26.03.2020, Berlin: Ein Einsatzfahrzeug der Polizei steht im Schlesischen Busch. (Quelle: dpa/Pedersen)
Bild: dpa/Pedersen

Corona-Kontaktverbot - Berliner Polizei kontrolliert am Wochenende verstärkt in Parks

Kein Picknick, kein Grillen, kein Sonnenbaden auf der mitgebrachten Decke: Die Berliner Polizei wird am Wochenende verstärkt in Parks kontrollieren, ob das Corona-Kontaktverbot eingehalten wird. Berliner dürfen das Frühlingswetter nur in Bewegung genießen.

Was Sie jetzt wissen müssen

Am Freitag erwärmte die Frühlingssonne Berlin auf 17 Grad, auch am Samstag erwarten die Berliner milde Temperaturen ohne jeden Regentropfen. Während der Corona-Krise bleibt das ein Problem: Das Kontakverbot soll entscheidend dazu beitragen, dass sich das Virus nicht so rasend schnell verbreitet. Der Senat und die Polizei haben die Bewohner der Stadt davor gewarnt, sich in die Sonne zu legen: Länger an einem Ort im Freien zu verharren, ist verboten.

Die Maßgabe ist immer: Man kann im Freien sein, man kann sich im Freien bewegen, aber man soll nicht draußen verweilen."

Andreas Geisel (SPD), Berliner Innensenator

Die Parks bleiben auch am Wochenende geöffnet, aber die Beamten werden verstärkt unterwegs sein, um zu kontrollieren. Am besten, sagte die Polizeipräsidentin Barbara Slowik, man bleibe einfach zuhause. "Das ist sicher außerordentlich bedauerlich bei diesem wunderbaren Wetter, aber es entspricht so der "Eindämmungsverordnung" [berlin.de]

Die Polizei wolle wegen der Ansteckungsgefahr gut gefüllte Parks verhindern und weise daher daraufhin, dass zwar Bewegung und Sport draußen erlaubt sei, ebenso ein kurzes Ausruhen und Verweilen an einer Stelle. Aber das Niederlassen auf Decken, das Sonnen und längeres Sitzen an einer Stelle sei draußen verboten, sagte Slowik. Picknicken, Grillen, auf der Wiese liegen - komplett untersagt. Die Polizei kann all das als Ordnungswidrigkeit mit entsprechendem Bußgeld ahnden.

Kein Bier auf der Bank

Aber was heißt eigentlich kurz? "War ich in Bewegung und stoppe beispielsweise nach dem Joggen an einer Bank, um zu verschnaufen: Kein Problem. Die Kollegen sehen ja, ob sich da jemand in verschwitzten Sportklamotten ausruht. Aber ein Bier auf einer Bank zu trinken, wäre wiederum nicht in Ordnung", sagte ein Polizeisprecher am Freitag auf Nachfrage von rbb|24. Die Beamten hätten einen Ermessensspielraum, man könne das nicht in jedem Fall "in Minuten messen".

Das sagt auch Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD). Die Polizei werde mit Augenmaß unterwegs sein, man wolle "Maß und Mitte" halten. "Gegen hartnäckige Verweigerer der Rechtsverordnung werden wir aber auch mit Konsequenz vorgehen", erklärte Geisel in einem Video-Statement. "Bitte bedenken Sie, dass viele kleine Zweiergruppen auch eine große Menschenmenge ergeben und dass daraus wieder die entsprechenden Ansteckungsrisiken resultieren." Am wichtigsten sei es, immer den Mindestabstand von 1,50 Metern zu anderen Personen einzuhalten, betonte am Freitag auch noch einmal die Senatsverwaltung für Umwelt [berlin.de]

Polizei kontrolliert, ob man auch wirklich zusammenwohnt

Noch immer gilt: Man darf höchstens mit einer weiteren Person draußen unterwegs sein, egal zu welchem Zweck. Ausnahme: Menschen, die im gleichen Haushalt wohnen. Eine Familie mit mehreren Kindern darf sich also ordnungsgemäß austoben - auch eine WG. Wer aber nur behauptet, er würde zusammenwohnen: Die Polizei kontrolliert den Wohnsitz im Personalausweis oder Reisepass. Deswegen müssen die Menschen draußen momentan immer ein Ausweisdokument bei sich haben.

Dass die überwiegende Mehrheit der Berliner sich nicht an das Kontaktverbot halten würde, lässt sich nicht feststellen: Nach Angaben der Polizei sind auf den Straßen deutlicher weniger Menschen und Fahrzeuge unterwegs, größere Gruppen sieht man nur noch selten. Doch gerade nachmittags und abends würden sich vermehrt Besucher in den Park- und Grünanlagen aufhalten. Am Donnerstagabend seien dort 320 Personen überprüft worden, die gegen die Verordnung zur Eindämmung des Corona-Virus verstoßen hätten. Unter anderem seien sieben Strafanzeigen gestellt worden.

In den nächsten Tagen wird die Polizei laut ihrer Präsidentin wieder mit 300 zusätzlichen Polizisten, Zivilstreifen Fahrradstaffeln und den üblichen Streifenwagen unterwegs sein, um das Kontaktverbot durchzusetzen.

