Symbolbild: Gastronomie, Simon-Dach-Strasse, Friedrichshain, Berlin (Quelle: imago images)
Video: Abendschau | 14.05.2020 | Kerstin Breinig | Bild: imago images

Gastronomie mit Corona-Regeln - Debatte über Restaurant-Tische auf Gehwegen und Straßen

Ab diesem Freitag darf wieder in Restaurants gegessen werden. Unter freiem Himmel sehen Experten ein geringeres Infektionsrisiko. Deshalb wollen manche Bezirke mehr Platz auf den Gehwegen schaffen. Friedrichshain-Kreuzberg geht dabei besonders weit.

In Berlin dürfen die Bürger ab Freitag wieder in Restaurants, Imbissen und Cafés sitzen und essen. Zwischen 6 Uhr und 22 Uhr können die Gaststätten in der Corona-Krise ihre Innen- und Außenbereiche aufmachen - vorausgesetzt, sie bieten selbst zubereitete Speisen an.

Experten wie der Charité-Virologe Christian Drosten raten dazu, vor allem Außengastronomie zu ermöglichen, denn das Ansteckungsrisiko sei im Freien erheblich geringer sei als in Restaurants und anderen Gaststätten.

Es wird deshalb diskutiert, Sitzmöglichkeiten vom Bürgersteig auf Parkstreifen oder sogar die Straße zu verlagern. Das Problem: Es muss für Passanten genug Platz sein, um gefahrlos an den Gästen vorbeigehen zu können. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga in Berlin steht daher zurzeit mit den Bezirken in Kontakt, um über Konzepte zu verhandeln.  

Friedrichshain-Kreuzberg will Straßen sperren

Bislang bietet etwa der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die Möglichkeit an, zusätzlichen Stellplatz zu beantragen. Bis zum Sonntag, 17. Mai um 18 Uhr können die Betriebe online [fixmyberlin.de] "Platzbedarfe im ruhenden Parkraum oder auch auf der Fahrbahn" anmelden. Der Bezirk will dafür auch Fahrbahnen und Parkplätze auf der Straße temporär sperren - nach dem Vorbild von Straßenfesten.

Nach einwöchiger Prüfung will das Bezirksamt dann Genehmigungen erteilen. Voraussetzung sei, dass "im entsprechenden Straßenabschnitt mehrere Gewerbetreibende und Projekte Bedarf angemeldet haben, so dass die temporäre Sperrung der Straße von Freitagmittag bis Sonntagabend für den motorisierten Individualverkehr gerechtfertigt werden kann", so das Amt. Die zusätzlichen Flächen sollen dann zunächst von freitags bis sonntags jeweils von 11 bis 22 Uhr genutzt werden dürfen.

Mitte und Spandau reagieren reserviert

Das Bezirksamt Mitte hingegen lehnt es in einem Schreiben an die anderen Bezirke ab, gastronomische Flächen auf den Straßen einzurichten. Der bürokratische Aufwand für Betriebe und Behörden stünde in keinem Verhältnis zu den gewonnenen Flächen, heißt es darin.

Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) fügte im Gespräch mit dem rbb hinzu, bei Flächen auf Straßen könnten die Sicherheitsvorkehrungen nicht gewährleistet werden. Man könne nicht ausschließen, dass ein Auto in die Menschenmenge und Tische fahre.

Er wolle aber ein Auge zudrücken, wenn die Bürgersteige etwas breiter als sonst bestuhlt würden. Sollte der Nachbar eines Restaurants kein Problem damit habe, könne die Bestuhlung auf das Nachbargrundstück ausgedehnt werden. Gastronomen dürften ihre Tische komplett nutzen, so der Grünen-Politiker, aber: "Es muss sichergestellt sein, dass man als Fußgänger, Rollstuhlfahrender und Mensch mit Kinderwagen den Gehweg noch gut nutzen kann."

Auch Spandau hieß es, man wolle zunächst mit den Anwohnern in betroffenen Straßen über Regelungen wie in Friedrichshain-Kreuzberg sprechen.

Fußgängerverband schlägt Alarm

Deutlich gegen mehr Bestuhlung in Außenbereichen ist der Fußgängerverband FUSS e.V. Der Verband sieht im Vorstoß von Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel einen Aufruf "zur illegalen Besetzung von Gehwegen" und droht mit Klagen. "Angesichts der Enge vieler Gehwege und des Abstandsgebots ist dies geradezu eine Aufforderung, Engstellen und damit Corona-Begegnungszonen zu schaffen", heißt es in einer Pressemitteilung vom Donnerstag. Bürger und Besucher wären dann vor solchen Lokalen gezwungen, sich Fremden auf weniger als 1,50 Meter zu nähern, heißt es darin weiter.

