Rheingau-Gymnasium in Friedenau (Quelle: Privat)
Bild: Privat

Schulschließungen in Berlin - Wie sich Schüler auf die große Corona-Pause einstellen

Die Schulen in Berlin sind ab Dienstag wegen des Coronavirus' geschlossen, mindestens fünf Wochen lang. Unterricht soll es weiterhin geben. Kurz vor der großen Pause ist vieles noch unklar. Lisa Splanemann hat mit Schülern, Eltern und Lehrern gesprochen.

Was Sie jetzt wissen müssen

Maike und Hendrike schließen kurz vor Schulbeginn ihre Fahrräder auf dem Schulhof des Rheingau-Gymnasiums in Friedenau ab. Der heutige Montag ist ihr letzter Schultag, ab morgen werden die Berliner Schulen aufgrund des Coronavirus' bis einschließlich der Osterferien bis zum 19. April geschlossen bleiben.

Die Lehrer der beiden Achtklässlerinnen haben die Schüler bereits informiert und werden Schulaufgaben künftig per E-Mail verschicken. Hendrike erzählt, dass sie in den kommenden Wochen beispielsweise ein Buch für den Deutschunterricht lesen sollen. "Ich werde auch in meiner Freizeit viel lesen und die Zeit gut nutzen", sagt die 14-Jährige. Soziale Kontakte werde sie aber erst einmal meiden und zu Hause bleiben. Maike hält es genauso wie ihre Mitschülerin, "mit meinen Freunden werde ich demnächst via Videochat Kontakt halten".

Die Schüler haben heute zudem eine Einweisung in die Plattform "Lernraum Berlin" erhalten, auf der künftig Unterrichtsmaterialien hochgeladen werden sollen.

Schüler möchten ältere Generation unterstützen

Eine Lehrkraft berichtet, sie habe sich in den vergangenen Tagen mit dem Hochladen von Dateien beschäftigt und Arbeitsblätter digitalisiert. Ihren Schülern wurde eine Kontakt-Mailadresse gegeben, über die kommuniziert und Material verschickt werden soll.

Die Schülerinnen und Schüler wurden in den vergangenen Tagen gründlich über das Virus und die Verhaltensweisen aufgeklärt. Auf dem Schulgelände halten sich viele an die Vorsichtsmaßnahmen – so werden meist ein bis zwei Meter Abstand zu den anderen Mitschülern gehalten, an einigen Schulranzen baumeln bunte Desinfektionsmittelfläschchen.

Viele der Schüler des Rheingau-Gymnasiums nutzen die große Pause am Vormittag, um ein paar Sonnenstrahlen auf dem Schulhof zu tanken. Eine Gruppe überlegt, ob sie älteren Leuten künftig ihre Hilfe beispielsweise bei Einkäufen anbieten kann. "Schließlich haben wir jetzt mehr Zeit", wirft eine Schülerin in die Runde. Eine andere nickt, "wir sind gegebenenfalls weniger von dem Virus betroffen und können deshalb helfen."

Schüler müssen neue Prüfungstermine in Kauf nehmen

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) gab bekannt, dass die MSA-Prüfungen für die Fächer Deutsch, Mathematik und die erste Fremdsprache um zweieinhalb Wochen verschoben werden sollen. Zehntklässlerin Judy ist von der Prüfungsverschiebung betroffen. In der großen Pause sitzt sie mit ihren Freundinnen auf einer Bank auf dem Schulhof des Gymnasiums.

"Ich möchte die Prüfungen eigentlich so schnell wie möglich hinter mich bringen." Zehntklässlerin Katanda sitzt neben ihrer Mitschülerin. Auch sie hätte gerne ein Häkchen hinter die Prüfungen des Mittleren Schulabschlusses gemacht. So habe sie aber "mehr Vorbereitungszeit" und könne sich mit ihren Mitschülern über die sozialen Medien "über den Lernstoff austauschen".

Letzter Schultag für die Abiturienten

Auf der Straße vor dem Rheingau-Gymnasium sind die Schüler des Abiturjahrgangs unterwegs. Für sie ist der Montag der offiziell letzte Tag, es folgen nur noch die Abiturprüfungen, die derzeit planmäßig stattfinden sollen. Auch Abiturient Mattheo ist unter ihnen. Verkleidet als Siebzigerjahre-Musiker möchte er seinen letzten Schultag in vollen Zügen genießen: "Eigentlich hatten wir eine ganze Mottowoche mit unterschiedlichen Verkleidungen geplant", so der 18-Jährige, "jetzt ist daraus nur dieser eine Tag geworden". Deshalb müsse man heute das Beste daraus machen und sich von dem Virus nicht unterkriegen lassen. "Das Wichtigste ist, dass das Leben jetzt weitergeht."

