Ein Gurgeltest (Quelle: dpa/Georg Hochmuth)
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Video: Super.Markt | 09.11.2020 | Konrad Bott | Bild: dpa/Georg Hochmuth

Alternative zum Abstrich - Auch gurgelnd kann man sich auf Corona testen lassen

Auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet zu werden, ist sehr unangenehm: Man bekommt ein Wattestäbchen tief in Nase und Rachen gesteckt. Doch es gibt eine Alternative. Und sie soll schon in Kürze für zu Hause zu bekommen sein. Von Konrad Bott

Sie fristen bis jetzt ein Schattendasein: die Corona-Gurgeltests. Auch sie gehören zu den regulären PCR-Tests*, bei denen nach dem Erbgut des Virus gesucht wird. Lediglich die Probenentnahme ist eine andere. Statt des unangenehmen Nasen- oder Rachenabstrichs müssen Testende für einige Sekunden eine Kochsalzlösung gurgeln und in einen Becher spucken.

Warum ist ein so viel angenehmeres Verfahren nicht schon weiter verbreitet? Eine Arztpraxis in Berlin-Friedrichshain, die solche Gurgeltests anbietet, weist telefonische sowie schriftliche Fragen des rbb dazu zurück. Die Charité teilt dem rbb-Verbrauchermagazin Super.Markt auf Anfrage mit, dass zur Zuverlässigkeit der Rachenspülwasserproben aktuell noch Studien laufen.

Was taugt der Gurgeltest?

Der Leiter des Medizinischen Infektiologiezentrums Berlin (MIB), Martin Obermeier, sieht keine Probleme bei dem Verfahren. "Bei unseren Validierungen haben wir erkennen können, dass das Rachenspülwasser die gleiche Empfindlichkeit aufweist wie ein Abstrich", erklärt er im rbb. Als Labor mit "flexibler Akkreditierung" ist das MIB ein offiziell zertifiziertes Labor, das Prüfverfahren selbst weiterentwickeln darf. Seit März werden dort die Rachenspülwasserproben der Gurgeltests auf Sars-CoV-2-Viren untersucht.

Vor allem Krankenhäuser und Filmproduktionsfirmen, die auf dauernde Tests der Mitarbeiter*innen angewiesen sind, arbeiten mit dem Labor zusammen, lassen sich Test-Sets mit Gurgellösungen vorbereiten und analysieren. "Wichtig ist dabei, dass man den Leuten nicht nur das Test-Set in die Hand drückt, sondern ihnen genau erklärt, wie sie gurgeln müssen", erklärt Martin Obermeier im Super.Markt-Interview. "Nur sorgfältiges Gurgeln bringt natürlich die gleiche Sicherheit wie ein korrekt durchgeführter Abstrich." Das ist auch der Grund, warum das Robert-Koch-Institut (RKI) dem Gurgeltest eine gewisse Skepsis gegenüberbringt. In der Erklärung des RKI heißt es, dass es "je nach Spülvolumen und -technik zu (…) Verdünnungseffekten mit (…) hoher Ereignisvariabilität" kommen könne.

Test-Sets für Jedermann - doch Kapazitätsgrenzen in den Laboren

In Österreich kann man bereits Gurgeltests für zu Hause im Drogeriemarkt und in Apotheken kaufen – für 119 Euro pro Stück. Dabei ist die Auswertung in einem vertraglich gebundenen Labor inklusive, ebenso der Transport der Probenbehälter. Die verantwortlichen Firmen, testFRWD und LeadHorizon, bereiten den Direktverkauf in Deutschland vor – im Dezember sollen die Tests verfügbar sein.

Die Arztpraxen und Teststationen könnte ein solcher Do-it-yourself-Test entlasten, nicht aber die Labore, wie Obermeier erklärt: "Die Labore und Gesundheitsämter sind jetzt schon überlastet. Ich weiß nicht, wer zusätzliche Proben, die durch die frei verkäuflichen Tests dazukommen würden, noch analysieren können soll."

*Corona-Tests im Überblick

  • Der PCR-Test

  • Der Antigen-Test

  • Der Antikörper-Test

Sendung: SUPER.MARKT, 9. 11. 2020, 20.15. Uhr

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Beitrag von Konrad Bott

8 Kommentare

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  1. 8.

    Es ist ein himmelweiter Unterschied ob ich mit einer Maske Mund und Nase bedecke oder ob mir jemand mit einem Stäbchen im Rachenraum rumfummelt!!!!!! Schon mal etwas davon gehört das manche Menschen uner enstremen Würgereiz leiden?????

  2. 7.

    Warum kann der Profisport und die systemimmanenten Filmschaffenden die Testlabore belasten und die Bevölkerung darf zusehen wo und wann ihre Proben geprüft werden können.

  3. 6.

    Frage: Ist es normal, daß ein Pflegeheim täglich Coronatests macht mit den Mitarbeitern? Ich hörte es direkt von den Mitarbeitern, daß sie jeden Tag einen Test machen. Das wäre mal so richtig verschwenderisch für Berlin. Wenn jeden Tag alle Heime und Krankenhäuser an jedem Mitarbeiter Tests machen ohne Grund...dann ist es kein Wunder, wenn wir arm werden...was für eine Verschwendung!!! Ich hätte auch gerne so einen Test... ich arbeite mit über 1000 Menschen am Tag zusammen und habe nicht das Privileg...es ist zum..... sowas von ungerecht!!!! JEDEN TAG 1 TEST!!!!!!! Das zahle ich bestimmt nicht von meinen Steuern mit!!!!! Außerdem: wenn ein Heim Corona hat, sollte es nicht lieber schließen??? So wiedersprüchlich und unorganisiert....peinlich für eine Hauptstadt...es passiert soviel wovon überhaupt niemand was mitbekommt.... Es macht mehr Sinn die Maskenverweigerer wegzusperren!!! Alleine schon in U-Bahnhöfen könnte man viele von denen schnappen...da kann die Regierung kassieren!

  4. 4.

    Sie tragen bestimmt auch keine Maske, weil Sie die ach so schlecht "vertragen". Nicht wahr?

  5. 3.

    Die Rettung für mich, wenn ich mich mal testen lassen müßte!!! Die andere Möglichkeit würde bei mir überhaupt nicht funktionieren!

  6. 2.

    Filmproduktionen sind also mit der Kranken- und Altenpflegepflege gleichgestellt ? Systemrelevante Seifenopern ? Für Geld bekommt man Alles. Siehe Profifußball.

  7. 1.

    Mehr Tests, die nicht ausgewertet werden können .... eine richtig gute Idee.

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