Junge Leute tragen Schutzmasken zum Schutz gegen das neuartige Coronavirus (Quelle: Wolfram Steinberg/dpa)
Video: Abendschau | 11.06.2020 | Norbert Siegmund | Bild: Wolfram Steinberg/dpa

Corona-Regeln in Berlin - Fahrgäste in der BVG häufiger ohne Masken unterwegs

Einige Corona-Regeln hat der Senat inzwischen gelockert, aber die sogenannte Maskenpflicht in Bussen und Bahnen gehört nicht dazu. Die Verkehrsbetriebe bemerken nun eine sinkende Bereitschaft der Fahrgäste, sich daran zu halten - abhängig vor allem von der Tageszeit.

In Berliner U-Bahnen, Trams und Bussen sind trotz nach wie vor geltender Maskenpflicht immer mehr Fahrgäste ohne Mund- und Nasenschutz unterwegs. Die Bereitschaft zum Tragen solcher Masken sei in den vergangenen Wochen "leicht gesunken", wie die Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Petra Nelken, rbb|24 am Donnerstag sagte. "Der Rückgang ist nicht dramatisch, aber seit der Senat einige Corona-Maßnahmen gelockert hat, beobachten wir eine leichte Tendenz in diese Richtung."

Die Beobachtungen der Verkehrsbetriebe beruhen auf Auswertungen, die die BVG einmal pro Woche in einem "Bericht zur Verkehrslage in Berlin" an die Senatsverwaltung für Verkehr schickt. Die Pflicht zum Tragen eines Mund- und Nasenschutzes gilt seit dem 27. April in den Fahrzeugen des Öffentlichen Nahverkehrs aber auch an den Haltestellen der Berliner U-Bahnen, Trams und Busse.

Anteil der Maskenträger im Schnitt bei 78 Prozent

Laut BVG lag der Anteil der Maskenträger an Haltestellen und in den Fahrzeugen des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin im letzten Wochenbericht im gesamten Tagesdurchschnitt bei 78 Prozent. In der U-Bahn trugen demnach rund 85 Prozent der Fahrgäste Masken, ebenso in den Bussen. In der Straßenbahn waren es 75 Prozent.

Allerdings müsse laut BVG-Sprecherin Nelken unterschieden werden: "Die Bereitschaft, eine Maske anzuziehen, hängt stark davon ab, wann die Menschen unterwegs sind. Wir beobachten im Berufsverkehr in den vollen U-Bahnen weiterhin noch deutlich mehr als 90 Prozent." Am Abend, wenn die U-Bahnen und Trams sich leerten, würden die Fahrgäste auch eher auf den Mund-Nasen-Schutz verzichten. Nelken sagt, dass außerhalb der Fahrzeuge, an Tram- und Bushaltestellen zuletzt nur etwa 65 Prozent eine Maske trugen, an U-Bahn-Haltestellen seien es 80 Prozent gewesen. Allerdings sei auf Videoaufnahmen zu sehen, dass die Fahrgäste dort auch Abstand voneinander hielten.  

BVG trägt Daten aus Überwachungskameras zusammen

Die BVG-Statistik wird in einem relativ aufwendigen Verfahren erstellt. Seit die sogenannte Maskenpflicht gilt, geben BVG-Kontrolleure, Sicherheitsstreifen, Mitarbeiter im Außendienst und die Betriebsaufsicht am Ende ihrer Dienste Schätzungen zu Protokoll, wie viele Fahrgäste sich an die Maskenpflicht hielten. Diese Angaben machen laut Nelken aber nur einen Teil der Statistik aus.

"In den Leitstellen scannen Mitarbeiter mehrmals am Tag die Überwachungskameras der 175 Berliner U-Bahnhöfe sowie an Tram- und Bushaltestellen. Auch Aufnahmen aus den Innenräumen von U-Bahnen, Bussen und Trams werden stichprobenartig ausgewertet", erklärt die Sprecherin. 

Kein einheitliches Vorgehen der Kontrolleure

Als die BVG am 27. April damit anfing, ihre Zahlen zu erheben, hatten sich noch mehr Menschen an die Maskenpflicht gehalten. Im Bus seien es anfangs rund 95 Prozent gewesen, in Trams etwa 85 Prozent und zwischen 90 und 95 Prozent in der U-Bahn. Gut vergleichbar seien die Zahlen aus dem April mit den neuesten aus dem Juni zwar nicht, weil im April die Haltestellen nicht mitgezählt wurden. Dennnoch zeige sich ein leichter Trend, die Corona-Regeln weniger ernst zu nehmen.  

