Der Leiter des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, gibt eine Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland. (Quelle: dpa/Tobias Schwarz)
Video: Abendschau | 28.07.2020 | Max Kell | Bild: dpa/Tobias Schwarz

RKI in "großer Sorge" - Mehr Corona-Infektionen abseits von Hotspots

Anders als vergangene Infektionsherde sind die aktuellen Corona-Fälle nicht lokal begrenzt, sondern an vielen Orten bundesweit. Die steigenden Fallzahlen beunruhigen das Robert-Koch-Institut. Der Institutschef macht deutlich: Es liegt am Verhalten jedes einzelnen.

Eine zunehmende Zahl an neugemeldeten Corona-Fällen lässt das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Trendumkehr in Deutschland befürchten. In den vergangenen sieben Tagen seien 3.611 Infektionen gemeldet worden, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag in Berlin. Die neueste Entwicklung bereite "große Sorgen". Als Ursache für den Anstieg nannte Wieler Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln. Ob es sich um den Beginn einer möglichen zweiten Welle handle, könne man nicht wissen, aber es könne sein.

Fallzahlenanstiege in unterschiedlichen Kommunen und Gemeinden

Bis vor einiger Zeit habe man es geschafft, die Fallzahlen stabil bei täglich neu gemeldeten 300 bis 500 Fällen zu halten, führte der RKI-Chef aus. Inzwischen sehe es anders aus: Am Freitag etwa kamen 815 Fälle hinzu, am Samstag mehr als 700 und am Dienstag mehr als 600. Nach Wochenenden fallen die Zahlen zunächst stets geringer aus.

Im Unterschied zu den vergangenen Wochen mit einzelnen großen Ausbrüchen wie beim Schlachtbetrieb Tönnies sei die Lage derzeit diffus, schilderte RKI-Expertin Ute Rexroth, Leiterin des Fachgebiets Surveillance. "Es sind wirklich leider viele betroffen."

Beobachtet würden Fallzahlenanstiege in unterschiedlichen Kommunen und Gemeinden. Deutschlandweit steckten sich wieder mehr Menschen an. Zu Übertragungen komme es "wirklich überall": bei Familienfeiern, Treffen mit Freunden, am Arbeitsplatz, in Gemeinschaftsunterkünften, Altenheimen und Einrichtungen des Gesundheitswesens, wo schwere Verläufe zu erwarten seien. Auch wenn Fälle von Reiserückkehrern verzeichnet würden: Der größte Teil der Betroffenen habe sich in Deutschland angesteckt, sagte Rexroth.

Das RKI hält Vorbeugung für nötig, damit sich das Virus nicht wieder rasant und unkontrolliert ausbreitet und die Gesundheitsämter Ausbrüchen nicht hinterherlaufen müssen. "Das schaffen wir nur gemeinsam", sagte Wieler. Die weitere Entwicklung liege "in unserer Hand". Er appellierte an die Bundesbürger, die sogenannten Aha-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) einzuhalten. Diese Regeln gelten auch im Freien und auch im Urlaub, wie Wieler betonte. Masken müssten richtig getragen werden, also über Mund und Nase.

Wieler: Zu Tausenden wilde Partys zu feiern ist rücksichtlos

Es werde problematisch, wenn man dem Virus die Chance zur Ausbreitung gebe: Zu Tausenden wilde Partys zu feiern, sei "rücksichtlos" und auch "fahrlässig", sagte Wieler. Junge Menschen könnten ihre Eltern und Großeltern infizieren, warnte er. Damit spielte der RKI-Präsident offenkundig auf Vorkommnisse wie die illegalen Partys von jungen Leuten im der Neuköllner Hasenheide an, die von der Polizei am Wochenende aufgelöst worden waren.

"Wir sind mitten in einer sich rasant entwickelnden Pandemie", so Wielers Fazit. Einige Länder, die die Epidemie bereits unter Kontrolle zu haben schienen, verzeichneten wieder steigende Fallzahlen, etwa Australien, Japan und Spanien. Ausschlaggebend sei dort, dass individuelle Schutzmaßnahmen nicht mehr so gut befolgt würden, vor allem unter jüngeren Menschen. Auch Israel erlebe einen "schweren Rückfall".

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17 Kommentare

  1. 17.