Er wolle weiterhin seine Freunde treffen und werde sich nicht gänzlich zu Hause einigeln. Auch Mitschülerin Kara sieht das so, "wir werden uns nicht an öffentlichen Orten aufhalten, aber trotzdem weiterhin Kontakt zueinander halten." So könne man beispielsweise gemeinsam für die Abiturprüfungen lernen. Währenddessen holt eine Mutter ihre Tochter von der Stechlinsee-Grundschule auf der gegenüberliegenden Straßenseite ab. Sie erzählt, dass sie ab dem morgigen Dienstag im Homeoffice arbeite. Für sie sei die Betreuung ihrer achtjährigen Tochter somit kein Problem. "Aber die nächste Zeit wird definitiv anstrengend", sagt die 43-Jährige.

Sendung: Inforadio, 16.03.2020, 9 Uhr

FAQ zum Umgang mit dem Coronavirus

  • Ich fürchte, infiziert zu sein. Was tun?

  • Was passiert mit möglichen Infizierten?

  • Was passiert mit Kontaktpersonen?

  • Welche Kapazitäten haben die Kliniken?

  • Welche Reisebeschränkungen gibt es?

  • Wie viele bestätigte Fälle gibt es?

  • Ist das Virus meldepflichtig?

  • Was ist das Coronavirus?

  • Woher kommt das Virus?

  • Wie kann ich mich anstecken?

  • Wie ansteckend ist das Virus?

  • Wer ist besonders gefährdet?

  • Wie funktioniert der Test?

  • Was sind die Symptome?

  • Wie kann ich mich schützen?

  • Welche Behandlung gibt es für Infizierte?

  • Gibt es Immunität gegen das Virus?

  • Wie hoch ist die Sterberate?

Beitrag von Lisa Splanemann

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

10 Kommentare

  1. 10.

    oha ... ich sehe gerade, dass ARD alpha meine Idee bereits umgesetzt hat ... also war vll nicht NUR meine Idee? Gucke gerade "Schule zuhause" jetzt: Deutsch-Unterricht für ca. 7-8 Klasse(?.

  2. 9.

    An alle Antwortenden: ich gehe mit allen ihren Kommentaren und hinweisen gerne konform. Es geht an anderen Schulen auch anders. In der Tat rächt sich die Vernachlässigung von Fortbildungen und dem Entwickeln von sinnvollen, modernen (Medien-) Konzepten. Vielleicht ist dieser Hinweis auch überflüssig. Aber die bildungssenatorin betonte sehr deutlich, dass sie so zufrieden sei mit den getroffenen Maßnahmen. Leider zeigt sich bei unserem Einzelfall, dass dies doch auch stark von der einzelnen Schulleitung abhängig ist, wie man damit umgeht - und auch den einzelnen Kolleginnen. Insofern war der Kommentar auch als Kritik an die eigene Klientel gerichtet... (p.s.: ich bin gut vorbereitet, informiert und teile dies auch gerne- mit Schülerinnen und Kolleginnen)

  3. 8.

    Spielplätze geschlossen, an dem Punkt dachte ich, jetzt reicht es wirklich !!
    5 Wochen Kasernierung im Frühling in der Grossstadt ? Im Park kann ich die Kinder auch nicht einzeln irgendwo hinsetzen, die wollen sich bewegen und sich austauschen. Fahrradfahren und Wandern allein?
    Typisch Deutsch, immer von einem Extrem ins andere.
    In den Notbetreuungskitas sitzen die Kids grad alle aufeinander und grosse Spielplätze dürfen sie noch nicht mal betreten, wenn diese leer sind. Das Klettern u Toben ist weit ungefährlicher an frischer Luft als wenn die Kids in geschlossenen Räumlichkeiten hocken.
    Diese isolation wird über diese mind 5 Wochen gefährlicher für die Kinder als das Virus.

  4. 7.

    Sie haben Pflichten als Lehrer. Wenn Ihre Schulleitung Sie daran erinnern muss, besagt das doch einiges. Jetzt rächt es sich natürlich für viele Lehrkräfte, sich digital bisher nur zum nötigsten durchgerungen zu haben. Arbeitnehmer*innen in der freien Wirtschaft konnten sich ein derartiges Aussitzen der Digitalisierung glücklicherweise nicht leisten.

  5. 6.

    Idee für Unterricht: Also meine eigene Schulzeit, sowie auch die meiner Kinder ist ja schon laaange vorbei ... allerdings erinnere ich mich noch sehr gut daran, was wirklich effektiv und Spaß bringend war - hin und wieder wurden uns Filme vorgeführt! Lehrfilme hießen die damals ... vom Sachkundeunterricht angefangen bis in die Fremdsprachen hinein. Neuerdings hörte ich auch von einem Rapper, der Matheformeln einprägsam werden lässt (youtube) ... Bitte Ihr Lehrer, werdet kreativ und stellt in Eure Hausaufgaben derartige Links ... umso begeisteter werden Eure Schüler trotz Corona-Pause lernen...