Fahrgäste würden mit einem Ticket auch ein Recht auf Beförderung kaufen, sagt Nelken. Und die Regeln der Corona-Verordnung durchzusetzen, sei zudem nicht Sache der BVG, sondern die des Senats und der Bezirksämter. Aber Kontrolleure würden in der Bahn und in Bussen Fahrgäste ohne Maske ansprechen. "Manchmal haben Kontrolleure auch Masken dabei, zum Beispiel für Obdachlose. Sicherheitsleute können aber Fahrgäste ohne Masken auch die Weiterfahrt verbieten", so Nelken, ein einheitliches Vorgehen gebe es dabei nicht. Erst zu Beginn der Woche habe die BVG eine Erhebung gestartet, wie viele Fahrgäste wegen fehlender Masken Busse, Bahnen und Trams verlassen mussten. Zahlen lägen noch keine vor. 

Keine Auskunft, wie viele Corona-Verstöße geahndet wurden

Ob die Zahlen der BVG für Polizei und Ordnungsämter ein Grund für vermehrte Kontrollen und Bußgelder sind, ist bislang unklar, im Corona-Bußgeldkatalog, der unabhängig von der Eindämmungsverordnung beschlossen wurde, gibt es dazu keinen Passus. Bereits am Dienstag hatte der rbb nachgefragt, ob überhaupt schon Verstöße gegen die Maskenpflicht oder andere Regeln der Corona-Verordnung geahndet wurden. Weder die Polizei noch Innensenator Andreas Geisel gaben Auskunft darüber. Stattdessen gab es Stunden später die Nachricht: Der Senat habe bewusst keine Geldbußen eingeführt.

Aus psychologischer Sicht sei die sinkende Bereitschaft unter anderem mit der Dauer der Maßnahmen zu erklären, sagt Florian Kutzner, Professor für Psychologie an der Uni Heidelberg im rbb. "Manche Maßnahmen, wie soziale Kontakte zu reduzieren, machen unser Leben einfach weniger schön. Wenn ich da auf Dauer mitmachen soll, brauche ich schon eine hohe Sicherheit, dass es das Richtige ist, was ich tue", so Kutzner.

Bereitschaft zur kritischen Bestandaufnahme

Eine Voraussetzung für die Akzeptanz der Maßnahmen sei unter anderem eine Bereitschaft der Politik, kritisch zu reflektieren, welche Maßnahmen noch nötig sind und welche nicht. "Die Grundlagen für diese Entscheidungen müssen komplett offengelegt werden, es genügt nicht mehr einfach zu sagen, dass Wissenschaftler etwas empfohlen haben", so Kutzner. Es müsse auch transparent sein, um welche Wissenschaftler es sich handle.

Unabhängig von der Akzeptanz und Kontrolle gilt aber nach wie vor, laut Berliner Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus, die sogenannte Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Sendung: Inforadio, 11.06.2020, 14 Uhr

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56 Kommentare

  1. 55.

    Komentar ist grosser Mist. Man kann nicht 20 Prozent der Leute ohne Maske in voller U Bahn aus dem Weg gehen und Abstand halten.

  2. 54.

    diese können die BVG auch ohne Maske nutzen aus Gesundheitlichen Gründen oder bei Behinderung ist man von Maskenpflicht befreit
    Thomas Pillusch

  3. 53.

    Ich mag mich als "Spießer" outen oder nicht, aber es gibt die Vorschrift eine Maske zu tragen, also hält man sich daran.
    Auch wenn ich die Maske trage sinkt für mich jedoch auch zunehmend die Bereitschaft. Nicht, weil mich das Corona-Thema auf Dauer nervt, sondern eher, weil es bei den in den letzten Tagen immer stärker steigenden Temperaturen zunehmend eine Qual ist diese Masken zu tragen.

  4. 52.

    die ignoranz der menschen ist deutlich jeder denkt nur an sich, es ist bequemer und lässig ohne mundschutz rumzulaufen, ob in bus und bahn oder auf der strasse, jeder ist sich selbst der nächste. das wussten wir zwar schon vor corona aber nun zeigt es sich überdeutlich. auch unsere ausländischen mitbürger sind hier besonders zu erwähnen. das traut sich nur kaum einer mehr, wird er doch dann gleich des rassismus bezichtigt. dem ist nicht so, auch wenn einige politisch aktive dem bürger ein sprach-und denkdiktat empfehlen.

