Symbolbild: Eine junge Frau joggt ohne Mundschutz durch einen öffentlichen Park. (Quelle: imago images)
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Statistik in Berlin und Brandenburg - Warum es zu Corona-Genesenen keine sicheren Zahlen gibt

Vereinzelt sieht man auf verschiedenen Webseiten Angaben zu den Menschen, die von Corona genesen sind. Doch wirklich verlässliche Zahlen gibt es nicht. Warum das so ist - und warum das Blut der wieder Gesunden so wichtig ist. Von Haluka Maier-Borst

Diese Zahl wäre ein echter Hoffnungsschimmer - die der Corona-Genesenen. Aber sie wird nur sehr selten ausgewiesen, auch rbb|24 verzichtet bisher darauf. Und das hat seine Gründe.

Offiziell gibt es vom Robert-Koch-Institut (RKI) keine Statistik dazu. Im Infektionsschutzsgesetz [gesetze-im-internet.de] ist zwar festgehalten, dass Gesundheitsämter Dinge melden müssen wie den "Tag der Erkrankung, Tag der Diagnose, gegebenenfalls Tag des Todes und wahrscheinlicher Zeitpunkt oder Zeitraum der Infektion". Für die Genesenen gibt es aber keine Meldepflicht. Und das macht auch durchaus Sinn.

Erkrankte müssen isoliert und behandelt werden, ihre Kontaktpersonen schnell ausfindig gemacht werden. Genesene sind aber erstmal kein akutes Problem für das Gesundheitsamt mehr. Darum gibt es keine einheitlichen Zahlen.

Wie kommt es trotzdem zu den Genesenen-Zahlen?

Trotzdem weisen einige Brandenburger Landkreise und Städte Fallzahlen von Genesenen aus, auch Berlin macht das. Allerdings gibt es dabei wohl kein einheitliches Vorgehen und auch Unschärfen in der Definition. Die Stadt Brandenburg beispielsweise schreibt von zwei genesenen Personen [stadt-brandenburg.de], bei denen mittlerweile die 14-tägige Quarantäne abgelaufen sei und die Personen keine Symptome mehr hätten.
 
Das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) hingegen schreibt in seinem epidemiologischen Bulletin der vergangenen Woche [kv-berlin.de]: "Für 384 Covid-19 Fallpersonen, die häuslich isoliert wurden, sind bereits mehr als 14 Tage seit dem Erkrankungsbeginn vergangen. Gemäß der Kriterien des Robert Koch-Instituts können diese Patient*innen aus der häuslichen Isolierung entlassen werden und somit als genesen gelten." Dass in Berlin so die Genesenen gezählt werden, bestätigt der Senat auf Rückfrage.
 
Von Symptomfreiheit ist in dieser Definition allerdings nicht die Rede. Genau das ist aber ein entscheidendes Kriterium neben den 14 Tagen: Denn das RKI [rki.de] selbst schreibt, dass neben der zwei Wochen seit der Erkrankung auch die letzten 48 Stunden ohne Symptome vergangen sein müssen, damit jemand als genesen aus der häuslichen Isolation entlassen werden kann. Berlins Genesenen-Zahlen sind also damit rein errechnet und basieren noch dazu auf einer leicht anderen Definition als das RKI.
 
Als Bundesland insgesamt weist Brandenburg dagegen keine Genesenen-Fallzahlen aus. Wieso das so ist, konnte aber zum jetzigen Zeitpunkt die Pressestelle des Gesundheitsministeriums nicht erklären.

Wann gelten Krankenhaus-Patienten als genesen?

Für Corona-Infizierte, die ohne Einschränkungen als genesen aus dem Krankenhaus entlassen werden sollen, gelten striktere Regeln: Sie müssen 48 Stunden symptomfrei gewesen und bei zwei Abstrichen innerhalb der letzten 24 Stunden negativ getestet worden sein.  

Für diejenigen, die zwar aus dem Krankenhaus entlassen, aber dann in häusliche Isolation geschickt wurden, ist die Definition wieder eine andere: Um als genesen zu gelten, muss der Krankenhausaufenthalt 14 Tage zurückliegen und sie müssen 48 Stunden symptomfrei gewesen sein.

Wozu aber die Genesenen wichtig sind

Trotzdem sind die Genesenen wichtig und das nicht nur, weil sie einen Hoffnungsschimmer in der Krise geben. Tatsächlich könnte ihr Blut von Nutzen sein: Wie nämlich eine erste Studie aus China nahelegt [jamanetwork.com], enthält das Blutplasma von genesenen Corona-Infizierten Antikörper, die schwer an Corona Erkrankten helfen können. Aktuell gibt es auch erste Aufrufe in Deutschland für Genesene, ihr Blut zu spenden.

