Parkfläche Berlin
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Video: rbb|24 | 15.05.2020 | Bild: rbb|24

rbb|24-Datenanalyse zu Platz in Parks - Wo sich die Berliner ins Gehege kommen könnten

Rauskommen, frische Luft schnappen und für ein paar Momente Corona vergessen. Dafür gibt es viel Parkfläche in Berlin. Trotzdem könnte es in einigen Ecken der Stadt enger werden, als derzeit geboten. Von Jenny Gebske, Manuel Reich und Haluka Maier-Borst

Autos? Keine. Häuser? Nur in weiter Ferne. Stattdessen? Sehr, sehr viel Grün. Das Tempelhofer Feld ist ein beliebtes Ausflugsziel für viele Berliner und Berlinerinnen. Das gilt in normalen - und insbesondere in Corona-Zeiten.

Doch so unendlich weit das ehemalige Flughafengelände auch zu sein scheint, natürlich hat auch diese Grünfläche ihre Grenzen: Würden sich die fast vier Millionen Menschen Berlins auf das Feld zwängen, könnte man den angestrebten Abstand von anderthalb bis zwei Metern für jeden vergessen.

Ganz Berlin auf dem Tempelhofer Feld

Auch wenn es natürlich unrealistisch ist, dass sich die gesamte Bevölkerung Berlins gleichzeitig auf das Tempelhofer Feld begibt, bleibt die Frage: Ab wie vielen Menschen kann es auf einer bestimmten Fläche eigentlich eng werden? Um das auszuprobieren, schauen wir uns an, wie viele Menschen auf 100 Quadratmeter passen, bis sie sich zu nahekommen.

Probieren Sie es mit dem Schieberegler selbst aus – in der realen Welt ist natürlich zu bedenken, dass die Menschen sich bewegen und wohl schon früher in die Quere kommen.

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Ab wann wird's eng?

Es zeigt sich: Ab circa 20 Menschen auf 100 Quadratmetern wird es zu eng, um noch den Mindestabstand einzuhalten. Doch jenseits von Corona gilt sogar ein anderer, noch niedrigerer Richtwert für Grünflächen je Einwohner, erklärt Stefan Heiland, geschäftsführender Direktor des Instituts für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der TU Berlin. Die Stadt Berlin habe sich selbst dem Ziel von sechs Quadratmetern wohnnaher Grünfläche je Einwohner verschrieben [berlin.de]. Das entspricht ungefähr 16 Menschen auf 100 Quadratmetern.

Nimmt man ganz Berlin in den Blick, zeigt sich: Verteilt man alle Menschen der Stadt auf alle vorhandenen Parkflächen, gäbe es kein Platzproblem - weder für die 20 noch die 16 Personen pro 100 Quadratmeter.

Auch im innerdeutschen Vergleich der Großstädte schneidet Berlin nicht schlecht ab. Während sich in München vier Personen 100 Quadratmeter Grünfläche teilen müssen, sind es in Berlin nur anderthalb. Nur in Köln gibt es noch weniger Einwohner, mit denen man sich das Grün teilen muss.

So grün ist Berlin

berlinerparks
| Bild: rbb|24

Das Grün ist ungleich verteilt

Aber es gibt einen Haken. "Gesamtstädtisch betrachtet, hat Berlin zwar viel Grün, auch mehr als manch andere Stadt", erklärt Heiland. Das grüne Glück in der Stadt sei aber nicht gleichmäßig verteilt. "Was hilft es jemandem im dicht bebauten Teil von Mitte, dass es in Grunewald sehr viel Wald gibt?", fragt Heiland.

rbb|24 ist deswegen der Frage nachgegangen, wo die Berlinerinnen und Berliner wie viel Grün vor der eigenen Haustür haben und mit wie vielen anderen sie sich dieses teilen müssen. Dafür haben wir uns die kleinstmögliche Flächeneinheit Berlins, die sogenannten "lebensweltlich orientierten Räume" (LOR) angeschaut. Diese entsprechen mehr oder weniger dem, was die Berlinerinnen und Berliner üblicherweise ihren Kiez nennen.

Menschen sitzen am 10.05.2020 in einem Neuköllner Park (Bild: imago images/Bildgehege)
| Bild: imago images/Bildgehege

Charlottenburg-Wilmersdorf schneidet schlecht ab

Ausgewertet wurde, wie viel Parkfläche in jedem Kiez, aber auch in der direkten Umgebung zu finden ist. Das heißt der Park, der in einem Abstand von 500 Metern zur Kiezgrenze liegt, zählt zum Grün vor der eigenen Haustür dazu. Sport- und Spielplätze wurden wiederum herausgerechnet. Die genaue Methodik ist weiter unten erklärt.

Die Auswertung zeigt: Zu den besseren Kiezen gehören jene in Außenbezirken wie Treptow-Köpenick und Spandau. Am schlechtesten schneiden dagegen Kieze in Charlottenburg-Wilmersdorf ab. Drei der fünf Kieze mit dem schlechtesten Grünflächen-Verhältnis liegen hier. Es geht um den Bereich rundum Hindemithplatz, Karl-August-Platz und die Schaperstraße. Auch in Pankow und in Neukölln gibt es jeweils einen Kiez, in dem auf 100 Quadratmeter Grün mehr als 20 Menschen kommen. Doch wie sieht es in Ihrem Kiez aus?

