Nach den Lockerungsmaflnahmen und den aufgehobenen Reisebeschränkungen während der Coronaviruskrise nutzen am 09.08.2020 wieder wesentlich mehr Menschen die Züge im Fernverkehr der Deutschen Bahn. (Quelle: imago images/Ralph Peters )
Audio: Inforadio, 11.08.2020, Claus Weselsky im Interview mit Inforadio-Moderator Norbert Hansen | Bild: imago images/Ralph Peters

Abstand bei der Deutschen Bahn - GDL-Chef fordert Reservierungspflicht für Fernzüge

Rammelvolle Züge, wenig Abstand, fehlender Mund-Nasen-Schutz: Viele Fahrgäste reisen mit mulmigem Gefühl in Fernzügen. Der Chef der Lokführergesellschaft will mit Reservierungen für mehr gefühlte Sicherheit sorgen, die Bahn hält am bisherigen System fest.

Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, hat sich für eine Reservierungspflicht in Fernzügen der Deutschen Bahn ausgesprochen. Das sei notwendig, um den Fahrgästen Sicherheit zu geben, sagte Weselsky am Dienstag im rbb-Inforadio.

Ansonsten würden vielleicht Fahrgäste auf eine Reise verzichten, weil sie "unsicher sind, was mich denn in den Zügen erwartet. Bei einer Reservierungspflicht habe man "eine Sicherheit, eine Gewissheit." Man müsse die Frage beantworten, "wollen wir dem Teil dienen, der am Ende des Tages spontan auf den Zug aufspringt, oder wollen wir dem Teil dienen, der planmäßig eine Zugfahrt vornimmt und der bereit ist, das auch mit einer Reservierungspflicht zu hinterlegen."

Weselsky betonte, in Corona-Zeiten gehe es darum, die "Gesundheit allem anderen voran zu stellen". Deshalb müsse gewährleistet werden, dass der Abstand in den Zügen eingehalten wird.

Der Konzern wies die Forderung zurück: Fahrgäste hätten bei der Deutschen Bahn auch weiterhin die Möglichkeit, spontan in jeden Zug einzusteigen. "An dem offenen System, das Bahnkunden in Deutschland sehr schätzen, halten wir fest", sagte ein Sprecher.

Verkauf könnte ausgesetzt werden

Beim Buchungsprozess werde darauf geachtet, die Züge "möglichst gleichmäßig auszulasten und im ganzen Zug ausreichend Sitzplätze ohne Reservierungen vorzuhalten", erklärte der Konzern weiter. Den Kunden werde bei der Buchung angezeigt, sobald ein Fernverkehrszug über Vorabbuchungen zu mehr als 50 Prozent ausgelastet sei. Die Zahl der Reservierungen werde begrenzt. Bei Zügen mit voraussichtlich sehr hoher Auslastung könne der Ticketverkauf zudem ausgesetzt werden.

Die Bahn rechtfertigte ihre Entscheidung auch mit dem Wunsch vieler Fahrgäste, gemeinsam zu reisen, beispielsweise als Familie. "Deshalb schränken wir die Reservierungsmöglichkeit von nebeneinander liegenden Sitzplätzen nicht ein."

Scharfe Kritik übte GDL-Chef Weselsky auch am bisherigen Corona-Management des Bahn-Konzerns: "Wir hören von der Bahn immer wieder das gleiche. Ob es die Frage der Mund-Nase-Bedeckung, der Durchsetzung der Maskenpflicht ist oder ob es die Frage der Reservierungspflicht ist, die Bahn sagt: Es geht nicht!" Dabei stelle die Reservierungspflicht "technisch gesehen überhaupt kein Problem dar", so Weselsky.

"Gefahr für die Sicherheit der Mitreisenden"

Zug-Verweise sind nach der Eisenbahn-Verkehrsordnung möglich, wie das Bundesverkehrsministerium jüngst erläuterte. Sie legt fest, dass "Personen, die eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung des Betriebes oder für die Sicherheit der Mitreisenden darstellen oder den Anordnungen des Eisenbahnpersonals nicht folgen", von der Beförderung ausgeschlossen werden können - ohne Anspruch auf Erstattung des Fahrpreises.