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Antwort auf [berlinberlin67] vom 01.04.2020 um 22:36
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25 Kommentare

  1. 25.

    Du hast schon recht! Am Anfang hat die Politik alles verharmlost, Karneval feiern lassen und selber sogar den politischen Aschermittwoch, nur deshalb half dann nur noch der Lockdown.Es durfte keine Überbelastung der Intensivstationen geben, jetzt sind über 10 000 Betten dort frei, weitere ca. 18 000 kurzfristig möglich—jetzt könnte schon einiges erlaubt werden! Wir Menschen sind ja jetzt auch mindestens so lernfähig wie unsere Politiker und starke Anstiege der Zahlen sind bei unser heutigen Abstand und Hyghieneregelung nicht mehr so zu befürchten wie früher als man uns einfach Karneval wie immer feiern ließ! Überlegt mal was passiert wäre wenn der Heinsberger in Köln Karneval gefeiert hätte....zum Karneval wäre ein # zuhause sinnvoll gewesen, jetzt nicht , jetzt sollte man lieber überall Abstand halten und wieder an seiner Kritikfähigkeit arbeiten, zB. RB die Story ,Corona in Bayern 45min. Sehen! Bleibt gesund- draußen gesund trainieren und entspannen!

  2. 24.

    Hallo, Vorsicht es bringt nichts alles zusammen zuwerfen, der Coronavirus ist nicht mit Grippe identisch, wenn ein Impfschutz gegen ihn entwickelt ist wird er gezielt wirksam sein ,da der Coronavirus anders als ein Grippevirus , eben nicht mutiert.Ob aber der Impfschutz kommt , wie schnell er verteilt ist und mit welcher Wirkung/ Nebenwirkung ist ungewiss.
    Jede Gesellschaft sollte sich deswegen mit hoher Anzahl von Intensivbetten ausstatten und dringend zu starke Anstiege von Neuinfektionen vermeiden.In Deutschland wurde erst viel zu spät reagiert, statt mit Schulschliessungen wurden nur Großveranstaltungen ab 1000 Teilnehmern verboten, siehe BR Doku die Story Corona in Bayern 45min.,später war dann der Lockdown die letzte Möglichkeit wirksam zu reagieren.Mit Antibiotika Resistenz hat das nichts zu tun! Langfristig muss jede Gesellschaft dafür sorgen ( mit Gesundheitssport —Ausdauertraining!)das es weniger Menschen mit Vorerkrankungen gibt- alt wird fast jeder....Gesund Trainieren!

  3. 23.

    Hallo, ja das wird sehr unlogisch gehandhabt und sorgt für vermeidbare Verunsicherung und Angst-von der Infektionszahl muss immer die Zahl der Toten und Genesenen abgezogen werden. Die Zahl der Genesenen wird auch nur geschätzt. So gibt es zB in Krefeld schon sehr lange konstant nur ca. 100 Infizierte wenn man das ausrechnet, bei immerhin 240 000 Einwohnern.
    Übrigens sind mittlerweile 12 000 betriebene ntensivbetten frei (laut Intensivregister) weitere ca.18 000 könnten schnell bereitgestellt werden.Schwere Operationen werden deswegen doch wieder durchgeführt......Bleibt gesund!

  4. 22.

    Ich habe eine Frage, und zwar werden täglich bei den Nachrichten nicht nur die infizierten und toten angezeigt sondern auch die der genesenen und ich weiß nicht ob die über 70.000 genesenen zu den mehr als 130.000 infizierten gelten demnach hätten wir "nur" 60.000 infizierten.
    Weiß es jemand?

  5. 21.

    Die ursprüngliche Grippeschutzimpfung sollte ja angeblich auch nicht mehr schützen, weil das Virus sich verändert hatte. Hatte dann auch lange gedauert bis alle mit dem neuen Impfschutz versorgt werden konnten. Der Impfstoff gegen Corona soll frühestens in 18 Monaten zur Verfügung stehen. Hat sich das Virus dann auch verändert und der Grippeschutz funktioniert aus dem Grund auch wieder nicht mehr wie gewünscht, und dann noch das Thema Antibiotika, was Tonnenweise in Schweinezucht und sonst wo verfüttert wird, beim Menschen keine Wirkung zeigt, weil Keime Resistent sind. Die haben wir auch noch in den Krankenhäusern. Platzwunde am Kopf, Blut vergiftet, Beine ab. Da kommt einiges auf uns zu. Und Kieker Tourismus lädt schon wieder ein zum Sightseeing. In dem Reisebus gleich mit Beatmungsmasken, Neckermann macht`s möglich!

