Symbolbild: Ein Jugendlicher mit Mundschutz blickt an einem Berliner S-Bahnhof auf sein Handy. (Quelle: imago images)
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Mögliche Kontrolle von Handydaten - Das Mittel gegen Corona liegt nicht in der Hosentasche

Datenschutz lockern, um Corona einzudämmen? Aktuell wird diskutiert, ob man die Handydaten von Infizierten durchsuchen soll, um weitere Kontakte zu finden. Doch Experten dämpfen die Erwartungen und sehen Gefahren. Von Haluka Maier-Borst

Was Sie jetzt wissen müssen

Testen, testen, testen. Das ist die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Kampf gegen das Corona-Virus. Auch im bislang internen Strategiepapier des Bundesinnenministeriums wird gefordert die Testkapazitäten massiv auszubauen [tagesschau.de]. Doch noch eine andere Maßnahme wird zunehmend diskutiert: das "Location Tracking" von Handys.

Tatsächlich werden jetzt schon Handydaten ausgewertet, um den Fortschritt im Kampf gegen Corona besser nachzuverfolgen. Allerdings auf anonymisierter Basis und nur bis zu einer Detailschärfe von Landkreisen.

Einer, der daran beteiligt ist, ist Frank Schlosser von der Berliner Humboldt-Universität. Schlosser wertet derzeit mit anderen Kollegen Daten der Telekom im Auftrag des Robert-Koch-Instituts aus. So will man nachvollziehen, wie sehr sich Bewegungsmuster in den letzten Wochen verändert haben. "Wir können bislang sehen, dass die Bewegungen innerhalb der Landkreise aber auch zwischen den Landkreisen deutschlandweit um 45 Prozent abgenommen haben", sagt er gegenüber rbb|24.

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Besonders stark sei die Abnahme der Bewegungen in Großstädten wie Berlin, aber auch Hamburg und München zu spüren, erklärt Schlosser: "Wir reden da teilweise von einem Minus von bis zu 60 Prozent." Auch die Grenzregionen zum Beispiel zu Polen würden einen besonders starken Rückgang der Bewegung verzeichnen. All das deute darauf hin, dass die bislang beschlossenen Maßnahmen greifen.

Die Daten, die Schlosser und seine Kollegen haben, können somit zeigen, dass auch ohne drastische Maßnahmen wie in Italien deutlich weniger Menschen sich fortbewegen und wohl auch ihren Kontakt mit anderen reduzieren.

Aber diese Daten können noch weitaus mehr. Sie können Forschern dabei helfen zu verstehen, wie sich Krankheiten ausbreiten. So konnten vergangene Studien zeigen, dass sich mithilfe von Handydaten ziemlich genau nachverfolgen ließ, wie sich Röteln in Kenya [pnas.com], Ebola in Westafrika [plos.org] oder Dengue innerhalb des Stadtstaats Singapur ausbreiten [nature.com].

Und doch, wenn es um die Pläne des Gesundheitsministers geht, mit Handydaten auch einzelne Infektionsketten bei Corona zu klären, ist Schlosser vorsichtig: "Das ist eine gute Idee, ist aber technisch nicht so einfach."

Die mangelnde Präzision vieler Methoden

Der Grund dafür ist, dass die Auflösung der Daten zu niedrig ist. Denn zum jetzigen Zeitpunkt haben Mobilfunkanbieter lediglich Informationen darüber, in welcher Funkzelle ein Handy sich befindet, also mit welchem Funkmast es verbunden ist. Und diese Funkzelle ist selbst im besten Fall 100 Meter mal 100 Meter groß. Entsprechend helfen diese Daten nicht dabei festzustellen, zu wem eine infizierte Person über längere Zeit weniger als zwei Meter Abstand hatte.

Ähnlich ist es mit der GPS-Ortung. Auch diese kann im besten Fall metergenau sein, aber auch schnell mal einen Fehler von 7 bis 13 Meter aufweisen [plos.org]. Und in Gebäuden ist man noch viel ungenauer. Entsprechend sei nicht nachvollziehbar, ob jemand an einer Supermarktkasse neben jemandem stand, der später positiv getestet wurde - oder zwei Kassen weiter, gibt der Forscher Piotr Sapiezynski zu bedenken. Und er muss es wissen.

