Party in der Torstraße (Quelle: rbb-Abendschau)
Bild: rbb-Abendschau

Nach Partystimmung in Mitte - Bezirksbürgermeister hält Bar-Schließungen für möglich

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), der gleichzeitig Leiter des Bezirks-Ordnungsamtes ist, schließt nicht aus, dass Kneipen und Bars im Bezirk Mitte coronabedingt wieder schließen könnten. Das sagte er am Mittwoch in einem Interview mit radioeins vom rbb. Am vergangenen Wochenende hatte es rund um Tor- und Brunnenstraße nachts große Menschenansammlungen gegeben, ohne dass auf Abstands- und Hygieneregeln geachtet wurde.

Von Dassel wies die Kritik zurück, dass das Ordnungsamt nicht vor Ort gewesen sei. Dies stimme nicht, sagte er. Es seien Mitarbeiter im Einsatz gewesen. "Wir sind allerdings ausgetrickst worden. Das Ordnungsamt stand vor der Tür und die Hälfte der Gäste ging in den Hinterhof." Außerdem habe die Schicht der Ordnungsamtsmitarbeiter um 23.30 Uhr geendet und da sei das Partygeschehen noch nicht auf seinem Höhepunkt gewesen. Der Bürgermeister erklärte außerdem, dass es nicht genug Personal gebe und dass die Behörde in diesem Fall auf die Unterstützung der Polizei angewiesen sei.

Offener Brief an Gastronomen

"Das sind einfach Situationen, wo ein Pandemiegeschehen wirklich wieder explodieren kann – und das müssen wirklich alle wissen, die da hingehen", so von Dassel im Interview. "Ich kann versichern, das wird auf Dauer nicht toleriert."

Seine Sorge ist offensichtlich nicht unbegründet. Denn wie der Bezirk Mitte am Mittwochnachmittag bekannt gab, soll es am vergangenen Freitag im Fall einer zu einem Tanzlokal umgebauten Bar am Alexanderplatz bereits zu einer zweistelligen Zahl von neuen Infektionen mit dem Covid-19-Virus gekommen sein. Mögliche Kontaktpersonen sollen sich nun beim Gesundheitsamt Berlin-Mitte melden.

Der Bezirksbürgermeister nimmt das zum Anlass, sich nun mit einem Offenen Brief an die Inhaberinnen und Inhaber der Bars, Kneipen und anderer gastronomischer Einrichtungen in Mitte zu wenden. "Bitte lassen Sie es nicht so weit kommen, dass Ihr Betrieb wegen massiver Verstöße gegen die Infektionsschutzverordnung von Ordnungsamt und Polizei sanktioniert und in letzter Konsequenz geschlossen werden muss", so von Dassel. In dem Schreiben heißt es: "Beachten Sie bitte zwingend und ausnahmslos die in der aktuellen Corona-Pandemie weiterhin geltenden Abstands- und Hygieneregeln!"

Von Dassel: Zum "gesitteten Feiern zurückfinden"

Der Bezirksbürgermeister betonte im Gespräch mit dem rbb: "Entweder wir müssen zu einem gesitteten Feiern zurückfinden oder wir müssen mit härteren Bandagen aufwarten, was ich mir nicht wünsche." Der Grünenpolitiker erklärte, dass das Ordnungsamt mit Hilfe des Amtsarztes auch mitten in der Nacht anrücken und Läden dicht machen könne, sollte der Infektionsschutz nicht eingehalten werden.

Sendung: radioeins, 21.07.2020, 18:20 Uhr

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14 Kommentare

  1. 14.

    Es wird und wurde die ganze Zeit weitergefeiert auf der Torstraße und die Polizei fährt einfach vorbei. Im "Nachtleben", ehemals Kaffee Burger, spielt jeden Abend ein DJ, es wird getanzt und sogar Eintritt genommen, wie in einem Club. Genau so in der Odessa Bar oder Haus am See - interessiert niemanden. Die Leute stehen bis auf die Straße Schlange und nienand kontrolliert. Es ist offensichtlich

  2. 13.

    Corona ist nach wie vor nicht besiegt und da muss hart durchgegriffen werden. Die Regeln werden teilweise ignoriert. An vielen Stellen werden Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt, aber immer seltener wird davon Gebrauch gemacht.

  3. 12.

    Sehe ich genauso!!! Bitte nicht nur drohen. Bringt nichts. Zumachen und fertig. Das macht Schule und zeigt mal Konsequenz, die ich beim Senat leider vermisse.