  6. 20.

    Meiner Meinung wäre es an der Zeit, über einen "Immunitäts-Ausweis" - als Genesenden-Nachweis nachzudenken. Diese Personen könnten dann so nach und nach wieder ein "normales Leben" aufnehmen. Vor allen Dingen wären sie in der Krankenhaus- und Altenheim-Vesorgung sehr willkommen. Sie könnten ohne Schutzausrüstung arbeiten... Oder Ihr kleines Geschäft wieder eröffnen...

  7. 19.

    So isses. Und bei den Zahlen aus den USA hätte ich gerne die Information, dass es dort mehr als 327 Millionen Einwohner gibt. Die Zahl der Kranken bzw. Infizierten dann in Prozent - na das würde doch nicht so schocken! Und dass dort sehr viele Leute gar keine Krankenversicherung haben, sollte auch mal erwähnt werden; die Voraussetzungen sind völlig andere als hier.

  8. 18.

    Witzig wie sie schreiben, dass in Berlin nicht symptomfreie Menschen aus der Quarantäne entlassen werden, sich dann aber nur Gedanken machen ob die Zahlen exakt sind.

    Sollte man sich nicht lieber Gedanken machen, dass in Berlin jemand mit Corona Symptomen frei rumlaufen darf?

  9. 17.

    Solange man keine validen Zahlen der Genesenen hat, sind alle Statistiken zu Corona völlig nutzlos. Darüber hinaus würden diese Zahlen auch zur Beruhigung der Menschen beitragen.

  10. 16.

    Es ist in meinen Augen unverständlich, daß es keine vernünftige Definition für "Genesen" gibt. M.M. nach ist genesen, wer eindeutig positiv getestet wurde und Symptome gehabt hat. Die evtl. hohe Dunkelziffer der infizierten symptomfreien Menschen geht ja eh nicht in die Statistik ein. Und ob alle Menschen in Quarantäne auch tatsächlich infiziert sind, oder nur vorsorglich in Quarantäne geschickt wurden, dürften nicht in die Zahl der Infizierten eingerechnet werden.

    Vielleicht sollte man sich behördlicherseits ma lan eine vernünftige verbindliche Definition ranmachen. Sonst verkommt das ganze zur Taschentrickspielerei.

    Vernünftige politische Entscheidungen kann man nur auf verläßliche Zahlen stützen, ansonsten kann ich auch die Glaskugel bemühen. Unserer aller Zukunft ist davon betroffen.

  11. 15.

    Sehr geehrtes RBB, viele Ältere haben keinen Zugang zum Internet & sind d. tgl. Zahlen noch mehr "ausgeliefert": Bitte unterscheiden Sie, wenn möglich - noch viel deutlicher:
    (a)("nur") "Infiziert" ist nicht gleich "erkrankt": Wir alle schleppen das Virus eh schon lange mehr oder weniger überall herum. Aber nicht alle erkranken("schwer"). Wenn zZt. nur wenige Leute sich (in d. Arbeit) begegnen, woher kommen dann die steigenden Fallzahlen, wo doch alle zH. oder isoliert oder auf Distanz sind. Wer überträgt denn derzeit überhaupt noch und WO?(b)Erkrankt ist nicht gleich (stationärer "Intensiv-")Patient"; (c)Erkrankt daheim ist nicht gleich sterbenskrank; (d)Nicht alle Sterbenden mit "C19" Diagnose versterben auch direkt an "dessen" Symptomen. Veröffentlicht werden alle Sterbenden, die mit "c.19-Nachweis" im KH sind. Aber deren genaue Sterbeursache kann trotzdem eine andere sein. (e)Nicht jeder "ältere" Pat. mit "c.19" muß stationär behandelt werden. Danke

  12. 14.

    Sie schreiben: "in diversen ARD-Sendern konnte ich dieser Tage Berichte über Menschen MIT Symptomen sehen, teils beschäftigt im Gesundheitswesen (!), die dringend um einen Test baten, welcher ihnen konsequent verweigert wurde."
    In welchen Berichten auf welchen Sendern haben Sie das gesehen?

  13. 13.

    Hm, die Tage interviewte der RRB Studentinnen in häuslicher Isilation, die auf das Ergebnis der Abstiche warteten. Habe ich oder Autor dieses Artikels das in falscher Erinnerung?

  14. 12.

