ILLUSTRATION - Eine Frau sitzt am 03.06.2019 in einem Buero in Berlin an ihrem Schreibtisch (Quelle: dpa/Gabbert)
Bild: dpa/Gabbert

Sechs Corona-Fälle in einem Großraumbüro - Bei diesen Symptomen sollten Sie sich besser krank melden

Mindestens sechs der Berliner Corona-Infizierten arbeiteten im selben Großraumbüro. Einer von ihnen war trotz Hustens und Schnupfens zur Arbeit gegangen. Aus diesem Fall lassen sich wichtige Lehren ziehen. Von Robin Avram

Was Sie jetzt wissen müssen

Er ist ein 22-jähriger Student, der in seinem Praktikum Einsatzbereitschaft zeigen wollte – und deshalb trotz Hustens und Schnupfens zur Arbeit ins Großraumbüro ging. Möglicherweise steckte er dort ein paar Kollegen an.

Diese Geschichte wäre unter normalen Umständen keine einzige Zeile wert. Sei es wegen hohen Arbeitsdrucks oder wegen eines sehr ausgeprägten Verantwortungsgefühls – der sogenannte Präsentismus ist in Deutschland weit verbreitet. Fast jeder zweite Arbeitnehmer ging im Jahr 2015 mindestens eine Woche lang krank zur Arbeit. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Deutschen Gewerkschafts-Bundes (Link als PDF)

Gravierende Folgen möglich

Doch der 22-Jährige hatte keine gewöhnliche Erkältung. Er hatte das Coronavirus – und wurde als erster in Berlin positiv darauf getestet. In der Folge wurden etliche Krisenstäbe einberufen, Dutzende Schlagzeilen gedruckt und mehrere Sondersendungen produziert.

Der aktuelle Stand ist: Sechs weitere der insgesamt 15 inzwischen bestätigten Berliner Corona-Infizierten arbeiteten im selben Großraumbüro wie der 22-Jährige. Zwar ist noch unklar, ob der 22-Jährige die anderen ansteckte - oder ob er selbst andersherum von einem Kollegen oder einer Kollegin infiziert wurde.

Für Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité, verdeutlicht der Fall jedoch, dass es derzeit gravierende Folgen haben kann, mit Krankheits-Symptomen zur Arbeit zu gehen. "In der jetzigen Lage würde ich empfehlen, bei einem beginnenden Halsschmerz, in Kombination mit Frösteln oder Fieber, nicht zur Arbeit zu gehen. Nach einem Tag weiß man erfahrungsgemäß, ob es besser wird", sagte Drosten rbb|24.

Arbeitskollegen machen 22-Jährigem keinen Vorwurf

Für die Menschen, die in dem Berliner Großraumbüro gearbeitet haben, kommt dieser Tipp zu spät. Doch rbb|24 hat aus Kreisen der Mitarbeiter erfahren: Keiner dort macht dem Studenten Vorwürfe, weil dieser krank zur Arbeit gegangen ist und andere möglicherweise mit Corona angesteckt hat. Die gesamte Bürogemeinschaft wünsche dem 22-Jährigen alles Gute und eine rasche Genesung. 

Dass der 22-Jährige sich durch Bericherstattung von rbb|24 an den Pranger gestellt fühlen könnte, haben wir intern kritisch diskutiert. Wir betitelten den Text, der größtenteils aus einem Interview mit einem in Quarantäne stehenden Büro-Kollegen des 22-Jährigen bestand, mit dem Satz "Er saß zwei Wochen lang hustend im Großraumbüro".

Wer das ganze Interview liest, müsste zwar bemerken, dass der Interviewte den 22-Jährigen darin in keinem Wort kritisiert. Doch die Überschrift gerinnt gerade in sozialen Medien leicht zu einem Schlagwort – oder wird aus dem Zusammenhang gerissen. Das werden wir aus diesem Fall lernen.

Morgendlicher Test an der Charité

Der 22-jährige Student hält sich weiterhin auf einer Isolierstation des Virchow-Campus der Charité auf. Covid-19 nimmt bei ihm nur einen leichten Verlauf – so wie bei den allermeisten 350 bislang in Deutschland infizierten Patienten.

Doch wie schützt die Charité eigentlich ihre eigenen Mitarbeiter davor, einander anzustecken? Ärzte und Krankenschwestern gehen laut DGB-Studie schließlich von allen Berufsgruppen selbst am häufigsten krank zur Arbeit. "Inzwischen gehen wir in einen Modus über, dass wir alle Mitarbeiter, die leichte Erkältungssymptome haben, jeden Morgen auf den Coronavirus testen", erläutert Charité-Virologe Drosten.

Schon am Abend sei dann das Ergebnis des Tests da. Die Coronaviren würden mit dem Test zuverlässig so rechtzeitig detektiert, dass die betreffende Ärztin oder der betreffende Krankenpfleger noch nicht ansteckend sei. So können Arbeitnehmer mit leichten Krankheitssymptomen weiterhin zur Arbeit gehen.

Es ist ein Sicherheitsnetz, das sich derzeit wahrscheinlich viele Arbeitgeber in der Stadt gerade händeringend wünschen – welches aber bis auf Weiteres nur dem Krankenhaus-Personal vorbehalten ist.   

FAQ zum Umgang mit dem Coronavirus

  • Ich fürchte, infiziert zu sein. Was tun?

  • Was passiert mit möglichen Infizierten?

  • Was passiert mit Kontaktpersonen?

  • Welche Kapazitäten haben die Kliniken?

  • Welche Reisebeschränkungen gibt es?

  • Wie viele bestätigte Fälle gibt es?

