Häuserblock in der Harzer Straße in Nord-Neukölln. (Quelle: rbb/Abendschau)
Bild: rbb/Abendschau

Corona-Ausbruch in Berlin - Zahl der nachgewiesenen Fälle in Neukölln steigt auf fast 100

In Berlin-Neukölln sind mittlerweile 98 Bewohner der unter Quarantäne stehenden Wohnblöcke positiv auf Corona getestet worden. Diese Zahl nannte das Bezirksamt am Freitagabend. Ein Pandemiestab mit 120 Mitarbeitern ist im Einsatz.

Die Zahl der Corona-Infektionen in den unter Quarantäne gestellten Wohnblöcken in Berlin-Neukölln ist weiter gestiegen. Am Montagmorgen gab es 98 laborbestätigte positive Testergebnisse, wie das Bezirksamt mitteilte. Das waren vier mehr als am Freitag. Die Zahlen könnten allerdings erneut steigen - erst am Dienstag sollen die Ergebnisse aller Tests vorliegen

Das Gesundheitsamt teste nach wie vor Bewohnerinnen und Bewohner in den betroffenen Häusern. Die Zahl der positiven Testergebnisse werde sich daher in den kommenden Tagen voraussichtlich weiter erhöhen, hieß es.

370 Haushalte unter Quarantäne

Bisher erfolgten den Angaben zufolge 604Tests. Insgesamt hat Neukölln knapp 370 Haushalte an sieben Standorten unter Quarantäne gestellt, um eine Ausbreitung von Sars-CoV-2 zu verhindern. Pro Haushalt leben ein bis zehn Bewohner. Unter den Infizierten sind 41 Kinder und Jugendliche, wie Gesundheitsstadtrat Falko Liecke rbb|24 mitteilte. Aktuell werde eine Person stationär im Krankenhaus behandelt, die Übrigen hätten bislang leichte Verläufe oder seien symptomfrei.

In dem betroffenen Viertel sind sechs Außenteams mit jeweils zwei Personen unterwegs, um weitere Abstriche zu sammeln Sie sollen auch am Samstag arbeiten. In diesen Teams sind unter anderem Gesundheitsaufseher des Bezirks und der Amtsarzt.

Offenbar keine Weiterverbreitung unter Schülern

Aufgefallen war der Ausbruch am 5. Juni nach Infektionen bei Schulkindern, die zwar verschiedene Schulen besuchten, aber die gleichen Adressen hatten. Das "Ausbruchsgeschehen" sei trotz aufwändiger Recherchen des Gesundheitsamtes nicht eindeutig zu rekonstruieren und der Ausgangspunkt nicht eindeutig zu lokalisieren, so der Bezirk. Fakt sei, dass zahlreiche Mitglieder einer christlichen Gemeinde, die auch an einem Gottesdienst teilgenommen hätten, positiv getestet worden seien. Die Lerngruppen in den Neuköllner Schulen, in denen die Infektionen erstmals aufgefallen waren, wurden nach Lieckes Angaben quarantänisiert. Erneute Tests hätten ergeben, dass die Schüler das Virus untereinander anscheinend nicht übertragen haben.

Das Bezirksamt habe die Versorgung der Betroffenen übernommen, unter anderem mit Grundnahrungsmitteln. Dabei sei das Technische Hilfswerk im Einsatz. Im Pandemiestab des Bezirksamts arbeiten derzeit 120 Angestellte, davon 100 aus dem Gesundheitsamt und 20 aus anderen Bereichen, so Liecke.

Rückverfolgung der Infektionsketten

25 Mitarbeiter des Pandemiestabs sind aktuell mit der Rückverfolgung der Infektionsketten beschäftigt, sie werden bei der Listenführung und beim Telefonieren von fünf Einsatzkräften aus der Bundeswehr unterstützt. "Bei der Nachverfolgung hat es am Anfang wegen Sprachbarrieren ein bischen gehakelt", sagte Liecke rbb|24. Mittlerweile arbeite man auch mit Stadtteilmüttern, Integrationsleitern und anderen Trägern zusammen. Die Zahl der Mitarbeiter bei der Verfolgung der Infektionsketten soll weiter aufgestockt werden, möglicherweise auch durch Studierende auf Honorarbasis.

Sendung: rbb24, 19.06.2020, 21.45 Uhr

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34 Kommentare

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  1. 34.

    Da stimme ich dir zu! Ich arbeite in einem Supermarkt und erlebe jeden Tag die Rücksichtslosigkeit von einigen Menschen. Für die gilt keine Maskenpflicht und sie werden richtig aggressiv,wenn man sie anspricht!

  2. 33.

    Und hier noch einmal sachlich nachzulesen unter dem Punkt : warum werden nicht alle Menschen getestet

    https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/corona-test-wie-funktioniert-der-test/

  3. 31.

    Wer bitte ist "unser"? Sprechen Sie für die Allgemeinheit?
    Wegen eines solchen Verständnisses können zig Haushalte unter Zwangsquarantäne = Freiheitsberaubung gestellt werden?

    Mein Verständnis für das Virus hat sich von Tag eins nicht geändert, im Gegenteil, mein Verdacht, dass es sich ohnehin schon viel länger verbreitet, als gedacht, scheint sich langsam aber sicher zu bestätigen (s. Entdeckungen Abwasser Italien, nachträgliche Tests in Frankreich).

  4. 30.

    WANN gibt endlich verpflichtende Corona Tests für ALLE ? Nur dann erfasst man auch die Dunkelziffern ! Kann doch nicht so schwer sein.

  5. 29.