    Das Virus ist global unterwegs und verschwindet nicht. Auch durch Impfung nicht.Es kommt wieder.Man muss mit dem Virus leben,so "normal wie möglich". Aufgrund der einseitigen negativen Berichtserstattung über die Gefahren des Coronavirus wurden sehr viele Menschen in Angst und Panik versetzt. Da die offiziellen Zahlen der Infizierten die sehr höhen Dunkelziffer der Infektionsrate nicht hergeben, ist der Eindruck entstanden,dass das Virus tödlicher ist als ein Grippevirus. Die Studien u.a. in Heinsberg und Ischgl widersprechen diese Annahme. Statt harte Maßnahmen müss man mit intelligenten Lösungen die sehr alten und kranken Menscnhen schützen.Die **Psychische Gesundheit ist das Fundament der Körperlichen Gesundheit und eines starken Immunsystems**.Die Angst, das ständige Gefühl der Bedrohung durch das Virus, die fehlende bzw. eingeschränkte Lebensfreude, Stress durch die Einschränkungen und Verbote im alltäglichen Leben schaden der Gesundheit mehr als das Virus selbst...

  2. 16.

    Nochmal: Was bringt es mir zu wissen, wie viele im Januar bis Juni infiziert waren? Für die Gefahrenlage ist ausschließlich die Anzahl von aktuell(noch) Infizierten relevant. Weiß man zusätzlich, ob Tests ausgeweitet wurden, kann man auf die Dunkelziffer schließen. Gab es mehr Tests, sinkt diese nämlich. Werden nur Menschen mit Symptomen getestet, steigt die Dunkelziffer. Daraus kann man durchaus ein persönliches Risiko abwägen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer eigenen Infektion ist. Bei den aktuellen Zahlen halte ich das für überschaubar, sofern man sich schützt und umsichtig verhält.

  3. 15.

    "Momentan ist einer von 10.500 Bundesbürgern infiziert und damit eine Gefahr zur Verbreitung des Virus. " Falsch. Sie können nur feststellen, wie viele Infinzierte identifiziert wurden. Daher steigt die Anzahl, je mehr getestet werden. Was "manche" dann relativieren und sagen, nur weil viel getestet wird, gibt es die hohen Fallzahlen. Merken Sie etwas? Die Anzahl der tatsächlich Infinzierten ist unbekannt und vermutlich höher als Sie es ahnen. Und durch den zunehmenden Reiseverkehr reicht es auch nicht mehr, nur lokal nach den Fallzahlen zu schauen. Sie haben die Kern des Artikels üebrhaupt nicht verstanden. Nicht Hotspots sind die Gefahr, sondern die Fläche. Das erschwert gezielte Maßnahmen.

  4. 14.

    Ihre Antwort geht meilenweit an meinem Kommentar vorbei. Momentan ist einer von 10.500 Bundesbürgern infiziert und damit eine Gefahr zur Verbreitung des Virus. Rechtfertigt das Panik? Wachsamkeit, keine Frage, Vorsicht auch, aber hier von Wellen und Krise zu sprechen, erschließt sich mir nicht mehr!

  5. 12.

    Die Zahlen werden täglich aktualisiert, falls es Sie wirklich interessiert:
    https://www.berlin.de/lageso/gesundheit/infektionsepidemiologie-infektionsschutz/corona/tabelle-bezirke

  6. 11.

    Issoo
    Die Frage ist,können, wollen oder dürfen sie es nicht.
    Ich finde auch,dass die Medien nicht akribisch arbeiten.

  7. 10.

    Man kann aus einer Mücke auch einen Elefanten machen !

  8. 9.

    Herr Weiler hat Recht und warnt nicht um sonst die Unverbesserlichen. Man kann nur hoffen daß diese Worte bei den Unbelehrbaren ankommen und diese Leute auch darüber mal nachdenken was SIE in den letzten Tagen falsch gemacht haben. Wünsche gutes NACHDENKEN.
    HochachtungsvollStoll Karl-Heinz

  9. 8.

    Weil es in erster Linie um die Ausbreitung geht. Und hier speziell um die in der Fläche. Aber das wurde alles schon so oft erklärt. Auch wenn uns einiges einfach nicht passt, weil es uns stört. Aber die Infizierte können andere anstecken. Wenn Infizierte erkannt werden, kann man dies durch Quarantäne verhindern. Unerkannt Infizierte sind sozusagen der Alptraum der Viro- und der Epidemiologen. Corona kann man eben nicht sehen. Sie können morgen schon einem Infizierten begegnen, bei dem COVID nicht ausgebrochen ist, der aber ansteckt usw...

  10. 7.

    Nun, gegen Ihre Schweißfüße müssen Sie selbst etwas unternehmen. Vlt. mal den Doc aufsuchen. Auf jeden Fall ist das Problem im Gegensatz zu Corona schon erforscht. Wissenschaft geht anders als Sie denken. Und Corona ist noch immer neu.

