Corona-Behandlung in Potsdam - Fünf Tote innerhalb eines Tages im Ernst-von-Bergmann-Klinikum

Mi 08.04.20 | 11:10 Uhr
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Symbolbild: Das Ernst Bergmann Klinikum in Potsdam. (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 08.04.2020 | Tim Jaeger | Bild: dpa

Das Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum ist im Ausnahmezustand. Vergangene Woche wurden zahlreiche Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet, mehr als 90 Patienten sind wegen der Krankheit in Behandlung. Die Staatsanwaltschaft wurde informiert.

Was Sie jetzt wissen müssen

Im Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum sind innerhalb von 24 Stunden fünf Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Das teilte die Stadt Potsdam am Dienstag mit. Die vier Männer und eine Frau hätten alle an schweren Vorerkrankungen gelitten und seien zwischen 71 und 95 Jahren alt gewesen.

Die Landeshauptstadt ist das Zentrum der Infektionen und der Corona-Todesfälle in Brandenburg. Sie hatte in der vergangenen Woche wegen der Häufung von nachweislichen Coronavirus-Infektionen im Bergmann-Klinikum einen Aufnahmestopp verhängt. Nur Notfälle dürfen dort noch hinein wie etwa Menschen mit einem akuten Herzinfarkt.

Klinik will Konsequenzen prüfen

In der Klinik seien derzeit 88 mit dem Coronavirus infizierte Patienten in stationärer Behandlung, hieß es weiter, davon 14 auf einer Covid-Intensivstation, elf von ihnen werden beatmet. Bis Dienstag waren 21 Corona-Patienten in dem Haus gestorben. Im Alexianer St. Josefs Krankenhaus Potsdam werden aktuell 27 Menschen mit einer Infektion stationär behandelt, davon zwei Patienten auf der Intensivstation, die auch beatmet werden.

Am Ernst-von-Bermann-Klinikum sollen nun auch mögliche Konsequenzen aufgrund der Häufung von Infektionsfällen geprüft werden. Vergangene Woche wurde bekannt, dass mehr als 80 Mitarbeiter der Klinik von dem Coronavirus infiziert wurden. Experten des Robert-Koch-Instituts aus Berlin haben die Klinik besucht - nun liegt dem Gesundheitsamt nun ein Bericht vor, wie die Stadt am Dienstag mitteilte. "Der Bericht wird jetzt erst einmal geprüft und die Maßnahmen werden um die notwendigen Schritte erweitert", sagte ein Sprecher. 

Staatsanwaltschaft soll klären, ob Straftaten vorliegen

Nach Angaben der Stadt solle das Abstrich-Management neu justiert werden. Zudem müssen Meldungen über Infizierte entsprechend dem Infektionsschutzmeldegesetz weitergegeben werden. Am Montag seien gegen drei Ärzte Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden wegen Versäumnissen laut Infektionsschutzmeldegesetz, sagte Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Die Ärzte seien um Stellungnahmen ersucht worden.

Unterdessen seien auch zwei Verfahren gegen zwei Mitglieder der Geschäftsführung des Bergmann-Klinikums dazu gekommen. "Es könnten bei ihnen Versäumnisse bei der Meldepflicht und beim Ausbruchs-Management vorliegen", sagte Schubert. Die Verfahren seien nun der Staatsanwaltschaft übergeben worden, um zu klären, dass keine Straftaten vorliegen. "Es geht nicht um eine Strafanzeige, sondern um eine Klärung der Vorwürfe", betonte er. Zudem wird nach den Angaben externer Sachverstand ins Boot geholt, um weitere Hilfe zur Beherrschung der Lage zu haben.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte dem rbb den Eingang einer entsprechenden Nachricht der Stadt Potsdam und prüft, ob es überhaupt einen Anfangsverdacht gibt, sie ermittelt aber noch nicht. Nähere Auskünfte waren zunächst nicht möglich.

Mehr Unterstützung gefordert

Ärzte, Kranken- und OP-Schwestern sowie weitere Beschäftigte aus mehr als 20 Krankenhäusern in Brandenburg fordern in der Corona-Krise die Unterstützung der Landesregierung für Schutzausrüstung. "Das Land Brandenburg muss einen Weg finden, Masken, Schutzkittel, Schutzbrillen, Handschuhe und Desinfektionsmittel zu produzieren - sofort!!", heißt es in einem offenen Brief, der an Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) ging.

Außerdem forderten die Beschäftigten mehr Personal für alle an der Krankenversorgung beteiligten Bereiche "durch schnelle und unbürokratische Einstellungen". Es müsse eine feste Zuordnung von Reinigungspersonal auf den Stationen geben sowie extra Personal für die Außenbereiche, heißt es in dem Schreiben, das von über 30 Beschäftigten unterzeichnet wurde - darunter Ärzte, Gesundheits- und Krankenpfleger, Krankenschwestern und OP-Fachkräfte. "Quarantäne muss auch für Krankenhausbeschäftigte gelten.

Nonnemacher berichtet am Mittwochmorgen im Gesundheitsausschuss des Landtags in einer Sondersitzung über die aktuelle Lage und über die Maßnahmen der Landesregierung. Der Ausschuss findet unter besonderen Bedingungen statt - nämlich als Telefonkonferenz. In Brandenburg sind mehr als 1.500 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Es starben bereits mehr als 30 Menschen.

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