Foto waehrend einer Blutspendeaktion des Deutschen Roten Kreuzes DRK. (Quelle: imago images)
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Audio: Inforadio | 20.05.2020 | Kerstin Schweiger im Interview | Bild: imago images

DRK benötigt dringend Spenden - Blutreserven in Berlin und Brandenburg sind äußerst knapp

Eine "überwältigende" Blutspendenbereitschaft hat das DRK während des Lockdowns in Berlin und Brandenburg registriert, doch das hat sich nach den ersten Lockerungen drastisch verändert. Die Reserven seien auf ein besorgniserregendes Maß gesunken.

Blutkonserven in Berlin und Brandenburg werden extrem knapp. In beiden Bundesländern kann das Rote Kreuz aktuell nur noch den Bedarf eines durchschnittlichen Tages decken, wie die Sprecherin des DRK-Blutspendedienst Nord-Ost, Kerstin Schweiger, am Mittwoch auf Nachfrage von rbb|24 mitteilte. "In Normalzeiten genügen unsere Bestände für vier bis fünf Tage. Wir müssen die Menschen unbedingt für diese besondere Situation sensibilisieren", betonte sie im Gespräch mit rbb|24.

Bedarf nach dem Lockdown sprunghaft angestiegen

Die Lockerungen der Corona-Regeln brächten es mit sich, dass die Spendenfrequenz nun rückläufig ist: "Viele Menschen kehren an den Arbeitsplatz zurück oder nutzen die Möglichkeiten, ihre Freizeit anders zu gestalten", erklärt Schweiger.

Gelang es dank der "überwältigenden" Spendenbereitschaft während der Zeit des Lockdowns, die Notversorgung mit Blutpräparaten zu sichern, steige jetzt die Behandlungsfrequenz und Operationstätigkeit in den Kliniken erheblich. Dort werden jetzt viele verschobene Operationen nachgeholt. "Die Folge ist eine extreme und schnelle Bedarfssteigerung", so Schweiger. Auf das im März und April gespendete Blut könne dabei nicht mehr zurückgegriffen werden, da das Blut nur eine begrenzte Haltbarkeit habe und die inzwischen überschritten sei. 

DRK bittet um Terminreservierungen

Mit Sorge schaue sie auch auf die kommenden Wochen, insbesondere auf die Sommerferien: "Die Lockerungen der Corona-Regeln ermöglichen auch Urlaubsreisen, also werden viele Menschen verreisen und gar nicht vor Ort sein, um spenden zu können. Hinzu kommt, dass die Spendenbereitschaft bei steigender Hitze immer abnimmt", so Schweiger.

Sie rief die Menschen in Berlin und Brandenburg dazu auf, über die Internetseite des DRK-Nordost [blutspende-nordost.de] eine Terminreservierung für Blutspenden zu vereinbaren. "So können auch alle Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden und wir können sicher gehen, dass nicht zu viele Spendenwillige auf einmal zu uns kommen", erklärt Schweiger.

Spenden können alle ab 18 Jahren und bei guter Gesundheit. Das Rote Kreuz deckt etwa 70 Prozent des Bedarfs an Blutkonserven in Deutschland ab. Die Spende ist weder aufwendig noch schmerzhaft und dauert mit Voruntersuchung und Ruhepause etwa 45 Minuten. Mit einer Spende von 500 Millilitern Blut kann man bis zu drei Menschenleben retten. Etwa 15.000 Blutkonserven werden pro Tag in Deutschland benötigt.

Sendung: Inforadio, 20.05.2020, 12:20 Uhr 

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Antwort auf [goetze] vom 20.05.2020 um 19:35
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13 Kommentare

  1. 13.

    Ich würde gerne spenden, aber nach einer OP in 12/2019 konnte mir keiner sagen, ob ich eine Transfusion o.ä. erhalten habe.
    Früher bin ich drei-vier Mal im Jahr spenden "gegangen". Ich hatte das Glück, dass mein ehemaliger Arbeitgeber so groß ist, dass dort das DRK vor Ort die Spenden abgenommen hat. Anschl. gab es ein leckeres Frühstück und im Sommer noch zusätzlich eine Aufmerksamkeit (Rucksack, Einkaufskorb, Thermobecher usw.).
    Jetzt bin ich zu Hause, um meine Mutter zu pflegen. Da sind "Ausflüge" zu den wenigen Zentren leider nicht möglich, da ich die Zeit nicht mehr habe.
    Ich hoffe, dass bald wieder Spenden im Stadtteil möglich werden und mir das DRK das Okay gibt.

  2. 12.

