Symbolbild: Der Club About Blank, ein alternativer Techno-Club in Friedrichshain am Markgrafendamm. Es ist ein Club für Techno und House. Er nimmt an United we Stream teil, eine Streaming-Plattform von Berliner Clubs und Künstlern, um auf einem Kanal die Vielfalt der Berliner Clubszene zu zeigen. (Quelle: dpa)
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Spenden in der Corona-Krise - "Es geht um Solidarität, da ist vielen die Spendenquittung egal"

Clubs, Kinos, Bars und Geschäfte mussten schließen. Obdachlose verkaufen weniger Straßenzeitungen. Viele Projekte sind nun auf Spenden angewiesen und versuchen diese über das Internet zu bekommen. Mit unterschiedlichem Erfolg. Von Götz Gringmuth-Dallmer

Die postive Nachricht konnte am 7. April um 12:10 Uhr stolz in einem Blogeintrag [externer Link] verkündet werden: Der Berliner Club About Blank am Ostkreuz hatte mit seiner Crowfunding-Kampagne innerhalb von nur wenigen Tagen mehr als 120.000 Euro von mehr als 1.800 Unterstützerinnen und Unterstützern eingesammelt. Mit dem Geld wollen die Betreiber des wegen der Kontaktbeschränkungen am 12. März geschlossenen Clubs die Gehälter der Crew weiterzahlen.

So wie dem Friedrichshainer Club geht es es vielen Clubs, Bars, Geschäften, Künstlern oder sozialen Projekten. Ihnen sind seit der Schließung und den angeordneten Kontaktbeschränkungen die Einnahmen weggebrochen. Da es staatliche Hilfen nur in bestimmten Fällen gibt und diese dann oft nicht ausreichen, versuchen viele der Betroffenen, über Spenden und Crowdfunding-Aktionen an Gelder zu gelangen.

Pasqual vom SO 36 berichtet, dass der Kreuzberger Club frühzeitig damit begonnen habe, um Spenden zu werben. Mit den Geldern, die dadurch im März eingenommen worden seien, habe zumindest der Monatswechsel finanziert werden können, zumal die Miete gestundet worden sei. Die muss dann allerdings später gezahlt werden.

Dazu kommt, dass der Club auf der Oranienstraße 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat: "Manche sind angestellt und arbeiten 35 Stunden in der Woche, für die konnten wir Kurzarbeitergeld beantragen. Andere jobben hier drei Schichten im Monat hinterm Tresen und vielleicht auch noch in anderen Clubs, denen sind jetzt alle Einnahmen weggebrochen", beschreibt er die Situation.

Archivbild: Das Odeon Programmkino in Berlin Schöneberg. (Quelle: dpa)
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Die Kinos brauchen 730.000 Euro

Neben diesen beiden Clubs werben auf der Crowfunding-Plattform Startnext [externer Link] mehr als 100 Projekte und Einzelpersonen aus Berlin und Brandenburg um Unterstützung. Sie kommen vor allem aus den Bereichen Food, Event und Musik, aber auch Bildungsprojekte und Theater benötigen Spenden. Nicht alle sind so prominent und erfolgreich wie das About Blank (Eigenschreibweise: //:about blank), nicht alle benötigen so viel Geld, um halbwegs über die Runden zu kommen.

Die angegeben benötigten und bisher eingeworbenen Summen bei Startnext für Berlin und Brandenburg liegen zwischen einem Euro und 730.000 Euro. Wer einen Euro als Spendenziel eingibt, benötigt natürlich mehr, will sich aber nicht festlegen und ist über jeden Euro froh, der gespendet wird. Die 730.000 Euro benötigen nach eigenen Angaben die Berliner Programmkinos, um ihre Fixkosten zu decken.

Die bisher eingegangenen Spenden reichen von 20 Euro für ein Projekt, was erst ganz frisch auf der Plattform ist bis zu den oben erwähnten mehr als 120.000 Euro. Etwas weniger als die Hälfte der ausgewerteten Projekte hat bis zum 8. April zwischen 1.000 und 5.000 Euro eingesammelt, 17 sogar mehr als 10.000 Euro.

Mehr als 800.000 Euro für Lieblingsorte

Die Plattform helfen.berlin [externer Link] verkauft Gutscheine für Lieblingsorte wie Bars, Restaurants oder Geschäfte um die Ecke. Karsten Kossatz, Initiator der Plattform, zeigt sich überwältigt von der Solidarität der Berlinerinnen und Berliner: "Wir hatten uns als Zielmarke 20.000 Euro gesetzt." Diese wurde inzwischen weit übertroffen. Die Plattform hat nach ihren Angaben innerhalb von drei Wochen für etwa 800.000 Euro Gutscheine für mehr als 2.200 Lieblingsorte verkauft.

Doch nicht alle Orte verkaufen gleich viele Gutscheine, es kommt auf die Vernetzung an. "Die jenigen, die es schaffen, ihre Stammkunden zu aktivieren, zum Beispiel über Newsletter oder soziale Netzwerke, verkaufen mehr Gutscheine", so Kossatz.

