Autokino in Cottbus große Leinwand mit Autos und die Autos vor der Leinwand
Bild: Frank Wenzel/rbb

Seit Mai wieder erlaubt - Im kleinsten Dorf gibt's Autokinos - nur Berlin hat keins

Die regulären Kinos sind in der Hauptstadt wegen der Corona-Pandemie noch geschlossen. Die Alternative: Autokinos. Während es in fast jedem Bundesland Deutschlands inzwischen welche gibt, schauen die Berliner noch immer in die Röhre. Warum eigentlich?

Das brandenburgische Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) hat eines, und Zempow (Ostprignitz-Ruppin) sowieso. Auch in Apolda (Thüringen), in Hechingen (Baden-Württemberg) und sogar in der Kleinstadt Alzey (Rheinland-Pfalz) gibt welche, wie Posts von Facebook-Bekanntschaften verraten. Münster, Offenburg, Kassel und Chemnitz sind ebenfalls dabei. Die Rede ist von Autokinos. Überall in der Republik entstanden in den vergangenen Wochen dort, wo es keine regulären gibt, Pop-up-Varianten.

Und in Berlin, der deutschen Filmstadt schlechthin? Nichts.
Außer Ankündigungen und Planungen [berlin.de].

Ein bisschen Pech ist natürlich dabei. Das letzte verbliebene, das "Bärliner Autokino" in Reinickendorf, hatte seinen Standort ausgerechnet im vergangenen Winter aufgegeben, um nach Nauen (Brandenburg) zu ziehen. Dort wurde es, auch wenn es in Brandenburg inzwischen einige Autokinos gibt, noch immer nicht wiedereröffnet.

Seit Mai sind Autovorführungen wieder erlaubt

Dabei sind Autovorführungen in Berlin seit Anfang Mai grundsätzlich wieder erlaubt. Trotzdem gibt es bislang kein einziges aktives Autokino. Aber woran scheitert es? Zuständig seien die Bezirke, heißt es auf Nachfrage von rbb|24 bei der Berliner Staatskanzlei.

Neben einem geeigneten Platz und Filmen brauchen etwaige Betreiber Bühne, Leinwand und eine Funk-Frequenz. Über letztere können die Zuschauer dann den Ton im eigenen Autoradio anhören. Leihgeräte, die ins Wageninnere gehängt werden und Ton abspielen, werden - auch aus Hygienegründen - nicht verwendet.

Wer derzeit ein Autokino eröffnen will, muss aber zudem ein Sicherheits- und Hygienekonzept vorgelegen und es genehmigen lassen. Sollte öffentliches Straßenland genutzt werden, muss zudem das zuständige Ordnungsamt eingeschaltet werden. Für feste Bauten ist eine Baugenehmigung nötig.

Fenster und Türen müssen geschlossen bleiben

Geschafft hat das komplexe Prozedere anscheinend, so ist es berlin.de zu entnehmen, das "Autokino am BER". Dort in - wohlgemerkt schon in Brandenburg - der Hans-Grade-Allee 54 (etwa ein Kilometer Luftline vom Flughafen Schönefeld) starte die Saison am 31. Mai, heißt es. Gezeigt würden Filme auf einer aufblasbaren Leinwand der Größe 18 x 10 Meter.

Die Besucher hätten sich an strenge Hygienevorschriften zu halten, heißt es. Tickets dürften nur online erworben werden, maximal zwei Erwachsene pro Auto seien erlaubt (Familien ausgenommen); Fenster, Verdecke und Türen der Wagen müssten geschlossen bleiben. Ein Programm ist derzeit jedoch noch nicht zu sehen. Doch es gibt eine weitere Info: Es sei mit "erhöhten Preisen" von 12 bis 52 Euro zu rechnen.

Planungen gibt es in mehreren Bezirken

Pläne zum baldigen Start eines Autokinos in Berlin-Neukölln mit dem klangvollen Namen "The Parkplatz" soll auch die Berliner Street-Art-Künstlergruppe Die Dixons haben [berlin.de]. Sie will in der Sonnenallee auf dem Parkplatz des Hotels Estrel ein Autokino eröffnen - voraussichtlich noch im Juni. Ein konkreter Starttermin oder ein Programm sind jedoch noch nicht bekannt.

Medienberichten zufolge gibt es Planungen für Autokinos derzeit auch in Pankow und Charlottenburg-Wilmersdorf. In letzterem Bezirk geht es nach Angaben des Bezirksamts sogar gleich um zwei verschiedene Autoveranstaltungen. Wie eine in die Projektplanungen involvierte Firma rbb|24 sagte, habe sich eine davon jedoch inzwischen zerschlagen - geplant waren hier Autokonzerte auf einem Parkplatz des Olympiastadions. Das Ordnungsamt Charlottenburg-Wilmersdorf teilte mit, dass zurzeit keine Genehmigungsverfahren für ein Autokino im Bezirk laufen.

