Petra Wunderling arbeitet in ihrem Garten in Berlin-Treptow (Quelle: rbb/Super.Markt)
Bild: rbb/Super.Markt

Obst- und Gemüseanbau in Corona-Zeiten - Mit 20 Quadratmetern zur Selbstversorgung

Vor allem in Corona-Zeiten wird der eigenen Balkon oder Garten zum wichtigen Rückzugs- und Erholungsort. Da ist die Frage naheliegend, ob es möglich ist, sich selbst das ganze Jahr über mit frischem Obst und Gemüse zu versorgen. Von Jördis Götz

Was Sie jetzt wissen müssen

Mindestabstände im Supermarkt, leere Regale und Streit um die letzte Salatgurke. Viele Verbraucher, die einen Garten oder einen Balkon haben, fragen sich neuerdings, ob es möglich ist, sich selbst das ganze Jahr über mit Tomaten, Beeren oder Kartoffeln selbst zu versorgen. Das geht im größeren Stil im Garten, aber mit ausgewählten Sorten auch auf dem Balkon. 

Petra Wunderling aus Berlin-Treptow hat damit Erfahrung. "Man braucht halt viel Zeit, viel Wasser", sagt die Hobbygärtnerin. "Aber für einen selbst ist es auch was unglaublich Schönes." In ihrem Garten hat sie bereits 15 Obstbäume und 20 Quadratmeter Gemüsebeet bepflanzt. Doch aus aktuellem Anlass will sie ihre Anbaufläche für Gemüse weiter vergrößern, um noch unabhängiger vom Angebot im Supermarkt zu werden.   

Das ist sicher ein extremes Beispiel. Doch der Ansatz von Petra Wunderling ist für jeden interessant. Eigenes Obst und Gemüse kann das Angebot im Supermarkt ergänzen - auch in kleinem Stil mit eigenen Pflanzen auf dem Balkon. "Grundsätzlich ist es wichtig, sich Freilandsorten anzuschaffen", erklärt Anna Stein, Inhaberin der Jungpflanzenmanufaktur in Berlin-Britz. Als Einsteigerpflanzen empfiehlt die Expertin für den Sommer Paprika, Zucchini, Tomate oder Rote Beete. Kohl, Sellerie und Kartoffeln für den Winter, zum Einlagern. Exotische Pflanzen oder Broccoli sind eher was für Fortgeschrittene. Gepflanzt wird im April, empfindliche Pflanzen wie Tomaten, Gurken und Paprika erst im Mai.   

Jungpflanzen direkt aus Gewächshäusern kaufen

Viele Geschäfte, die normalerweise junge Obst- und Gemüsepflanzen für den Eigenanbau anbieten, sind derzeit geschlossen. Dafür stapeln sich die Jungpflanzen nun in den Gewächshäusern. Auch die Berliner Gärtnerin Anna Stein kann ihre Sorten nicht an Händler liefern und verkauft sie deshalb direkt an Kunden. Andere Gärtnereien versuchen den Pflanzenversand per Post, aufwendig verpackt mit Stroh und Pappe. "Je länger die Pflanze unterwegs ist, umso länger kriegt sie kein Licht", sagt Anna Stein. Den Transport sähe man der Pflanze an, aber sie erhole sich mit etwas Geduld auch wieder.

Hobby-Selbstversorgerin Petra Wunderling dagegen zieht Zucchini und Kürbis aus Samen. Das spart Geld, denn die Samen sind natürlich günstiger als fertige Pflänzchen. Ihr Tipp: Einige Sorten selber aussäen, andere dazukaufen. Die Preisspanne für kleine Pflanzen aus der Gärtnerei ist groß: 50 Cent für Salat und Kohl, bis zu vier Euro für Tomaten. 

Das A und O ist der Bodenbelag

In ihrem Garten in Treptow investiert Petra Wunderling viel Arbeit in die Beet-Vorbereitung. Sie weiß: Der Bodenbelag ist besonders wichtig für eine reichliche Ernte. Mit Gartenabfällen stellt sie ihren eigenen Kompost her, einen nährstoffhaltigen Bodenbelag. Alternativ gibt es auch fertige Kompostmischungen bei Kompostieranlagen oder im Internet zu kaufen.  

Wer Kompost selbst macht, braucht Geduld. Der Prozess des Verrottens dauert. Ein Profitipp: Mit Kompostwürmern lässt er sich auf das Doppelte beschleunigen. "Kompostwürmer zerfressen verrottendes Pflanzenmaterial und hinterlassen einen wunderbaren Humus", erklärt Gärtnerin Anna Stein. Auch sie setzt auf diese Methode. Manche Gärtnereien oder Onlineshops verkaufen Starterpakete mit den Würmern für rund 15 Euro. Eine kleine Kompostkiste auf dem Balkon funktioniert übrigens auch.  