  11. 6.

    Hat sich außer mir eigentlich schon mal jemand gefragt, warum bei den Zahlen der Corona-Infizierten immer die Gesamtzahl prominent genannt wird, obwohl die Masse der Infizierten entweder nie erkrankt oder inzwischen genesen sind? Was bringt mir die Gesamtzahl an Information? Um die reale Gefahr einzuschätzen, ist die Zahl der aktuell infizierten Personen relevant. Diese sollte zudem mit der Zahl der erfolgten Tests angereichert werden, da mehr Tests die Zahl der unerkannten Infektionen reduziert, mehr Tests also auch zu mehr (erkannten) Infizierten führt. Hebt man immer nur die Gesamtanzahl seit Ausbruch des Virus in den Vordergrund, entstehen falsche Schlüsse und Panik, die an anderen Stellen Leben kostet, wo wir ein paar Leben vor Corona schützen. Ich denke da nur an verschobene Krebs-OPs, die ohne Zweifel die Prognose der Patienten verschlechtert haben!

  12. 5.

    Für mich ist das alles nur noch öffentliche Panikmache! Wir sprechen momentan über durchschnittlich 600 Neuinfektionen pro Tag in der gesamten Bundesrepublik. Zu Beginn der Pandemie war es ein Vielfaches dessen und trotzdem ist das Gesundheitssystem nie auch nur ansatzweise an seine Grenzen gekommen. Und es war ja der erklärte Grund aller Maßnahmen, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet werden darf. Das haben wir mit rechtzeitigem Unterbrechen des exponentiellen Wachstums an Infektionen auch erreicht. Jetzt kommen die Politiker und Virologen aber nicht mehr aus dem (damals vielleicht sogar nötigen) Panikmachen nicht mehr heraus. Ja, Vorsicht ist weiter geboten, Abstand und Maske erforderlich. Jetzt aber wegen jeder einzelnen Infektion in Panik zu verfallen und mit Horrorszenarien und neuen Einschränkungen zu drohen, kann nicht der richtige Weg sein!

  13. 4.

    Wieder werden keine dazugehörigen Testzahlen genannt.. Medien macht gefälligst eure Arbeit!

  14. 3.

    Also, ich wundere mich etwas über die Verwunderung der Politiker und des RKI s bzgl der etwas erhöhten Fälle , die eigentlich auf bestimmte Ereignisse oder Lokalitäten zurückzuführen sind. Außerdem ist es aber unverständlich, dass immernoch Einreisende aus anderen Kontinenten , in denen auch ein erhöhtes Risiko besteht , nicht an den Flughäfen etc. kontrolliert werden und auch nicht über Maßnahmen informiert werden bzgl einer Quarantäne oder Testung . Ich habe von Personen , die aus Kairo kamen gehört, dass sie noch nie so schnell durch die Kontrolle gekommen sind . Da muss man sich doch auch fragen was da schief läuft und das geht schon länger so .

  15. 2.

    Bei Tönnies war es wegen der Umwälzanlage in der Belüftung möglich, dass man sich über eine größere Distanz angesteckt hat. Bei einem neuartigen Virus ist es im Übrigen nicht ungewöhnlich, dass sich der Forschungsstand nach einigen Wochen ändert und dass es auch unterschiedliche Meiningen unter Wissenschaftlern gibt. Ihnen persönlich würde nicht empfehlen, eine Maske im Bett oder unter der Dusche zu tragen. Es ist auch nicht zu erwarten, dass das Ihr Problem mit den Schweißfüßen löst.

  16. 1.

    Was heißt denn eigentlich 1,5 Meter Abstand? Bei Tönnies soll sich das Virus über mehr als acht Meter hinweg verbreitet haben.

    Wir brauchen also einen Mindestabstand von acht Metern. Und natürlich werden wir den Rest unseres Lebens Masken tragen. Selbstverständlich auch zu Hause. Auf dem Balkon. Im Bett. Unter der Dusche usw. Man kann nicht vorsichtig genug sein.

    Albern?

    Na ja - erst hieß es: "Masken bringen nichts." Dann: "Damit schützen Sie andere." Dann: "Damit schützen Sie auch sich selbst." Dann: "Im Freien besteht wenig Gefahr." Jetzt: "Auch im Freien sollten Sie sich verhüllen." Ich warte auf die Mitteilung, dass Maskenball auch gegen Schweißfüße hilft, gegen Arbeitslosigkeit und gegen den Klimawandel. Natürlich streng wissenschaftlich.

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