Wie grün ist Ihr Kiez?

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Wer keinen Garten hat, ist auf den Park angewiesen

Auskunft darüber, wie stark die einzelnen Parks in den Kiezen tatsächlich ausgelastet sind, können diese Zahlen aber nicht liefern. Zum einen weil ein Park in das Einzugsgebiet mehrerer Kieze fallen kann. Zum anderen weil große Parks wie der Tiergarten sicherlich auch von weiter entfernt Lebenden besucht werden.

Doch für Heiland gilt grundsätzlich: "Grün im Wohnumfeld oder der täglichen Umgebung wirkt sich positiv auf körperliche Gesundheit und seelisches Wohlbefinden aus." So sei beispielsweise bei Patienten im Krankenhaus festgestellt worden, dass diese schneller wieder gesund werden, wenn sie aus dem Fenster auf Grün blicken können.

Aber es gäbe noch einen anderen Effekt, betont Heiland. Speziell Menschen mit geringerem Einkommen würden mehr von öffentlichen Grünflächen profitieren, weil sie sonst kaum Alternativen hätten, ins Grüne zu kommen. "Wenn Sie in Steglitz wohnen, haben Sie vielleicht Ihren eigenen Garten", erklärt der Wissenschaftler. Sozial benachteiligte Bürgerinnen und Bürger hätten diese Möglichkeiten privaten Grüns aber oft nicht. Und darum seien Parks, kleinere öffentliche Grünflächen und Wälder für diese Menschen besonders wichtig.

Methodik

Wir betrachten die kleinste Flächeneinheit Berlins, die sogenannten lebensweltlich orientierten Räume (LOR). Das sind 448 Planungsräume. Jedem Planungsraum können wir die Zahl der Einwohner und die Fläche der darin gelegenen Grünanlagen zuordnen. Zu Grünanlagen zählen wir öffentliche Grün- und Erholungsanlagen wie Park- und Gartenanlagen sowie Stadtplätze, Grünzüge und Wälder.

Die Umrisse des Planungsraums erweitern wir aber um einen Puffer von 500 Metern um weitere Grünflächen (Grünanlagen und Waldflächen) in unmittelbarer Laufentfernung einzubeziehen. So wollen wir verhindern, dass wir zum Beispiel einen Planungsraum als Betonwüste definieren, wenn direkt nebenan ein Park beginnt.

Wir berechnen also, welche Grünflächen in diesem erweiterten Gebiet liegen oder sich mit diesem Gebiet schneiden. Diese Grünflächen summieren wir und errechnen so, wie viel Grünfläche pro Einwohner zur Verfügung steht. Einen Nachteil hat diese Methode allerdings: Wenn eine Grünfläche in den erweiterten Bereich mehrerer Planungsräume fällt, rechnen wir sie mehreren Planungsräumen zu.

Den genauen Code hinter unseren Berechnungen finden Sie hier.

Datenquellen

Sendung: Abendschau, 19.30 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

Beitrag von Jenny Gebske, Manuel Reich und Haluka Maier-Borst

Kommentar

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Antwort auf [Mike ] vom 15.05.2020 um 15:52
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23 Kommentare

  1. 23.

    Insgesamt eine auf den ersten Blick sehr schöne Aufbereitung. An der Gesamtaussage, dass es zu wenig Grünflächen in der Innenstadt gibt, will ich auch gar nicht rütteln.
    Hoffen wir mal, dass die bereits in Beitrag 13 von Mike erwähnten unzugänglichen Flächen nicht symptomatisch für die Datenlage sind.
    Denn auch für den Postleitbereich 10623 wirkt es sinnlos, dass der Zoo mit als Parkfläche einberechnet wird (zumal er nicht im Bereich 10623 liegt). Das führt zu nur 3 Personen auf 100 Quadratmeter. Ganz schön grün die West-City.
    Das Einbeziehen der Grünflächen in angrenzenden Sektoren ist auch insofern sinnlos, weil die ja dann mindestens doppelt gezählt werden.
    Um der Erhitzung der Stadt im Zuge des Klimawandels auch baulich zu begegnen, müssen unbedingt versiegelte Flächen wieder begrünt werden. Jeder zweite Parkplatz ein Hochbeet. Alle Kackstreifen am Bordstein entsiegeln und re-begrünen, versteinerte Plätze ihre Steine abnehmen.

  2. 21.

    Ich hoffe,die Lage entspannt sich etwas und damit auch die lieben Mitmenschen,die gefühlt immer aggressiver und intolleranter werden. Dabei sitzen wir doch eigentlich alle im selben Boot. Wenn die Ungeduldigen und Uneinsichtigen aufhören rumzuschaukeln,schwappt uns vllt keine weitere Welle ins Boot.
    Die Hoffnung stirbt zuletzt aber das Glas ist halbvoll.
    Liebe Heike,liebe Schwester Constructa, schönes Wochenende und bleiben Sie beide gesund. :-)

  3. 17.

