Symbolbild: Ein Mädchen lernt zu Hause am Schreibtisch mit zwei Computern. (Quelle: imago images)
Audio: Inforadio | 03.04.2020 | Kirsten Buchmann | Bild: imago images

Home-Schooling - Wenn Schüler in den Ferien zu Hause lernen

Mitten im Corona-Ausnahmezustand beginnen in Berlin die Osterferien. Nun fragen sich Schulen: Wie weiter mit dem Home-Schooling? Sollen Schüler den versäumten Stoff in ihrer Freizeit nachholen? Die Gewerkschaft GEW mahnt, nicht nur auf den Zeitplan zu schauen. Von Kirsten Buchmann

Was Sie jetzt wissen müssen

E-Mails an die Lehrer schreiben, Skype-Konferenzen mit der Klasse, Internet-Recherchen am Schreibtisch zu Hause: Knapp drei Wochen Erfahrung mit Home-Schooling haben Berliner Schüler inzwischen hinter sich. Die Bildungsverwaltung hat die Schulen gebeten, auch Home-Schooling-Angebote für die Osterferien zu unterbreiten.

Manche Schüler würden ihre Lehrkräfte nach zusätzlichen Aufgaben für die Ferien fragen, sagt Bildungssenatorin Sandra Scheeres. Die SPD-Politikerin bittet die Lehrer daher, ihre Schüler auch in dieser Zeit zu begleiten. "Gerade Schüler, bei denen sie das Gefühl haben, dass sie zusätzliche Unterstützung brauchen. Wir haben ja auch einige, die vor den Schulabschluss- und Abiturprüfungen stehen." Es sei wichtig, dass diese Schüler "dranbleiben", so Scheeres.

Zeitplan einhalten oder Schüler schonen

Der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Berlin (GEW) geht es in dieser Situation aber zunächst nicht darum, dass nun alle Kinder auch in der Ferienzeit unterrichtet werden. Der Stoff, der aufgrund der Corona-Krise versäumt worden sei, könne jetzt über die Osterferien nicht hereingeholt werden, nur um den Zeitplan einzuhalten. Der Vorsitzende der GEW Berlin, Tom Erdmann, deutet die Bitte der Senatorin auch so: "Es geht wirklich um die Kinder, die eine besondere Herausforderung haben."

Unterstützen, helfen und Rat geben will beispielsweise auch die Friedensburg-Schule in den Osterferien. Rektor Sven Zimmerschied, der auch Vorstandsmitglied der Berliner Schulleiter der Integrierten Gesamtschulen (ISS) ist, will seinen Leistungskurs-Schülern Aufgaben geben, damit sie in Übung bleiben. Er werde ihnen in dieser Zeit keinen neuen Unterrichtsstoff abverlangen. "Ich werde das in den Osterferien auch nicht benoten", sagt Zimmerschied.

Herausforderung Homeschooling

Freiwilliges Lernen in den Osterferien findet der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, aber keine Verpflichtung in einer Zeit, in der man sich erholen sollte. Weil das Home-Schooling vielen schon jetzt über den Kopf wachse, sieht der Vorsitzende des Landesschülerausschusses, Miguel Gongora, Lernangebote für die Osterferien skeptisch: "Ich halte da nichts von."

Noch nicht abschätzen lässt sich, ob Berlin die Kontaktsperre wegen des Coronavirus womöglich weiter verlängern muss, auch über die Osterferien hinaus. Davon hängt ab, ob das Home-Schooling andauern wird.

Mit den anderen Kultusministerien hat sich die Bildungsverwaltung verständigt: Nach jetzigem Stand sollen die Abiturprüfungen nach den Osterferien geschrieben werden. Zugleich heißt es, es solle nach Lage der Dinge entschieden werden - die Unsicherheit für Eltern, Schüler und Lehrer also bleibt. Kommende Woche, auf jeden Fall aber in den Osterferien, hoffen sie mehr erfahren zu können.