  5. 51.

    Ich bin diese ganze Ignoranz leid und werde bis zum Erhalt einer Coronaimpfung mit meinem Auto
    die Luft verpesten(2x28 km Stadtverkehr/Tag).
    Dito:Statt mit der DB werde ich bei erstbester Gelegenheit die Wochenendheimfahrten mit dem Flieger durchfuehren.

  6. 50.

    Sie sagen: "lasst diese Oberlehrerkommentare"...

    und nun lesen Sie Ihren eigenen nochmal
    und fragen sich, ob der soviel anders/besser ist, was den Tonfall angeht...

  7. 49.

    Ich finde es schon auffallend, dass die Bereitschaft zum Tragen eines MNS in Bussen deutlich zurückgegangen ist. Obwohl gerade dort oft kein Mindestabstand eingehalten werden kann! Verstehe allerdings auch nicht, warum an den Bustüren nicht zumindest ein Aufkleber mit dem Hinweis auf die Maskenpflicht angebracht wird.

    In den U-Bahnen ist es unterschiedlich aber die Quote ist subjektiv schon höher. Von meiner Warte aus lässt die Bereitschaft mit jeder großen Veranstaltung/Demo und der entsprechenden Berichterstattung noch mal nach. Ich kann absolut verstehen, wenn man vom ÖPNV im Moment die Finger lässt, wenn man sich selbst zur Risikogruppe zählt - und die Fahrtwege anders organisieren kann.

  8. 48.

    Ach ja... Des Volkes Stimme hier wieder. Das Spießertum wieder mal. Euch gehts doch nur um Einhaltung von Regeln. Haltet einfach Abstand, wechselt eure Postion oder den Waggon. Es gibt genug Möglichkeiten. Wenn Ihr Angst um Eure Gesundheit habt, würdet Ihr Abstand halten, weiterhin in der Nähe eines Maskenmufdels zu bleiben und zu meckern nützt Eurer Gesundheit auch nichts. Entweder es geht euch um die Gesundheit oder nur um die Regeln. Das ist, als ob ihr auf eure Vorfahrt besteht, obwohl ihr seht, der andere beachtet sie nicht. Und dann aus dem Krankenhaus sagen „der andere war Schuld“. Also, entscheidet euch, aber lasst diese Oberlehrerkommentare. Denn die meisten tragen Masken. Geht den anderen halt aus dem Weg.

  9. 47.

    Wenn Kita und Schulen ohne Abstandsregeln, Alltags Masken nicht einhalten brauchen, was ist mit ihrer Gesundheit und Leben anderer zu schützen. Lehrer, Erzieher, Eltern usw. Was ist mit ihrer Gesundheit, kaum ist alles offen, Personal und Kinder infiziert. Wie man jetzt wieder gehört hat. Keine Kontaktbeschrängungen mehr in Brandenburg. AB 15. Juni 2020

  10. 46.

    Lieber CD. Sie haben es mit beiden Kommentaren hier voll auf den Punkt gebracht. Danke.

  11. 45.

    Ein ähnliches Erlebis hatte ich gestern. Fahrkartenkontrolle in der U8. Die Kontrolleure mit heruntergezogener Maske, achten natürlich nur auf potentielle Schwarzfahrer, aber nicht auf Fahrgäste ohne oder mit runtergezogener Maske. Als ich sie darauf anspreche, heißt es, sie könnten ja eh nix machen, der eine Fahrgast würde jaz.B. gerade Kaffee trinken. Ähm, schonmal was von Hausrecht gehört? Und essen/trinken soll man in der Bahn ja eigentlich auch nicht. Wenn jeder, der sich einen Kaffee-to-go mitnimmt, um die Maskenpflicht herum käme, würde bald keiner mehr eine Maske tragen...

  12. 44.

    Alles was Sie an Argumenten gegene einen MNS aufführen ist - das mit der Brille mal ausgenommen - absolut lächerlich. Aber es scheint ja wichtiger zu sein, seinen Lippenstift und Schminke zeigen zu können und sich anflirten zu lassen, als Gesundheit und Leben anderer zu schützen...

  13. 43.

    Es ist doch heute schon normal, dass man sich nicht an die Regeln hält: Müll auf der Strasse, Geschwindigkeitsüberschreitungen mit dem Auto, Fahrräder auf dem Fußweg, Liegenlassen von Hundescheiße und und und....

  14. 42.