    Wie beschrieben, 100 "nachgewiesene" Fälle ...... wie hoch liegt die Dunkelziffer aufgrund Nichttestung??? Wie viele dieser Menschen sind mit mir im Bus gesessen, im Supermarkt gewesen, bevor man sie als "Infiziert" bezifferte? .... Sorry, ich arbeite in der Pflege und möchte niemanden meiner zu Betreuenden "unbewusst" anstecken müssen, NUR, weil immer nur die "absoluten Zahlen" benannt werden .... Infizierte sind doch genauso "ansteckend", ob sie nun als getestet "nachgewiesen" gelten, oder nicht ..... !?

  6. 28.

    Einige haben immer noch nicht kapiert, dass es hier nicht um gendern geht, und andere Neuköllner geben zwar vor, "mit eben solchen Familien" zu arbeiten, können aber Kommentare nicht sinnerschließend lesen und bis zum Antworten den Inhalt der Zeilen behalten...

    Was vergessen wird: hier geht es um Infizierte, um eine für Risikogruppen potenziell tödliche Krankheit und einen Hotspot in Neukölln!

    Schaut euch Tönnies an, dann wisst ihr, warum sich die Betroffenen keine größeren Wohnungen leisten können. Solange es solche Arbeitsverhältnisse gibt, wird es solche Wohnverhältnisse geben UND solche Infektionsausbrüche!

  7. 27.

    Unser Verständnis des Virus hat sich seit der Einschätzung, dass alles ok ist solange das Gesundheitssystem nicht überlastet ist, etwas verändert.

  8. 26.

    Traurig die neue Entwicklung! Einige haben es immer noch nicht kapiert, die Regeln einzuhalten-da wird uns der Virus noch einige Zeit begleiten.

  9. 25.

    Also wenn, dann auch korrekt gegendert: Anwohnerinnen und Anwohner, Anwohner!nnen, AnwohnerGENDERSTARinnen, wobei ersteres den Text am wenigsten versaut.

  10. 24.

    Das Gesundheitssystem ist schon seit Jahren überlastet. Würden die vielen Osteuropäer nicht in D. arbeiten für Mindestlohn, ( siehe Fleischbetriebe ), hätten die Krankenhäuser nur jeden 5. Corona Patienten aufnehmen können.

  11. 23.

    Es wird wieder Zeit Klopapier und Nudeln zu kaufen. Beim nächsten kompletten Lockdown sind die Waren teurer. Es sind nur noch 9 Monaten bis der Impfstoff da ist.

  12. 22.

    Das sind keine Fälle! Das sind I N F E K T I O N E N. Und keine Krankheitsfälle. Mein Gott, dass müsste doch jetzt jeder langsam mal kappiert haben.

  13. 21.

    Sie sagen es. Und, ein Virus geht eigentlich nie weg. Es verändert sich. Deswegen ist zB der Grippeschutz schon mit 3 oder 4 fach Wirkung. Meistens schwächt sich die Aggressivität eines Virus im Laufe der Zeit ab. Ich finde, Österreich und Deutschland haben gute Wege beschritten. Italien, Frankreich und Spanien sind schlimm erwischt worden.

  14. 20.

    Es ging beim Lockdown und den Maßnahmen einzig und allein um die gefürchtete Überlastung des Gesundheitssystems. Weshalb schwenkt das jetzt immer mehr um in "wir müssen das Virus besiegen"? Das Virus ist da und wird auch so schnell nicht mehr weggehen. Gelernt haben wir, dass das Gesundheitssystem offenbar ein anderes als in Italien ist.

  15. 19.

    Willkommen im Leben! Jetzt, wo sich die "Allgemeinheit" bedroht fühlt und ängstlich hinter dem Mundschutz hervoräugt, sollte man plötzlich gegen derartige Vermieter vorgehen.. Mir fehlen die Worte über die Denkweisen in dieser verrückten Zeit

  16. 18.

    Um es kurz zu sagen. Viele Menschen sind zu naiv. Nur weil man etwas nicht sieht und es scheinbar nachgelassen hat, heißt es nicht, dass die Viren Weg sind. Die Lockerungen sind dennoch richtig, weil die wirtschaftlichen Schäden zu hoch sind. Zum „Glück“ ist das Gesundheitssystem nun aber vorbereitet. Und man kann insgesamt besser reagieren. Aber ja, es liegt an jedem selbst, dazu beizutragen, dass wir alle da gut durchkommen.

  17. 17.

    Ja. Für viele sicher auch ein Grund möglichst viel Zeit gemeinsam draußen in Parks zu verbringen. Gute Besserung! Mögen allen möglichst schnell genesen, so dass auch die Kinder sich wieder mit ihren Freund*innen treffen können.

  18. 16.

    Lebensmittelversorgung der Betroffenen ist doch nicht etwa zum Nulltarif.

  19. 15.

    Sie sprechen mir aus der Seele, Reisen, Partys, Demos, kein MMS, kein Abstand, unkontrollierte Schulöffnungen ohne Sinn und Verstand - ohne schlüssiges Konzept - die Kultusminister sind so realitätsfern schon vor der Pandemie und jetzt erst recht - das Spielchen Schule auf / zu wird dann wieder gespielt. Weder Berlin, noch ein anderer Hotspot wird die Infektionsketten noch nachvollziehen können - also wir es in den nächsten Tagen/Wochen spannend - Mal sehen, dann schliessen die anderern Länder die Grenzen, weil Deutschland zum neuen Epizentrum wird......vielleicht werden dann die Menschen endlich mal wach.....und Sehr geehrter RBB, ich würde mich freuen, wenn Sie auch einmal einen Artikel über Menschen veröffentlichen würden, die aus gesundheitlichen Gründen (Altenheime, Rentner, Familien mit kranken Kindern etc) unter der Pandemie leiden - die gibt es auch in unserer Gesellschaft - Vielen Dank

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