    Ich bin krank, Fieber, Luftnot und Husten - seit 3,5 Wochen, gehöre auch zur Risikogruppe (Anfang 40 mit Vorerkrankung) und wurde und wurde nicht getestet, nur telefonisch krankgeschrieben. Nach 3 Wochen, mit schlechten Blutwerten und sehr hohem Fieber, kam ich ins Krankenhaus auf die Isolierstation. Der Arzt sagt, aufgrund seiner Erfahrung der letzten Wochen mit größter Wahrscheinlichkeit Covid-19, denn dazu passen einfach zu viele der klinischen Parameter, und dann ist es ein mittelschwerer Verlauf!

    Rachenabstrich negativ!

    Ist klar, sagt der Arzt, an Tag 22 ist das Virus im Rachen in den meisten Fällen nicht mehr nachzuweisen, vor allem, wenn sich alles in tieferen Etagen abspielt.

    Ich sitze also, rasch wieder entlassen, in häuslicher Quarantäne bis die Symptome vergangen sind. Der Arzt, der so gar nichts für die unzureichende Testpolitik kann, sagt, jetzt wäre ich hoffentlich für diese Welle immun. Dazu müsste man mich (= Dunkelziffer, da nicht rechtzeitig getestet) auf Antikörper untersuchen.

    Das wäre doch was, dann könnte ich wenigstens durch Blutspende den Schwerkranken helfen! ...

    ... wenn schon bei mir das rechtzeitige Testen und Aufhalten meiner Infektionskette versäumt wurde. So kann die Dunkelziffer in keinster Weise prophezeit werden.

    Bleiben Sie gesund! Ich bin es hoffentlich noch diesen Monat.

  15. 11.

    Genesung wird es nicht geben, nur allmählige Resistenz, deswegen ist im Herbst das Virus für einige wieder eine Bedrohung, eben wie bei einer normalen Grippe.

  16. 10.

    @Haluka Maier-Borst:

    Vielen Dank für die Bestätigung meiner Intuition (mit ein wenig Fachwissen aus der Pflege)... kennen Sie vll so etwas wie eine diesbezügliche "Denkfabrik"? In D sind diese vor allem in Produktionsbereichen längst etabliert und höchst erfolgreich (finanziell natürlich leider immer nur für die dahinterstehenden Unternehmen, was hier aber erstmal keine Rolle spielen soll)... Aus den unterschiedlichsten Winkeln und Fachbereichen werden von normalen Bürgern Impulse und Ideen eingebracht, beleuchtet, weiterverarbeitet, -gedacht etc. .... bis hin zu absolut frappierenden Lösungen!

    Falls Sie derartiges Instrument für Corona kennen, bitte ggf. mir auch per email zubringen, falls solche Links hier nicht erwünscht sind. DANKE!

  17. 9.

    Ja, das ist das worauf ja die Studie in JAMA verweist. Wie genau das alles aber funktioniert bei Corona, da ist man erst in frühen Phasen der Erforschung.

  18. 8.

    Richtig! Ich bin selbst betroffen, musste eine wahre Odyssee hinter mich bringen - um dann zu erfahren, dass es nicht reicht, Symptome sowie regelmäßig (unvermeidlichen) Umgang mit über 80-jährigen zu haben, um getestet zu werden.
    Stattdessen wurden mir (und den Patienten vor mir) GLOBOLI verschrieben!

    Ich kann über die Informationspolitik nur lachen. Da wird so getan, als würde breit getestet, die Verantwortlichen klopfen sich selbst auf die Schulter, dass der Verdoppelungszeitraum immer größer wird - dabei macht man es hier inzwischen nicht anders, als man ansonsten gerne den Chinesen unterstellt: Zielerreichung durch Manipulation der Basisdaten (oder als was soll man konsequentes Nichttesten, durch das die Fallzahl sinkt, bezeichnen?).

  19. 7.

    @Haluka Maier-Borst: ...... und könnte man vll auch ein Unterstützungs"medikament" für schwerer Erkrankte daraus machen? ... Nutzen die isolierten Antikörper ggf., um das Virus besser in Schach zu bekommen???... DAMIT der eigene Körper DANN tatsächlich eigene Abwehrmaßnahmen erfolgreich erfolgen lassen kann?

  20. 6.

    Sehr verlässlich sind die Zahlen also nicht. So wie die Dunkelziffer bei Infizierten nur geschätzt wird, ist auch die Zahl der Genesenen nicht bekannt. Sie werden auch nicht so hervorgehoben, wie die Infektionszahlen. Dabei wäre auch genau hier ein wichtiger Ansatz, die Genesenen zu zählen. Aber auf diesen Zahlen beruhen dann weitreichende Entscheidungen

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