Foto der neuen Plexiglasscheiben (Quelle: BVG/Kevin Doan)
Bild: BVG/Kevin Doan

Infektionsschutz für Busfahrer - BVG gibt Hunderttausende Euro für Spuckschutz in Bussen aus

Bislang werden die Busfahrer der BVG eher provisorisch mit Folien und Flatterbändern von den Fahrgästen getrennt. Bis Jahresende sollen die Busse nun mit Spuckschutz-Scheiben ausgerüstet werden. Die Maßnahme wird für die BVG nicht ganz billig.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) lassen sich den Corona-Schutz ihrer Fahrerinnen und Fahrer einiges kosten: Mehrere Hunderttausend Euro sollen investiert werden, um bis Jahresende einen Großteil der Flotte mit Plexiglasscheiben auszurüsten. Das ergibt sich aus einer Schätzung auf der Grundlage von Zahlen der BVG.

Dieser sogenannte Spuckschutz wird in der Fahrerkabine installiert und soll die Mitarbeiter vor den Aerosolen infizierter Fahrgäste schützen. Insgesamt sollen rund 1.400 Fahrzeuge ausgestattet werden, sagte ein BVG-Sprecher am Dienstag auf Nachfrage von rbb|24. "347 Busse werden noch in diesem Jahr aus dem Dienst genommen, weshalb diese keine Scheibe erhalten", so der Sprecher weiter.

Im Schnitt rund 2.000 Euro pro Scheibe

Die Sonderanfertigungen sind allerdings nicht billig: So kostet der Einbau einer Scheibe in einem der Citaro-Busse von Mercedes 2.400 Euro. Bei den Bussen der Marke VDL sind es immerhin noch 1.800 Euro. "Bei allen anderen Typen ist der Preis noch offen", so der BVG-Sprecher. "Hier laufen die Anfragen direkt beim Hersteller und auf dem freien Markt."

Rechnet man mit einem durchschnittlichen Einbaupreis von rund 2.000 Euro, kostet die Maßnahme 2,8 Millionen Euro.

Bislang werden die Fahrerinnen und Fahrer komplett von den Fahrgästen isoliert: Ihre Kabine ist mit Flatterbändern und Folie abgetrennt, zudem ist die vordere Tür für Fahrgäste verschlossen. Mit den neuen Plexiglasscheiben könnte sich das wieder ändern. Allerdings soll es laut "Berliner Zeitung" auch weiterhin keinen Ticketverkauf beim Fahrer geben. Laut der Zeitung fahren die ersten Busse mit Spuckschutz bereits auf den Linien 296 und 396 in Lichtenberg und Karlshorst.

Maskenmuffel kein großes Problem

Positiv bewertet die BVG derweil die Einhaltung der Maskenpflicht in Bussen, Bahnen und Trams. "Maskenmuffel sind die große Ausnahme", sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken vergangene Woche. Die Pflicht, Mund und Nase zu bedecken, sei bei den meisten Menschen angekommen. Auch die Bußgelder des Senats und BVG-Kontrollen zeigten Wirkung. Im Berufsverkehr morgens und abends würden 100 Prozent der Fahrgäste eine Maske tragen. Über den ganzen Tag verteilt seien es immerhin 90 Prozent.

Seit dem 7. Juli kontrolliert auch die BVG die Maskenpflicht. Wie oft 50 Euro für das Nichttragen der Maske gezahlt wurden, war zunächst nicht bekannt. Die BVG führe dazu keine Bilanz, sagte Sprecherin Nelken. Bis zu 1.000 Mal am Tag spreche das Sicherheitspersonal der BVG Fahrgäste ohne Maske an. In der Regel werde dann ohne große Widerworte die Maske aufgesetzt. Vom 27. Juni bis zum 21. Juli hat die Berliner Polizei 214 Anzeigen für das Nichttragen einer Mund-Nasen-Bedeckung geschrieben. 114 mündliche Verwarnungen seien ausgesprochen worden.

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38 Kommentare

  1. 38.

    Irgendwie ist das eine Ironie der Zeitgeschichte. Immer wieder habe ich da die alten Busse vor meinen Augen mit der spitzen Schnautte die man immer im September im Lockdepot / Monumentenstr. bewundern kann. Dort gab es auch die abgetrennten Fahrerkabinen.
    Hätte man wohl mal lassen sollen.

  2. 37.

