28.01.2020, Nordrhein-Westfalen, Oberhausen: Eine Frau trägt vor einer Apotheke eine Mund- und Nasenmaske. Der erste Fall des Corona-Virus in Deutschland hat die Nachfrage nach Atemmasken in Apotheken stark erhöht. Ein Infektionsexperte hält dagegen Schutzmaßnahmen von Bürgern wie das Tragen von Mundschutz derzeit für unnötig.
Bild: picture alliance/Fabian Strauch/dpa

Berliner Charité - Unbekannte stehlen Atemschutzmasken von Kinder-Intensivstation

Aus mehreren Berliner Kliniken sind Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken gestohlen worden. Auch die Kinder-Intensivstation der Charité ist betroffen. Ein Charité-Arzt befürchtet Auswirkungen auf die Patientenversorgung - die Charité beschwichtigt.

Was Sie jetzt wissen müssen

Aus der Kinderintensivstation des Virchow-Klinikums der Charité sind große Mengen Desinfektionsmittel, Atemschutzmasken, Handschuhe und Schutzkleidung gestohlen worden. Betroffen ist eine Station, in der schwer krebskranke Kinder behandelt werden. Das bestätigte die Pressestelle der Charité auf Anfrage von rbb|24. "Als Reaktion wurden interne Vorkehrungen getroffen, damit sich dies nicht wiederholt", teilt die Pressestelle mit.

Zuerst hatte die B.Z. über den Diebstahl berichtet. Demnach habe der Vorstand der Krankenversorgung die Mitarbeiter per Rundmail darüber informiert, dass dies nicht hinnehmbar sei. Die Diebstähle könnten zu einer Beeinträchtigung der Patienten führen.  

Charité-Arzt: Derzeit nur noch Masken für das Wochenende

Wie der rbb am Freitagnachmittag von einem Charité-Arzt erfuhr, sollen zudem aus einer für die Charité bestimmten Lkw-Lieferung Atemschutzmasken entwendet worden seien. Dies habe Auswirkungen auf mehrere Stationen. "Wir haben im Moment nur noch Masken für das Wochenende", sagte der Arzt, der anonym bleiben möchte, dem rbb. Wenn nicht rasch neue Masken nachgeliefert würden, könne dies Auswirkungen auf die Patientenversorgung haben.

Eine Sprecherin der Berliner Charité sagte dem rbb dazu am Samstag, richtig sei, dass ein Roll-Container geklaut worden sei. Dies habe die Charité auch zur Anzeige gebracht. Dieser Roll-Container habe jedoch keine Atemschutzmasken enthalten.

Danach gefragt, inwiefern die bestätigten Diebstähle von Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel auf der Kinder-Intensivstation Auswirkungen auf die Patientenversorgung habe, sagte die Sprecherin, man sei derzeit noch gut bevorratet. Wie lange der Vorrat reiche, sei eine offene Frage, man sei aber in der Lage, auf Engpässe zu reagieren. Die aktuelle Lage werde am Montag im Pandemiestab der Charité erörtert.

Schutzmaterial wird in Kliniken zunehmend knapp

Auch in den städtischen Vivantes-Kliniken sind Desinfektionsmittel und Schutzmasken vereinzelt gestohlen worden, schreibt die Pressestelle auf rbb-Anfrage. Die Vivantes-Mitarbeiter wurden deshalb zu erhöhter Achtsamkeit aufgerufen. Die Diebstähle kommen zur Unzeit - denn aufgrund bundesweiter Lieferschwierigkeiten werde das Schutzmaterial zunehmend knapp.

"Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind gehalten, auf einen ressourcenschonenden Einsatz von Einwegartikeln wie Masken, Kittel oder Schutzbrillen zu achten", betont die Pressestelle.

In den vier Berliner DRK-Kliniken sind sie schon einen Schritt weiter gegangen, um Diebstähle zu verhindern. Die öffentlich zugänglichen Spender für Desinfektionsmittel werden hier nur noch mit Seife befüllt, sagt eine Sprecherin. Zuvor hätten Unbekannte Desinfektionsmittel in mitgebrachte Flaschen abgepumpt. Aus öffentlich zugänglichen WC seien sogar ganze Behälter abmontiert worden.

Angekauft für 60 Cent - verkauft für 20 Euro pro Stück

Wer eine Atemschutzmaske trägt, mag sich in diesen Tagen sicherer fühlen. Doch laut Bundesgesundheitsministerium gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass ein Mundschutz das Risiko einer Ansteckung mit Corona-Virus signifikant verringert.

