Zahlreiche Menschen genießen am 05.04.2020 das sonnige Wetter auf dem Tempelhofer Feld. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Bild: dpa/Christoph Soeder

Corona-Verordnung - Das gute Wetter ist die "Nagelprobe" fürs Kontaktverbot

Viele Menschen in Berlin und Brandenburg zog es am sonnigen Wochenende ins Freie. Die Polizei zieht eine positive Bilanz, die Mindestabstände seien meist eingehalten worden. Sie hofft, dass dies angesichts des weiterhin warmen Frühlingswetters auch so bleibt.  

Was Sie jetzt wissen müssen

Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen bis 18 Grad sind auch am Sonntag viele Menschen in Berlin und Brandenburg trotz der Corona-Pandemie draußen unterwegs gewesen, um das gute Wetter zu genießen. Für die kommenden Tage sind Sonne und sogar noch höhere Temperaturen angesagt.

In Berlin und Brandenburg haben sich die allermeisten Menschen an die Corona-Regeln gehalten. Diese Bilanz zog die Polizei in beiden Bundesländern. Bei sonnigem Wetter waren in Berlin viele Spaziergänger und Jogger in den Parks unterwegs, viele legten sich auch auf Picknickdecken, hielten aber die vorgeschriebenen fünf Meter Anstand zueinander meist ein. Hin und wieder habe jemand gegen die Verordnung verstoßen, sagte eine Berliner Polizeisprecherin. Es habe aber keine sogenannten "Corona-Partys" gegeben. Es seien mehr Beamte unterwegs gewesen, um Parks und Grünanlagen zu kontrollieren.-

Für Brandenburg sagte ein Polizeisprecher, die Situation im Land sei entspannt. Es habe wie in Berlin Ordnungswidrigkeiten gegeben, so seien verbotenerweise Spiel- und Sportstätten betreten worden.

Polizei in Berlin und Brandenburg überwacht Kontaktverbot

Auch am Sonntag war die Berliner Polizei wieder im Einsatz, um die Einhaltung des wegen der Corona-Pandemie erlassene Kontaktverbots zu überwachen. Beamten schritten gegein eine Demonstration am Brandenburger Tor ein. Dutzende Teilnehmer forderten unter dem Motto "Leave No One Behind", Geflüchtete aus griechischen Lagern aufzunehmen. Nach wenigen Minuten räumte die Polizei den Platz.

Am Samstag war die Berliner Polizei mit rund 500 Beamten und einem Hubschrauber im Einsatz. Am Nachmittag hatte die Polizei resümiert, es gebe hin und wieder "ein paar Verstöße gegen die Verordnung". So hatte die Polizei am Samstag am Rosa-Luxemburg-Platz eine nicht genehmigte Demonstration gegen die Corona-Verordnung aufgelöst. Für ein endgültiges Fazit sei es allerdings noch zu früh, hieß es am Sonntag.

Pragmatische Brandenburger nehmen Regeln hin

Von der Brandenburger Poliztei hieß es am ersten Wochenende nach Inkrafttreten des Bußgeldkatalogs wegen der Corona-Epedemie, die Brandenburger gingen pragmatisch und nüchtern mit den Regeln der Landesregierung um. Insgesamt sei die Situation im Land sehr entspannt, sagte Polizeisprecher Torsten Herbst der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag.

Seinen Angaben zufolge gab es am Samstag 277 Corona-bedingte Einsätze. Darunter fielen 11 Strafanzeigen. Die Polizei nahm 62 Ordnungswidrigkeiten auf, darunter überwiegend wegen Verstoßes gegen Betretungsverbote, etwa von Spiel - und Sportstätten. 248 Platzverweise wurden ausgesprochen. Bei insgesamt etwa 1.000 Polizeieinsätzen am Tag sei das ein vergleichsweise niedriger Wert, sagte Herbst.

Kalayci: "Bleiben Sie zuhause"

Der Leiter des Brandenburger Corona-Krisenstabs, Michael Ranft, sieht derweil das wärmere Wetter der kommenden Tage als "Nagelprobe". Das Entscheidende sei, wie vernünftig sich die Menschen auch bei diesem schönen Wetter verhielten, sagte der Gesundheitsstaatssekretär der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. Der Krisenstabschef warnte vor deutlich mehr Krankheitsfällen von Covid-19, wenn die Ausgangsbeschränkungen nicht eingehalten würden.

