Berlin, 17.04.2020, Sommerbad Neukölln bleibt zur Eindämmung des Coronavirus weiterhin geschlossen. (Quelle: dpa/Gora)
Bild: dpa/Gora

Bäderbetriebe erarbeiten Konzepte für den Freibadbetrieb - Viel Wasser für (bislang) keine Gäste

Das Wasser sauber, die Fliesen repariert – nun warten die Berliner Bäder-Betriebe auf die Entscheidungen der Politik, wie die Freibadsaison unter Corona-Bedingungen laufen soll. Für Berlins Planschbecken spricht: Das Bäder-Wasser hat besondere Eigenschaften.

Die Berliner Bäder-Betriebe haben mehrere Konzepte für einen möglichen Sommerbetrieb ihrer Freibäder erarbeitet. Bislang gilt: Wegen der Corona-Pandemie darf niemand rein. "Entscheidend ist, wie Mitte Mai die Rechtsverordnung aussieht", sagt Sprecher Matthias Oloew, Sprecher der Berliner Bäder-Betriebe. Hauptidee aller Betriebskonzepte sei dabei immer der klar eingeschränkte Betrieb in den Bädern.

Später als üblich – das steht fest

Klar ist Oloew zufolge bereits, dass die Bäder später als üblich an den Start gehen. Denn in den meisten Jahren lägen die ersten Wasserfreunde bereits am Karfreitag im Strandbad Wannsee in der Sonne und schon wenig später würdenin den meisten Jahren die ersten beheizten Sommerbäder in der Hauptstadt öffnen.

Der Knackpunkt sei hier das Abstandsgebot und wie man das durchsetzen könne. "In ein Freibad strömen pro Tag mehr als 1.000 Menschen", so Oloew. Das seien aufgrund der aktuellen Infektionsgefahren zu viele. Ein Punkt allerdings spreche klar für die Bäder: "Das Wasser ist chloriert, das tötet Viren ab."

In geringen Mengen im Wasser ist Chlor sinnvoll und ungefähr, pur in den Körper injiziert oder getrunken ist es jedoch potenziell tödlich; auch wenn US-Präsident Donald Trump andere Empfehlungen ausspricht [tagesschau.de].

Konzepte für verschiedene Umfänge von Besuchern

In den Konzepte für den Betrieb spielten die Zahl und die Nähe der Badegäste zueinander die größte Rolle, sagt Oloew. So müssten Warteschlangen vermieden werden. Online buchbare Tickets mit festgelegten Zeiten für den Zugang seien eine Idee. Doch für viele Gäste sei es bislang üblich, den ganzen Tag im Freibad zu verbringen. Die Suche nach den besten Lösungen für möglichst viele Besucher laufe nun.

Zu beachten für die Öffnung ist nach Angaben der Bäderbetriebe ganz besonders der Betrieb der Toilettenanlagen und die neuen Auflagen dafür. Für den Betrieb und das "Wie?" muss Oloew zufolge eine Lösung gefunden werden, denn wenn der Senat die Bäderschließung für den Sommer verfüge, strömten die Berliner noch stärker und dann natürlich weniger kontrolliert an die Badeseen.

Bleiben die Bäder zu, droht den Seen der Massenansturm

Noch gibt es dort keine Verbote an den Seen. Doch bei einem Massenansturm in einem heißen Sommer sei dies denkbar. Bäder-Sprecher Oloew bezweifelt, dass die Polizei Schwimmer dann aus den Seen ziehen wolle wie es bis ins Jahr 1906 üblich gewesen sei. Bis dahin sei das Baden an Gewässern in Preußen verboten gewesen. Vor allem der Prüderie dieser Zeit war es geschuldet, dass das Planschen nur in Flussbädern erlaubt war und die Badestellen mit Holzverschlägen blickdicht abgeriegelt waren. Kein Passant sollte weniger bekleidete Menschen im Wasser sehen.

Das Strandbad Wannsee sei das erste gewesen, das 1907 das öffentliche Baden erlaubte, berichtet Oloew - damals allerdings noch weit vor der Stadt gelegen. Dort habe man auch noch streng getrennt nach Männern und Frauen gebadet. Bäder seien in den dann folgenden Jahren zum Ausdruck von Freiheit und Gleichheit geworden. Und diese sozialen Aspekte spielten bis heute neben den sportlichen eine große Rolle. Vor allem Freibäder seien Treffpunkte für Jugendliche. Auch deshalb sei es wichtig, über Lösungen für einen Bäderbetrieb auch in diesen schwierigen Coronazeiten nachzudenken.

Entscheidend ist die Infektionskurve

Vorbereitet sind alle Freibäder auf eine Öffnung: Die üblichen Winterreparaturen seien erledigt, das Wasser ausgetauscht, so Oloew. Ob die Bäder - wenn auch mit Einschränkungen - aufmachen können, hänge auch davon ab, wie sich die Berliner nach der Lockerung der ersten Schutzmaßnahmen verhalten und wie sich die Infektionskurve entwickle.

Sendung: Inforadio, 25.04.2020, 6.20 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um eine Antwort zu verfassen.

Antwort auf [Mona Lisa] vom 11.05.2020 um 18:03
Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

8 Kommentare

  1. 8.

