Junge Menschen sitzen zusammen auf einer Mauer,schauen auf ihr Smartphone. (Quelle: dpa/Frank Hoermann)
Audio: Inforadio | 26.06.2020 | Peter Klinke | Bild: dpa-Symbolbild/FrankHoermann/Sven Simon

Verdopplung der Fallzahlen seit Mai - Positive Corona-Tests bei Kindern und Jugendlichen in Berlin nehmen deutlich zu

Bei größeren lokalen Corona-Ausbrüchen in Berlin wurden zuletzt auch viele Kinder und Jugendliche positiv getestet. Insgesamt steigen in der Hauptstadt die Fallzahlen bei jungen Menschen unter 20 Jahren stark an. Von Götz Gringmuth-Dallmer und John Hennig

Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren wurden in Berlin in den vergangenen Wochen deutlich häufiger positiv auf das Coronavirus getestet als zuvor. Das zeigt eine Analyse der Corona-Fallzahlen in Berlin durch rbb|24.

Über alle Altersklassen gesehen lag der Anstieg der Fälle zwischen dem 11. Mai und dem 22. Juni bei 26,3 Prozent. Bei jungen Menschen zwischen 0 und 14 Jahren haben sich die Zahlen in Berlin jedoch mehr als verdoppelt. Am höchsten war die Veränderung bei den Fünf- bis Neunjährigen: mit einer Erhöhung um 152,7 Prozent. Zum Vergleich: Bei keiner Altersgruppe über 50 Jahren stiegen die Fallzahlen zwischen diesen beiden Tagen um mehr als 20 Prozent.

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Deutlicher Anstieg bei Kindern

Schaut man sich die einzelnen Entwicklungen der Fallzahlen nach Altersklassen sortiert an (nächste Grafik), so ist schnell zu erkennen, dass seit dem 15. Juni die Inzidenz-Werte bei den Kindern und Jugendlichen in eine exponentielle Kurve übergehen, in allen anderen Clustern die Entwicklung dagegen eher linear verläuft.

Die folgende Grafik zeigt die Werte für ausgewählte Tage (jeweils Montag, seit dem 11. Mai). Wenn Sie mit der Maus über die Datumsangaben fahren, wird in den Balkengrafiken zu den jeweiligen Altersstufen der entsprechende Tageswert eingeblendet.

Die Inzidenz-Werte lassen sich besser als die absoluten Fallzahlen vergleichen, da sie die unterschiedliche Verteilung der Altersklassen in der Gesamtbevölkerung ausgleichen. Inzidenz bezeichnet die Anzahl neu auftretender Erkrankungen innerhalb einer Personengruppe von bestimmter Größe während eines bestimmten Zeitraums.

"Wieder mehr junge Menschen zusammen im öffentlichen Raum"

Auf eine Anfrage von rbb|24 an die verantwortlichen Senatsverwaltungen zu möglichen Gründen antwortete die für Bildung, Jugend und Familie: "Da die Kontaktsperren sukzessive gelockert wurden, kommen wieder mehr junge Menschen im öffentlichen Raum zusammen."

Nachdem in der Corona-Krise die Berliner Schulen zunächst ganz geschlossen hatten, wurden sie seit Anfang Mai wieder nach und nach für alle Jahrgangsstufen geöffnet. Auch die Kitas befinden sich seit dieser Woche wieder im Regelbetrieb.

Die Senatsbildungsverwaltung betont aber zugleich mit Verweis auf Kitas und Schulen, dass dort "das Virus von außen in die Einrichtungen getragen" worden sei. "Es handelt sich um wenige Fälle, in der Regel entwickelte sich kein Infektionsgeschehen, sondern es blieb bei Einzelfällen."

Auch positiv getestete Schüler bei jüngsten Corona-Ausbrüchen in Berlin

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller, Innensenator Andreas Geisel und Gesundheitssenatorin Diley Kalyci (alle SPD) hatten zuletzt wieder verstärkt betont, die Corona-Pandemie nicht als beendet anzusehen. Die durch die letzten Lockerungen ab Samstag aufgehobenen Kontaktbeschränkungen "könnten missverstanden werden", warnte etwa Kalayci. Auch jetzt sei nicht die Zeit für "supertolle große Familienfeiern ohne Schutz". Die Menschen sollten nicht leichtsinnig werden, hatte Kalayci am Mittwoch dem rbb gesagt.

