Der Schatten des Nauener Tors zeichnet sich auf dem Gebaeude des Verwaltungsgericht Potsdam ab (Quelle: dpa/Beate Schlepp)
Bild: dpa/Beate Schleep

Potsdam - Verwaltungsgericht hebt Quarantäne für Erstklässlerin auf

Das Verwaltungsgericht Potsdam hat die Quarantäne einer Erstklässlerin vorzeitig beendet. Das Gericht gab dem Eilantrag des Kindes gegen die Quarantäne-Anordnung des Potsdamer Gesundheitsamtes am Mittwoch statt, wie das Gericht am Donnerstag bestätigte. Zuvor hatten die "Potsdamer Neuesten Nachrichten" (Donnerstag) berichtet.

Damit durfte das Kind bereits am Donnerstag - und nicht wie zunächst vorgesehen am Freitag - in seine Potsdamer Grundschule zurückkehren. Die Stadt legte gegen die Entscheidung nach eigenen Angaben Beschwerde ein.

Gericht: enger Kontakt konnte nicht nachgewiesen werden

Das Mädchen besucht den Hort "Sonnenschein" der Eisenhart-Grundschule in der Potsdamer Innenstadt. Dort wurde ein Betreuer positiv auf das Coronavirus getestet. Da der Mann mit den Kindern über zwei Tage auch in geschlossenen Räumen Kontakt gehabt habe, ordnete das Gesundheitsamt für 68 Schüler verschiedener Klassenstufen Corona-Tests und die Quarantäne bis einschließlich Donnerstag an.

Gegen die Anordnung des Gesundheitsamts legte das Kind, vertreten durch den Vater, zunächst Widerspruch ein. Als dieser zurückgewiesen wurde, reichte es einen Antrag bei Gericht ein - mit Erfolg. Die Stadt habe nicht ausreichend darlegen können, dass es einen engen Kontakt zwischen dem Kind und dem Erzieher gegeben hat, entschied das Verwaltungsgericht. Dass das Amt dennoch die Quarantäne anordnete, gehe über die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) hinaus, erklärte Gerichtssprecher Ruben Langer. Über den Fall muss nun das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entscheiden.

Offenbar gab es keinen "Face-to-Face"-Kontakt

Das Gericht verwies in seiner Entscheidung auf die Einordnung des Robert-Koch-Instituts, wonach Kontaktpersonen ersten Grades engen Kontakt zu einem Infizierten gehabt haben oder länger als 15 Minuten einen sogenannten "Face-to-Face"-Kontakt. Da das im Fall des Mädchens offenbar nicht gegeben war, würde sich auch die vom Potsdamer Gesundheitsamt angeordnete Quarantäne "voraussichtlich als fehlerhaft" erweisen, sagte der Gerichtsprecher den "Potsdamer Neuesten Nachrichten".

Sendung: Antenne Brandenburg, 20.08.2020, 14 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

8 Kommentare

  1. 8.

    Wer soll denn sonst entscheiden, wenn nicht die Gerichte. Endlich wird auch mal jenseits der Angst nachgedacht. Dem RKI kann man ja eine Menge vorhalten, aber ganz sicher nicht, daß sie die Hürden zu niedrig setzen. Wenn sich selbst Haushaltsangehörige mit einer Wahrscheinlichkeit von 30-max. 50 % untereinander anstecken, wird die Gefahr im Hort wohl nicht höher sein, wenn es nicht einmal direkten Kontakt gab. Zum Anstecken gehört eine gewisse (von der Wissenschaft leider immer noch nicht bezifferten) Viruslast.

  2. 7.

    Es ist wirklich beängstigend was hier in Deutschland möglich ist. Gerichte entscheiden über Quarantäne. Unfassbar. Unverständlich auch die Haltung der Eltern . Anstatt Vorsicht walten zu lassen, um sich und andere Menschen zu schützen, wird geklagt.
    Wenn es dann wieder zu Schulschließungen kommt, ist das Geschrei riesengroß.

  3. 6.

    Schlimm dass man wegen so einem Mist vor Gericht ziehen muss, aber scheinbar geht es nicht anders.
    Hoffe dass bei diesen weltweit bei 0,03 Prozent liegenden Zahlen, dieser Irrsinn endlich aufhört.

  4. 5.

    Die "Einordnungen" des Robert-Koch-Instituts sind absolut wirklichkeitsfremd! Es handelt sich um ein durch die Luft übertragbares Virus, es kann sich praktisch schnell und weitflächig ausbreiten und braucht schon gar keinen "engen Kontakt".

  5. 4.

    Diese Tatsachen und Wiedersprüche sind unerträglich, aber bezeichnend für Berlin und Brandenburg. Der allgemeine Ingirmstionsflusd reicht in Berlin Mitte zum Beispiel nicht einmal von der Grundschule bis zur Kita in unmittelbarer Nähe. Statt Zusammenhalt Egoismus und Verschwiegenheit. Das „ muss „ sich endlich ändern.

  6. 3.

    Kommen unsere Politiker denn vor Gericht, wenn sich herausstellt, daß die ganzen Freiheitseinschränkungen völlig überzogener Humbug sind und waren?

  7. 2.

    Nicht so sondern umgekehrt: da hat sich der Betreuer also nicht intensiv um die Kinder gekümmert.

  8. 1.

    Es ist so beruhigend, unsere Gerichte bestimmen über Quarantänemassnahmen. Juristen sind nun mal klüger, da absolut frei von Realismus und Expertenwissen.
    Kommen die Herrschaften selbst vor ein Gericht, falls sich die Entscheidungen als falsch erweisen und für die Kinder ein Schaden entsteht?

Das könnte Sie auch interessieren