Sendung: Abendschau, 27.03.2020, 19:30 Uhr

Kommentar

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98 Kommentare

  1. 98.

    Interessant, dass manche Gruppierungen Kontaktverbot nicht einhalten und offensichtlich nicht eingegriffen wird
    Gegen die Vermüllung wird nichts getan. Alles Unsinn und Frechtheit der "Ordnungshüter"

  2. 97.

    Das ist ernst gemeint, das man siich nicht hinsetzen darf. Wo bleibt da die Realität?
    Politiker und Realität? Weltfremd ! Finden sich nie zusammen!!
    Nicht jeder hat ein Balkon oder einen Garten.Nicht jeder hält Dauerbewegung durch!
    Nicht jeder kann lange laufen!
    Es gibt doch Gehstöcke mit Sitzgelegenheit und soll jeden seinen klappbaren Campingstuhl mitführen?
    Klar ich mache Marathon bei 30 Grad!
    Und nach 8 Stunden Arbeit darf ich mich draussen nicht mal in die Sonne setzen. Vitamin D ist gesund.
    Keiner tut den anderen was wenn er alleine sitzt. Leider ist der Mensch ein Herdentier.
    Aber man kann ja den anderen freundlich beibringen -komme mir nicht zu nah-! Im MOMENT!
    Das wäre sogar eine soziale Interaktion und mitdenken der anderen Art an seine Mitmenschen.
    Jetzt habe ich das Problem: Wie überede ich meine 92 jährige Oma zum Joggen? Und das mit Rollator?
    PS: Ehe ich gelyncht werde. Ich sehe das mit dem Kontaktverbot ein und finde den Sicherheitsabstand auch gut.

  3. 96.

    Hallo, bei uns in der Gartenkolonie kamen bei Abenddämmerung vier protzige Autos vorgefahren und alle die sich in diesen Autos befindlichen Personen (leben bestimmt nicht im gleichen Haushalt) gingen in einen Garten. Beim späteren Langlaufen roch man deutlich die Shisha Pfeiffen und draußen standen zwei Frauen und heizten den Grill an und das in Zeiten von Corona und Versammlungsverbot.
    An wen kann man sich wenden, um solches zu untersagen.

  4. 95.

    Ich danke für diesen Hinweis. Hatte schon vor, einen Spaziergang durch den Wald zu machen. Keine bzw. nur sehr wenige Personen dort anzutreffen. So kann man sich irren.

  5. 94.

    Interessant! Eigentlich wollte ich heute in den Park gehen und mich dort lesend auf eine Bank setzen. Ich hatte mir auf den Seiten des Bundesinnenministeriums die Verhaltensregeln genau durch gelesen - da steht nichts davon, dass alleine draußen zu verweilen verboten sei - das wurde bewusst offen gelassen. Nach meiner Kenntnis der Ansteckungsgefahr stellt nicht der Aufenthalt im Freien sondern der Kontakt zu anderen das Risiko der Ansteckung dar. Und trotzdem erlaubt mir Frau Merkel den Kontakt zu einer weiteren Person - das sollte es also kein Problem sein, alleine auf einer Bank zu sitzen. Durch einen Zufall habe ich es nicht getan. Was mich aber ärgert ist, dass nur guter Wille der Polizeibeamten mich vor einer Geldstrafe von 150 Euro oder einer Strafanzeige schützen würde, wenn ich es doch getan hätte. Was mich ebenfalls ärgert: dass ich darüber nichts im Internet finden konnte und blind in die Falle getappt wäre. Dieses Maß an Willkür erinnert an die Kaiserzeit.

  6. 93.

    Wer denkt sich nur sowas aus? Warum ist es verboten, auf einer Decke oder auf der Bank zu sitzen, wenn sonst alles eingehalten wird? Nur noch für Fitness rausgehen, und wer nicht mehr gut laufen kann, alt oder krank ist soll drinnen bleiben? Das nützt doch nichts, im Gegenteil. Es gibt nichts Ungesünderes als den ganzen Tag in der Bude zu hocken. Und trifft vor allem diejenigen, die kleine, dunkle Wohnungen ohne Balkon haben. Von Corona bedrohte Lungen brauchen frische Luft, Sonne hilft Vitamin D zu produzieren, und das Wichtigste, was Leute jetzt machen sollten: Ihr Immunsystem stärken. Angst schadet übrigens auch. Und mir macht richtig Angst, was es bei Leuten anrichtet, wenn sie so behandelt werden.

  7. 92.

    Ist ja spannend das die Parks kontrolliert werden, auf der Havelchaussee, dem Grunewaldturm und allen Parkplätzen entlang der Havel sah es heute so aus wie normalerweise im Hochsommer, Menschen über Menschen, Schulter an Schulter....