Wie sehr sich gemessener und tatsächlicher Abstand zwischen den Messmethoden unterscheiden

Sapiezynski hat als Forscher an der sogenannten Kopenhagener Netzwerk-Studie mitgearbeitet. In dieser Studie gab ein Forscher-Team um den Dänen Sune Lehman mehreren hundert Studierenden umsonst ein Handy. Die Bedingung: Im Gegenzug durften die Forscher alle Metadaten zur Handynutzung dieser Studierenden speichern. Also sei es wer wem Nachrichten schrieb oder wer in wessen Nähe auf dem Campus war. Die Studie, die 2012 begann, war ein Versuch mit Daten die Interaktion von Menschen nachzuzeichnen. "Das ging aber in unserem Fall auch nur, weil wir das Bluetooth-Signal mitbenutzt haben", sagt Sapiezynski.

Bluetooth nutzen viele vor allem um kabellose Boxen oder Kopfhörer zum Beispiel mit ihrem Handy zu verbinden. Es lässt sich aber auch dazu nutzen, um festzustellen, welches Handy in der Nähe von welchem anderen Handy war. Nur müssen dazu die Nutzer einwilligen und die entsprechenden Daten bei sich auf dem Handy speichern. "Für die vergangenen Tage können wir also solche Informationen nicht mehr herausfinden", erklärt Sapiezynski. Und der einzige Weg, um sie für die nächsten Wochen zu haben, wäre, dass sich möglichst viele Menschen eine spezielle App auf ihr Handy laden. 

Gibt es bald eine Anti-Corona-App?

Angenommen die Bundesregierung würde einen solchen Plan tatsachlich verfolgen: Würden sich Leute diese App freiwillig herunterladen und ihre Daten zum Rückverfolgen von Infektionen spenden, gäbe es zumindest kein größeres Problem mit der Privatsphäre. Und auch ließe sich im Fall von Bluetooth das Ganze technisch so lösen, dass Daten genügend anonymisiert wären.

Dennoch warnt Sapiezynski davor, dass eine solche App ein falsches Gefühl von Sicherheit geben könne: "Nur weil Sie keine Meldung bekommen, dass Sie mit keinem Infizierten in Kontakt waren, heißt das nicht, dass Sie tatsächlich nicht angesteckt wurden. Vielleicht hatte der Erkrankte einfach auch nicht die App."

Des Weiteren gibt der polnische Forscher zu bedenken, dass Eingriffe in den Datenschutz und die Privatsphäre klar auf eine gewisse Dauer beschränkt sein müssten, weil sie sonst wohl schnell zum Dauerzustand werden könnten. In China oder Südkorea haben zum Beispiel solche Apps dazu geführt, dass teilweise sehr private Dinge über Erkrankte bekannt wurden, wie zum Beispiel Affären.

Sapiezynski und Schlosser zeigen sich darum einig: Eine Art Corona-App könnte ein hilfreicher Ansatz sein, den man in einer derart angespannten Lage prüfen sollte. Doch welchen wirklichen Nutzen sie hätte und wie groß möglicherweise der Schaden für den einzelnen und die Gesellschaft ist, müsse man genau prüfen.

Beitrag von Haluka Maier-Borst

Kommentar

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Antwort auf [?] vom 02.04.2020 um 14:26
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28 Kommentare

  1. 28.

    Das seh ich genauso. Wer alles zu jeder Zeit permanent in all den sozialen Medien preisgibt, postet, kommentiert und jeden Quark, der eigentlich niemanden interessiert in die Welt schickt, den sollte es eigentlich nicht interessieren, wer was wann von ihm/ihr weiß. Die machen sich doch alle schon freiwillig "gläsern". Da dann nach Datenschutz zu schreien, finde ich immer wieder merkwürdig - ich lach mich schlapp!

  2. 23.