Anfang Juni wurden eine Schlauchboot-Party von Ravern auf dem Landwehrkanal und die Demo gegen Rassismus und Polizeigewalt am Alexanderplatz kritisiert, weil die Teilnehmer sich in aller Öffentlichkeit nicht durchweg an die geltenden Abstands- und Hygiene-Regeln hielten. Zuletzt war es dann zu mehreren lokalen Corona-Ausbrüchen gekommen, die aber jeweils nichts mit den Großveranstaltungen zu tun haben sollen.

Erst wurden in Neukölln gleich sieben komplette Häuser mit 369 Haushalten unter Quarantäne gestellt. Kurz darauf wurde ein Ausbruch mit 44 positiv getesteten Menschen in einem Wohnhaus in Friedrichshain bekannt. In beiden Fällen zählten auch Kinder und Schüler zu den ersten positiv Getesteten; die Behörden betonten, dass die Quarantäne-Maßnahmen auch nötig waren, weil viele Kinder in den Häusern wohnen und reichlich Kontakt miteinander haben.

Wie ansteckend und gefährdet Kinder durch das Coronavirus sind, das wird nach wie vor in mehreren Studien erforscht. Erste Ergebnisse sind sogar unter anerkannten Virologen umstritten. Einer von ihnen, Christian Drosten von der Berliner Charité, twitterte am Mittwoch, bevor er sich in eine mediale Auszeit verabschiedete, "sehr gut beobachtet", als ihn Twitter-Nutzer auch bei der bundesweiten Statistik auf die enorme Erhöhung der Fallzahlen bei Kindern und Jugendlichen aufmerksam machte.

Drosten hatte in der 50. und letzten Ausgabe vor der Sommerpause seines Podcasts [ndr.de] auch noch einmal betont, dass man trotz aller Vorkehrungen und Abstands- und Hygieneregeln davon ausgehen muss: "Vielleicht können wir keine virusfreien Schulen haben." Man könne das Virus nicht wegtesten: "Das Virus ist ja dann erkannt, dann erfordert das eine Konsequenz. Und was ist denn, wenn wir plötzlich feststellen, die Konsequenz ist, dass wir überall die Schulen nun mal wieder schließen müssen, wenn wir virusfreie Schulen wollen?"

Nur ein Fall bei erster Testreihe in Schulen

Auch deshalb hat Berlin gerade eine neue Teststrategie eingeführt, um vor allem auch symptomlose Menschen zu testen. Über ein Jahr sollen nun 24 ausgewählte Schulen und demnnächst auch zwölf Kitas freiwillig in regelmäßigen Abständen durchgetestet werden.

Die erste Reihe fand noch vor den Sommerferien statt. Der Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, Steffen Krach, bilanziert: "Die mobilen Teams der Charité konnten wie geplant seit Mitte Juni Tests an allen 24 an der Studie teilnehmenden Schulen durchführen und die Zielgröße von 600 Probanden wurde fast erreicht." Bei der Testreihe wurde allerdings nur ein positiver Fall entdeckt.

Darüber hinaus haben sich seit dem 8. Juni insgesamt 160 symptomfreie Beschäftigte von 48 ausgewählten Kitas und Schulen an der Charité im Rahmen gesonderter Zeitfenster freiwillig testen lassen. Dabei wurde kein positiver Fall festgestellt.

Sendung: Inforadio, 25.06.2020, 06.00 Uhr

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Antwort auf [Lale] vom 26.06.2020 um 17:30
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41 Kommentare

  1. 41.

    Da haben wieder einige den Text nicht bis zu Ende gelesen.
    Naja die Schlagzeile versucht Panik zu verbreiten und schafft es bei vielen wieder mal. Danke RBB.
    Es wurden Testreihen gemacht und bei fast 600 Probanden nur ein Positiver, ob das Ergebnis validiert wurde steht da nicht, und ob erkrankt auch nicht.
    Weiter 160 haben sich freiwillig testen lassen-> nüscht.

    Aber lebt weiter in Angst, dann solange ihr diese habt und alles schön mitmacht, wird es auch nicht besser werden.
    Vielen Dank.

  2. 40.