FUSS e.V. begrüßt dagegen die Initiative von Friedrichshain-Kreuzberg, Gastronomieflächen am Fahrbahnrand auf jetzigen Parkplätze zu schaffen.

Sendung: Abendschau, 14.05.2020, 19:30 Uhr

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37 Kommentare

  1. 37.

    Was soll eigentlich dieses ganze Gedönse von wegen Corona Ausnahmen. Die Aussenbestuhlung hat damit gar nichts zu tun. Hier geht es um knallharte Vertreibung von Fußgängern. Schon jetzt zwängen sich Fußgänger dicht an dicht auf maximal drei Meter breiten Gehwegen auf einem Rest von max. 1 Meter. Rollstuhlfahrer etc. müssen dort ganz kapitulieren.
    Nichts gegen Außenbestuhlung bei 8 oder mehr Metern breiten Gehwegen, aber bitte nicht an Straßen, wo eh schon der Gehweg so eng ist, das man jeweils zu zweit nicht aneinander vorbei kommt.

  2. 36.

    Nun ist mir auch klar, warum Sie so unter Strom stehen. Ent-spannen Sie sich doch mal: Für gewerblichen Verkehr lassen sich doch logischerweise Ausnahmeregelungen schaffen, falls sie nicht eh schon bestehen. Auch Rettungswagen und andere Einsatzfahrzeuge dürfen selbstverständlich alle Bereiche anfahren. - Eigentlich sollte Sie die Minderung des nicht-gewerblichen Verkehrs zudem sogar freuen: Als ich vor vielen Jahren regelmäßig Transporter gefahren habe, nervte mich am meisten der unnötige PKW-Verkehr, wegen dem die Straßen zu waren und wegen dem ich kaum vorwärts kam.

  3. 35.

    Als Handwerker habe ich nun leider nicht die Wahl zwischen Auto, Öffis oder dem Fahrrad. Häufig bin ich mit bis zu 5t Werkzeug unterwegs, um die Stromversorgung 24h/7d von Berlin sicherzustellen. Mittlerweile ist es schwierig geworden, die Einsatzorte zügig zu erreichen und das Fahrzeug nahe am Problem abzustellen. Dies geben wir dann als Kosten an unsere Kunden weiter. Falls sich das mit den Straßensperrungen weiter verschärft, werden wir bestimmte Bereiche gar nicht mehr anfahren.

  4. 34.

    Tja, Luna, es gibt eben Kneipenhasser und Autohasser. Beide eignen sich nicht besonders für eine Großstadt. Nun bin ich bestimmt nicht von der Autolobby und gehe mit Ihnen soweit konform, dass eine spürbare Reduzierung des Autoverkehrs, nicht nur im Innenstadtbereich, nötig und möglich ist. Aber es gibt Leute, auch im Innenstadtbereich, die ein Auto wesentlich dringender brauchen, als eine Gaststätte um die Ecke. Deshalb sind solche "Alles oder Nichts"-Diskussionen, egal von welcher Seite sie geführt werden, nicht zielführend. Großstadtleben ist eben immer ein Kompromiss. Manchmal auch ein nerviger!

  5. 30.

    Es geht doch nicht um Spaßgesellschaft, sondern um den Gastronomen etwas wieder auf die Beine zu helfen. Dort, wo die Wirtschaft wieder in Gang kommen *kann*, ohne gleich große Gefahren zu riskieren, sollte das doch auch unterstützt werden, oder nicht? Ist doch bei den Schulen und Kitas auch so. Öffnungen möglichst vorsichtig und mit Maßen.

  6. 29.

    Ich denke, dadurch dass ja nicht mehr dicht an dicht gesessen werden darf und spätestens um 22 Uhr Schluss ist, ist die Situation hoffentlich nicht ganz so schlimm, wie sonst üblicherweise bei Gastätten, die immer schon Außenbestuhlung haben.

  7. 28.

    So einen Schwachsinn werde ich ganz sicher nicht unterstützen. In Gaststätten, die sich weiter ausdehnen, werde ich nicht gehen. Jeder, will was aus dem großen Kuchen haben. WIR LEBEN IM KAPITALISMUS. Von den meisten so gewählt und gewollt. Wenn's gut läuft jammern sie über Steuern und jetzt wollen sie Unterstützung. Also was soll das. Ich muss auch ans Eingemachte. So ist die menschengemachte Welt. Jeder hat seine persönlichen Interessen. Ich auch. Ich brauche mein Auto - keine BVG, kein Fahrrad und kein Flugzeug - sehr egoistisch, ich weiß.

  8. 27.