Sendung: Inforadio, 03.04.2020, 06:45 Uhr

Beitrag von Kirsten Buchmann

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13 Kommentare

  1. 13.

    Der Landesschülervertreter sagt in dem audio Beitrag, dass 30% der befragten Schüler gar keine Aufgaben bekommen. Weder bei rbb noch Tagesspiegel finde ich dazu kritische Beiträge, dass sich viele Schulen und Lehrer einen Recht schlanken Fuss machen. Auch an der Schule meiner Kinder ist das Niveau total unterschiedlich. Ein einziger Lehrer bietet ab und zu Videounterricht an, ansonsten gibt es fast nur je eine Aufgabe über 3 Wochen, Feedback ist oft ungewiss. Klarere Vorgaben der Senatsverwaltung für die Zeit nach Ostern wären dringend notwendig, und zwar jetzt, damit sich Schulen vorbereiten können.

  2. 12.

    Liebe Kollegen Lehrer, liebe Schüler, liebe Eltern, Danke für eure Kreativität in diesen außergewöhnlichen Zeiten! Versucht es auch einmal mit der audiovisuellen App „AudioHimmelsführungen“, die speziell für das selbstständige Lernen konzipiert ist. Auch sie ist kreativ: Was man sich sonst getrennt voneinander aneignet - Mathematik, Physik, Literatur und vieles mehr - könnt ihr in einem unterhaltsamen Zusammenspiel erleben. Ganz nebenbei lernt ihr den Sternhimmel kennen, je nach Wunsch und Möglichkeit im Original oder auf dem Display. Auf der Supportseite gibt es kostenlose Arbeitsblätter zum Nachdenken, Anwenden und Weiterlernen.

  3. 11.

    Ich denke, da sollte differenziert werden. Es ist schade, wenn es tatsächlich so ist, wie Sie es beschreiben und Sie seitens der Schule keine Unterstützung bekommen haben.
    Das aber zu pauschalisieren wird dem, was gerade an ganz vielen Schulen gut läuft, nicht gerecht.
    Ich habe sowohl an der Schule meiner Tochter als auch an der Schule, an der ich selbst unterrichte, die Erfahrung gemacht, dass die Lehrkräfte in sehr engem Kontakt zu den Schüler*innen standen und sie per Telefon, E-Mail, Videochat ganz individuell unterstützt haben und jederzeit ansprechbar waren.

  4. 10.

    Hab mich schon gewundert warum wir als Eltern ständig Schulbücher kaufen, jetzt hat es einen Sinn. In de Schule wurden sie nie benutzt.

  5. 8.

    Zum ersten Mal kann ich allen bisher abgegebenen Kommentaren zustimmen.
    Ich habe drei Kinder auf drei verschiedenen Schulen. Sogar auf einer Schule gehen Lehrer unterschiedlich vor.
    Lernraum, Bettermarks, Arbeitsblätter, WahtsApp, Dropbox, EMail... Alles möglich, aber für Eltern im HomeOffice oder mit systemrelevanten Berufen kaum zu erbringen. Die gestellten Aufgaben entsprechen eher den üblichen Hausaufgaben. Neuers gelernt haben die Kinder in den letzten drei Wochen: NICHTS. Fatal, insbesondere für die Fremdsprachen und für Kinder mit Migrationshindergrund. Manchen Leheren sollte man übrigens auch das Gehalt abziehen: kein persönlicher Kontakt, keine Aufgaben! In der freien Wirtshaft wäre dieser Lehrer sofort entlassen worden. Ich kann nur hoffen, dass es bald wieder los geht. Nach den Ferien werden wir uns jedenfalls weigern, irgendetwas für die Schule zu machen und die hochbezahlten Lehrer zu ersetzen.

  6. 7.

    Alles besser, als Corona durch die Schulen zu verteilen... wie sonst jedes Jahr die Grippe.

  7. 6.