    "Weshalb muss in solch einer Zeit überhaupt demonstriert werden?" Weil es der Leute gutes Recht ist. Damit ist die Frage beantwortet.

  3. 39.

    Weshalb muss in solch einer Zeit überhaupt demonstriert werden? Können sich die Menschen nicht einmal zurücknehmen. Wir sind mitten in der Pandemie und jeder 2. tut so, als wäre die Pandemie vorbei. Es ist eine besonders schwere Zeit, aber nicht nur für Kinder, sondern für alle Menschen. Es wäre schön, wenn jeder, aber auch wirklich jeder nachdenken würde und sich für eine bestimmte Zeit zurück nimmt.
    Ich habe einen schwer kranken Mann zu Hause und denke jedesmal, wenn ich von der Arbeit komme, hoffentlich schleppst Du das Virus nicht mit nach Hause, dass würde für meinen Mann nicht gut ausgehen. Ich selber gehöre auch zur Risikogruppe und wir haben unser Leben wirklich soweit eingeschränkt, dass ich nur noch arbeiten gehe und zum Einkaufen in den Supermarkt. Das ist nun einmal im Moment so. Ich hoffe, dass es wieder bessere Zeiten gibt, mit Sicherheit wird es das, aber bis dahin, denkt an Eure Mitmenschen.

  4. 38.

    Wenn Melodramatisch kritisiert wird und danach mit einem viel höheren Maß an Melodramatik geantwortet wird ; -)

    Ich fordere Melodramatik für alle, nicht nur für die, die meiner Meinung sind!

  5. 37.

    Wer hat wem die Kindheit genommen? Also ich wars nicht und bitte mal nicht zuviel Endzeitfilme schauen; besser informieren anstatt hier rumzuheulen.
    Lieber an die eigene Nase fassen und die Gründe für alles hinterfragen und den eigenen Anteil finden.

  6. 36.

    Witzig! Ich war gestern bei Fielmann. Und das tolle ist, ich kann lesen und denken. Sie interpretieren die Daten. Das ist und bleibt falsch auch wenn Sie dabei beleidigend werden.

  7. 35.

    Da gebe ich ihnen vollsten recht. Genauso sehe ich das auch. Ich habe auch zwei Kinder und wenn man Ihnen das erklärt und vermittelt verstehen sie es auch. Wir müssen eben alle mit der Situation umgehen. Und das wichtigste ist die Eindämmung...

  8. 34.

    Am Anfang wurde doch nur getestet, wenn der Arzt Symptome für eine entsprechende Erkrankung festgestellt hat, oder?
    Das heißt für mich, die Menschen waren krank. Heute werden Testreihen auch ohne Symptome durchgeführt und die Infektion als solche festgestellt. Die Menschen lassen sich testen, damit sie in Urlaub fahren können, in den Schulen werden Testreihen durchgeführt usw. Kinder und Jugendliche wurden zum Anfang also so gut wie nicht getestet, sie waren ja nicht krank. Nun werden sie aber im Rahmen von Studien getestet und weisen ggf. eine Infektion auf aber keine Symptome? Zum Anfang wurde über Erkrankte und Verstorbene berichtet und nun zum größten Teil über Infezierte ohne Symptome.
    Heißt das nicht, daß bei mehr Tests mehr Infektionen zum Vorschein kommen, aber der Anteil der Erkrankten bzw. Verstorbenen an der Gesamtzahl der Infizierten geringer wird? Heißt das nicht, das Virus ist da, aber wir können damit leben? 1000 Zeichen zu Ende und Fragen über Fragen

  9. 33.

    "Wir ALLE haben unseren Kindern bisher 4 Monate ihrer Kindheit genommen. " Geht es vielleicht auch ohne melodramatisch zu werden? Hätten Sie lieber Leichenberge wie in Italien auch in Deutschland gesehen? Seien Sie froh, dass die Regierung so schnell und besonnen reagiert hat. Ansonsten gäbe es jetzt dank Covid19 wesentlich weniger Kinder und Erwachsene. Denn die wären TOT. Und dass die Kinder ihre Kindheit weiter erleben dürfen und nicht gestorben sind, sollte die Sache doch wert sein. Oder?

  10. 32.