  • Ist das Virus meldepflichtig?

  • Was ist das Coronavirus?

  • Woher kommt das Virus?

  • Wie kann ich mich anstecken?

  • Wie ansteckend ist das Virus?

  • Wer ist besonders gefährdet?

  • Wie funktioniert der Test?

  • Was sind die Symptome?

  • Wie kann ich mich schützen?

  • Welche Behandlung gibt es für Infizierte?

  • Gibt es Immunität gegen das Virus?

  • Wie hoch ist die Sterberate?

Beitrag von Robin Avram

9 Kommentare

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  1. 9.

    Unverständlich - wie kann man erst NACH Eintreten von Symptomen morgens testen - dann darf der AN weiter arbeiten den ganzen Tag, weil ja keine Ansteckungsgefahr vorliegt - und abends nach dem Test (positiv) muss er in Quarantäne? Man ist symptomlos ansteckend, mit Symptomen aber erst recht - und soll dann erstmal arbeiten gehen? Weil man nicht ansteckend ist? Oder werden etwa ALLE Mitarbeiter morgens getestet und abends jeweils die ansteckenden aussortiert? Da ist was nicht stimmig im Artikel...

    Natürlich kann der gemeine AN sich nicht einfach krank melden - man muss teilweise ab 1. Tag zum Doc für die Krankschreibung. Wo soll man die herbekommen, wenn man den Doc nicht aufsuchen darf? Da geh ich doch lieber weiter ins Büro, will ja den Job behalten - wie der sog. Praktikant, Patient 1, der sich vermutlich auch nur irgendwo im Büro angesteckt hat bei einem Verschnupften...

  2. 8.

    Jetzt sollte bloß nicht jeder Schein-schwächeln, sonst schwächeln mal die BSR, BVG, Strom- und Gasversorger mal sehen wie blöd man dann guckt.

  3. 7.

    Diese Erkältungssymtome habe ich alle Jahre wieder. Nach 2 bis 3 Wochen ist alles wieder gut. Meine Familie hat überlebt und ich lebe auch noch.

  4. 6.

    Mich verwundert diese Aussage auch. Die Inkubationszeit wird im Allgemeinen mit 14 Tagen angegeben. Das heißt man kann 14 Tage das Virus in sich tragen ohne Krankheitszeichen zu merken. Das Virus ist in der Zeit detektierbar.
    Ich erinnere mich nicht an die Quelle, aber die Übertragbarkeit des Virus wird mit 2 Tagen vor Auftreten von Symptomen angegeben (das ist auch so bei ähnlichen Krankheiten). Das heißt ich kann das Virus übertragen, ohne Symptome zu zeigen. In dem Moment, wo aber Symptome auftreten, bin ich auch ansteckend. Das sollte tatsächlich noch einmal klargestellt werden.

    … schon am Abend sei das Ergebnis da? What? Die RT-PCR dauert doch max. 2 Stunden. Gabs nicht irgendwo einen Artikel, dass die meiste Zeit beim Probentransport draufgeht? Die werden es doch schaffen die Proben bis ins Labor in unter 3 Stunden zu bringen.
    Egal - von der Couch sieht das alles so einfach aus. Ihr macht das schon!

    Warum hamstern alle Klopapier und keine RT-PCR-Maschinen? o_O

  5. 5.

    Sehr geehrtes RBB-Team, lernen Sie daraus, dass die Überschrift zum Schlagwort wird oder lernen Sie daraus, dass man die Überschrift in Zukunft vorsichtiger wählen muss? Ich vermute mal Letzteres, daher finde ich gut und richtig, dass Sie Ihr eigenes Handeln hinterfragen und dieses Reflektieren auch an die Öffentlichkeit kommunizieren.

  6. 4.

    jede hier versteht wohl, dass diese Situation für sehr viele Arbeitnehmer*innen untragbar ist. Erkältungssymptome - aber bitte keine Arztpraxis aufsuchen, sondern zu Hause bleiben und Hotline anrufen, weil Ansteckungsgefahr. Krankschreibung? - Tja. Arbeitsplatz in Gefahr? Tja.

    Wie kann es sein, dass eine Gesellschaft ihrer Unternehmerkaste so dermaßen hörig ist, dass so simple Zusammenhänge nicht aufgezeigt und die entsprechenden Forderungen an die Arbeitgeberseite gerichtet werden, nämlich dass es keinen Nachteil für Arbeitnehmer*innen bringen darf, wenn sie sich in Sachen Seuchenschutz am Wohl der Allgemeinheit orientieren?!

  7. 3.

    weil die Coronaviren mit dem Test zuverlässig so rechtzeitig detektiert werden

  8. 2.

    Mir leuchtet nicht ganz ein, warum ein Krankenhausmitarbeiter, der (aufgrund einer Ansteckung mit Covid-19) leichte Erkältungssymptome hat, zu dem Zeitpunkt, wo dies bereits wahrgenommen wird, noch nicht ansteckend sein soll, also bei leichten Symptomen weiter arbeiten können soll. Es heißt doch immer wieder, dass man Überträger sein kann, selbst wenn man noch keine Symptome bei sich bemerkt.

  9. 1.

    "Aus diesem Fall lassen sich wichtige Lehren ziehen." Z.B dass man nicht Menschen durch ein "Praktikum" ausbeutet, denn die Praktikanten werden wegen ihrer prekären Situation und der Hoffnung auf ein Weiterkommen auch krank zur Arbeit gehen oder anderes über sich ergehen lassen. Das ist es nämlich. Arbeit. Die Bezeichnung Praktikum ist Entrechtung und damit Sklaverei.

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