Ähnlich äußerte sich die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). Sie appelliert an die Berliner, möglichst zuhause zu bleiben. "Verlassen Sie die Wohnung nur, wenn Sie triftige Gründe haben, einkaufen, zur Arbeit gehen oder zum Arzt gehen", sagte die Senatorin in einem Kurzvideo, das die Senatsverwaltung für Gesundheit am Sonntag twitterte. Zwar räumte die Senatorin ein, dass es möglich sei, an die frische Luft zu gehen. "Dennoch möchte ich Sie bitten, dass Sie dabei nicht unvorsichtig werden", sagte Kalayci. Denn die Epidemie habe ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht.

Berlin und Brandenburg haben das seit 23. März geltende sogenannte Kontaktverbot inzwischen bis zum 19. April verlängert. Zunächst war die Verordnung bis diesen Sonntag befristet. Um Verstöße gegen die Regeln besser ahnden zu können, gilt sowohl in Berlin als auch in Brandenburg mittlerweile ein Bußgeldkatalog.

Sendung: rbb24, 05.04.2020, 17 Uhr

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68 Kommentare

  1. 68.

    Hallo Sonnenkind, genau so sehe ich es auch. Jeden Morgen strahlend blauer Himmel, das Jubeln der Wetterfrösche lässt nicht lange auf sich warten . Die Natur ächzt schon wieder unter der Trockenheit, wie kann man sich da verantwortlich über "schönes" Wetter freuen???
    I

  2. 67.

    Geli, nur mal vorstellen, man hätte empfohlen von Anfang an - was zweifellos die beste Lösung gewesen wäre - Masken zu tragen, woher nehmen, wenn nicht stehlen? Es GIBT einfach keine, und damit ist es dann auch vorbei mit dem Maskentragen. Keiner hat Bestände, das Zeug kommt (billigbilliggeizistgeil) aus China (es lebe die Globalisierung!) und da kommts gerad nicht her, die sind a) hustenkrank und b) brauchen sie es selber, nicht zuletzt c) gibts Länder, die mehr dafür zahlen würden...

    Deswegen wird hier gegen Masken im Nahkampf gewettert. Aber je näher man kommt, desto wichtiger ist eine Barriere. Beim Hustenden und beim Gesunden. Haben beide so ein Teil, fallen die Viren keinem zur Last, sondern ungenutzt zu Boden ;-)

    Man muss aber nicht panisch werden, draußen ist es schon schwierig, einen Huster zu finden. Im Supermarkt kommen die allerdings ganz leise von hinten, ganz nah ran... meist Kerle... und husten dann los! Ätzend!

  3. 66.

    @Sonnenkind: ich gebe Ihnen so was von Recht und bete mit Ihnen. Ich denke, das Volk draußen ist mittlerweile eine größere Gefahr als wenn man bspw. seine Eltern zu Ostern wenigstens zum Essen zu sich nach Hause holt. Vorausgesetzt natürlich man gehört nicht zu den Menschen, die draußen nach wie vor machen was sie wollen und sich nicht an Regeln und die Hust-/Nieß-Etikette halten.
    Der Natur täte Dauerregen auch gut!!!

  4. 65.

    "Jemand mit feuchter Aussprache oder einfach nur die feuchte Atemluft reichen, "

    Na, dann sind wir uns ja doch einig :) Ihren Kommentar weiter unten habe ich dann wohl falsch verstanden, weil Sie meinten, das Virus würde einen nicht im vorbeigehen auf dem gehsteig "anspringen". Ich dachte, Sie wollten damit sagen, die räumliche Nähe im Freien würde nicht ausreichen um sich anzustecken. Was wohl jedenfalls Wolle meinte, als er sagte, Viren fliegen nicht und werden auch nicht eingeatmet.

    "Neu" an der frisch veröffentlichen Studie scheint zu sein, dass der Übertragungsweg Luft doch bedeutsamer zu sein scheint als bisher angenommen. Allerdings frage ich mich dann, wieso auch speziell beim Maskentragen von Anfang an betont worden ist, dass einfache Masken nicht dem Eigenschutz dienen, weil sie die feinen Aerosol-Tröpfchen nicht sicher aufhalten und man sie außerdem auch seitlich "einatmen" könnte. Aber vermutlich hab ich auch da wieder was falsch verstanden...