    @rbb: Dies ist doch wohl der richte Link für den einen erwähnten Beitrag.
    https://www.rbb-online.de/content/rbb/r24/panorama/thema/2020/coronavirus/beitraege/eltern-berlin-brandenburg-homeschooling-schule-wahnsinn.html

  8. 5.

    Meiner Meinung nach wird wenig sensibel und rücksichtsvoll mit der Situation umgegangen. Man muss die Lage der Eltern und der Schüler klar berücksichtigen in der sie sich gerade befinden. Man kann von Schülern so kurzfristig nicht erwarten, dass sie jetzt im vollen Umfang Leistung erbringen, die auch noch der eines Erwachsenen entspricht. Zumal selbstständiges Lernen nicht jedem liegt, wofür dann die Eltern natürlich die Stütze sind, neben dem Home-Office. Ja, aber dann muss die Erwartung runter geschraubt werden. Die psychische Gesundheit ist genauso wichtig!
    Es wird auch außer acht gelassen, dass nicht für alle die gleichen Bedingungen zum Lernen gegeben sind, was mir große Sorgen bereitet. Deshalb muss eine einheitliche, und keine improvisierte Lösung von den Ländern gefunden werden, in Form eines Schulgesetzes oder Ähnlichem. Dieses sollte klar regeln, wie Schule von zu Hause aussehen soll, in welchem Umfang, wie sieht die Benotung aus usw., damit niemand benachteiligt ist.

  9. 4.

    "Wie weiter mit dem Home-Schooling?" Andere Länder schaffen es auch, also schafft es auch Deutschland. Wir brauchen einen langen Atem und Durchhaltevermögen. Das sind auch Eigenschaften, die man seinen Kindern beibringen sollte.

  10. 3.

    Lieber rbb, Sie mögen den Begriff Home-Schooling. Home-Schooling ist jedoch etwas, was in Deutschland verboten ist. Dabei würden die Kinder nämlich gar nicht einer Schule "angehören".

  11. 2.

    Die jetzige Situation hat meine Meinung nur verstärkt, dass in der Schule alles nur überflogen wird aber die Themen nicht vertieft sind. Es wird nur ein Lernplan abgearbeitet.
    Jetzt sollen wir, Eltern die arbeiten und teilweise Home-Office Dienst haben, dem eigenem Kind pädagogisch jeden Tag zur Seite stehen? Man möchte schon fast weinen, wenn man in der Lernmappe die vor der Schulschließung ausgeteilt wurde, zwischen den vielen Übungsblätter nur ein einziges Blatt zum üben findet, was die Kurzlaute und Mittlaute anbetrifft. Oder ein ganzes Übungsheft bis Ende der Osterferien zu Ende gemacht werden soll, teilweise mit Aufgaben die kein Sinn ergeben oder für uns Eltern schwer nachzuvollziehen sind.
    Bringt nur Frust für die Kinder und die Eltern. Eine Unterstützung der Lehrerschaft findet bei uns nicht statt. Ich hoffe sehr darauf, dass die Corona Krise zum Überdenken des anno Domini Schulsystems beiträgt.

  12. 1.

    Home-Schooling bei unserer Tochter (4. Klasse) sieht wie folgt aus: Die Klassenlehrerin hat vor drei Wochen reichlich Aufgabenblätter versucht zusammenzustellen (mehr oder weniger vollständig) und am letzen Schultag den Schülern in die Hand gedrückt. Es wurde dann noch einmal einen weitere Schwung per Email über die Elternvertretung nachgereicht. Danach war effektiv Funkstille und es findet keine fachliche Begleitung der Schüler statt. Die Eltern versuchen sich nun mehr oder weniger erfolgreich in der Whatsappgruppe gegenseitig bei der Organisation zu unterstützen. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich Berichte lese, in denen von einem scheinbar regen Austausch via Chats (Text, Audio, Video) zwischen Schülern und Lehrer geschrieben wird und es wohl gelinge, ersatzweise Qualitäten in Form von Online-Learning zu etablieren.

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