    ... ist nicht jedem gegeben, da hilft oft kein Diskutieren, weil bei einigen der Glaube stärker wirkt als Wissen.
    Ihre Einwände teile ich und es ist erschreckend, in welchem Umfang inzwischen persönlichste Daten wie selbstverständlich hergegeben werden. Ich vermute es liegt an einem Bildungsdefizit.

  3. 22.

    Lustig, dass noch jemand vom Datenschutz träumt. Vielleicht hätten sie nicht auf ein Smartphone wechseln sollen...

  4. 21.

    Richtig lesen hilft manchmal. Wenn Sie dass stört ist es Ihre Sache, mich nicht, WENN ES HELFEN WÜRDE........jetzt verstanden?
    Was ist daran ein asoziales Verhalten?
    Ich weiß ja nicht was Sie für Staatsgeheimnisse auf Ihrem Handy haben wenn Sie es mit"Nackt herumlaufen vergleichen", ich nehme meins zum telefonieren.

  5. 20.

    Also dieses "ich habe ja nichts zu verbergen" kann man einfach nicht mehr hören und grenzt schon fast an asoziale Verhaltensweisen.
    Oder anders gesagt dann einfach hier öffentlich ihre PIN mitteilen oder nackt draußen rumlaufen, sie haben ja nichts zu verbergen.

  6. 19.

    Bill Gates, der größte Geldgeber der WHO, sprach erst kürzlich darüber, per Impfung gleich einen Chip implantieren zu wollen, damit überprüft werden kann, wer gegen was geimpft wurde (und nebenbei vielleicht auch die Daten der Aufenthaltsorte abzugreifen). Die nächste Verschwörungstheorie, die wahr werden soll.

  7. 18.

    Bei der Bundeswehr gewesen als Ordonanz und bei etlichen Briefings dabei.
    Im übrigen ist das Handy mehrdimensional über mehrere Funkzellen genau zu orten.
    Mit einer ausländischen Sim und Handy dürfte es schwierig werden die IMEI zuzuordnen.
    Zum BKA Anruf den hat es gegeben. Ursache war der Autobahn Sniper auf der A3.. bei Köln.
    Nichts mit Fantasie und Kennzeichen Scan gab es schon damals, der Täter wurde gefasst.
    Satelliten lassen sich genau Positionieren. Google macht es vor. Nur sind die Daten absichtlich ungenau.
    Nur weil es manche Leute nicht glauben ist mein Post keine Spinnerei und wahre Begebenheiten.

  8. 17.

    Der Staat fing gut an sich der Situation Corona anzunehmen aber jetzt gefolgt von Überwachung ist das wohl das typische Verhalten wie wir es kennen. Bitte an alle Bürger Schutzmasken vergeben (kein 100% Schutz aber besser als keinen zu haben) das hilft sicherlich mehr als Überwachung.

  9. 16.

    Dem stimme ich zu 100 % zu. Der Staat hat gut angefangen sich um die Situation zu kümmern, aber jetzt wäre es auch meiner Ansicht nach sinnvoller sich um den Schutz der Bürger zu kümmern als über die Kontrolle. Getestet werden weiß ich wer, denn wenn man vermutet dieses Virus zu haben , gibt es keine Test und Mundschutz gibt es auch keinen. An der Stelle muss der Staat eingreifen.

  10. 15.

    Ist es am Schluss nicht völlig egal, wer einen angesteckt hat? Bei der Vielzahl der Infizierten begegnet man den Infizierten, aber NICHT getesteten doch inzwischen überall. Wie macht man es denn in Italien, kräht da noch ein Hahn danach, von wem man es hat, wenn man stirbt? Wir hinken den Italienern und Spaniern nur ein paar Tage hinterher. Solange wir nicht alle testen und keinen Mundschutz tragen, ist alles andere egal...

  11. 14.

    Quatsch mit Sosse! Bitte nicht Coronavirus als Vorwand nehmen, um Stück für Stück den totalen Überwachungsstaat einzuführen. Beschränkungen sind gut und richtig aber die totale Überwachung, geht mir zu weit. Ich halte genügend Abstand, bin schon vollkommen isoliert, genieße auch meinen "Zwangsurlaub" , erledige dringende Arbeiten zuhause . Dennoch hätte ich gerne etwas mehr Bewegungsfreiheit und möchte nicht wie ein Verbrecher behandelt werden, wenn mein " Einkaufsbummel", etwas weiter ausfällt. Konsequentes Vorgehen gegen Massenveranstaltungen und Menschenansammlungen, die den Ernst der Lage nicht erkannt haben. Keine unbescholtenen Bürger kriminalisieren.

