Tanja Krone aus Berlin hat eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden. (Quelle: Jasper Kettner)
Bild: Jasper Kettner

Interview | Genesene Covid-19-Patientin - "Ich hatte Corona, ich bin jetzt immun. Wie kann ich helfen?"

Die Berliner Theaterregisseurin Tanja Krone hatte sich mit Corona infiziert - und ist inzwischen wieder gesund. Warum sie aber nicht in der Statistik der Genesenen auftaucht und was sie jetzt mit ihrer neuen "Superkraft" Immunität vorhat, erzählt sie im Interview mit Sarah Mühlberger.

Was Sie jetzt wissen müssen

rbb|24: Sie haben eine Superkraft, Frau Krone, welche ist das?

Tanja Krone: Ich habe mir das, halb im Scherz, so überlegt: Ich hatte Covid-19 und hab's überstanden. Das könnte meine Superkraft sein.

Wie haben Sie sich infiziert, wissen Sie das?

Ich bin Theaterregisseurin und hätte eigentlich am 13. März eine Premiere gehabt, am Theater Aachen. Die wurde einen Tag vorher abgesagt, denn die Theater schlossen vorsorglich. Die Generalprobe haben wir noch durchgezogen, weil wir einen ordentlichen Abschluss haben wollten, und an diesem Abend begannen dann bei mir Kopf- und Gliederschmerzen. Und einer der Schauspieler fiel aus, weil er krank war. Ich hab mir aber keine Gedanken gemacht, sondern bin dann einfach irgendwann nach Hause gegangen. Am nächsten Tag konnte ich mich nicht so richtig gut bewegen. Auch da habe ich noch gedacht: alles kein Problem. Manchmal hat man ja anstrengende Proben, und unsere waren sehr intensiv, bestimmt kommen meine Symptome daher.

Wie ging es dann weiter?

Am Nachmittag bekam ich die Info, dass der Intendant des Theaters infiziert sei. Daraufhin bin ich dann losgefahren und habe mich testen lassen, damit ich nicht Aachen verlasse und vielleicht mit einem Virus durch die Welt renne.

Haben Sie sich Sorgen gemacht, während Sie auf das Testergebnis gewartet haben?

Nee, gar nicht. Ich bin auch überhaupt nicht davon ausgegangen, dass ich das hätte. Ich nahm an, dass das jetzt ein grippaler Infekt ist - selbst mit der Info, dass der Intendant infiziert war und ich ihn in der Woche zu einem längeren Gespräch getroffen hatte. Also ich habe null damit gerechnet. Bei einer Theaterproduktion hat man ja relativ viel miteinander zu tun, auch körperlich. Wir haben immer noch unsere Witze gemacht, und ich ganz besonders. Denn ich bin auch Performerin und Musikerin, und mein Bühnenname ist schon ewig "MC Korona" – in Anlehnung an meinen Nachnamen Krone.

Nicht Ihr Ernst.

Doch, dieses Alter Ego habe ich schon lange. Und dann habe ich immer so Witze gemacht: 'Ich bin der Virus ..., hallo, der Virus kommt jetzt nach Aachen', und so weiter. So gesehen war es fast klar, dass es so kommen musste. Inzwischen ist quasi die ganze Produktion infiziert – alle SchauspielerInnen, die Regieassistenz.

Als Sie einen Tag nach Ihrem Test ein positives Ergebnis bekamen, wie haben Sie da reagiert?

Überrascht, aber eigentlich habe ich anfangs nicht so viel nachgedacht, ich war vor allem ganz schön im Delirium. Aber dann habe ich eine Info bekommen, dass einer der Schauspieler mit Lungenentzündung im Krankenhaus liegt und der Intendant auch. Und dann wurde ich nervös.

Und konnten trotzdem nichts machen, nur abwarten.

Ich habe einfach versucht locker zu bleiben, obwohl das nicht immer leicht war, zumal in einer fremden Umgebung. Ein bisschen geholfen hat aber, dass ich mir die Wohnung in Aachen mit einer Frau geteilt habe, die in einer Uniklinik arbeitet. Zwar als Logopädin, aber ich dachte mir, im Zweifel weiß sie, was zu tun ist.

Sie waren dann gemeinsam in häuslicher Quarantäne?

