Fabio Meister und Anna Funke vom Barsikower Dorfverein hoffen auf weitere Nutzer des Dorfmobils. (Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt)
Audio: Antenne Brandenburg | 22.05.2020 | Björn Haase-Wendt | Bild: rbb/Björn Haase-Wendt

Carsharing auf dem Dorf - Corona bremst Dorfmobil in Barsikow aus

Wenige Busfahrten, keine Bahnanbindung und Taxen sind auch Mangelware. Die Mobilität auf dem Land ist vielerorts schwierig. Das Dorf Barsikow hat sich deshalb ein Elektroauto angeschafft. Doch Corona hat das Dorfmobil ausgebremst. Von Björn Haase-Wendt

Nur ein leises Surren ist zu hören, wenn das Dorfmobil in Barsikow (Ostprignitz-Ruppin) unterwegs ist. Der neuste Nutzer des Elektro-Autos ist Pablo Guaneme Pinilla, der zu Besuch in dem 180-Seelen-Dorf ist. "Ich selbst habe kein Auto und das bietet sich auf dem Dorf einfach an", sagt er. Die erste Fahrt hat Pablo gemeinsam mit seiner Freundin nach Neuruppin unternommen. "Das war einfach super, das Auto mieten zu können, rüber zu fahren und das auszuprobieren." Vor allem die Lust am E-Auto fahren hat ihn motiviert, das Barsikower Dorfmobil zu nutzen.

Mobilität erleichtern

Seit genau drei Monaten gibt es in dem kleinen Dorf Brandenburgs erstes Dorfmobil. Seitdem steht der weiße Renault Zoe allen Barsikowern und Besuchern zu Verfügung, vorausgesetzt sie haben ein Smartphone und einen Führerschein. "Die Abrechnung ist stundenweise – 1,99 Euro für eine Stunde plus 10 Cent für jeden Kilometer, denn es gibt keine Freikilometer", erklärt Fabio Meister vom Barsikower Dorfverein. Mit dem Dorfmobil soll den Menschen im Ort die Mobilität erleichtert werden, zum Beispiel wenn es zu einem Arzttermin, zum Einkauf oder einfach auf einen Ausflug geht.

Das Dorfmobil-Projekt wird vom Landkreis Ostprignitz-Ruppin unterstützt. 25.000 Euro hat er für den Kauf des Kleinwagens beigesteuert, außerdem die Kosten für die Ladeinfrastruktur am alten Dorfkonsum und die Gebühren für die App übernommen.

"50 Prozent sind realistisch"

18 Nutzer sind seit dem Start im Februar mal mehr, mal weniger regelmäßig mit dem Elektro-Dorfmobil unterwegs. Gemeinsam haben sie bisher rund 2.700 Kilometer zurückgelegt. Ein guter Anfang nach drei Monaten, findet Fabio Meister, auch wenn es noch Luft nach oben gibt. "Auf Dauer wollen wir natürlich 100 Prozent der Führerscheininhaber für uns gewinnen", sagt er, lacht und fügt an: "Ich glaube, 50 Prozent sind realistisch." Aktuell nutzen rund zehn Prozent der Barsikower mit Führerschein das Angebot. Es sind vor allem die Jüngeren zwischen Anfang 30 und Ende 40, die älteste Fahrerin ist knapp 80.

Gerade bei den Älteren gibt es aber Hemmschwellen, hat Fabio Meister festgestellt. "Das Problem ist die Buchung über das Telefon. Man kann den älteren Nutzern schlecht einen Link schicken und sagen, klick mal hier, da findest du eine Anleitung", sagt der Leiter der Dorfmobil-Arbeitsgruppe in Barsikow. "Man muss schon gemeinsam vor dem Mobiltelefon sitzen und das funktioniert jetzt leider gerade nicht."

Nutzungszahlen zurückgegangen

Damit wird klar: Die Corona-Pandemie hat auch das ambitionierte Dorfmobil-Projekt ausgebremst. Mit dem Beginn der Krise – gut drei Wochen nach dem Start des Dorfmobils – sind die Nutzungszahlen zurückgegangen, berichtet Anna Funke, die Vorsitzende des Dorfvereins: "Weil die Leute erstmal nirgendswo hingefahren sind, auch Angst hatten, ob man sich im Auto anstecken kann. Die Pandemie hat uns einen ziemlichen Strich durch die Rechnung gemacht." Und das obwohl der Dorfverein Schutzmaßnahmen getroffen hat. So gibt es im Auto Desinfektionsmittel, Gummihandschuhe und die Anweisung das Auto vor und nach der Nutzung kräftig zu lüften.

Hoffen auf Corona-Lockerungen

Auch der geplante Fahrdienst für Barsikower ohne Führerschein musste aufgrund der Corona-Pandemie und den Abstandsregeln vorerst gestoppt werden. Für Anna Funke ist dieses Angebot aber ein wichtiger Aspekt für die Älteren im Ort, damit auch sie einfacher zum Arzt oder zum Einkauf kommen.

Mit den Lockerungen der Corona-Regeln hofft der Dorfverein auch wieder auf eine stärkere Nutzung. Doch auch dann sind sie sich sicher, dass es noch einige Zeit brauchen wird, bis sich das Dorfmobil durchgesetzt hat. "Wenn der erste Barsikower sein Auto abschafft, dann haben wir es geschafft", sagt Vereinsvorsitzende Anna Funke.

Sendung: Antenne Brandenburg, 22.05.2020, 13:10 Uhr

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Beitrag von Björn Haase-Wendt

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1 Kommentar

  1. 1.

    Eine tolle Idee, die sich hoffentlich auch anderswo durchsetzt. Mit privaten Autovermietern ist auf dem Land ja nicht zu rechnen - und ein Taxi zu bekommen ist auch ein Abenteuer, schon vor dem Bezahlen.

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