  12. 13.

    Statt über die Lockerung des Datenschutzes diskutieren, sollte man endlich mal dazu übergehen, wie man dafür sorgt, dass flächendeckend ALLE einen Mundschutz tragen. Ob selbstgenäht, als Schal oder vom Bund bereitgestellt...es besteht ein Konsens in der Annahme, dass ein Mundschutz zumindest andere schützt. Wenn alle einen tragen würden, könnte das mehr erreichen, als die Lockerung des Datenschutzes. Da hat auch der Staat eine Verantwortung und könnte die Textilindustrie in die Pflicht nehmen. Das wäre einfach und effektiv.

  13. 12.

    Liebe Redaktion,
    ein gut recherchierter Artikel. An einigen Stellen sind allerdings die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen nicht ganz zu ende gedacht. Beispielsweise ist es völlig irrelevant ob jemand im Supermarkt an Kasse 3 oder 5 gestanden hat (absolute Position), relevant ist nur ob sich 2 Personen etwa auf unter 2 Meter angenähert haben (relative Position beider Geräte/Personen zueinander). Ob dieser Kontakt dabei an Kasse 3 oder 5 stattgefunden hat könnte bei Bedarf später ermittelt werden. Aus Datenschutzgründen wäre es sogar ratsam nur relative Positionen zu bestimmen und diese lokal auf den Smartphones zu speichern. Gerne erläutere ich Ihnen diesen sowie andere Punkte genauer. Mailadresse ist Ihnen ja nun bekannt.

  14. 11.

    Wenn es hilft sollen sie meine Daten auswerten. Ich habe nichts zu verheimlichen." Die wissen so wieso schon wie viel Toilettenpapier ich kaufe." also hört auf solche Panik zu machen.
    "Kopfschüttel"

  15. 10.

    Ein Chip im Perso den man orten kann? Wie soll denn das funktionieren? Im Perso ist ein NFC Chip eingebaut und der wird erst aktiv, wenn ein Lesegerät in der Nähe ist, das dann auch Strom liefert für den NFC Chip wie beim induktiven Laden. Dazu ist ein Abstand von Max. 10 Zentimetern möglich.
    Für eine ständige Ortung müsste der Ausweis also eine eigene Energieversorgung besitzen so wie eine deutlich effektivere Kommunikationslösung wie z.B. in Form einer eSIM.
    Und für die Leute die (eine nicht ganz unberechtigte) Angst haben das jemand die NFC Daten aus der Nähe abgreift, hier gibt es entsprechende Schutzhüllen in die man eine Karte schiebt.

  16. 9.

    In Zeiten von Verunsicherung streben viele Menschen nach Orientierung, nach Kontrolle, dem Verstehen ihrer Erlebniswelt. Das rechtfertigt jedoch nicht, Grundrechte, schon gar nicht ohne vollinstanzlich geprüfte Gesetze, auszuhebeln.

    Die Erfassung und Nutzung von personenbezogenen Daten, wie etwa Standortdaten, ist verfassungswidrig und ungesetzlich, solange es wiederum kein Gesetz gibt, das diesen Grundrechtseingriff regelt und des weiteren die betroffene Person nicht eingewilligt hat.

    Eine einzige(!) Studie als wissenschaftliche Relevanz heranzuziehen, unterstreicht die Hilflosigkeit: Studien sind eher im Plural aussagekräftig. Eine quantitative Arbeit mit 100 empirischen Teilnehmenden an einer Testgruppe, ist nur wenig mehr wert als das Horoskop. Menschenrechtsfokus? Null. Dänemark eben.

    Es ist eine Form von Gouvernementalität, sich zu entmündigen, unterzuordnen, Rechte abzutreten, zu denunzieren oder sogar das an Technologien abzutreten, die man selber nicht kontrolliert.

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