Blick auf das Restaurant "MIO Berlin" direkt unter dem Fernsehturm am Alexanderplatz. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Audio: Inforadio | 28.07.2020 | Thorsten Gabriel | Bild: dpa/Britta Pedersen

Corona-Infektionen nach Party - 31 Gäste der Bar "Mio" melden sich bei Gesundheitsamt Mitte

Nach einer Reihe von Corona-Infektionen im Zusammenhang mit einer Bar am Fernsehturm haben sich 31 Menschen nachträglich bei den Behörden gemeldet. Sie folgten damit dem Aufruf des Bezirks Mitte, der nach Gästen der Bar "Mio" gesucht hatte: Laut Bezirk waren bei einem Party-Abend am 10. Juli die Kontaktlisten fehlerhaft oder unvollständig ausgefüllt worden, was die Kontaktverfolgung erschwerte. Inzwischen ist die Zahl der bekannten Infektionen in diesem Zusammenhang auf 15 gestiegen, so ein Sprecher des Bezirks.

Es werde nicht mehr mit allzu vielen weiteren Fällen gerechnet, so der Sprecher weiter. Das Gesundheitsamt gehe von einer Inkubationszeit von circa 14 Tagen aus. Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel sagte nach Bekanntwerden der Infektionen dem "Tagesspiegel", in das Restaurant passten 1.200 Personen und es sei wohl ziemlich voll gewesen. "Es war eher eine Party als ein Restaurantbetrieb, es wurde getanzt."

Neukölln sucht Brauhaus-Gäste

Der Fall des "Mio" ist vergleichbar mit der Suche nach Gästen des Neuköllner Brauhauses "neulich": Der Bezirk sucht nach mindestens 18 Corona-Infektionen Menschen, die zwischen dem 16. und 18. Juli die Kneipe im Schillerkiez besucht haben. Auch hier waren die Informationen auf den Kontaktlisten falsch oder unvollständig.

Wie der Bezirk weiter erklärte, gibt es Anhaltspunkte, dass die verpflichtende Anwesenheitsdokumentation "nicht zu jedem Zeitpunkt ordnungsgemäß geführt wurde", hieß es. Man müsse davon ausgehen, dass weitere Gäste bisher unerkannt blieben. "Das Bezirksamt Neukölln prüft in diesem Zusammenhang die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens." Der Bußgeldkatalog sieht eine Geldstrafe von bis zu 500 Euro vor.

Jeder Gastwirt, aber auch jeder Gast trage eine Verantwortung für die vollständige und wahrheitsgemäße Dokumentation der Anwesenheiten, erklärte der Neuköllner Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU). "Wer diese Verantwortung nicht ernst nimmt, trägt eine Mitschuld an der weiteren Verbreitung der Infektion, an möglicherweise schweren Krankheitsverläufen und an möglicherweise erneuten tiefen Einschnitten in unser aller Freiheit durch neue harte Eindämmungsmaßnahmen."

RKI befürchtet Trendumkehr

Das Robert Koch-Institut (RKI) äußerte sich am Dienstag sehr besorgt über die Entwicklung der Infektionszahlen bundesweit, befürchtet wird eine Trendumkehr. Deutschlandweit steckten sich wieder mehr Menschen an. Zu Übertragungen komme es "wirklich überall": bei Familienfeiern, Treffen mit Freunden, am Arbeitsplatz, in Gemeinschaftsunterkünften, Altenheimen und Einrichtungen des Gesundheitswesens, wo schwere Verläufe zu erwarten seien. Hinzu kämen Fälle von Reiserückkehrern.

Die RKI-Analyse zu Ausbruchsorten deckt sich mit dem, was zur Berliner Situation bekannt ist: Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hatte am Montag neben den Fällen aus der Bar in Mitte von Infektionen bei Reiserückkehrern aus Spandau, in einem Gemüsebetrieb in Lichtenberg und in einer Flüchtlingsunterkunft in Lichtenberg gesprochen. Insgesamt liegt die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen aber noch nicht im besorgniserregenden Bereich - die entsprechende Corona-Ampel ist grün.

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7 Kommentare

  1. 7.

    Ich glaube kaum, dass sich diese Gäste melden, die schon vorher falsche Angaben gemacht haben. So blöd werden die nun auch wieder nicht sein!
    Für falsche Angaben kann man auch den Wirt nicht bestrafen, denn der hat kein Recht dazu, die Angaben zu kontrollieren!

  2. 6.

    Man sollte alle Lokale sofort wieder schließen. Spätestens im Winter geht die Gastro aufgrund mangelnder Gäste sowieso pleite! Auch sollte man ein Begehungsverbot der Parkanlagen zur Nachtzeit aussprechen! Menschen die sich in der Pandemie nicht an einfache Regeln halten handeln unverantwortlich für die gesamte Bevölkerung!!!

  3. 5.

    Die Corona Tests sind absolut unzuverlässig. Nicht validiert. Zum Glück gibt es jetzt einen Corona Unterschungsausschuss.
    Demo 1. August 2020 Brandenburger Tor. Wegen eines kleinen Virus, der harmlos ist.

  4. 4.

    Icke finde,macht diese Lokalitäten zu. Aus und Ende im Gelände. Es sind eben keine kleinen Kinder mit Lego Steinen...

  5. 3.

    "Und auf diesem Niveau scheint diese Szene zu sein und dann wird sie eben auch so behandelt."...
    Da haben Sie absolut recht, das wäre ein guter Weg diesen Menschen den Ernst der Sache näher zu bringen.

  6. 2.

    Im Grunde richtig. Aber wenn dort 3 Monate zugemacht wird, wird ja woanders weitergefeiert und die Inhaber, die das verbockt haben, fühlen sich als Opfer des bösen Staates. Lieber einfache Erziehungsmaßnahmen zum Dazu-Lernen. Z.B. nach einem Verstoß 14 Tage schliessen (also die Quarantäne Zeit). Danach kann das nicht infizierte Personal wieder arbeiten, regelmässige Kontrollen bezgl. der Regelungen und beim nächsten Verstoß sofort wieder 14 Tage zu usw. Es ist wie beim Kleinkind, dem nimmt man ja den Legostein, den es dem anderen Kind an den Kopf geworfen hat, auch nur für eienen Moment weg und erklärt ihm geduldig zum 100. Mal, was man darf und was nicht. Irgendwann lernt es . Und auf diesem Niveau scheint diese Szene zu sein und dann wird sie eben auch so behandelt.

  7. 1.

    Wieso wird das "Mio" dann nicht konsequent geschlossen - am besten für 3 Monate so wie am Ballermann mit dem gleichen unverantwortlichen Publikum.
    Aber dazu fehlt dem links-grünen Bezirksbürgermeister wohl das Rückgrat.

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