    Dann zieht man eben nicht in eine Großstadt, wenn man kein Restaurant erträgt! Seine Sie doch froh dass sie immerhin keine Kneipe in Ihrem Haus haben.
    Traurig auch wie sich in den Kommentaren wieder einige in Ihrer Autogeilheit und Spießigkeit ergötzen. KEIN MENSCH braucht Autos in der Innenstadt, und wem das Berliner Leben zu laut ist der soll doch bitte in die Pampa ins EInfamilienhaus ziehen - dann werden hier auch wieder mehr Wohnungen frei - WIn-WIn-Situation für alle. ;)

  9. 26.

    Bürgermeister v Dassel (Grüne) kapituliert also vor seiner Verkehrsbehörde: "zu viel bürokratischer Aufwand", "Sicherheit kann nicht garantiert werden". Soso. Ich kenne einen Mitarbeiter des Bezirksamts Mitte persönlich sehr gut, und halte ihn für gewissenhaft und ehrlich. Dieser Mitarbeiter ist beteiligt an ämterübergreifenden Projekten. Er erzählte mir, dass jegliche Zusammenarbeit mit dem Straßen- und Grünflächenamt Mitte in den vergangenen Wochen unmöglich gewesen sei: Im Gegensatz zu allen anderen Ämtern sei dort nie jemand zu erreichen gewesen. - Ja, wenn das Straßen- und Grünflächenamt "Nullbetrieb" statt "Notbetrieb" macht, dann ist natürlich alles, was den Menschen und Steuerzahlern dienen könnte, ein "viel zu großer Aufwand": Das würde ja Arbeit bedeuten. - Traurig, wie die Realität offenbar manche Klischees noch übertrifft.

  10. 25.

    Haben all die Menschen, die jetzt fordern mehr Stühle auf die Straßen stellen zu dürfen, jemals über oder neben so einer Gaststätte gewohnt?
    Das ist ein Höllenlarm so das man weder das Fenster offen lassen kann, noch auf dem Balkon sitzen.

  11. 24.

    "Wie leben in einer Großstadt und da ist nun mal kein Platz für solche Maßnahmen."

    Na der Platz ist schon da. Nur stehen und fahren darauf Autos. Ist nun die Frage, ob man den Platz anders verteilt oder weiter der gescheiterten Ideologie der autogerechten Stadt anhängt.

  12. 22.

    Schule? Kita? Alles Blödsinn! Wenn der Friedrichshainer seinen Latte im Freien schlürfen kann, ist die Welt in Ordnung. Ein Hoch auf die Spaßgesellschaft!
    Notfallpatienten sind an der Hauptstraße abzustellen!

  13. 21.

    Auf die Breite der Gehwege zu achten ist derzeit äußerst notwendig. Enge Stellen müssen vermieden werden, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können.
    Deshalb ist eine erweiterte Bestuhlung auch problematisch.

    Das gleiche gilt für ausgeweitete Radwege. Auch sinnvoll. Damit Abstände eingehalten werden und Ansteckungssituationen vermieden werden können.

    @frannzmannzini17: Seien Sie froh, dass Sie derzeit noch Arbeit haben!

  14. 20.

    Und da ist er wieder, der von Angst getriebene super Pessimist, der einfach die Zahlen nicht versteht.
    Den gleichen Kommentar habe ich fast im gleichen Wortlaut schon vor ungefähr fünf Wochen gelesen und was ist passiert seit dem, richtig nix.
    Es wird immer wieder hier bei besonders besorgten Bürgern der Weltuntergang Berlins beschrieben, aber der kommt einfach nicht, scheinbar ärgerlich für manche hier.
    Vielleicht sollte man sich langsam mal damit anfreunden, dass es hier einfach nicht so schlimm ist wie in anderen Ländern, weil die Leute von Hause aus doch anders mit umgehen als viele hier immer suggerieren.
    Oder anders gesagt, wenn es wirklich so schlimm wäre, wie von vielen behauptet hätten wir in Berlin schon 100.000 Corona Tote, es sind aber nur 170.

  15. 19.

    Sehe ich prinzipiell auch so. Wenn Gastwirte nur auf vorhandene Sitzplätze zurückgreifen können und dabei die Abstandsregel einhalten, können wohl viele ihren Laden gleich zulassen, weil sich mit wenigen Gästen nun mal kein Gewinn erwirtschaften lässt.
    Problem wird nur sein, wo parken dann die ganzen Autos, die zur Zeit auf den "Kinderspiel- und Restaurantstraßen" stehen?

  16. 18.

    Echt mal! Können die Menschen nicht einfach zu Hause essen? Das ging doch schließlich die letzten Wochen auch ganz gut ... Und können die Gastwirte bitte etwas sozialverträglicher um ihr Überleben kämpfen? Oberste Priorität hat doch schließlich, dass ich mit meiner stinkenden, fossile Brennstoffe verbratenden Blechkiste zu jeder Zeit überall durchkomm ...

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