In vielen Berliner Apotheken sind Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel dennoch ausverkauft. Auch Großhändler für Atemschutzmasken wie das Unternehmen DACH Schutzbekleidung haben zunehmend Lieferschwierigkeiten. "Seit Ausbruch der Corona-Krise bedienen wir keine gewerblichen Neukunden mehr", sagt eine Mitarbeiterin der Hotline am Telefon.

Die Folge: In Online-Shops werden Atemschutzmasken zu Wucherpreisen gehandelt. Ein 24-Jähriger berichtete dem Online-Magazin bento, er habe auf die Corona-Krise spekuliert und schon im Januar im großen Stil Atemschutzmasken angekauft. Bezahlt habe er großteils weniger als 60 Cent pro Stück, verkauft habe er sie für mehr als 20 Euro. Insgesamt habe er mehr als eine Million Euro Umsatz erzielt.

Geschichten wie diese mögen dazu beigetragen haben, dass nun in Kliniken Hygieneartikel gestohlen werden.

FAQ zum Umgang mit dem Coronavirus

  • Ich fürchte, infiziert zu sein. Was tun?

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  • Wie kann ich mich anstecken?

  • Wie ansteckend ist das Virus?

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  • Wie funktioniert der Test?

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  • Wie kann ich mich schützen?

  • Welche Behandlung gibt es für Infizierte?

  • Gibt es Immunität gegen das Virus?

  • Wie hoch ist die Sterberate?

Beitrag von Oliver Soos und Robin Avram

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58 Kommentare

  1. 58.

    Die Patienten werden damit geschützt. Immernoch.

    Der Arzt schützt den Patienten sich davor mit etwas zu infizieren, was der Arzt vielleicht hat.

    Die Masken schützen nicht den, der sie trägt. Das versuchen die BZgA und die WHO schon seit Wochen den Leuten klar zu machen.

    Warum informiert sich denn niemand bei den offiziellen stellen?

  2. 57.

    Das Virus in Zellkultur zu vermehren bzw. das virale Genom zu sequenzieren, gelang den Wissenschaftlern ziemlich schnell. Da ein paar Primer für eine RT-PCR zu designen kann jeder Master-Student, der irgendwas mit Life-Science studiert hat. Sorry, aber für eine Verschwörungstheorie ein bisschen dürftig. Zumal die Methode zur Detektion des SARS-Virus ganz ähnlich ist.

    Wenn Sie einen Schnelltest analog zur Schwangerschaft wollen - einmal draufhusten und Sie wissen bescheid, dann wird die Sache interessanter. Dann brauchen Sie Antikörper, die spezifisch genug sind um SARS-CoV-2 von anderen Corona-Viren zu diskriminieren, aber gleichzeitig nicht bei geringen Mutationen des Virus die Spezifität verlieren. Dann müssen die Antikörper kleinste Mengen an Virenpartikeln identifizieren und Sie müssen sie erstmal in rauen Mengen herstellen... das würde dauern und ist viel aufwändiger. Die Antikörperforschung würde tausende Euro kosten. So nen oller Primer kostet je nach Länge 10-20 Euro.

  3. 56.

    Auf ZDF Info kam unlängst eine Sendung über "Prepper", wurden die doch in dieser Sendung etwas "verschroben" dargestellt, ich glaube die Macher dieser Sendung würden jetzt eine andere Richtung in der Berichterstattung einschlagen! Ein paar dumme Sätze, von Herrn Spahn, sowie das Abdrucken und Senden der Empfehlung vom Bundesamt für Katastrophenschutz haben die Leute schon zum "durchdrehen" gebracht! Frage mich nur, was passiert bei einer echten Bedrohungslage? Das Coronavirus ist nicht einmal als leichte Bedrohung unseres Landes und unserer Gesellschaft einzustufen!!! Es ist und wird immer das, was der aufgepeitschte Mob daraus macht! Daher sollte man schleunigst den "Dampf" aus der Berichterstattung nehmen. Auch die Regierenden (Italien) täten gut daran, diesen Blödsinn mit abgesperrten Regionen zu unterlassen!

  4. 55.

