Schüler sitzen beisammen und lesen ihre Zeugnisse. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Video: Brandenburg Aktuell | 19.06.2020 | Ludger Smolka | Gespräch mit Britta Ernst | Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Schule in Corona-Zeiten - Zeugnis-Noten sollen durch Lockdown nicht abrutschen

Seit Mitte März ist an den Schulen in Berlin und Brandenburg eigentlich nichts mehr wie vorher. Zeugnisse gibt es jetzt aber trotzdem für alle. Ein Überblick, was in die Benotung einfließen darf und wer möglicherweise um die Versetzung bangen muss.

Ab Montag bekommen Schüler in Berlin und Brandenburg ihre Zeugnisse, wegen der Corona-Pandemie kann die Bewertung der Schüler aber in diesem Halbjahr nicht wie gewohnt stattfinden. Die Regeln für die Leistungsbewertung im laufenden Schulhalbjahr haben die Bundesländer sehr unterschiedlich gestaltet, auch Berlin und Brandenburg weichen bei der Zeugnisgestaltung voneinander ab. Eine neue Situation, nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für Lehrkräfte.

Zwar können die Leistungen, die die Schüler während des Lockdowns zu Hause erbracht haben, teilweise auch in die Zensuren einfließen. Zum Nachteil der Schüler soll das aber nur in Berlin und nur in Ausnahmefällen möglich sein.

Lockdown nicht zum Nachteil der Schüler

In Berlin können die Projektarbeiten, die Schüler aus Grundschule oder Sekundarstufe I während der Schulschließung zu Hause angefertigt haben, durchaus bewertet werden und in die Zeugnisnoten einfließen. Schülerinnen und Schüler konnten auch durch eine zusätzliche Projektarbeit ihre Noten verbessern., heißt es auf der Website der Senatsverwaltung für Bildung [berlin.de].

Immer gilt aber für die Grundschulen und die Sekundarstufe I der sogenannte Verbesserungsgrundsatz: Demnach dürfen sich Kinder durch die Bewertung der beim Lernen zuhause erbrachten Leistungen gegenüber dem ersten Halbjahr 2019/2020 nur verbessern und keinesfalls verschlechtern. "Dieser Grundsatz ist notwendig, um eine Benachteiligung von Schülerinnen und Schülern, die aufgrund der unterschiedlichen Lebensumstände entstehen kann, zu vermeiden", heißt es von der Bildungsverwaltung.

Schüler der Sekundarstufe II, die in der Lockdown-Phase schlechtere Leistungen erbrachten als sonst, müssen zwar schlechtere Lernbedingungen geltend machen, um die Bewertung der Heimarbeit aufzuheben. Dennoch gilt auch für die Sekundarstufe II: "Bei der Beurteilung der Leistungen sollen sich gute Leistungen positiv auf die Notenbildung auswirken, eine Notenverschlechterung soll nur im Ausnahmefall möglich sein."

In der Hauptstadt wird die Ausgabe der Zeugnisse auch coronabedingt über drei Tage gestreckt - von Montag bis Mittwoch.

In Brandenburg werden keine häuslichen Leistungen bewertet

Das Bildungsministerium in Brandenburg stellt hingegen klar, dass keine Leistungen bewertet werden können, die während der unterrichtsfreien Zeit in häuslicher Arbeit erbracht worden sind. Diese Regel gilt für alle Schularten und Altersgruppen. Die Zeugnisnoten ergeben sich also aus den Leistungen bis zum 18. März. Jedoch können auch die Leistungen in das Zeugnis aufgenommen werden, die nach den Corona-Lockerungen am 20. April in der Schule erbracht wurden.

Das Aussetzen der Leistungsbewertung begründet das Bildungsministerium auf seiner Website [mbjs.brandenburg.de] mit mangelnder Chancengleichheit. Nicht nur die Schulen und die Lehrerkräfte seien für den Online-Unterricht sehr unterschiedlich aufgestellt gewesen, sondern auch die Schülerinnen und Schüler. Nach Auffassung des Bildungsministeriums ist eine faire Benotung der Heimarbeit nach einheitlichen Standards nicht möglich, weil die Kinder unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen gelernt hätten.