    Solche "Isolatoren" sind ja nicht neu. Doch was mich nicht nur traurig, sondern sogar wütend stimmt: Was bilden sich die "Kunden" ein, die respektlos auch mit dem Lenker eines Linienbusses umgehen, als seien diese der letzte Dreck? Der Effekt: Wer freundlich zu "seinem" Fahrer ist, trifft häufig auf eine geübte Ignoranz. Nachzuvollziehen ist das allemal, aber natürlich nicht in Ordnung.

    Ob der "Glaskasten" zu einem anderen Umgang beiträgt, bleibt zu bezweifeln. Nur als "Corona-Sperre" sicherlich hilfreich. Warten wir es ab.

  3. 36.

    Aus Angst vor Corona lieber das Fahrrad nutzen ?!
    In Berlin gab es in 2018 (aktuellere Zahl hab ich auf die Schnelle nicht gefunden) fast 8.000 Fahrradunfälle.
    Das wären am Tag 21 !

  4. 35.

    Die Mehrwertsteuersenkung wird ja nicht weiter gegeben. Hat die BVG ja ein paar Taler mehr in der Kasse. Es wäre wenigstens etwas tröstlich, wenn man diese Gelder dafür nutzt.

  5. 33.

    Lieber Kollege "Dieter" , - wenn Du einer bist !?! - ich hoffe mal , dass Du wie ich und unsere anderen Kollegen, mit Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Übelkeit und Fieber zuhause bleibst ! ! ! - Täglicher Schnelltest ? Wo treibst du dich rum ? Schnelltest vor Dienstbeginn und dann 3 - 4 Tage auf das Ergebnis warten ? Du Schelm, Zauberkünstler ! Und WER ist DEIN Informant in der Personalstelle, weiß ER / SIE / DIVERS von deinem Mitteilungsdrang ?
    - 347 Busse werden nicht mehr nachgerüstet weil sie dieses Jahr noch ausgemustert werden. D.h. nicht dass sie stillstehen, sondern dass sie mit Plastikfolie weiter fahren. - Die Umrüstung ... wird nur zum Teil.. vom Bund bezuschusst... Rest abgeschrieben, dass heist also vom Steuerzahler bezahlt. ( Fahrkarte + Betriebskostenzuweisung des Auftraggebers- Abgeordnetenhaus von Berlin + Steuergeld vom Bund - Umsatzsteuerrückübertragung ) Warum werden die Umrüstungskosten nicht vom Gefährder über höhere Fahrpreise bezahlt ? - Ist auch wieder der Steuerzahler, aber der Zuständige ? - Warum macht, bei den Preisen, die BVG die Umrüstungsarbeiten nicht selbst ?
    1. Kein Platz 2. Kein Personal 3. Kein Geld 4. Kein Entscheider.
    - Wer meine Informanten sind ? Augen, Ohren, Nase, Fingerspitzen, einfach mal Mobiltelefon und HANDSCHUHE auslassen.

  6. 32.

    In Athen gibt es gar keinen Fahrscheinverkauf im Bus. Also nur Ein- und Aussteigen an den Haltestellen :) Dafür können Fahrscheine an fast jedem Kiosk erworben werden und natürlich an den Verkaufsstellen und Automaten in der U-Bahn. Busverkehr beschleunigen :) Das wäre in Berlin auch machbar ;) Es heißt doch neuerdings "Mix von Maßnahmen" für den Vorrang des ÖPNV. Bringt zeitlich bestimmt mehr als die - nicht - gebauten 98km (von 100) Busspuren. Schützt auch die Fahrer*innen konsequenter.

  7. 31.

    Wird ja auch Zeit, nach den fast täglichen Übergriffen auf die Busfahrer*innin.

  8. 30.

    Das ist sehr gut und was die Kosten betrifft,so hat die BVG natürlich als Arbeitgeber auch eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern. Vllt neue Busse künftig gleich mit dieser Ausstattung bestellen,denn mit dieser Wand sind die Fahrer generell besser geschützt. Wie hier schon erwähnt,saßen die Busfahrer früher in einer völlig geschlossenen Fahrerkabine und konnten sich ohne Fahrgastkontakt auf den Straßenverkehr konzentrieren. Den Rest im Bus hat ein Schaffner geregelt. Da gab es aber auch nur die Möglichkeit,den Fahrschein beim Schaffner zu kaufen oder man hatte eine Monatskarte. Heute sind es wohl eher die Gelegenheitsnutzer,die ein Ticket im Bus kaufen müssten,wenn sie nicht Umsteiger aus U-Bahb,S-Bahn,Straßenbahn sind.Die anderen haben ABO's etc. und viele Schwerbehinderte ihr Beiblatt mit Wertmarke.