Ja und nein. Sie musste weiterarbeiten, wenn auch mit Mundschutz und nicht am Patienten. Sie hat Büroarbeit am Computer gemacht. Wenn sie zu Hause war, stand sie unter Quarantäne. Das war schon ein bisschen eine Herausforderung. Natürlich konnte meine Mitbewohnerin auch nicht mehr einkaufen gehen. Das haben Freunde von ihr erledigt. Da gab es ein gutes Netz, wir waren sofort gut versorgt. Und wir haben zu Hause alles Mögliche getan, damit sie sich nicht bei mir ansteckt, dass bloß keine Viren zu ihr gelangen. Das ist uns auch gelungen. Sie ist wirklich negativ getestet worden.

Wann wussten Sie, dass Sie es überstanden haben?

Nach vier, fünf Tagen habe ich gemerkt, dass sich da was getan hat auf der Lunge. Aber das hatte nichts mit Atemnot zu tun, mehr so ein Druck. Mehr ist aber zum Glück nicht passiert. Nach einer Woche habe ich gemerkt, dass es mir besser geht, dann konnte ich wieder konzentrierter lesen. Um halbwegs wieder normal fit zu sein, brauchte ich so zehn Tage. Mittwoch war der letzte Tag der Quarantäne, seit Donnerstag bin ich wieder auf freiem Fuß.

Woher wissen Sie, dass Sie jetzt nicht mehr infiziert sind? Waren die Tests negativ?

Eigentlich hieß es am Anfang, dass man nach Symptombeginn zehn Tage in Quarantäne soll, und dann bekommt man einen Freitest und kann wieder los. Aber während meiner Erkrankung wurden die Regeln geändert, diesen Freitest gibt es nicht mehr. Das heißt, jetzt gibt es die Regel 14 Tage Quarantäne, 48 Stunden symptomfrei, und dann kann man wieder raus. Aber eine Bestätigung, dass ich geheilt bin, habe ich nicht.

Und Sie gehen auch nicht in die Statistik der Genesenen ein.

Genau.

Nach allem, was wir heute wissen, sind Sie jetzt immun. Gab es irgendein wissenschaftliches Interesse an Ihnen als Covid-Genesene?

Nein, aber es gab privat jemanden, der sich infizieren wollte, um immun zu werden. Da habe ich aber nein gesagt.

Freuen Sie sich nach dem Ende der Quarantäne auf irgendetwas ganz besonders?

Ich freue mich vor allem, dass ich wieder losgehen kann, wenn ich was brauche. Vielleicht sogar trotzdem mit Mundschutz. Die Leute wissen ja nicht, dass ich das schon hatte und das jetzt nicht mehr habe und auch nichts übertragen kann. Aber mir gefällt eigentlich die Vorstellung ganz gut, draußen zu signalisieren, ich verbreite meine Viren nicht. Ich habe aber auch schon seit Langem immer einen Mundschutz in meiner Handtasche, vor allem für längere Zugreisen. Seit ich mal eine schwere Grippe hatte, bin ich sehr vorsichtig.

Die allermeisten Leute bewegen sich gerade mit unzähligen Vorsichtsmaßnahmen durch ihren Alltag – wenn sie sich überhaupt bewegen. Sie hingegen könnten sich jetzt wie eine Superheldin durch die Stadt bewegen, alles und alle berühren. Haben Sie das schon ausgekostet?

Noch nicht. Aber einige Freunde haben angeregt, dass ich jetzt ja der beste Partygast überhaupt sei: Man kann mich ohne jedes Risiko auf jede Party einladen. Dann kommt halt wenigstens ein Gast zum Geburtstag. Dafür könnte ich jetzt zur Verfügung stehen. Oder ich lese älteren Leuten vor.

Wie würde normalerweise jetzt Ihr Alltag aussehen, ohne Corona?

Ich bin ja Freiberuflerin und hätte in den nächsten Wochen mehrere Theaterjobs gehabt, die natürlich abgesagt wurden. So habe ich jetzt erst mal Zeit, um mich zu fragen, wie es weitergeht. Womit ich mich beschäftigen möchte. Es fällt mir aber schwer, mir vorzustellen, dass ich jetzt online Theater machen soll, um die Leute weiterhin zu unterhalten. Oder mich dadurch als Künstlerin zu legitimieren. Das ist jetzt gerade nicht so mein Anliegen.

Einige Freunde haben angeregt, dass ich jetzt ja der beste Partygast überhaupt sei: Man kann mich ohne jedes Risiko auf jede Party einladen. Dann kommt halt wenigstens ein Gast zum Geburtstag. Dafür könnte ich jetzt zur Verfügung stehen. Oder ich lese älteren Leuten vor.