Berliner Senat hat keine Regeln zur Versetzung festgelegt

Eine Änderung der Regeln für die Versetzung in höhere Jahrgangsstufen hat der Berliner Senat in seinen neuen Corona-Regeln nicht festgelegt. In Brandenburg sollen dem Bildungsministerium zufolge "grundsätzlich alle Schülerinnen und Schüler in die nächst höhere Jahrgangsstufe versetzt werden, wenn eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht in der folgenden Jahrgangsstufe erwartet werden kann". Was das genau bedeutet, wurde im Detail nicht ausformuliert. Auch auf Wunsch von Schülerinnen und Schülern oder der Eltern und in Abstimmung mit diesen könne die Wiederholung einer Jahrgangsstufe erfolgen.

Sendung: Brandenburg aktuell, 19.06.2020, 19.30 Uhr

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5 Kommentare

  1. 5.

    Meine kleine Schwester (9.Klasse) war dieses Halbjahr besser als je zuvor. Letztes jahr noch 2,3 Durchschnitt. Dieses Zwischenzeugniss schon 1,8. Und jetzt 1,5.
    Laut ihrer Aussage war es einfacher und "gechillter" weil weniger Arbeiten geschrieben werden mussten, sie ausschlafen durfte und selbst entscheiden konnte wann sie was lernt. Sie hat selbst gelernt und meine Hilfe weitestgehend abgelehnt.
    Vielleicht ist sie einfach etwas reifer als viele anderen 15 jährigen, aber man sieht eindeutig dass der Lockdown nicht zwangsweise negativ sein muss. Wenn ein Schüler von sich aus den Willen hat zu lernen wird das automatisch ziemlich sicher gut. Und wenn er das eben nicht hat, dann hilft auch der beste Unterricht nichts. Was Eltern also tun müssen ist das eigene Kind vielleicht einfach einmal aufzuklären und zu motivieren. Warum ist lernen wichtig? Belohnungen in aussicht stellen, etc.
    Und dazu muss man nicht jeden Tag 6 Stunden mit dem Kind pauken. Das ist aber eine langfristige Sache.

  2. 4.

    Hallo Anja,

    same here.. auch meine Tochter hat sich zum Halbjahr verschlechtert..obwohl das angeblich nicht möglich sein soll.
    Hast du eine Idee wie man dagegen vorgehen kann. Das ist ja wohl aboslut nicht Sinn und Zweck der Regelung.

  3. 3.

    Leider halten sich manche Schulen in Berlin nicht an die Vorgaben des Senats. Meine Tochter (5. Klasse) hat sich leider durch die Bewertung des Homeschoolings so sehr gegenüber dem Halbjahr verschlechtert, dass sie dass auch mit den größten Anstrengungen im nächsten Schulhalbjahr nicht ausgleichen könnte, um eine Chance auf eine vernünftige weiterführende Schule zu haben. Sie wird also für den Rest ihres Lebens dafür bestraft, dass ihre Eltern beide in systemrelevanten Berufen arbeiten und sie während des Lockdowns nur bedingt unterstützen konnten! So sieht leider die Realität aus!

  4. 2.

    Schenkt doch den Schülern ihren Abschluss.
    Mein Bekannter stellt nur noch Abiturienten als Azubis ein, da viele Oberschüler nicht richtig schreiben und rechnen können. Das ist traurig und gewiss nicht nur Schuld der Schüler, sondern der Kuschelpädagogik in Berlin und Brandenburg. Und das nur um nicht zuzugeben, dass man das Bildungssystem kaputt gespart hat. Liebe Politiker, denkt mal drüber nach.
    Ich war selbst 30 Jahre Lehrer und weiß worüber ich rede.

  5. 1.

    Die Probleme werden erst im nächsten Schuljahr auftauchen - wenn für den MSA wesentliche Themen fehlen oder schlimmer: vorausgesetzt werden, weil sie ja im Lockdown daheim mit den Homeschooling-Eltern durchgenommen wurden und die Schüler dazu eine Homeschoolinghausaufgabe erledigt haben. Dann muss das doch sitzen! Mitnichten.. das sitzt gar nix, außer der Schüler, der bleibt sogar vielleicht sitzen!
    Wenn diese Corona-Themen nicht explizit entweder in der Schulzeit "echt" noch einmal durchgenommen werden (und nicht nur die von Vatti gelösten Hausaufgaben abgehakt werden) oder aus der Bewertung herausgenommen werden, also auch aus den MSA/Abi-Aufgaben, werden wir uns wundern, warum NÄCHSTES Jahr die Schüler sitzen bleiben. Nicht dieses Jahr...
    Aber schau´n mer mal, wie es überhaupt läuft, im Regelbetrieb mit der mitgebrachten Urlaubs-Welle....

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