  9. 29.

    So traurig es auch ist, hoffe diese „Kabinen“ schützen auch vor körperlicher Gewalt.

  10. 28.

    Für was "Danke" sagen? Für die Beförderung bezahle ich. Ich arbeite auch in einem Beruf wo ich Kundenkontakt habe und der geht sogar meist unter 50cm. Seit Corona habe ich ein einziges Mal ein "Danke" gehört und Beschwerde mich nicht, da ich mir die Tätigkeit ausgesucht habe. Ich mach die Arbeit weil sie mir Spaß macht.

  11. 27.

    Spuckschutz für Busfahrer???? unsere Hauptstadt ist mittlerweile zur Gosse verkommen, sowas hätte man sich vor wenigen Jahren nicht (Alp) träumen können, aber warum wohl??

  12. 26.

    Ihnen ist aber schon bekannt, dass die BVG (außer sie würde einen Haustarif einführen, der dann eben nur bei der BVG gilt) die Fahrpreise nicht selbst festsetzen kann?

    Ihnen ist ferner bekannt, dass nicht mal das Land Berlin allein den Verbundtarif festsetzen, also auch nicht einfach die Fahrpreise erhöhen kann?

    Ihnen ist ferner bekannt, dass sich die BVG zu einem Großteil nicht aus Fahrgeldeinnahmen finanziert, sondern aus Zahlungen des Landes? Demnächst sogar, dank "Bruttovertrag", vollständig aus diesen, da im Gegenzug alle Fahrgeldeinnahmen an das Land abzuführen sind. Was den wenig beachteten Nebeneffekt hat, dass die BVG künftig eigentlich nur noch einen zahlenden Kunden besitzt: das Land.

  13. 25.

    "Vom 27. Juni bis zum 21. Juli hat die Berliner Polizei 214 Anzeigen für das Nichttragen einer Mund-Nasen-Bedeckung geschrieben. 114 mündliche Verwarnungen seien ausgesprochen worden."

    Das soll uns jetzt nicht ernsthaft als Erfolg verkauft werden? Das sind nicht mal zehn Anzeigen am Tag. Bei Hunderttausenden von Fahrgästen. Was wohl weniger auf die Vermummungseigenschaft unser lieben Mensch*innen schließen lässt als vielmehr auf die Kontrolldichte, von der man angesichts dieses Zahlenverhältnisses vermuten darf, dass sie gegen Null tendiert.

  14. 24.

    Sehr gut. In London zum Beispiel ist eine solche "Wand" schon längst Standard. Und dient gleichzeitig auch zum Schutz vor anderen Tätigkeiten.

  15. 23.

    Im Berufsverkehr 100% mit Make und sonst, also wenn es leerer ist 90% mit Maske.
    Vor wem/was werden die Fahrer extra geschützt? Den Kindern bis 6 Jahre ?
    Die BVG scheint sich mit der teuren Festeinbau Variante wohl auf mehrere Jahre Pandemie zu planen.

  16. 22.

    Anstatt immer wieder Angst durch Aerosole zu verbreiten, wäre hier mal eine wirkliche Aufklärung der Medien, ja du auch lieber RBB, notwendig.
    Es geht doch gar nicht darum wie weit die streuen können, sondern wie viel an Masse in unmittelbaren Kontakt möglicherweise eingezogen werden kann.
    Daher sind diese Plexiglasscheiben der beste Schutz die man sich vorstellen kann, weil damit 95 % aller Viren abgewehrt sind und somit keine Ansteckungsgefahr mehr besteht, egal wie viel Aerosole da in der Luft schweben.

  17. 21.

    Schön das die Busfahrer so gut geschützt werden. Leider müssen sich die Fahrgäste mit einer Maske begnügen die nicht zu 100% schützt. Man sitzt dicht an dicht ohne Abstand. Mir persönlich zu gefährlich daher nutze ich das Fahrrad.

  18. 20.

    ...freuen würde ich mich auch über Schaffner-die gabs auch mal. Senkt flächendeckend Abeitslosenzahlen, Vandalismus würde eingeschränkt (Kostenfaktor, Schwarzfahrer würden eher ein Ticket kaufen, Ratsuchende hätten Ansprechpartner, und, und, und... Und dann reden wir auch noch mal über Zugabfertiger auf U-Bahnhöfen.

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