Berliner Charité - Unbekannte stehlen Atemschutzmasken von Kinder-Intensivstation

Sa 07.03.20 | 14:55 Uhr | Von Oliver Soos und Robin Avram
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28.01.2020, Nordrhein-Westfalen, Oberhausen: Eine Frau trägt vor einer Apotheke eine Mund- und Nasenmaske. Der erste Fall des Corona-Virus in Deutschland hat die Nachfrage nach Atemmasken in Apotheken stark erhöht. Ein Infektionsexperte hält dagegen Schutzmaßnahmen von Bürgern wie das Tragen von Mundschutz derzeit für unnötig.
Bild: picture alliance/Fabian Strauch/dpa

Aus mehreren Berliner Kliniken sind Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken gestohlen worden. Auch die Kinder-Intensivstation der Charité ist betroffen. Ein Charité-Arzt befürchtet Auswirkungen auf die Patientenversorgung - die Charité beschwichtigt.

Was Sie jetzt wissen müssen

Aus der Kinderintensivstation des Virchow-Klinikums der Charité sind große Mengen Desinfektionsmittel, Atemschutzmasken, Handschuhe und Schutzkleidung gestohlen worden. Betroffen ist eine Station, in der schwer krebskranke Kinder behandelt werden. Das bestätigte die Pressestelle der Charité auf Anfrage von rbb|24. "Als Reaktion wurden interne Vorkehrungen getroffen, damit sich dies nicht wiederholt", teilt die Pressestelle mit.

Zuerst hatte die B.Z. über den Diebstahl berichtet. Demnach habe der Vorstand der Krankenversorgung die Mitarbeiter per Rundmail darüber informiert, dass dies nicht hinnehmbar sei. Die Diebstähle könnten zu einer Beeinträchtigung der Patienten führen.  

Charité-Arzt: Derzeit nur noch Masken für das Wochenende

Wie der rbb am Freitagnachmittag von einem Charité-Arzt erfuhr, sollen zudem aus einer für die Charité bestimmten Lkw-Lieferung Atemschutzmasken entwendet worden seien. Dies habe Auswirkungen auf mehrere Stationen. "Wir haben im Moment nur noch Masken für das Wochenende", sagte der Arzt, der anonym bleiben möchte, dem rbb. Wenn nicht rasch neue Masken nachgeliefert würden, könne dies Auswirkungen auf die Patientenversorgung haben.

Eine Sprecherin der Berliner Charité sagte dem rbb dazu am Samstag, richtig sei, dass ein Roll-Container geklaut worden sei. Dies habe die Charité auch zur Anzeige gebracht. Dieser Roll-Container habe jedoch keine Atemschutzmasken enthalten.

Danach gefragt, inwiefern die bestätigten Diebstähle von Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel auf der Kinder-Intensivstation Auswirkungen auf die Patientenversorgung habe, sagte die Sprecherin, man sei derzeit noch gut bevorratet. Wie lange der Vorrat reiche, sei eine offene Frage, man sei aber in der Lage, auf Engpässe zu reagieren. Die aktuelle Lage werde am Montag im Pandemiestab der Charité erörtert.

Schutzmaterial wird in Kliniken zunehmend knapp

Auch in den städtischen Vivantes-Kliniken sind Desinfektionsmittel und Schutzmasken vereinzelt gestohlen worden, schreibt die Pressestelle auf rbb-Anfrage. Die Vivantes-Mitarbeiter wurden deshalb zu erhöhter Achtsamkeit aufgerufen. Die Diebstähle kommen zur Unzeit - denn aufgrund bundesweiter Lieferschwierigkeiten werde das Schutzmaterial zunehmend knapp.

"Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind gehalten, auf einen ressourcenschonenden Einsatz von Einwegartikeln wie Masken, Kittel oder Schutzbrillen zu achten", betont die Pressestelle.

In den vier Berliner DRK-Kliniken sind sie schon einen Schritt weiter gegangen, um Diebstähle zu verhindern. Die öffentlich zugänglichen Spender für Desinfektionsmittel werden hier nur noch mit Seife befüllt, sagt eine Sprecherin. Zuvor hätten Unbekannte Desinfektionsmittel in mitgebrachte Flaschen abgepumpt. Aus öffentlich zugänglichen WC seien sogar ganze Behälter abmontiert worden.

Angekauft für 60 Cent - verkauft für 20 Euro pro Stück

Wer eine Atemschutzmaske trägt, mag sich in diesen Tagen sicherer fühlen. Doch laut Bundesgesundheitsministerium gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass ein Mundschutz das Risiko einer Ansteckung mit Corona-Virus signifikant verringert.

In vielen Berliner Apotheken sind Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel dennoch ausverkauft. Auch Großhändler für Atemschutzmasken wie das Unternehmen DACH Schutzbekleidung haben zunehmend Lieferschwierigkeiten. "Seit Ausbruch der Corona-Krise bedienen wir keine gewerblichen Neukunden mehr", sagt eine Mitarbeiterin der Hotline am Telefon.

Die Folge: In Online-Shops werden Atemschutzmasken zu Wucherpreisen gehandelt. Ein 24-Jähriger berichtete dem Online-Magazin bento, er habe auf die Corona-Krise spekuliert und schon im Januar im großen Stil Atemschutzmasken angekauft. Bezahlt habe er großteils weniger als 60 Cent pro Stück, verkauft habe er sie für mehr als 20 Euro. Insgesamt habe er mehr als eine Million Euro Umsatz erzielt.

Geschichten wie diese mögen dazu beigetragen haben, dass nun in Kliniken Hygieneartikel gestohlen werden.

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Beitrag von Oliver Soos und Robin Avram

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