    Die Bäder für die Sport- und Frühschwimmer grundsätzlich für die Bädercard-Inhaber von 06.30 bis 8 oder 9 Uhr zu öffnen der Bäder halte ich für sinnvoll. Für die ohne Bädercard sollte Ticket online mit Zeitfenster möglich sein. Nach den genannten Uhrzeiten sollten die Bäder aber auch für andere Badegäste (mit Zeitbegrenzung von z.B. max. 2 Stunden pro Person, Ticket online mit Zeitfenster) zugänglich sein. Die Duschen ganz zu schließen, halte ich für keine praktische Idee. Vor und nach dem Schwimmen zu duschen ist unabdingbar. Abstände in den Duschen - zumindest bei den Frühschwimmern - einzuhalten, müsste machbar sein. In den Freibädern halte ich es tagsüber für kompliziert, z.B. Seestraße, geht nur mit Aufsicht und kontrolliertem Einlass. Alles in allem ist es dann noch von Bad zu Bad bzw. Freibad sehr unterschiedlich. Schwierige Situation bleibt es allemal.

  2. 7.

    Egoistische Denkweise. Hauptsache die eigenen Bedürfnisse werden befriedigt. Aber man kann es ja mal probieren dieses als "Mitdenken" zu verkaufen.

  3. 6.

    Ich bin seit 40 Jahren Frühschwimmerin in den Berliner Bädern und möchte vorschlagen, die Bäder für die Sport- und Frühschwimmer zu öffnen, die nur zum Schwimmen ins Bad kommen und danach wieder gehen. In den Duschen könnte man jede zweite sperren oder sie ganz sperren, finde ich. Ich denke an Öffnungszeiten von 6h bis 9h nur für die Frühschwimmer. Im Wasser besteht ja keine Ansteckungsgefahr. Ich selber besuche das Bad in Spandau Süd und das Freibad Olympiastadion.
    Ich habe dies vor einigen Tagen bereits den Bäderbetriebe geschrieben, die mir aber leider nur eine ganz allgemeine Antwort geschickt haben. Schade, ich hatte gehofft, die Vorschläge und das Mitdenken treuer Kunden würden beim Nachdenken über mögliche Lösungen mit einbezogen werden.

  4. 5.

    Ich bin für die Öffnung der Schwimmhallen. Wie bereits im Artikel geschrieben: Chlor tötet die Viren, Keime und Bakterien ab. Ferner gibt es funktionierende Wasserreinigungsanlagen für das Wasser in den Becken. Wenn noch eine Begrenzung der Schwimmhallennutzer stattfindet kann hier nicht mehr passieren als irgendwo anders. Immerhin hat man wochenlang im öffentlichen Nahverkehr die Leute dicht gedrängt fahren lassen (U-Bahn, Regionalexpress etc.) - den Orten wo die Leute wirklich dicht gedrängt aneinander stehen (tagein tagaus) und alles ohne Mundschutz. Aber Schwimmhallen und Friseure schliessen wegen Ansteckungsgefahr. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln. Die etablierten Parteien im Bundestag sowie den Landtagen werden bei den nächsten Wahlen schon sehen wie Bürgernah ihre Politik war.

  5. 4.

    Ach auch so ein ängstlicher der wahrscheinlich glaubt sich im Wasser anzustecken, oh mann lass Hirn vom Himmel regnen.
    Wenn sie sich gerne einsperren lassen dann bitteschön, aber versuchen sie das nicht anderen aufzudrücken, vielen Dank!

  6. 3.

    An welchen See wollen Sie denn mit Hund? Der Grunewaldsee ist aus Sicherheitsgründen gesperrt.
    Ihre Art zu kommentieren, ist sehr despektierlich.

    "Vorbereitet sind alle Freibäder auf eine Öffnung: Die üblichen Winterreparaturen seien erledigt, das Wasser ausgetauscht, so Oloew."
    Dann sollten die Berliner Bäderbetriebe, mit einem sehr hohen Etat für Kommunikation und Werbung, uns Bilder zeigen von allen befüllten Schwimmbecken und weiteren Becken. Fakt ist, dass eben nicht überall "das Wasser ausgetauscht" ist. Etwas genauer geht es doch sicher für Herrn Dr. Oloew.
    "Doch für viele Gäste sei es bislang üblich, den ganzen Tag im Freibad zu verbringen."
    Üblich, das ist derzeit nichts und daran müssen sich auch diejenigen gewöhnen, die meinen, man müsse alles so machen, wie sie es gewohnt sind

    Der ganze Rest ist schön erklärt. Da hat die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen einen Pandemieplan erstellt, den kann jeder nachlesen.
    Was sagt denn Dr. Kleinsorg zu allem?

  7. 2.

    Der Würgermeister hat noch nicht verstanden, dass selbst in Brandenburg Sport und Bewegung an der frischen Luft erlaubt ist...

    Was die Frei - und Schwimmbäder angeht ... wo ein Wille da ein Weg. Wie lange solch Planungen inzwischen dauern, wissen wir ja nun schon. Wäre schön, wenn man behördenseitig schon mal anfängt, bevor der Sommer vorbei ist, und die nächste Branche hinüber ist.

    Für viele Menschen ist schwimmen die einzige Sportart die sie noch ausführen können.

    Die Bäderbetriebe, sowie auch private Betreiber haben sicher schon die richtigen Pläne in der Tasche.

  8. 1.

    "Noch gibt es dort keine Verbote an den Seen."... ein schlechter Scherz, oder? Dann erkläre mir einer, warum unser Würgermeister sich rausnimmt, einen See mit rot- weißem Flatterband abzusperren. Nicht alle kommen mit KFZ, vielleicht wohnt der eine oder andere hier und will mit seinem Hund an den See. Ich will das jedenfalls. Jedes Jahr nimmt man auf Hinz und Kunz Rücksicht. Echt, es reicht.

Das könnte Sie auch interessieren