Tanja Krone

Sondern?

Ich frage mich, wie ich mich als Corona-Geheilte jetzt nützlich machen kann. Da gibt es jetzt noch nicht so wahnsinnig viele Ansätze. Im Krankenhaus wird das natürlich kommen, dass sie da Unterstützung brauchen, aber ohne Ausbildung ist es vielleicht schwierig, da auszuhelfen. Ich interessiere mich auch schon länger für den Bereich Bestattungen und hatte mir ohnehin dieses Jahr vorgenommen, ein Praktikum zu machen. Und ich habe jetzt auch die Zeit der Quarantäne genutzt, erste Bewerbungen zu schreiben. Vor ein paar Tagen habe ich mit einem Bestattungsinstitut telefoniert und denen direkt gesagt: Ich hatte Corona, ich bin jetzt immun. Ich könnte also jetzt helfen, wenn ihr irgendwo Schwierigkeiten habt. Das fanden die dann auch ganz interessant, weil man ja bei diesem Job auch viel mit älteren Angehörigen zu tun hat. Also irgendwo kann ich meine Superkraft hoffentlich bald sinnvoll einsetzen.

Das Interview führte Sarah Mühlberger, rbb|24

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22 Kommentare

  1. 22.

    Ich habe gerade gelesen,die chinesischen Wissenschaftler haben weitergegeben,dass die Menschen,die Coronavirus hatten und glaubten gesund zu sein,sind lange nicht gesund,sondern können weiter sogar fünf Wochen noch den Virus auf den Schleimhäuten tragen,also anstecken---sie müssten weiter gestestet werden---also der Virus geht weiter,wenn man nicht in Deutschland weitergetestet werden.

  2. 21.

    Es gibt bisher keine gesicherten Erkenntnisse zur "Immunität bei Corona-Covid19"
    2 Labor-Affen und Erfahrungen mit anderen Viruserkrankungen sind alles worauf man sich derzeit stützen kann. Wenn man aber davon ausgeht das Covid19 in Wellen kommt und dem Herpesvirus in der Hinsicht gleicht, dass es keine dauerhafte Immunität dagegen geben wird, dann gibt es keine Geheilten. Dann ist es eher wahrscheinlich das Covid19 Viren bei den Infizierten nach einer milden Erstinfektion, infektionsverstärkende Antikörper (ADE) bilden, die bei Zweitinfektionen zu schweren Verläufen führen. Anerkannte Virologen sprechen weltweit von diesem Szenario. Dr. Li Wenliang, Dr. Giuseppe Remuzzi, Dr. Adriano Decarli, Dr. Matthew B. Frieman, Dr. Guido Vanham - Sie alle gehen davon aus das Infizierte sehr schnell wieder erkranken können. Prof. Dr. Droste hofft als einer der Wenigen drauf das, die Wiederinfektionen zunehmend milder verlaufen - Er hofft es. Was aber wenn das nicht eintritt?

  3. 20.

    Typischer Fall von Selbstüberschätzung in der Region Berlin-Brandenburg.

  4. 19.

    Aber ohne Test kann man nicht sagen ob sie geheilt ist. Selbst wenn die Symptome verschwinden, kann man noch andere anstecken.
    "But if people remain contagious long after their symptoms have vanished, they may unwittingly propagate the pathogen after they return from quarantine."

  5. 18.

    Vielen Dank für die Aufklärung, sehe ich genauso nach dem was ich gehört und gelesen habe.
    Dieser Tobias hier ist leider immer nur mit extremst negativen Fakten beim Thema, daher tun solche sachlichen und ruhigen Argumente gut.

  6. 17.

    Nach der Ansteckung, ja. Aber nicht nach der Heilung. Daß es eine gewisse Zeit nach der Genesung einen Immunschutz gibt ist unstrittig. Ansonsten wäre es nicht zu einer Genesung gekommen. Nicht bekannt ist allerdings, wie lange der Schutz anhält. Das kann von mehreren Jahren bis zu ein paar Wochen so ziemlich alles sein. Theoretisch möglich wäre allerhöchstens eine passive Ansteckung Dritter durch mangelhafte Hygiene.

  7. 16.

    Gibts auch Dauerausscheider bei Corona, wie es das bei Salmonellen, Noro und ähnlichem gibt?

  8. 15.

    Bin ja nur medizinisch etwas mehr ausgebildet als der Normalo. Antikörper gewinnen und einsetzen kam mir neulich auch in den Sinn. Sagt doch endlich mal ob das geht-ihr Virologen.

