Symbolbild: Junge Erwachsene bei einer Wohnungsbesichtigung in Berlin halten Abstand. (Quelle: imago images)
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Wohnungsbesichtigungen in Berlin - Auf Wohnungssuche während der Pandemie

Haus- und Wohnungssuche bedeuten in Berlin auch ohne Coronavirus viel Stress. Um das Infektionsrisiko zu minimieren, bieten Wohnungsunternehmen nun Einzelbesichtigungen oder virtuelle Rundgänge an. Die Nachfrage nach Wohnungen ist weiterhin hoch. Von Efthymis Angeloudis

Was Sie jetzt wissen müssen

Eine Wohnung zu finden, ist in Berlin auch ohne Ausgangsbeschränkungen und Mindestabstand nicht leicht. Nun aber scheint die Wohnungssuche durch die Corona-Pandemie noch schwieriger geworden zu sein. Für Mieter, die gerade dringend eine neue Wohnung suchen oder umziehen wollen, stellen sich viele Fragen: Lohnt es sich jetzt noch, etwas zu suchen? Und wie kann man Wohnungen überhaupt noch besichtigen?

Private Anbieter aber auch städtische Bau- und Wohngenossenschaften wollen ihre freien Wohnungen natürlich auch während der Corona-Pandemie vermieten. Die Zeiten der Massenwohnungsbesichtigungen, die mit mehreren hunderten Interessenten eher Pilgerfahrten ähnelten, sind allerdings wegen der verhängten Ausgangbeschränkungen und der Einhaltung von Mindestabständen vorbei.

Einzelbesichtigung ohne Makler und mit Einmalhandschuhen

Stattdessen bieten die meisten Wohnungsgesellschaften Einzelbesichtigungen an - oft sogar, ohne einen Makler dabei zu haben. "Mietinteressenten können sich den Schlüssel für eine Wohnungsbesichtigung in unseren Vermietungsbüros abholen, ohne diese betreten zu müssen", sagt Mirko Rosteck von der Deutsche Wohnen – mit 111.500 Einheiten der größte Anbieter der Hauptstadt. "Wir geben die Schlüssel an der geöffneten Tür oder dem geöffneten Fenster in einer verschlossenen, desinfizierten Verpackung aus. Dieser Verpackung legen wir zudem Einmalhandschuhe bei, damit die Mietinteressenten in der Wohnung Türen und Fenster öffnen können."

So macht es auch Vonovia. "Wir führen Wohnungsbesichtigungen durch, allerdings mit Einschränkungen", sagt der Sprecher des Unternehmens, Matthias Wulff. "Deshalb führen wir nur Einzelbesichtigungen durch und sorgen für den notwendigen Abstand." Auch das Wohnungsunternehmen ADO habe sich an die Beschränkungen angepasst. Wohnungsbesichtigungen fänden nur statt, wenn sie seitens des Interessenten unbedingt notwendig sind und ausschließlich im Rahmen von Einzelbesichtigungen, teilte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage von rbb|24 mit.

Virtuelle Besichtigung mit VR-Brille oder App

Andere Unternehmen bieten Interessenten virtuelle Rundgänge durch Wohnungen an. Denn für eine Wohnungsbesichtigung reicht schon heute eine VR-Brille oder Smartphone-App, um aus sicherer Entfernung eine Immobilie zu besichtigen.

Stellt sich also die Frage, ob überhaupt jemand noch zu wahren Wohnungsbesichtigungen geht. Für eine 1-Zimmer-Wohnung in Schöneberg, erklärt dem rbb eine Maklerin, die nicht genannt werden möchte, hätten mehrere Interessenten ihre Einzelbesichtigungstermine am Montag abgesagt. "Dabei haben wir klar kommuniziert, dass die Besichtigung nur einzeln im 15-Minuten-Takt stattfinden", so die Maklerin einer Hausverwaltung. Angst, dass sie die Wohnung nicht vermieten werden kann, hat sie nicht. "Jetzt kontaktieren uns eben 20 statt 50 Bewerber. Das bereitet uns keine Sorgen."

Es fehlen 145.000 Wohnungen in der Stadt

Selbst wenn aufgrund der aktuellen Situation weniger Menschen eine Wohnung suchen, ist die Nachfrage in Relation zum Angebot immer noch sehr hoch. Hat aber Corona auch Auswirkungen auf die Anzahl angebotenen Wohnungen. "Nein", sagt David Eberhart vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). "Der Trend zeigte sowieso, dass das Angebot in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist." Über Jahre hinweg gebe es einfach viel zu wenige Wohnungen.

Und das, obwohl die Hauptstadt laut Wohnungsmarktbericht der Investitionsbank Berlin (IBB) 2018 mit 16.706 fertiggestellten Wohnungen erneut einen Höchstwert innerhalb der letzten 20 Jahre verzeichnete. Dennoch ist das nicht genug, sagt IBB-Vorstandschef Jürgen Allerkamp: "Obwohl sich die Bauintensität auf einem Rekordniveau befindet, fehlen weiterhin rund 145.000 Wohnungen in der Stadt, die durch weiteren Wohnungsbau entstehen müssen."

"Warum sollte jetzt jemand seine Wohnung kündigen?"