    Oh ja, das hat die ganze Republik gesehen und berichtet, wie VERANTWORTLICH hier in Berlin demonstriert wurde. Waren Sie auf einer anderen Veranstaltung?

  11. 31.

    Bitte lassen Sie uns doch bei den Fakten bleiben. Diese emotionsbasierte und moralisierende Diskussion hilft nicht weiter. Da kann man noch sehr fordern, die Schulen müssen öffnen, weil kindeswohl in Gefahr ist. In Israel sind sie alle wieder dicht, weil Gesellschaftswohl in Gefahr ist. Es braucht vernünftige Konzepte. Und ja, wenn bekannt wird, dass sich Eltern oder Lehrkräfte wiederholt unverantwortlich benommen haben, dann sollte auch das Konsequenzen haben. Nicht nur Tönnies könnte haftbar gemacht werden.

  12. 30.

    Wieso hat man den Kindern 4 Monate ihrer Kindheit geraubt? Vielen Eltern scheint erst in der Krise aufgefallen sein,dass sie Kinder haben und man sich auch mit ihnen beschäftigen muss!

  13. 29.

    Wie werden die Grundrechte in Berlin gewichtet? Steht das Recht zu demonstrieren und Party zu feiern über dem Recht der Kinder auf Betreuung und Bildung? An den Fridays for Future haben die Schüler_innen für ihr Recht auf Zukunft demonstriert. Aber wie soll ihre Zukunft ohne Bildung und Ausbildung aussehen?

  14. 28.

    Was zeigt der Kalender ? Sommerferienzeit ! -
    Wollt ihr alle Lehrer und Erzieher aus dem Urlaub zurück holen ? Zeigt nicht auf die Eltern, die haben ihre Überforderung bereits eingestanden. - Die Tourimuswirtschaft schnappt nach Luft ! - UND seit wann werden Kinder getestet ? - Hört auf mit Panikmache, Augen auf, Abstand halten. - Leute zu testen nur damit der Probenträger in offenen Tüte nicht eingetrocknet, war - ist - und bleibt Unfug. - Wir ALLE haben unseren Kindern bisher 4 Monate ihrer Kindheit genommen. Wir sollten genau überlegen wie wir weiter leben wollen.

  15. 27.

    hä, Ines? "Man weiß ja nur, dass es Kinder sind und kennt ihr Alter. " sorry, aber oben, die Grafiken, Statistiken, die Zeigen die Altersaufteilung ziemlich deutlich. Sinds die Augen, geh zu Fielmann...

  16. 26.

    Demos sind ein beherrschbares Risiko, draußen, mit Abstand und Mundschutz und man kann jederzeit den Platz verlassen, wenn es einem zu voll ist.
    Schule findet überwiegend in Gebäuden und geschlossenen Räumen statt, der Infektionsschutz ist nur bedingt händelbar, Abstand ist nicht immer gegeben und einfach so gehen, wenn es zu voll ist, geht auch nicht immer ;-))

  17. 25.

    Ich kann mich an eine Lehrerin erinnern, die auf Demos gegangen ist

    Das geht, aber Angst vor den Kindern haben....hört sich für mich nach nicht arbeiten wollen an.

  18. 24.

    In der Kita ist man auch in Räumlichkeiten und nicht die ganze Zeit draußen. Und in der Schule ist man auch in einem Raum. Und nicht alle lüften immer.

  19. 23.

    Ihr Argument kann trotzdem nicht belegt werden. Man weiß ja nur, dass es Kinder sind und kennt ihr Alter.

    Man kann nicht wissen, ob die Kinder in der Betreuungseinrichtung sind /waren. Kitas haben seit dieser Woche auf, Schulen sind weiter eingeschränkt. Die Kita-Kinder sind den meisten Teil des Tages draußen, wieso also "geschlossenes Raum" Klientel? Und vielleicht waren auch die Eltern, Babysitter, andere aus dem Umfeld der Kinder Party machen, und haben Ihre Kinder angesteckt?

    Niemand weiß es, daher ist ihr Argument nur eine Annahme und nicht belegbar.

  20. 22.

    Bitte das Originalkommentar und dann mein Kommentar lesen. Ihr Kommentar ist genau richtig und wäre meine Hoffnung für alle Kinder, Eltern, Erzieher und Lehrer.

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