Ausnahmen nur für Kinder und Schwerkranke - Berliner Vivantes-Kliniken verhängen Besuchsverbot

Di 13.10.20 | 19:14 Uhr
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Vivantes Humboldt Klinikum Am Nordgraben in Berlin-Reinickendorf am 12.10.2020. (Quelle: imago images/Jürgen Ritter)
Video: rbb|24 | 14.10.2020 | Material: Abendschau | Bild: imago images/Jürgen Ritter

Menschen, deren Angehörige derzeit in einer der neun Berliner Vivantes-Kliniken liegen, dürfen diese seit Montag nicht mehr besuchen. Grund: die steigenden Corona-Zahlen. Vivantes lässt nur in Einzelfällen Ausnahmen zu.

Die insgesamt neun Vivantes-Kliniken in Berlin haben am Montag ein coronabedingtes Besuchsverbot verhängt. Grund seien die gestiegenen Neuinfektionen mit Sars-CoV-2, teilte das Klinikunternehmen auf seiner Internetseite [vivantes.de] mit. Ausnahmen könnten bei Kindern, Schwerstkranken und Sterbenden vereinbart werden, heißt es. Vor einem Besuch von Verwandten müsse jedoch eine Absprache mit den Ärzten erfolgen.

Zunächst hatte darüber die "Berliner Zeitung" berichtet. Eine Kliniksprecherin sagte der Zeitung, man habe sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. "Da die Anzahl der Corona-Patienten in unseren Kliniken wieder ansteigt, halten wir es momentan für eine gebotene Vorsichtsmaßnahme, um unseren Teil dazu beizutragen, eine Eindämmung der Pandemie zu erreichen."

Einschränkungen betreffen auch Geburten- und Wochenstation

Auf Anfrage von rbb|24 teilte eine Vivantes-Sprecherin mit, dass es auch Einschränkungen auf den Geburtenstationen geben wird. "Um die geburtsmedizinischen Teams zu entlasten und zu schützen, wird bei einer Geburt oder einem Kaiserschnitt nur noch der Vater allein bzw. nur eine Vertrauensperson im Kreißsaal zugelassen." Besuche auf der Wochenstation seien nicht mehr möglich. Auf der Kinderstationen könnten in Absprache mit den behandelnden Ärzten Ausnahmen gemacht werden.

Ein negativer Corona-Test werde nicht akzeptiert, so die Sprecherin, da dieser keinen Ist-Stand wiedergebe, sondern den Zustand zum Zeitpunkt des Abstrichs. Dieser könne im Zweifel mehrere Tage zurück liegen. "Insofern werden auf Basis von Negativ-Tests keine Ausnahmen vom Besuchsverbot erteilt."

Patientenbeauftragte fordert Corona-Tests für Angehörige

Die Patientenbeauftragte der Senatsverwaltung für Gesundheit, Karin Stötzner, sagtedem rbb, dieser Schritt sei "eine Katastrophe, aber es geht nicht anders", angesichts der vielen Bezirke, die nun als Corona-Risikogebiete gelten. "Deswegen musste Vivantes, als der Konzern, der in Berlin besonders für die Covid-Versorgung zuständig ist, Maßnahmen ergreifen", sagte sie Inforadio. Die Sicherheit für besonders gefährdete Patienten gehe vor.

Die getroffenen Regelungen gelten demnach zunächst nur für die Kliniken, nicht für die Pflegeheime der Gesellschaft. Zum Vivantes-Verbund gehören das Auguste-Viktoria-Klinikum (Schöneberg), Humboldt-Klinikum (Reinickendorf), Klinikum Am Urban (Kreuzberg), Klinikum Kaulsdorf, Klinikum im Friedrichshain, Klinikum Neukölln, Klinikum Spandau, Wenckebach-Klinikum (Tempelhof) sowie das Ida-Wolff-Krankenhaus (Neukölln). Am Standort Prenzlauer Berg in der Fröbelstraße betreibt Vivantes zudem eine Abklärungsstelle für das Coronavirus, hier stehen auch 200 Reservebetten für Covid-Erkrankte.

Charité verschiebt Operationen

Ob weitere Berliner Krankenhäuser ein Besuchsverbot planen, ist bislang nicht bekannt. Von der Charité hieß es zuletzt Ende vergangener Woche, man müsse wie schon während der ersten Welle des Coronavirus nicht dringend notwendige Operationen verschieben.

Vorstand Ulrich Frei erklärte am Freitag auf einer Pressekonferenz, die Lage in den Charité-Kliniken werde dadurch verschärft, dass die Zahl der Infektionen unter den oft jungen Pflegekräften stiegen - danach würden weitere als Kontaktpersonen an den Kliniken ausfallen. "Dies führt dazu, dass wir erneut [...] die planbaren Eingriffe oder Untersuchungen verschieben oder aussetzen müssen. Und wir müssen versuchen, die Intensivstationen für Covid-Patienten freizubekommen."

"Ich vermute aber auch, dass wenn die Infektionszahlen weiter zunehmen, dass dann auch die anderen Kliniken nachziehen müssen", sagte Patientenbeauftrage Stötzner dem rbb. Die Krankenhäuser müssten sicherstellen, dass sie jede Versorgungssituation bewältigen können, sagte sie.

Sendung: Abendschau, 12.10.2020, 19:30 Uhr

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