen, jedoch abstrakten, Nutzen zu erzielen: Nicht Einzelfall, sondern Anzahl von Menschenleben ist das Ziel.

    Dennoch können solche Fälle im Katastrophenfall durchaus eintreten, s. Italien, und Ressourcen- wie Personalmangel einen Entscheidungsdruck erzeugen. Doch alldem wohnt ein sozialisierter eugenischer Gedanke inne, der Menschen explizit (aus)sortiert. Die Mittel, die da sind, müssen genutzt werden. Das heißt aber nicht, das man die Zielgruppen der Hilfe konstruierten Kategorisierungen unterwerfen sollte.

  2. 2.

    Da solch eine Situation, das Ärzte über Leben oder Tod entscheiden müssen, hier in Deutschland vermutlich nicht eintreten wird, sind solche angstmachenden Informationen eher kontraproduktiv.

  3. 1.

    Spielt hier jemand mit den Leben anderer. Sind nicht alle gleich vor dem Gesetz. Jedes Menschenleben ist es Wert am Leben gehalten zu werden. Ich als Mensch mit Vorerkrankungen fühle mich wenn ich so etwas lese als nicht Lebenswert abgestempelt.

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