  9. 14.

    Lieber rbb - die Frage von Leo war ein wenig anders: kann eine erkrankte, aber genesene Person nicht weiterhin Überträger des Virus sein? Hierauf wäre eine Antwort sehr wichtig.
    Zwei Möglichkeiten gilt es auszuschliessen:
    1. Infektion aus sich selbst heraus (also selbst noch Träger und somit Verbreiter) und
    2. 'nur'-Überträger durch Verunreingung, mangelnde Hygiene (Geneser berührt A, der infiziert ist, danach B und steckt B damit an).
    Das ist essentiell wichtig!
    Insbesondere für Personen, deren Immunsystem geschwächt ist oder die Vorerkrankungen haben, die sei zur Risikogruppe machen. Längst nicht alle Menschen wissen übrigens um ihr geschwächtes Immunsystem.
    Mir bangt es um all die Älteren, Immunschwachen!

  10. 13.

    Es werden Genesende gesucht um Antikörper zu gewinnen. Damit kann man konkret Leben retten.

    siehe „Hilfe für Corona-Patienten: Hunderte Plasmaspender melden sich bei der MHH“

    Eigentlich müsste dafür eine Datenbank schnell aufgebaut werden.

  11. 12.

    Frage
    Wie und wo kann bei mir festgestellt werden, ob ich antiviren habe
    Hatte ähnliche symtome aber kein test

  12. 11.

    Laut einer Studie kann man den Virus bis zu 5-6 Wochen (37 Tage) noch in sich haben und ihn verteilen.
    https://www.bloomberg.com/news/articles/2020-03-12/coronavirus-can-live-in-patients-for-five-weeks-after-contagion
    Ich würde solche Personen auf keinen Fall ins Krankenhaus oder zu älteren Menschen schicken um zu helfen.

  13. 10.

    Ich finde es toll, dass sich Frau Krone jetzt in einem ihr fachfremden Beruf einbringen möchte, der gerade wohl auch Unterstützung sehr nötig hat !

  14. 9.

    ich finde es unglaublich verantwortungslos,ohne verifizierte erkenntnisse von immunität und nichtansteckung auszugehen.

  15. 8.

    Gänzlich gesichert (zu 100 Prozent) ist eine Immunität in der Tat noch nicht. Im Moment wird davon ausgegangen, dass Genesene sich nicht erneut infizieren können. (Aber zugegeben: Es haben sich ja schon einige Annahmen geändert.)

  16. 7.

    Genau dasselbe habe ich mich auch gerade gefragt. Könnte der RBB das recherchieren und eine Antwort darauf geben?

  17. 6.

    Glückwunsch Frau Krone, schön das es Ihnen wieder gut geht.

    Vielleicht wäre ein Job im Krankenhaus aber doch gut, schließlich könnten Sie Hoffnung auf Genesung geben oder falls Sie auch Humor können, auf Kinderstationen als Clown für ein paar glückliche Momente sorgen.

  18. 5.

    Man kann nur hoffen daß es Frau Krone weiter gut geht

  19. 4.

    Wenn man das Virus hatte, kann man nicht trotzdem weiterhin Überträger sein? Also, Wissenschaftler hoffen, die Erkrankung bricht bei einem nicht mehr aus, weil man selbst Antikörper hat. Aber kann man nicht trotzdem weiterhin das Virus von einem anderen erkrankten Menschen durch Kontakt auf Dritte übertragen?

  20. 3.

    So einen „Persilschein“ darf man leider auch nicht einführen. Spätestens wenn Antigen-Tests in großem Umfang zu Verfügung stehen, werden wir ein Dilemma erleben. Wenn man Genesene, die vermutlich immun sind, besser stellt, werden viele Idioten auf die Idee kommen, sich absichtlich anzustecken. Dann beschleunigt sich die Epidemie massiv. Dann passiert genau das, was wir grad mühsam verhindern wollen. Andererseits werden Helfer, die immun sind, dringend gebraucht.

    Der einzige Ausweg aus dem Dilemma ist, die Genesenen nicht besser zu stellen, sondern einer Art Zivildienstpflicht zuzuführen. Dafür sind sie im Gegensatz zu anderen von bestimmten (nicht allen) Einschränkungen befreit.

    Hier eine Balance zu finden, wird eine echte gesellschaftliche Herausforderung. Wir sollten jetzt schon anfangen, dieses Problem zu thematisieren. Denn es wird unaufhaltsam auf uns zukommen.

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