Mehr als 360.000 Euro für Clubs

Die nach eingenen Angaben größte Spendenplattform Deutschlands, betterplace.org [externer Link], hat ebenfalls eine eigene Kategorie "Nothilfe Coronavirus". Unter Berlin waren dort Mitte der Woche 26 gemeinnützige Vereine und Organisationen gelistet. Mit dabei zum Beispiel die Karuna-Obdachlosenhilfe, die Arche oder die Berliner Tafel, aber auch die Kampagne United WeStream zur Unterstützung der Berliner Clubs. Sieben Projekte haben bisher einen fünfstelligen Betrag gespendet bekommen, die Kampagne für die Clubs schon mehr als 360.000 Euro. 

"Die Projekte, die sich mit Corona befassen, sind dann auch die, für die im Moment am meisten gespendet wird", so betterplace.org-Vorstand Björn Lampe. Themen außerhalb von Corona hätten es hingegen derzeit schwer, weil die Aufmerksamkeit dafür zurück gegangen sei. Für Vereine wäre das zum Beispiel eine große Herausforderung, weil es für die keine staatliche Unterstützung gibt.

Dazu kommt, das klassische Wege des Spendensammelns wie zum Beispiel auf der Straße oder durch Pfandbecher auf Konzerten, im Moment wegfallen würden. "Man muss jetzt digital kommunizieren", so Lampe. Dafür hätte sich die Einstellung zum Begriff des Spendens geändert: "In der Wahrnehmung der Menschen geht es um Solidarität, da ist vielen die Spendenquittung egal."

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK), welches auch auf betterplace.org um Spenden wirbt, hat nach seinen Angaben auf verschiedenen Wegen in den vergangen zwei Wochen mehr als fünf Millionen Euro für seinen Corona-Nothilfefonds eingesammelt. Dabei wurde der größere Teil nach Angaben des DRK von Unternehmen gespendet. "Wir stellen fest, dass das Spendenaufkommen größer ist als bei Auslandskatastrophen. Bei Auslandskatastrophen gibt es viel mehr Privatspender, im jetzigen Fall gibt es mehr Firmenspenden", sagt Sprecherin Katharina Puche.

Große Spendenbereitschaft für Syrien oder Jemen

Neben der Hilfe für Menschen, die durch die aktuellen Beschränkungen in Not geraten sind, gibt es viele Organisationen, die weltweit aktiv und ebenso auf Spenden angewiesen sind. Eine Umfrage von rbbI24 bei großen Spendenorganisationen gibt ein differenziertes Bild ab, was die aktuelle Spendenbereitschaft betrifft.

So beobachtet Birte Steigert von der Aktion Deutschland Hilft, dass viele Spender aktuell gezielt für die Menschen in Syrien, im Jemen oder auch für das Spendenstichwort "Nothilfe weltweit" spenden. Diese Spendenbereitschaft neben einem "aktuellen" Aufruf habe die Organisation in der Vergangenheit so noch nicht beobachtet. Die Spendenbereitschaft zum Stichwort "Corona-Nothilfe weltweit" schätzen die Organisation zum jetzigen Zeitpunkt und im Vergleich - zum Beispiel mit dem Spendenaufruf für die Betroffenen von Zyklon Idai (einem Tropensturm, der 2019 vor allem in Simbabwe und Mozambik schwere Verwüstungen verursachte) - dagegen eher zurückhaltend ein.

Die Welthungerhilfe berichtet, dass die Spendeneinnahmen im März 2020 etwa 11 Prozent über den Werten aus März 2019 lägen, wobei Sondereffekte für diesen Vergleich herausgerechnet worden seien.

Von der Organisation World Vision Deutschland hieß es, dass derzeit kein Rückgang der Spenden feststellbar sei, weder bei den Einmalspenden noch bei der Zahl der Patenschaften. Dies gelte auch im Vergleich zum März 2019. Zwar habe der Tropensturm Idai ein höheres Spendenaufkommen hervorgerufen, signifikant aber erst im April 2019, so der Sprecher Dirk Bathe.

Doch nicht alle Organisationen können sich über hohe Spendenzuwächse freuen. Max Mälzer vom Deutschen Spendenrat, dem Dachverband Spenden sammelnder gemeinnütziger Organisationen in Deutschland, berichtet auch von Mitgliedsorganisationen, die im Moment in Bezug auf das Spendenaufkommen sehr vorsichtig planen würden. Andere hingegen würden sogar von Zuwächsen berichten. Sein aktuelles Fazit in Bezug auf die allgemeine Spendenbereitschaft ist: "Das Katastrophenszenario, wie es sich zunächst bei den Spenden abgezeichnet hat, stellt sich derzeit glücklicherweise nicht mehr so dar."

Für den Club About Blank wird indes weiter gespendet. Am Donnerstagmittag stand der Spendenzähler auf Startnext bereits bei mehr als 130.000 Euro.

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Beitrag von Götz Gringmuth-Dallmer

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1 Kommentar

  1. 1.

    Es tut mir zwar für die unzähligen Mitarbeiter leid, die jetzt vor dem nichts stehen und nicht wissen wie es weitergeht.

    Aber nicht um die Clubs, die oft unverschämte Preise für Getränke verlangen, die Chefs oder Besitzer werden sich schon ein dickes Polster angespart haben, die Angestellten werden aber mit einem Hungerlohn abgespeist !!!

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