    Leider hatte ich noch keine Zeit, um zu nachzulesen, ob jemand schon festgehalten hat, dass es knapp eine Woche dauert, bis es ein Testergebnis gibt. Hier beim rbb ist die Rede von 5 Stunden. Meine Freundin ist ein Verdachtsfall, wurde Freitag getestet und bekommt frühestens Mittwoch das Ergebnis. Sie arbeitet an einer Grundschule. Ich auch... So viel zum Thema, Verdachtsfälle „schnell“ identifizieren.

  5. 53.

    Macht Geld gesund??? Glaube kaum. Und zum übergeben, wenn andere sich daran bereichern wollen und diesen Weg eingehen. Noch schlimmer sind die Menschen, die es auch noch kaufen und damit den Profit hochtreiben.

  6. 52.

    Warum macht man so etwas??? Wenn Ärzte sich dadurch nicht mehr schützen können, wie sollen sie dann helfen können?? Riesen Sauerei!!

  7. 51.

    Und was die erst verdienen mögen die, im Übrigen erstaunlich schnell, den Test auf Corona verticken. Die Lizenzinhaber sind Milliardäre mittlerweile nehm ich an. Ein Verschwörungstheoretiker könnte ja glatt denken, das Ding war geplant. Gewöhnlich dauert es doch Monate,bis solche Tests zur Verfügung stehen. Bei SARS war es jedenfalls noch so.

  8. 50.

    Widerlich.
    Wer dabei erwischt wird, sollte im Schnellverfahren 2 Jahre ohne Bewährung bekommen.

  9. 49.

    Einfach nur WiEDERLICH.

  10. 48.

    Vom Prinzip her sind solche Diebstähle während einer Epidemie nichts anderes als Sabotage im Kriegsfall. Entsprechend sollte es meiner Meinung nach auch betrachtet und verfolgt werden. Ich rede jetzt nicht davon, dass man bereits abgeschaffte Strafen wieder einführen sollte (das genaue Wort dafür will ich nicht nennen, damit mein Beitrag hoffentlich gepostet wird), aber für so etwas sollte harte Strafen verhängt werden und die Regierung sollte öffentlich darüber informieren, dass in dieser Hinsicht null Toleranz herrscht.

  11. 47.

    Dass die Diebe Schuld sind, steht außer Frage, das wollte ich nur nicht zum 20. Mal wiederholen.
    Wenn Sie meinen, dass die Medienkonsumenten, die sich absichtlich in Panik versetzen lassen und die Desinfektionsmittel und Masken leer kaufen, eine Mitschuld daran tragen, dass dieser Fall besonders tragisch ist, gehe ich vollkommen mit Ihnen mit.
    Lassen Sie sich bitte nicht provozieren, dass soll natürlich keine Unterstellung sein.

  12. 45.

    Was für eine kranke Gesellschaft. Hoffentlich ist kein Schutz und Desinfektionsmittel mehr da wenn diese Kreaturen selbst krank werden. Möge das was diese Leute tun auf sie selbst zurückfallen.

  13. 44.

    Warum regen sich alle auf?
    Es geht um Geld, wir leben schließlich nicht im Sozialismus.

  14. 43.

    Wundert euch sowas wirklich noch? Typen wie dieser 24 jährige, schreiben dann noch Bücher wie sie zu ihrem Reichtum gekommen sind. Seit Jahren zählt doch nur noch höher, schneller und weiter. Das am besten ohne einen Finger krum zu machen. Im Fernsehen werden Typen wie die Geißens gezeigt und all so ein Mist. Das geht leider nicht spurlos an unserer Gesellschaft vorbei, sondern das Streben nach dem eigenen Wohlstand wächst ins Unermessliche. Diese Welt wird immer schlimmer. Aber Hauptsache die Wirtschaft brummt und mir geht’s gut

  15. 42.

    Wir haben uns doch solche Kapitalisten selbst rangezüchtet. Also, wer sich jetzt wundert, sollte sich da vielleicht nochmal thematisch mit auseinandersetzen. Wenn mit Geld Alles erreicht werden kann, wird auch unter gewissen Umständen Alles zu GEld gemacht. Ganz einfach im Grunde und wenig verwunderlich.

  16. 41.

    Sozialstunden? Eine Woche Chain-Gang im Zentrum ,zum Strassenreinigen,damit jeder die Gesichter dieser Typen sehen kann!

  17. 39.

    Gibt es eigentlich eine rechtliche Handhabe, gegen solche Geschäfte vorzugehen? Wir leben doch im Kapitalismus. Es ist einfach nur krank, aber wie leben in einer Gesellschaft , in der Geld die Nummer 1 ist.

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