Zur Frage von Bußgeldern erläuterte das Bundesinnenministerium, dass auch in Fernzügen die jeweiligen Länderverordnungen zur Maskenpflicht gelten. Es komme also darauf an, wo ein Fernzug bei einem Verstoß gerade unterwegs sei. In Berlin können 50 bis 500 Euro Bußgeld für Maskenverweigerer fällig werden [berlin.de], in Brandenburg wird dagegen keine Strafzahlung fällig.

Sendung: Inforadio, 11.08.2020, 14:07 Uhr

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19 Kommentare

  1. 19.

    Spontan reisen kann man auch mit reservierungspflichtigen Zügen. Wenn es bei der Deutschen Bahn tatsächlich nicht möglich ist, auch noch wenige Minuten vor Abfahrt eine Fahrkarte einschließlich Reservierung aus dem Automaten zu ziehen oder per DB-App zu kaufen, sollte sie in dem Punkt vielleicht mal ihre Hausaufgaben machen.

  2. 18.

    Sie wollen vielleicht auf Ihr spontanes Reiserecht mit der spontanen Möglichkeit sich spontan mit Corona anzustecken nicht verzichten - bis sicher gestellt ist, dass die Züge nicht überfüllt sind werde ich auf jeden Fall NICHT mit der Bahn fahren. Ich würde eine Reserverungspflicht absolut begrüßen.

  3. 17.

    Die spontane Reisemöglichkeit muss möglich
    bleiben !

  4. 16.

    Was hat der Nahverkehr mit dem Fernverkehr zutun ? Auch hier gilt der Aspekt der Sicherheit ins Spiel. Manchmal kann man einen Takt nicht erhöhen. Zu mal wenn dann ein Zug ausfällt werden die nachfolgenden mehr ausgelastet.

    Ergebnis ? Keine Besserung. Und jeden Tag fallen Züge aus ... liegt in der Natur der Sache.

  5. 14.

    Sogar mit dem Shinkansen in Japan kann man ohne Reservierung fahren, ABER

    dies geht nur in separaten Wagons und
    diese halten in bestimmten Zonen auf dem Bahnsteig.

    Sollte also die DB AG weiterhin keine Reservierungspflicht einführen wollen, dann müssten zumindest Spontanreisende von Gästen mit Reservierung getrennt werden.

    Was sagt eigentlich Herr Scheuer dazu? Ist bestimmt mit seiner geretteten Lufthansa nach Italien geflogen...

  6. 12.

    Ich bin FÜR verbindliche Platz-Reservierungen in allen Zügen der S-Bahn, auch für Familien, Kleingruppen, Bettler, Musiker, Schulklassen, Kita-Gruppen, Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle. Und wer keine Reservierung hat, darf den Bahnsteig nicht betreten.
    Und dann NUR noch 8-Wagen-Züge fahren. - Dann ist auch mehr Platz für die WE-Parties und für die Zeit nach der 5.Corona-Welle, wenn Touristen wieder Lust aufs Reisen haben sollten.
    - Keine Angst, wird es in Corona-Zeiten nicht geben, der Platz in den Zügen reicht nicht aus,. - Einen Zug später nehmen ? - Du Spaßvogel !

  7. 11.

    Das ist ein sehr guter Vorschlag, beim Ticketkauf ist die Sitzplatzkarte inklusive.
    Bei anderen Bahngesellschaften funktioniert das Prima( u.a. Nightjet)
    Aber nicht damit die Fahrpreise erhöhen.

  8. 10.

    Da isser wieder, der Claus!

    "Bei einer Reservierungspflicht habe man 'eine Sicherheit, eine Gewissheit.' "
    Ha, ha, ha. Die Gewissheit, dass mein Zug (ICE) überhaupt kommt, würde mir schon reichen.
    Kennt jemand diese Durchsagen:
    "Aus technischen Gründen können heute die Reservierungen nicht angezeigt werden."
    "Es fährt der Ersatz-ICE xyz. Die gebuchten Reservierungen können deshalb nicht gewährleistet werden."

    Weselsky: "Die Gesundheit (ist) allem anderen voran zu stellen". Mir kommen gleich die Tränen.
    Mich würde interessieren, wieviele Menschen sich bei den letzten Bahnstreiks erkältet hatten, weil sie stundenlang auf dem Bahnsteig ausharrten.