Einfach loslegen, durchhalten lohnt sich

Ist das Beet bereit, geht es ans Einpflanzen. Und erst danach fängt die richtige Arbeit an: Gießen, pflegen und vor Schädlingen schützen. Doch hier zahlt sich Durchhaltevermögen aus. "Die Pflanze bekommt eine gewisse Standfestigkeit, tiefere Wurzeln und kann sich viel selbstständiger versorgen", erklärt Petra Wunderling. Je größer die Pflanze, desto robuster und selbstständiger ist sie. Beispielsweise brauchen junge Pflanzen alle zwei bis drei Tage Wasser, die größeren nur einmal pro Woche, aber dann kräftig.

Deshalb rät die Expertin: einfach machen. Denn es ist nicht schwer. Wer so richtig unabhängig von den Märkten wirtschaften will, braucht allerdings viel Platz: mindestens 20 Quadratmeter pro Person. Und wer auch im Winter von seiner eigenen Ernte leben möchte, braucht nochmal dieselbe Fläche. Aber um über die Saison immer wieder frische Tomaten zu naschen, reicht für eine Person schon eine Pflanze aus. Petra Wunderling und ihr Mann freuen sich jetzt darauf, dass die Sonne bald höher steht und die Gartensaison so richtig losgeht. Dann wird das auch was, mit den eigenen Tomaten.   

Auf einen Blick

  • Himbeeren, Erdbeeren, Tomaten, Paprika oder Kräuter wachsen sogar auch auf kleinen Balkonen recht gut.

  • Als Einsteigerpflanzen im Garten für den Sommer eignen sich Paprika, Zucchini, Tomate und Rote Beete. Für den Winter, zum Einlagern Kohl, Sellerie und Kartoffeln. Gepflanzt wird im April, empfindliche Pflanzen wie Tomaten, Gurken und Paprika erst im Mai.

Sendung: Super.Markt, 06.04.2020, 20:30 Uhr

Beitrag von Jördis Götz

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6 Kommentare

  1. 6.

    Zu empfehlen ist das Buch: Mischkultur im Garten von Gertrud Franck.

  2. 5.

    Hat die Jördis Götz je einen Garten so genutzt wie im Text ? Wir Brandenburger haben selbst Erfahrungen was sinnvoll ist und was nicht. 20m² sind ein kleines Beet. Ich würde dort nur Buschbohnen und Kräuter bestellen. Jedes Regenwasser auffangen. Darf ich das nicht ?

  3. 4.

    Meine Vorschläge passen jemanden nicht ? Grüne Bohnen-Buschbohnen sind immer bekömmlich und so vieles andere auch. Kohlrabi und eigene Frühkartoffeln. Das kennt kaum jemand. Macht den Boden fruchtbar, dann wird alles gut. Und-Regenwasser speichern.

  4. 3.

    Gärtnern ist für mich keine Arbeit, sondern Erholung pur. Es erspart mir Joggen und Fitnesscenter... und das selbst Geerntete ist besser als alles Gekaufte, auch besser als Bio, weil noch frischer. Habe heute den letzten Mangold geerntet, der war eine Stunde später schon auf dem Teller - frischer geht nicht.
    Mit der Zeit lernt man, wieviel von jeder Gemüsesorte auch wirklich gegessen wird. Es gibt jedes Jahr etwas, was nicht gerät - und von anderem eine Schwemme. Ich verschenke, was ich nicht brauche, an Kolleginnen, und wenn auch da kein Bedarf besteht, an die Tafel.

  5. 2.

    Ja, so ein Garten ist eine feine Sache - es baucht aber viel Erfahrung. Ich wurde von kiloweise Obst und Gemüse regelrecht geflutet - zig Kilo Kürbis/Zucchini, rote Beete, Kopfsalat kriegt man dann auch nicht weggegessen - alles sauer einlegen und einwecken ist auch keine Alternative - ich esse heute noch an 5Jahre alten Marmeladen ;) Das beste ist - verschenken. :)

  6. 1.

    Ich habe zwar eine großen Garten ( über 4000 qm) aber nicht immer frisches Gemüse - gerade Jan bis Mai noch nicht/nicht mehr. Der letzte Rosenkohl wurde vor 2 Wochen geerntet und verspeist. Von den Kartoffeln vom Herbst sind jetzt auch nur noch wenige da. Und die Unbillen des Wetters : letztes Jahr sind alle Obstblüten erfroren (Frost am 4.5.), kein Obst ernten können. Jetzt muss ich gießen gießen gießen damit die entstehenden Obstblüten nicht vertrocknen. Mal sehn obs dies Jahr Obst geben wird....allgemein macht die Trockenheit der letzten beiden Jahre sehr zu schaffen. Ohne Brunnen währen die Bewässerungskosten enorm. Klar ist Gärtnern schön und selbst angebautes Gemüse super. Aber wenn man seine Arbeitszeit ( Anpflanzen, Hacken, Unkrautzupfen, Gießen) zusammenrechnen würde könnte man dafür vergoldetes Bio-Gemüse kaufen.

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