    Nein eben nicht, sind schon seit Wochen am fallen, weiß nicht warum sie mit Scheuklappen auf die Zahlen schauen und dann noch hier Fake News verbreiten.
    Und dieser unsägliche Vergleich mit anderen Ländern sollte auch endlich aufhören, ziehen sie sich einfach in ihr Schneckenhaus zurück.

  4. 15.

    Ich verstehe nicht wie sie darauf kommen? Die Neuansteckungen steigen von Tag zu Tag. Sie waren vor 3 Tagen auf 2 und nun wieder auf 55. Sie müssen auch daran denken das nicht jeder getestet wird. Also sein sie Rücksichtsvoll...das tut ihnen nicht weh. In anderen Ländern gibt es schärfere Regeln

  5. 14.

    Erinnerte mich spontan an das Rätsel "Wieviele Engel finden Platz auf einer Nadelspitze?"

  6. 13.

    @rbb Danke für diese Datenaufbereitung :) Doch interessant, was so als "Grünfläche" durchgeht: z.B. großräumig gepflasterte Bereiche vor und um das Bethanien (Mariannenplatz), nicht frei zugängliche eingezäunte Bereiche (Freiluftkino hinterm Bethanien/ Garten hinter dem ehemaligen Schwesternheim/Jugendamt / Garten des AWO-Gebäudes / Garten des Kinderhauses Waldemar / fast fertiggestellter Schulersatzbau auf der ehemaligen Grünfläche neben dem Bethanien - letzteres evtl. noch nicht auf Karten eingetragen), Wasserflächen des ehemaligen Kanals im Engelbecken (Schwimmen verboten). Also vielerorts DARF mensch nur ausnahmsweise oder gar nicht hin - nix mit gleichmäßig verteilen ;)
    Auch der Oranienplatz (und der Grünzug (auch U1/U3) entlang des ehemaligen Kanals) selbst wird vom motorisierten Verkehr durchschnitten und der "Schleich"verkehr umfließt ihn zu Berufsverkehrszeiten - entsprechend ist die Luftqualität und der Lärmpegel dort stark tageszeitabhängig - v.s. Grunewald/Körnerpark !

  7. 12.

    Um was man sich so alles sorgt. Wenn alle Menschen aufeinander Rücksicht nehmen, sich nicht anniesen oder am besten mit Erkältung zu Hause bleiben wird im Freien bei Sonnenschein auch ein Abstand von einem Meter reichen.
    Empathie und Rücksicht sind das A und O. Dann bräuchten wir halb so viele Regeln.

  8. 11.

    Ja so ist es wirklich. Immermehr Wohnungen zentral gelegen Verdichtung von Freiflächen und Wegfall der Gärten.
    Alles soll bequem und schnell zu erreichen sein. Cafés, Bars und Kneipen eingerechnet. Da bleibt dann eben kein Platz mehr für Parks und Grünflächen. Komfort hat eben seinen Preis.

  9. 10.

    interessanter Überblick, wird alles superschnell geladen, tja, so isses, man kann nicht alles haben, enge Infrastruktur und Bequemlichkeit oder Wasser und Wald/Parks/Grün

  10. 8.

    Sorry, aber die Graphiken laden weder in der App noch auf der Seite. Das ging schon mal besser...

  11. 7.

    Auf meinem Fairphone2 sehe ich in der App die Graphiken nicht, auf der website wurd mir dann die mit dem Schieberegler angezeigt, aber die zu "Wie grün ist ihr Kiez?" nicht.
    Danke trotzdem für diesen besonderen Blick auf unsere Stadt!

  12. 6.

    Die Neuansteckungen liegen beinahe bei null.
    Aber hier macht man sich Gedanken, dass man sich mal zu Nahe kommen könnte?

    Da sieht man wieder, wie überzogen die Maßnahmen sind.

  13. 5.

    Hallo Crane,

    seltsam, das tut uns leid. Wir haben den Link gerade nochmal geprüft - bei uns funktioniert das. Auf was für einem Gerät haben Sie das versucht?

    Beste Grüße,

    Ihre Redaktion

  14. 4.

    Tja, Augen auf bei der Wohnungswahl,was natürlich nie und für keinen so ganz einfach ist. Als geborene West-Berlinerin konnte und kann ich die Entwicklung ganz gut beobachten. Dabei stelle ich schon länger fest,dass die Neu-Berliner meist unbedingt den Innenstadtbereich bevorzugen. Es gibt ja auch nur dort in geballerter Masse ein umfangreiches Angebot von Carsharing, Leihfahrrädern und E-Scootern. Dafür aber eben oft wenig Grün,jedenfalls zuwenig für alle Kiezbewohner und für Kinder sowieso. Vllt führt die Coronakrise ja auch hier zu einem Umdenken und man schaut nochmal ganz anders auf seine eigenen Bedürfnisse bei der Wohnungs- und Wohnumfeld-Wahl. Man kann eben nicht immer alles gleichzeitig haben. Gute Verkehrsanbinding,Innenstadtangebote mit kurzen Wegen und gleichzeitig viele Grünflächen.

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