    So, Herr Weselsky, wir haben Sie gehört. Nun aber rasch zurück in Ihren Elfenbeinturm und den nächsten Streik vorbereiten!

  9. 9.

    ...der Zug heute mit geänderter Wagenreihung... die Wagen xy und z fehlen..
    Jeder 5. ICE fährt falsch herum gereiht. Dazu kommt noch, dass bei Zügen von Berlin ins Ruhrgebiet oder bis Bonn ein ganzer ZugTEIL fehlt. Also doppelt so viele Leute in den verbleibenden Zugteil pasen müssen - natülrich ohne Platzkarte.

    Nun denn, wenn DAS Problem gelöst ist, kann man sich ja an eine Reseriverungspflicht herantasten, denn dann fehlt ja nicht mehr der halbe - reservierte - Zug...

  10. 8.

    Die Idee mag ja gut sein, aber was wenn;

    ein Fernzug wegen eines technischen Defekts nicht weiter fahren kann, die Fahrgäste auf den anderen Zug dann ausweichen sollen oder;
    ein Fernzug mit überhöhter Verspätung eintrifft, dadurch die Anschlussfahrt nicht erreicht werden kann?

    Sollen dann die Züge im Bahnhof stehen bleiben, nur weil die GDL und dessen Chef mal wieder nicht weiter denken als bis zur nächsten Ecke? Sofern das die GDL mal mitlesen tut, erst denken dann überlegen und danach Äußern.

    Im deutschen und auch allgemein europäischen Fernbahnnetz funktioniert es nicht, dass man bei Fernzügen eine Reservierungspflicht aufstellt und dann bei solch einer lapidaren Situation der Fahrgast auf hälfte der Strecke stehen bleibt, weil es heißt: Reservierungspflicht, Sie haben keine Reservierung, also keine Mitfahrt. Dies ist nicht im Einklang mit den geltenden EU-Richtlinien und Gesetzen auf Landesebene.

  11. 7.

    Reservierung ist an und für sich eine gute Sache. Nur habe ich leider die Erfahrung gemacht, dass in den meisten Fällen, in denen ich reserviert hatte, die Reservierungen aufgehoben wurden, weil die Wagenreihung verändert wurde, Züge verkürzt fuhren oder sonst welche Gründe vorlagen. Da zahlt man nicht wenig Geld in der Hoffnung, einen sicheren, angenehmen Platz zu haben, und dann muss man sich im trotzdem durchkämpfen, voller Stress einen Platz suchen - von der Erstattung der Kosten sprechen wir gar nicht erst. Solange die Bahn nicht garantiert, dass Reservierungen auch gültig bleiben, zahle ich dafür nicht mehr.

  12. 6.

    Da hilft nur eins mehr Züge einsetzen und im ÖNV kürzere Tackzeiten und dieses in allen Städten und Orten der gesamten Bundesgebiet.
    Hochachtungsvoll Stoll Karl-Heinz

  13. 5.

    Sehr guter Vorschlag. Das ganze rumgesitze auf den Gängen nervt. Man möchte doch entspannend Reisen. Übrigens die Forderung gilt nur für den Fernverkehr bevor hier wieder blödsinnige Kommentare folgen

  14. 4.

    Reservierungspflicht im Fernverkehr - den auch viele Pendler nutzen - brauch Ersatzzüge -

  15. 3.

    Schwachsinnige Forderung. Bei den "rammelvollen" Öffis mit denen ich zur Arbeit fahren muss interessiert das auch keine Sau ob sich der Abstand einhalten lässt.

  16. 2.

    Der GDL-Chef will lediglich die Interessen seiner Gewerkschaft vertreten, die Sicherheit der Passagiere ist ihm relativ egal.

  17. 1.

    Die Bahn befindet sich im Besitz der Bundesrepublik Deutschland, also könnte man dementsprechend auch vom Verkehrsministerium eine entsprechende Lösung erwarten um die Gesundheit und Sicherheit der Reisenden zu gewährleisten.

    Wahrscheinlich ist aber Herr Scheuer mal wieder mit wichtigeren Aufgaben beschäftigt....

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