    Im Jahr 2017 hat die Bundesärztekammer neue Richtlinien vorgelegt. Demnach dürfen schwule und bisexuelle Männer Blut spenden, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex mit einem Mann hatten. Diese Regelung schließt weiterhin die allermeisten schwulen und bisexuellen Männer von der Blutspende aus.
    Ist als ob man von heterosexuellen Personen verlangt ein Jahr keinen Sex mehr mit seiner Partnerin oder Partner zu haben bevor man Blut spendet.

  3. 11.

    @B.N.: GrinderFX meint mit der Gegenleistung eine Aufwandsentschädigung. Ohne die wird doch keiner Blut ect. spenden. Sie sollten nicht vergessen, dass mit einer Spende auch für einen selbst ein gewisses Gesundheitsrisiko eingegangen wird. Ich sehe auch ein wenig die Schuld beim DRK. Anfang des Jahrhundert haben in Berlin sämtliche Spende zentren (z.B. Lichtenberg, Buch) geschlossen. Mir ist bekannt, dass Berliner seit dem in Potsdam Blut spenden können für 5 Euro (in Worten: fünf). Wenn ich gegenrechne: 2,90Euro Fahrgeld und das zwei mal, zwei Stunden Fahrzeit und möglicherweise noch die Wartezeit in der Blutspende, nein das ist es mir nicht wert. Bevor jetzt gemeckert wird: Ich habe bis 2004 wöchentlich in Berlin-Buch Plasma gespendet. Der Zeitaufwand betrug insgesamt mindestens drei Stunden. Ja, was Ihre Frage der HOMOSEXUELLEN BETRIFFT, die stelle ich mir auch. In dieser Hinsicht tut sich auch nichts. Ich glaube seit 2016 kümmert sich die Bundesregierung um eine Änderung des Bluttransfusionsgesetz es (oder wie immer das auch heißt).

  4. 10.

    Da Corona nach derzeitigem Kenntnisstand nicht über Blut übertragen wird, wird der Spender darauf nicht getestet. Zumindest bei meiner letzten Spende Ende März war das so. Ich würde auch nicht gefragt, ob ich homosexuell bin.
    Einfach mal machen, nicht nur reden! Geht spenden, jeder von uns kann mal selber auf eine Bluttransfusion angewiesen sein!

  5. 9.

    Hä? Diese Logik verstehe ich nicht. Wenn ich etwas spende, dann gebe ich es freiwillig, OHNE dafür etwas zu verlangen!
    Sie möchten also immer eine Gegenleistung? Merkwürdige Spendeneinstellung!

  6. 8.

    "Spenden können alle ab 18 Jahren und bei guter Gesundheit"??? Wirklich? Wie sieht es denn mit homosexuellen aus? Hat sich da schon was geändert oder werden sie immernoch ausgeschlossen? Da wären genug bereit zu, wenn man sie nicht so diskriminiert hätte!

  7. 7.

    Genau so sieht es aus und genauso finde ich auch das viele, die ja die ganzen Maßnahmen hier befürworten, dann auch entsprechend mal ihr Blut für die gute Sache hergeben sollten und nicht immer nur sämtliche Kritiker hier herabwürdigen.
    Im speziellen meine ich da Paula Geli röttinger Berlin Berlin 67 und so weiter.

  8. 6.

    Die Blut-Knappheit ist eine direkte Folge der Pandemiemaßnahmen: Versammlungsverbote, Kontaktbeschränkungen und vor allem die Angst vor Ansteckung der meisten Menschen spielen eine Rolle beim Rückgang der Spenden, trotz vorhandener Bereitschaft.

  9. 4.

    Werden bei einer Blutspende irgendwelche "offiziellen" Tests in Bezug auf den Corona Virus durchgeführt?
    Das würde einem selbst und der Statistik gut tun.

  10. 3.

    Vielleicht liegt es auch am kaputten System.
    Man spendet Blut, bekommt dafür NICHTS. Das Blut wird dann teuer verkauft bzw. teuer in Rechnung gestellt.
    Kurz gesagt, wenn man spendet, muss man für den Erhalt dann teuer dafür bezahlen.
    Würden die Leute wieder was dafür bekommen oder würde das Blut danach nicht vergoldet, wären vielleicht auch wieder mehr Leute dazu bereit etwas zu spenden.

  11. 2.

    Der Grund warum ich nicht mehr spende wird gar nicht erwähnt. Dabei wäre ich gerne hilfsbereit und würde meine begehrte Blutgruppe 0 hergeben, aber nicht unter solchen Umständen. Es hat sich ausgespendet. Neoliberalismus und Humanismus sind nicht miteinander vereinbar.

  12. 1.

    Ich würde gern sofort zur Blutspende gehen, aber leider ist der nächste Termin in Frankfurt erst Mitte Juni. Schade, aber das DRK hat es ja dann doch nicht so nötig.

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