    Auch dort, wo nicht jede Familie über die notwendige Internetstruktur verfügt, könnte das "Schulfernsehen" eine effektive Methode sein, Schülern Wissen nahe zu bringen - auf eine Art und Weise, die sie mehr mögen als Frontalunterricht oder Ersatzunterricht durch Eltern etc. .... Ein guter Beginn ist ja schon gemacht: Die Maus läuft jetzt täglich ... Macht aus Euren Fernsehern LERNseher! :)

  6. 5.

    @Kathinka: Ganz genau so ist es. Das konnte ich heute auch beobachten. 20-30 Schüler im gemütlichen Kreis auf dem Rasen. Dicht an dicht. Aber nicht nur die Schüler. Ich habe sehr große Befürchtungen, dass der Ernst der Lage bei sehr vielen noch nicht angekommen ist. Auch die Straßencafés waren gut besucht. Vor kleinen Pizzerien, Dönerläden usw. haben die Menschen ohne Abstand nebeneinander gesessen. Auch in Supermärkten und Drogerien von Abstand an der Kasse nichts zu sehen. Bin begeistert. So wird das nichts mit der Eindämmung. Leute, Leute! Die Anordnungen der bisherigen Ladenschließungen reicht daher nie und nimmer. Wir verschenken wertvolle Zeit.

  7. 4.

    Das geht auch anders in der gleichen Stadt: Bei uns: DienstBesprechung auf Mensa und Weiteren großen Raum aufgeteilt. Genug Abstand für alle. Sehr zielorientiert und informativ, obwohl sich die Meldungen immer wieder überschlagen. Schüler kamen erst nach der Besprechung und gingen nach einer Orgastunde wieder oder schrieben angesetzte Arbeiten Aufgeteilt auf 2 Räume pro Klasse, um Abstand zu gewährleisten. Vorbildlich!

  8. 3.

    Wo? Wie? Was?
    Mein Kind hat keine Aufgaben erhalten. Keinerlei UInterstützung seitens der Lehrer!!!
    Alle müssen irgendwie weiter arbeiten. Ist es da zu viel verlangt wenn Lehrer Arbeitsblätter per email verschicken und bei Rückfragen zur Verfügung zu stehen? Ich finde es unverschämt was da mit unseren Kindern gemacht wird. Schule zu? Okay, wenn es sein muss. Eltern unterstützen ihre Kinder zu Hause: natürlich. ABER: Ich erwarte das auch Lehrer ihrem Job nachkommen für den sie schließlich bezahlt werden! Etwas Sendung mit der Maus zu senden - das kann es nicht sein!

  9. 2.

    Gut zu wissen, dass es auch vernünftige Schüler gibt. Heute habe ich mich im Volkspark Wilmersdorf doch sehr über angetrunkene und " kuschelnde" Schülergruppen geärgert. Sie saßen eng gedrängt auf dem Boden oder standen auf dem Weg rum. Von 2 m Mindestabstand oder Vermeidung von Sozialkontakten keine Spur, nur die Party zählte. Anscheinend ist der Ernst der Lage bei etlichen Jugendlichen. noch immer nicht angekommen. Für Abiturienten, die ja eigentlich eine Reifeprüfung ablegen ein Armutszeugnis. Dass eine Viruserkrankung sich exponentiell entwickelt, und was das bedeutet, sollten die Kids ja schon mitgekriegt haben. Bin gespannt, ob da mal irgendwann ein Denkprozess einsetzt, vielleicht erst wenn hier in wenigen Tagen auch wie in Italien oder sonst wo die Leute sterben wie die Fliegen und es dann auch jemanden aus dem eigenen Umfeld trifft. Die nächste Zeit ist definitiv nicht die Zeit für Parties und auch von der Jugend kann man Verantwortung erwarten. Sonst kann die Politik irgendwann nicht anders als eine Ausgangssperre zu verhängen, die für alle Menschen in Berlin noch viel belastender sein wird. Wacht endlich auf!!!

  10. 1.

    ...Schule geschlossen? Absurd! Heute: sämtliche Schülerinnen haben zu erscheinen. Etliche auch mit Erkältungssymptomen. Provisorische Dienstbesprechung mit mehr als 50 Kolleginnen im engen, stickigen Lehrerzimmer. Höchstabstand: 50cm. Wichtigste Botschaft der Schulleitung: das sind keine Ferien! Decken sie die Schülerinnen mit Arbeit ein! Präsentationsprüfungen finden selbstverständlich statt!!! Sie befinden sich auf Abruf! Von der ersten bis zur letzten Stunde hat Unterricht stattzufinden! ...das ist Schul Realität In Berlin.

Das könnte Sie auch interessieren