  4. 11.

    Ich würde gar nicht lange fackeln. Wenn das nicht funktioniert und die Leute es nicht auf die Reihe bekommen, dann wird eben zu gemacht, fertig. Was da für Existenzen dran hängen ist eher nebensächlich in solch einem Fall... Ist ja eigentlich nicht so schwer zu begreifen die 2,3 Regeln da einzuhalten. Fängt ja schon damit an, dass ich bis auf bei meinem Friseur noch nie irgend ein Zettel mit meiner Adresse ausfüllen musste. Also irgendwo läuft da schon einiges schief.

  5. 10.

    Das nächste Wochenende wird es zeigen. Dann muss Herr von Dassel Farbe bekennen.

  6. 9.

    Ich habe noch bis vor 2 Jahren in der Gastro gearbeitet und kenne die Zustände dort. Die Betreiber solcher Bars sind keine Enthusiasten, keine Köche, keine Künstler. Das sind pure Geschäftsleute, die nur an ihr Geld interessiert sind.

    Das sind Leute, die reagieren nicht auf Appelle oder Drohungen. Sie reagieren erst wenn es finanziell weh tut, sprich durch eine Schließung oder exorbitante Bußgelder, damit der Betrieb sich nicht mehr lohnt. So mit einem kleinem Bußgeld oder ein paar Tage Schließung passiert da nichts, diese finanzielle Einbußen werden komplett auf die (freien) Mitarbeiter abgewälzt, der Betreiber lacht nur darüber.

  7. 8.

    Wenn es deswegen zu einem neuen Lockdown kommt, weil eine Minderheit sich nicht an Regeln halten kann, sollten die Kosten der unschuldig Geschädigten ganz rechtsstaatlich auf diese Minderheit umgelegt werden.

  8. 7.

    @ Heike + Steffen: Vielen Dank für Ihre beiden Beiträge, denen ist wenig hinzuzufügen!!! Beim Lesen des Artikels habe ich mir bereits eine Antwort überlegt, aber Sie haben mir die Arbeit erspart!!

  9. 6.

    Was hat ein überfüllte Bar mit super keimfrei und super Wohlstand zu tun...nichts. Wenn Sie sich so eingeschränkt und schikaniert fühlen, dann ziehen Sie einfach los.
    Aber um diese Situationen besser zu kontrollieren sollte man schon mehr Geld in Personal investieren. Es gibt genug andere Dinge die man sich klemmen kann.
    Ich halte mich an gewisse Regeln und mir gehts gut.

  10. 5.

    Sie haben vollkommen Recht mit dem was Sie schreiben, aber für den guten Mix erwarte ich einen Beitrag von allen..und nicht nur von mir mit meinen" I have a Dream"

  11. 4.

    Genau noch mehr Geld sinnlos raus ballern, wir haben es ja.
    Auch sie werden irgendwann unsanft aus ihren Träumen Erwachen, dass es nicht auf Dauer möglich ist in super keimfrei und in super Wohlstand zu wohnen, es wird auf Dauer nur ein guter Mix unser Überleben sichern und nicht nur Dauer Einschränkungen und Schikanen ohne Ende.

  12. 3.

    Dieser Senat ist für nichts zu gebrauchen!
    Keine Ahnung, keine Ideen wie man ein Stadt wie Berlin verwaltet.
    Keinen Plan wie man Kontrollen richtig durchführt.
    Wenn die Presse nicht immer Information liefern würde, würde der Berliner Senat nichts mit bekommen.

  13. 2.

    Dem kann ich mich nur anschließen. Die Krönung ist dann noch der Bettelbrief an die Gastronomen statt klarer Ankündigung harter Maßnahmen bei Verstößen. Wer nicht in der Lage ist, die Regeln einzuhalten und damit Gäste und Gesellschaft zu schützen, muss halt für die Dauer der Pandemie wieder zusperren, ohne finanzielle Zuschüsse. Die Einhaltung würde sprunghaft auf 100% hochschnellen.

  14. 1.

    Wenn ich den Kommentar von Herrn Dassel lese, könnte ich weinen. So viel Blödsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen oder gehört. "Wir sind ausgetrickst worden und die Schicht der Ordnungamtmitarbeiter endet um 23.30."
    Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Vielleicht mal ein paar Mitarbeiter motivieren und ein paar Nachtzulagen und Wochenendzulagen zahlen...dann klappt es vielleicht besser.
    Ich kann nur mit dem Kopf schütteln.

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