In Pankow gebe es laut Bezirksamt einen Antrag für ein temporäres Autokino ("über den Sommer für zwei bis drei Monate") am Standort Asgardstraße 7 in Weißensee, wie eine Sprecherin rbb|24 sagte. Ob eine zeitlich befristete Baugenehmigung für das Autokino möglich sei, müsse in einem Antragsverfahren überprüft werden. 

In Cottbus fand eine Autodisko statt

In den Bundesländern, in denen das Autokino-Programm bereits wieder angelaufen ist, werden die Orte inzwischen längst nicht mehr nur zu Filmvorführungen genutzt. Die Zuschauer können dort vom Auto aus auch Konzerte und Comedians erleben oder Gottesdienste feiern.

Dass es auch hierfür über die cineastischen Belange hinaus, die durch das von Blockbustern geprägte Programm sowieso eher kurz kommen werden, Bedarf gibt, hat sich auch am vergangenen Wochenende in Cottbus gezeigt: Dort hatte die erste Cottbuser Autodisko stattgefunden. Ähnlich wie beim Autokino wird hier der Sound über das Autoradio übertragen und die Besucher sollen während der Party in ihren Fahrzeugen sitzen - so zumindest die Auflage.

Autokinos gibt's schon seit 1933

Das allererste Autokino eröffnete übrigens bereits 1933 in den USA. Die erste deutsche Variante gab es ab 1960 in Frankfurt am Main. In der DDR entstand 1977 das erste und einzige Autokino im heute brandenburgischen Zempow, einem nur einige Dutzend Einwohner zählenden Ortsteil der Stadt Wittstock/Dosse.

Sendung:  Antenne Brandenburg, 27.05.2020, 6:45 Uhr

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6 Kommentare

  1. 6.

    Klar, wenn UKW3000 und ein paar andere je 10 qm Fläche beanspruchen, um sich alle paar Monate auf nostalgische Weise einen Film im Blechkäfer reinzuziehen, müssen echte Käfer, andere Tiere und Pflanzen natürlich weichen. Die können ja so lange ins Hotel ziehen - oder draufgehen; ist doch egal. Unterhaltung muss schliesslich sein! Und natürlich ist jeder, der sowas nicht nur dekadent findet, sondern auch dagegen vorgeht, ein Spielverderber und eine "klagefreudige Bürgerin".

  2. 5.

    Irgendwie verbinde ich Autokinos auch genau mit den Orten, an denen sie gerade wieder stattfinden. Ich finde es nicht mehr zeitgemäß mit dem Auto auf einen betonierte Freifläche zu fahren um dort Filme zu gucken, da ist Berlin doch schon weiter-- zum Bsp mit Projekten wie dem Fassadenkino.

  3. 4.

    Bei dem bekannten Tempo der Berliner Verwaltung bin ich sehr zuversichtlich, dass es mit der Eröffnung des ersten Autokinos noch vor Weihnachten etwas wird. Es muss ja nicht Weihnachten 2020 sein.

    (Und natürlich wird das nur was, wenn nicht irgendeine klagefreudige Bürgerin entdeckt, dass am Rande des auserkorenen Parkplatzes irgendein Käfer wohnt.)

  4. 3.

    Man könnte die Kinos ganz regulär öffnen, weil die das in besonderer Weise im Griff hätten alle Regeln einzuhalten, verstehe nicht warum die zurzeit noch ausgenommen sind.

  5. 2.

    Warum eigentlich? Weil Berlin selbst dafür zu blöd ist geeignete Flächen zur Verfügung zu stellen und Behördliche Genehmigungen mal ohne lange Wartezeiten auszustellen. Aber keine Sorge, so in 4 oder 5 Jahren klappt das auch in Berlin.

  6. 1.

    Bin ja durchaus Nostalgiker. Aber nicht alles, was alt ist, scheint mir auch eine Neuauflage wert. Und wenn, dann müssen Nutzen und Schaden gut gegeneinander abgewogen werden: In Berlin sind eh zu viele Flächen versiegelt, während Wohn- und Grünflächen immer stärker konkurrieren. Daher sollten für Autokinos nur Areale genutzt werden, die zwingend auch für andere Zwecke frei bleiben müssen. - Vor allem aber kann ich den Reiz von's Janze nicht so nachvollziehen: Der liegt bei Autokinos m.E. nicht zuletzt darin, unter dem Vorwand des Filmkuckens in seinem ganz privaten Fummel-Separée zu sitzen. Gerade nach den Erfahrungen der Corona-Krise kann ich Bedarf nach noch mehr Abkapselung aber nicht wirklich nachvollziehen. Und mit wem darf man zu Corona-Zeiten eigentlich im schlecht belüfteten PKW sitzen? Zur Übertragungsminimierung doch eigentlich nur mit Haushaltsmitgliedern, oder?

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