Debatte um Schutzmasken - Nähst du noch? Oder trägst Du schon?

Mo 20.04.20 | 07:56 Uhr | Von Birgit Raddatz
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Eine Frau trägt in Berlin-Kreuzberg eine Mundschutzmaske von einer Berliner Modedesignerin. (Bild: imago-images/Emmanuele Contini)
Audio: Inforadio | 20.04.2020 | Birgit Raddatz | Bild: imago-images/Emmanuele Contini

Die Bundeskanzlerin empfiehlt sie "dringend", Sachsen macht sie zur Pflicht, Berlin erstmal nicht: Wenig spaltet die Gesellschaft derzeit so sehr, wie das Tragen einer Schutzmaske. Ein kleines Stück Stoff - und viele Meinungen. Von Birgit Raddatz

Vor dem kleinen Supermarkt in der Sprengelstraße in Berlin-Wedding bilden sich schon seit Wochen lange Schlangen. Nicht mehr als 25 Menschen sollen sich gleichzeitig im Inneren aufhalten, so will es die Edeka-Leitung.

Der 60-jährige Bruno wohnt in der Nähe und geht fast täglich einkaufen. Eine Maske hat er heute nicht aufgesetzt, dabei hat er sich extra vier Stück von einer Schneiderin nähen lassen. "Im Supermarkt und in der Bahn halte ich das für sinnvoll, aber ich vergesse es, die ab und zu mitzunehmen."

Auch der 27-jährige Hasa war gerade einkaufen. Er trägt seine Maske überall und ständig. Ihn nervt, dass es andere nicht tun. "Ich finde, das sollte Pflicht sein, wenn man alleine eine Maske trägt und sich die ganze Zeit Gedanken um andere macht und sieht, dass den anderen das egal ist, ist das schon scheiße."

Handelsverband plädiert für Pflicht

Der Handelsverband Berlin-Brandenburg forderte schon vor Wochen eine Maskenpflicht. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat der allerdings vorerst eine Absage erteilt. Müller sagte nach der Senatssitzung am Donnerstag, er empfehle die Masken, weil sie ein zusätzlicher Schutz seien. "Wir wollen sie aber nicht vorschreiben für jede Art von Lebenssituation."

Der Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, setzt daher auf eine Art Bürgerpflicht. "Es muss zur Normalität werden, dass jeder eine Maske trägt. Es sollten die angeschaut werden, die keine tragen, und nicht andersherum."

Das Gefühl, mit der Maske komisch angeschaut zu werden, kennt auch Jens*. Er war gerade mit seiner Frau einkaufen. Beide tragen eine Maske, die ihnen die Schwiegermutter genäht hat. "Es ist schon besser geworden", sagt er. "Aber vor ein paar Wochen wurde ich noch zum Teil angepöbelt oder ausgelacht, weil ich eine Maske trage."

Masken sind Mangelware

Selbst wenn sich die Regierung zu einer Maskenpflicht durchringen würde, gäbe es gar nicht genug für jeden. Von der Supermarktkette Edeka heißt es dazu, man unterstützte die Maskenempfehlung soweit wie möglich. Zum jetzigen Zeitpunkt seien sie aber nicht in der Lage, ausreichend Schutzmasken für Kundinnen und Kunden und für die Mitarbeitenden zur Verfügung zu stellen. "Wir hoffen aber, bis Anfang Mai in unseren Geschäften Masken zum persönlichen Schutz anbieten zu können", teilte eine Sprecherin auf rbb24-Anfrage mit.

Expertinnen und Experten plädieren außerdem weiterhin, einen Mindestabstand von 1,5 Meter einzuhalten. Nur ist das nicht immer so einfach möglich, vor allem nicht im öffentlichen Nahverkehr.

Abstand als wichtigste Schutzmaßnahme

Andres schiebt gerade sein Fahrrad in die S-Bahn. Er arbeitet in der ambulanten Pflege und trägt eine sogenannte FFP-2 Maske. In der S-Bahn hielten die meisten den Abstand noch ein, setzten sich zum Beispiel nicht direkt nebeneinander, schildert er die Situation. In der U-Bahn sei das schon anders. Die BVG fährt derzeit meist nur im Zehn-Minuten-Takt. Das führt dazu, dass sich mehr Menschen in einem Waggon aufhalten müssen. "Ich habe so oft auf die BVG geflucht in den letzten Tagen, weil das einfach nicht zielgerichtet ist", so der Pfleger.

Maske hin oder her - die Enge müsse im Fokus stehen, meint Andres. Die Frage sei auch nicht, ob mehr Geschäfte wieder aufmachen sollten, sondern, ob dort dann ein gewisser Sicherheitsabstand eingehalten werden kann.

*Name von der Redaktion geändert

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