7-Tage-Inzidenz und R-Wert - Zweite Berliner Corona-Ampel springt auf Rot

Di 06.10.20 | 19:37 Uhr
Symbolbild - Ein Einweg-Mund-Nasen-Schutz hängt am 03.10.2020 an einem Pfeiler vor dem Roten Rathaus in Berlin. (Bild: imago images/Sascha Steinach)
Audio: Inforadio | 06.10.2020 | Tatiana Brasching | Bild: imago images/Sascha Steinach

Zwei der drei Berliner Corona-Ampeln stehen auf Rot. Am Dienstag hat nach der 7-Tage-Inzidenz auch die Reproduktionszahl den Grenzwert überschritten. Aktuell berät der Senat, inwieweit er die Corona-Regeln wieder verschärft.

Die zweite der drei Berliner Corona-Ampeln ist am Dienstag auf Rot gesprungen. Neben der 7-Tage-Inzidenz ist nun auch der R-Wert betroffen. Das geht aus dem Lagebericht des Berliner Senats hervor. Die Ampel für die Belegung der Intensivbetten steht dagegen weiterhin auf Grün.

Nach den Angaben des Senats liegt der R-Wert für die letzten 4 Tage am Dienstag bei 1,26. Bei einem R-Wert drei Tage in Folge über 1,2 steht die Ampel auf Rot. Die Infektionen der vergangenen sieben Tage liegt den Angaben zufolge bei 44,2. Hier liegt der Grenzwert der Ampel für Rot bei 30. Bei den Auslastungen der Intensivbetten liegt Berlin weit unter dem Grenzwert von 15 Prozent für die Stufe Gelb und 25 Prozent für Rot. Nach den Zahlen des Senats sind am Dienstag 3,1 Prozent der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt.

Zwei Mal Rot bedeutet Handlungsbedarf. Das hat der Berliner Senat im Mai bei der Einrichtung des Ampelsystems festgelegt. Die Grenzwerte sind niedriger als im Frühjahr von Bund und Ländern verabredet.

Senat beschließt Verschärfung der Corona-Regeln

Angesichts der steigenden Infektionszahlen hat der Senat am Dienstag strengere Corona-Regeln beschlossen. So gilt ab Samstag eine Sperrstunde für Geschäfte und Gaststätten. Sie müssen zwischen 23 und 6 Uhr schließen.

Auch für private Feiern gelten bald stärkere Einschränkungen. Künftig dürfen daran nur noch maximal zehn statt bisher 25 Personen teilnehmen. Im Freien dürfen nachts höchstens fünf Personen zusammen unterwegs sein.

Die Maßnahmen zielen vor allem auf private Feiern und illegale Partys, die die Berliner Behörden als Treiber des Infektionsgeschehens sehen. Sie gelten vorerst bis zum 31. Oktober.

In vier Bezirken ist die Zahl der Neuinfektionen besonders hoch: in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln. In Neukölln liegt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage den Senatszahlen zufolge bei 87,3. Der aktuelle Wert des Robert-Koch-Instituts liegt etwas niedriger bei 79,2, im bundesweiten Vergleich ist das der zweithöchste Wert nach Hamm (94,9).

Bund und Wirtschaft fordern Senat zum Handeln auf

Erst seit vergangenem Samstag gelten in Berlin neue Beschränkungen, die der Senat in der Vorwoche beschlossen hatte: Private Feiern im Freien mit mehr als 50 Teilnehmern sind seitdem verboten. In geschlossenen Räumen gilt eine Obergrenze von 25 Teilnehmern. Neu ist auch eine Maskenpflicht in Bürogebäuden.

Trotz dieser Beschlüsse war Berlin wegen des raschen Anstiegs der Infektionszahlen weiter unter Druck geraten. Mehrfach forderten Vertreter der Bundesregierung öffentlich, die Stadt möge mehr zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und zur Durchsetzung der Regeln tun, zuletzt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Berlins Wirtschaft zeigte sich ebenfalls besorgt. Senat und Bezirke müssten für Party-Hotspots endlich ein funktionierendes Kontrollsystem einführen, forderte IHK-Präsidentin Beatrice Kramm. "Neue Regeln nützen nichts, wenn sich niemand um deren Einhaltung kümmert." Kramm verwies auf erhebliche wirtschaftliche Folgen bei steigenden Infektionszahlen, etwa durch Arbeitsausfall oder die Stornierung von Reisen nach Berlin.

Sendung: rbb Spezial, 06.10.2020, 20:15 Uhr

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