Für Wohnungssuchende kann es laut David Eberhard jetzt wegen Corona sogar noch schlimmer werden: "Die Gründe fallen weg umzuziehen." Die Fluktuation der Wohnungen würde durch die Pandemie zurück gehen. "Warum sollte jetzt jemand seine Wohnung kündigen?"

Außer den Gründen fehlen letztlich auch die Mittel. Denn die Corona-Krise stellt auch Menschen, die einen Umzug bereits geplant hatten, vor ganz neue Probleme. Ein Umzug mit der Hilfe des Freundeskreises fällt derzeit aus, wie die Berliner Polizei mitteilte. Stattdessen könne ein Umzug durch ein Unternehmen, das sich an die Hygiene-Standards hält, oder mit Helfenden aus dem eignen häuslichen Umfeld durchgeführt werden.

Über 90 Prozent der Mietwohnungen oberhalb des Mietendeckels

Und auch der seit den 24. Februar in Kraft getretene Berliner Mietendeckel scheint sein Ziel, die hohen Quadratmeterpreise der Hauptstadt einzudämmen und Menschen zu einer bezahlbaren Miete zu verhelfen, momentan nicht einhalten zu können. Das ist natürlich nicht auf Corona zurückzuführen, sondern in Erwartung einer Urteils des Bundesverfassungsgerichtes, ob der Mietendeckel gegen die Verfassung verstößt oder nicht.

Das scheint aber Immobilienanbieter in Berlin nicht davor abzuschrecken, den Mietendeckel weiterhin zu ignorieren. Die Online-Plattform Immobilienscout 24 meldete dazu am vergangenen Freitag, dass auch nach Inkrafttreten des Gesetzes über 90 Prozent der Mietwohnungen in Berlin mit Preisen oberhalb des Mietendeckels angeboten werden.

Kein verlockendes Angebot

Und selbst wenn in einigen Fällen, die angegebene Miete den Maßgaben des Mietendeckels entspricht, wird darauf aufmerksam gemacht, dass, falls der Mietendeckel als verfassungswidrig eingestuft werde, der oft immense Unterschied nachträglich zu begleichen sei.

Wohl kaum ein verlockendes Angebot. Doch eines, das viele Menschen in Berlin, die kein mietvertraglich abgesichertes Wohnverhältnis haben, kaum ausschlagen werden können.

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 6.

    Genau Airbnb ist das Problem...
    Vielleicht enteignen wir auch einfach alle Hoteliers, die entziehen dem Wohnungsmarkt ja auch haufenweise Unterkünfte. Pensionen, Jugendherbergen und andere sollen auch alles dem Mietmarkt zur Verfügung stellen.
    Oder wir denken kurz darüber nach wer ein Interesse daran hat, dass Privatleute nicht mehr in ihrer eigenen Wohnung Wohn-, Arbeits- oder Gästezimmer gelegentlich untervermieten... kleiner Tipp die Gruppe wurde am Anfang meines Kommentars erwähnt ;)
    Ein kurzer Blick in die Berliner-Wohnungspolitik vergangener Jahrzehnte könnte auch Aufschlüsse darüber bieten weshalb weniger günstige Mietwohnungen im Markt sind (Verkauf 1000er kommunaler Wohnungen zu Dumpingpreisen an Goldman Sachs und Co). es ist natürlich viel bequemer die Schuld bei Airbnb und den Ferienwohnungen zu suchen...

  2. 5.

    Upps, das Gespenst geht immer noch um. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser alter Slogan nach über hundert Jahren auch heute noch so viel Angst verbreitet. Obwohl, Gier ist ein Virus, der selbst Corona überlebt.

  3. 4.

    Wer denkt nicht gerne zurück an die "herrlichen" Zustände der Altbauten in Leipzig, Ost-Berlin und vielen anderen Städten Ostdeutschlands Ende der 80er Jahre.
    Bröckelnder Putz und Verfall überall.

  4. 3.

    Ich stimme 100% zu!
    Ergänzen mit dem Appell an Menschen, die eine offizielle Wohnung in Berlin gemietet haben, in der sie auch gemeldet sind, aber nicht wohnen, weil bei FreundIn/PartnerIn/Familie etc...Ihr seid auch Teil davon, dass zu viele existierende Wohnungen dem Berliner Markt zur normalen Vermietung NICHT zur Verfügung stehen!

  5. 2.

    Ein Recht auf wohnen hat jeder Mensch, sie meinen wohl eher eine Pflicht.
    Und klar mit sozialistischen Methoden werden wir bestimmt das Ruder rumreißen, hat ja so wunderbar in der DDR funktioniert.

  6. 1.

    Vielleicht sollte sich der momentane Regelungselan der Politiker und Behörden endlich ernsthaft auf das Grundrecht auf Wohnen fokussieren. Wenn dem Geschäft von Airbnb in Berlin z.B. mit konsequenter Untersagung begegnet werden würde, käme es sicher zu einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt.
    Na ja, eventuell regelt Corona das Thema ja auch und dieser Konzern geht pleite. Wobei, der nächste Geier lauert dann sicher schon auf das Geschäft. Wir leben halt im Kapitalismus.

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