  5. 64.

    Geli, was genau davon war neu? Jemand mit feuchter Aussprache oder einfach nur die feuchte Atemluft reichen, um bei weniger als einsfuffzig Abstand - siehe Video Uni Weimar - eine TRÖPFCHENinfektion hervorzurufen. Besser noch, man bleibt 2 m weg. Das ist natürlich bei anderen Mist-Krankheiten auch so. Aber da sterben nicht so viele alte Menschen (Durchschnittsalter der Verstorbenen: 81).
    Stell dich im eisigen Winter raus, atme und spreche normal - an der "Fahne" in weiss sieht man, wie weit der Atem so schwebt. Und wenn man Pech hat, auch ein Virus auf einem Tröpfchen. Keiner würde auf die Idee kommen, das gleich wieder einzuatmen... draußen... (häusliche Nähe ausgeschlossen).

    Also Abstand, Hände waschen, aber bitte nicht son Mist wie Parkbänke sperren oder weitläufige Demos auseinandertreiben.
    Polizisten sollten Abstand einhalten - Corona wird nicht besser, wenn ein Polizist es verteilt!

  6. 63.

    Könnte mal jemand die TV Wetterfrösche darauf hinweisen, dass die Formulierung "schönes Wetter " gerade eine andere Bedeutung hat?
    Ich bete seit Pandemie Beginn zu Petrus, er möge es alle Tage regnen lassen. Damit der Anreiz wegfällt, durch egoistischen Leichtsinn den Virus zu verbreiten.

  7. 62.

    Der Unterschied besteht darin das es auch noch eine berufstätige Gruppe gibt die täglich zur Arbeit und zurück fährt. Und wer home office macht geht vormittags normalerweise auch nicht spazieren. Niemand wird eingesperrt aber Rentner verfügen nun mal über ein viel größeres Zeitfenster als Arbeitnehmer und Menschen mit Kindern. Der Gedanke war das ganze Aufeinandertreffen etwas zu entzerren!

  8. 61.

    Mir ist schon klar dass die Viren weder Beine zum Springen noch Flügel zum Fliegen hat. Dann nehmen wir halt den Ausdruck "Bus", den mir die Alt-West-Berlinerin vorschlug. Viren schweben in Aerosol-Bussen durch die Luft und können so von A nach B gelangen - ist das besser? ;)
    Hab grad mal nach neuesten Studien gesucht, hier eine vom National Academy of Sciences (NAS) der USA
    https://www.nap.edu/read/25769/chapter/1
    Ein Focus-Artikel von heute sagt:
    „Aktuelle Forschungen stützen die Möglichkeit, dass Sars-CoV-2 direkt durch Bioaerosole verbreitet werden könnte, die beim Ausatmen infizierter Personen entstehen“, schreibt darin der NAS-Infektiologe Harvey Fineberg. Damit könne das Virus etwa bei Gesprächen zwischen Menschen übertragen werden."

    Damit wird auch plausibel, warum Menschen andere auch schon anstecken können, wenn sie noch keine Symptome haben - also noch gar nicht husten usw., sich aber weniger als 1,5 m voneinander entfernt aufhalten.

  9. 60.

    Herr Radfahrer, wo liegen die Unterschiede wenn alle Mitbürger mit Ausgangsbeschränkungen leben? Weshalb soll es eine Trennung von Rentnern und ans Haus gebundene Arbeitnehmer geben? Selbst jüngere Menschen können so auch Vormittags einkaufen gehen...

  10. 59.

    Ihre Meinung ist nun bekannt. Was Sie immer wieder verneinen, ist der Umstand, dass Berlin sagt „ihr dürft nicht raus, nur aus triftigen Gründen“. Das ist eine über die bundesweite Absprache (Kontaktsperre) hinausgehende Regelung. Erst dadurch entstehen überhaupt Diskussionen um Parkbänke und Parks etc. ... Eine Kontaktsperre (Draußen Abstand halten) ist weniger streitbelastet. Niemand sollte erklären müssen, warum er das Haus verlässt. Wichtig ist der Abstand zu anderen.

  11. 58.

    Oh je, damit die Motorradfahrer endlich ungebremst ihre privaten Rennen ausfahren können.
    Am Sonntag waren die Lärmwerte der voll ausgefahrenden Maschinen im Berliner Umfeld nicht zu überhören.
    Es war keine Polizei zu sehen, sie hätte auch keine Chance gegen diese Fahrer gehabt.