  8. 89.

    wenn sie bisher noch keinen virus haben, gehen sie zu edeka, berliner straße alt tegel!
    ich wollte nur spargel kaufen, alles andere wird mir gottseidank geliefert.
    als ich mir ein paar stangen spargel rausholen wollte, drängten mich 2 ältere "damen" zur seite, als ich sie bat, abstand zu halten, antworteten sie "hab da mal nicht so".
    innerhalb des ladens wurde auch nicht an abstand gedacht, abgesehen davon nimmt niemand die zange für die brötchen.

  9. 88.

    Dann finde ich es seltsam, dass die Bäderchefs im Rückgang von Besucherzahlen (leider darf man hier keine Links posten) ein wirtschaftliches Problem sehen.
    Müsste ein solcher dann nicht für besser gefüllte Kassen sorgen (und allenfalls dann bedenklich werden, wenn kaum noch jemand kommt)?

  10. 87.

    Ich bin ganz mit Ihnen einer Meinung, dass diese Epidemie gebremst werden muss, und bin natürlich auch bereit dafür Einschnitte hinzunehmen. Es ist aber nicht sinnvoll, den Menschen zu verbieten, bloß draußen zu sitzen. Durchs draußen sitzen allein steckt man niemanden an. Das sagen alle Experten, und das ist rechtlich ein Sonderweg einer Minderheit der Bundesländer. Rechtlich ist ganz klar und unmissverständlich und im Verfassungsrang gefordert, dass eine Grundrechtseinschränkung zur Gefahrenabehr befristet und verhältnismäßig sein muss. Der Befristung wurde in der Verordnung entsprochen; die Verhältnismäßigkeit sehe ich im Punkt der Bewegungsbeschränkungen als verletzt an. Aus der Krankenpflege weiß man, das Lebensqualität ein Wert an sich ist, den man nicht immer bedingungslos hinter das nackte Überleben stellen darf. Vielleicht wächst das Bewusstsein ja mit der Zeit, die wir alle drinnen im eigenen Saft schmoren.


  11. 86.

    Sie haben völlig recht. Leider gibt es in Berlin genug Menschen die sich nicht an die Spielregeln einer Gesellschaft halten:
    "Trotz Verbot: In Berlin demonstrieren rund 200 Menschen für Geflüchtete"
    https://www.welt.de/vermischtes/live206505337/Coronavirus-live-Macron-kritisiert-Deutschland-Ich-will-kein-egoistisches-und-geteiltes-Europa.html
    oder: "Berliner Polizei schließt Boxhagener Platz"
    https://www.rbb24.de/panorama/thema/2020/coronavirus/beitraege/berlin-polizei-kontrollen-parks-gruenanlagen.html


  12. 85.

    Das hängt wohl einfach erstmal mit dem Ferienende zusammen. Es begann ja mit Schulschliessungen. Das haben wir wohl inzwischen schon vergessen ;-) Was danach kommen wird, ist ungewiss und abhängig von der Entwicklung.

  13. 84.

    Wobei heute schlechte Luft ist
    https://luftdaten.berlin.de/lqi

  14. 82.

    Laut der Duden Definition bedeutet asozial: 1. unfähig zum Leben in der Gemeinschaft oder am Rand der Gesellschaft lebend, z.B. die Regeln und Gesetze verachten. ... Oft auch in Verbindung mit negativen Verhaltensweisen, nicht der Gesellschaft angepasst oder einfach so, dass man die anderen Menschen ausnutzt.27.01.2020
    Passt also für Mitmenschen, die sich auf Kosten der Allgemeinheit nicht an die aktuellen Regeln halten und somit andere aus Eigennutz der Gefahr der schnelleren Verbreitung von COVID 19 aussetzen.

  15. 81.

    Gerade von draußen wieder rein (Joggen). Es ist doch verblüffend, wie viele deutsche Großfamilien es gibt. Auch Drillinge scheinen en masse zu existieren, jetzt fußballspielend (Dreipfuhl, der ja schon lange von "Auswärtigen" heimgesucht wird, um dort die Wiese plattzuwalzen und mit Trillpfeifen und Trainerpapis Herumgegröhle die die Nachbarschaft und Erholungssuchenden zu vergraulen).
    Auch scheint es ohne Ende Mehrgenerationenwohnen in deutschen Familien zu geben. Laute "Opa, komm' mal"-Rufe sind unüberhörbar, schön verräterisch.
    Letztens so ein deutscher Großclan in Dahlemer Nebenstraßen unterwegs gewesen samit herumhustenden Kleinkind. Diverse Passanten drehen sich um. Mutter: "Hähä, ganz normaler Kinderhusten, hähä". Die Superspreader und Keimzellen sind also weiterhin unsolidarisch und mit ausgefahrenen Ellenbogen unterwegs.

  16. 80.

    In Alt Tegel keine Polizei ;)
    Lange Schlangen an der Eisdiele und Dank außer Haus Verkauf von Kaffee und anderen Getränken auch Menschengruppen vor anderen Lokalitäten. Manche Menschen kapieren hier leider gar nichts !

  17. 79.

    Nachtrag. Die BBB erhalten ja Zuschüsse vom Land, Bäder gehören zur Daseinsvorsorge. Die Zuschüsse bleiben gleich bei einer Schließung.

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