    Heute in der U-7 und in der U-9 Mittagszeit und zurück früher Nachmittag.
    Es hielten sich alle an die Maskenpflicht innerhalb der U-Bahn. Unter der Maske war es schwitzig, wunderbarer Brutkasten für alles mögliche, weil man nicht optimal ein/ausatmen kann mit Masken.

    Das andere was auffällt, dass in den Imbissen mit Lebensmittelverkauf auf der oberen Etage und Zeitungsläden unmittelbar im U- Bahnhof sämtliche Verkäufer Keine Masken tragen.
    Restaurants besteht Maskenpflicht, auf den Verkaufsstellen im U-Bahnbereich nicht ?
    Wer übt hier das Hausrecht aus, dachte bisher die BVG ?! Die schiebt es ja so wie man dem Bericht entnehmen kann, wunderbar auf dem Berliner Senat ab.
    Weiterhin sehr auffällig, dass U-Bahn und Busse im unteren Bereich in den Ecken extrem verdreckt sind.
    Aushängeschild BVG für Berlin, wohl kaum. Da bleibt der Autofahrer lieber unter sich im eigenen PKW.
    Die Politik muss erst einmal die Rahmenbedingungen schaffen, damit der ÖVPN attraktiv für die Kunden wird.

  15. 41.

    Jetzt muss auch mal Schluss sein mit dem Mund Schutz.

    Ich muss auch mit der BVG fahren, aber bei diesen Temperaturen ein NO GO.

  16. 40.

    Nasen- Mund Schutz Masken, schlimm das man sie nehmen muss. An gelächelt wird man von Männern auch nicht mehr. Kein Lippenstift mehr, keine Schminke kanste vergessen. Frauen ohne Ohrringe, wegen diesen blöden Gummis. Brillenträger haben Schwierigkeiten, dessen Gummi links und rechts an den Ohren. Brille hängt am Gummi fest. Aufpassen sonst fällt die Brille runter.
    Regierender Bürgermeister von Berlin, Maskenpflicht nein, vielleicht, wenn überhaupt. Er musste sein ja Wort geben, wegen der Ministerpräsidenten aus den anderen Bundesländern.
    Es wird gesagt, dass wir mit dem tödlichen Virus leben müssen, leider ist das so.

    Übrigens Masken trägt man zum Fasching bzw. Silvester. Das heißt Nasen- Mund Schutz Masken.


  17. 39.

    "Sicherheitsleute können aber Fahrgäste ohne Masken auch die Weiterfahrt verbieten", so Nelken, ein einheitliches Vorgehen gebe es dabei nicht." - warum nicht ? Warum gibt es dieses Chaos im ganzen Land ? D.h. also, dass man dann unberechtigterweise aus dem Fahrzeug rausgeworfen wird, nur weil man an den "Falschen" geraten ist? (bitte keine Diskussion á la: es geht ja um den Schutz) - es geht allein um´s Prinzip

  18. 38.

    Erst gestern dürfte ich in der Berliner S Bahn wieder etwas dazulernen. Fahrscheinkontrolle, aber der Kontrolleur mit herunterhängender Maske um den hals hängend geht durch den Waggon und kontrolliert. Sorry aber das macht gar keinen Sinn. Gerade der Kontrolleur, der den ganzen Tag durch die Bahnen geht und etliche Menschen trifft ist einerseits stärker gefährdet (gut, sein Risiko) aber kann so natürlich auch viele anstecken, insbesondere wenn er in der Bahn vor den Fahrgästen steht, während diese zumeist sitzen. Liebes rbb Team was soll das, wenn die Kontrolleure keine masken tragen wollen, sollen sie zu Hause bleiben. Darauf angesprochen, habe ich einen vernichtenden blick erhalten. Vorbild geht anders. Ob da eine Mail an die s Bahn hilft möchte ich bezweifeln. Man bekommt da ja schon in anderen Belangen keine sachgerechte Antwort. Schade, während insgesamt im Bundesgebiet die Fallzahlen weiter sinken, pendelt es sich in Berlin auf einem Niveau ein, woran das wohl liegt?

  19. 37.

    Was für eine Frage. Kopfschütteln! Hängen Sie sich ein Plakat um oder schreiben Sie sich auf die Stirn: Ich hatte Corona und bin clean (mit amtlichen Stempel) . Oder haben Sie sogar ein amtliches Dokument worin das steht. Dann müssten Sie dieses aber auch sichtbar mit sich tragen. Als Fahrgast habe ich auch das Recht sie auf die Maskenpflicht hinzuweisen.

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