  12. 57.

    Danke für den Link, sehr interessant! Also auch Atemschutzmasken bieten nur begrenzten Schutz. Abstand halten und häufiges Hände waschen mich ich auch von jeher zu Grippewellenzeiten, nur wie gesagt, Covid-19 scheint ein noch angriffslustigeres Virus zu sein, als das bzw. die der Grippe.

  13. 56.

    Schau hier das Material der Uni Weimar, wie weit die Atemluft (nebst Inhalt) fliegt beim Husten:
    https://www.uni-weimar.de/de/universitaet/aktuell/bauhausjournal-online/titel/abstand-halten-neues-video-der-bauhaus-universitaet-weimar-verdeutlicht-wie-sich-atemluft-ausbreite/
    Husten ist das Haupt-Symptom der Corona-Infizierten.
    Natürlich ist auch Schmieren möglich - nur kalt abgebrauste Gläser in einer Bar im Skigebiet. Geteilte Chipstüten oder Erdnuss-Schälchen, kreisende Bierflaschen oder Zichten, mit angehusteten Handen angegrabbeltes Obst/Gemüse, das man nicht ordentlich wäscht. BVG-Haltestange, Einkaufswagen-Griff, Türklinke, Lichtschalter, der Kuli und das Stethoskop vom Doc im Krankenhaus. Alles, was sonst auch fies ist, ist mit Corona fieser, weil Corona einfach für Ältere sehr gefährlich ist, und für Vorerkrankte, Geschwächte.

    Händewaschen und Abstand sollte aber eigentlich tatsächlich immer sein. Oder bin ich da immer schon zu pingelig???

  14. 55.

    Bitte richtig lesen:
    Ich habe geschrieben:"Berlin hat doch aber gar keine Ausgangssperre und im Gegensatz zu Brandenburg, können die Menschen auf Bänken und Wiesen mit entsprechenden Abstand ausruhen. Ansonsten ist Radfahren, Skaten, Joggen und auch der Spaziergang erlaubt, abgesehen von Einkäufen,Arzt- und Apothekenbesuchen."
    Also kann doch die 4-köpfige Familie raus und ich bleibe auf meinen Balkon.
    Was ist daran missverständlich?

  15. 54.

    Was verbreiten Sie denn hier?. Corona überträgt sich durch Tröpfchen, die in die Schleimhäute gelangen. Es fliegt nicht und wird nicht eingeatmet.

  16. 53.

    Nur mal so: ältere Mitbürger könnten doch, wenn sie die Möglichkeit haben, z. Zt. unter der Woche vormittags einkaufen und spazieren gehen um so für jüngere Menschen am Nachmittag/Abend mehr Platz zu machen. Damit verringert man das Infektionsrisiko für sich selbst und andere. Ich gehöre übrigens selber zur over fifty Generation und fahre z.B. Sonntags nie mit dem Rad weil in dieser Zeit viele Familien unterwegs sind.

  17. 52.

    Über Corona weiß man leider noch nicht so wahnsinnig viel. Aber eins ist sicher: die Erkrankung durch Covid-19-Viren ist um einiges ansteckender als die Grippe, die Übertragung findet über Tröpfchen- und Schmierinfektion statt, in der Luft bewegen sich die Viren 1,5 m weit, bevor sie zu Boden gehen. Mehr ist noch nicht bekannt.

  18. 51.

    Zippy, Du willst nicht behaupten, in Brandenburg (Falkensee) sei durch den Autoverkehr so wenig Platz übrig, dass Fußgänger den Abstand nicht wahren können? Ich glaube, es ist ein schlichtes Verteilungsproblem... in Brandenburg wäre Platz für alle Berliner, mit Abstand von mehreren km dazwischen....

  19. 50.

    Viren können sich nicht selbständig fortbewegen. Sie brauchen einen "Bus". das sind Speicheltröpfchen. Aerosole ohne Vernebler im Mund herzustellen ist eher schwierig. Bitte den Film anschauen. Auch die rbb-Filmchen sind hilfreich.

  20. 49.

    "Still aufm Balkon oder am offenen Fenster stehn und runtergucken ist nicht dasselbe." genau DAS behauptet aber Paula W. seit Tagen hier. Sogar für Leute ohne Balkon.

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