Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen), Brandenburger Ministerin für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Audio: Antenne Brandenburg | 05.11.2020 | Lisa Steger | Bild: dpa/Soeren Stache

Corona-Pandemie - Nonnemacher sieht Brandenburger Gesundheitsämter am Limit

Gesundheitsministerin Nonnemacher (Grüne) bereitet die Nachverfolgung von Infektionsketten in Brandenburg große Sorgen. Ein Drittel der Gesundheitsämter sei "absolut am Limit", sagte sie am Donnerstag bei einer Videokonferenz.

Die Corona-Krise bringt die Gesundheitsämter der Kreise und kreisfreien Städte in Brandenburg an den Rand der Belastbarkeit. "Auch bei uns ist ein Drittel der Gesundheitsämter absolut am Limit", sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Donnerstag in einer Videokonferenz der Fachpolitiker des Landtages. Ein weiteres Drittel der Ämter sei deutlich überlastet, ein Drittel komme einigermaßen hinterher.

"Wir müssen alles Erdenkliche tun"

Die Gesundheitsämter kümmern sich unter anderem um Maßnahmen zum Infektionsschutz und zur Nachverfolgung von Kontakten Infizierter. Eine Überlastung der Kapazität der Krankenhäuser ist Nonnemacher nach eigener Darstellung bisher nicht bekannt. Sie nannte die Zunahme der Ansteckungen besorgniserregend. "Wir müssen alles Erdenkliche tun, um
dieses Infektionsgeschehen wieder abzubremsen."

Die Ministerin verteidigte die drastischen Einschränkungen, die in Brandenburg seit Montag gelten. "Wir können froh sein, wenn wir mit den beschlossenen Maßnahmen überhaupt auskommen." Nonnemacher sieht einen vagen Hinweis für eine Abschwächung des Anstiegs der Infektionen, weil die Reproduktionszahl in Deutschland laut Robert Koch-Institut zuletzt bei 0,81 und damit unter eins lag. Das heißt, dass zehn Infizierte im Mittel etwa acht weitere Menschen anstecken. Das reiche aber noch nicht, sagte die Grünen-Politikerin.

Zahl der Neuinfektionen in Brandenburg steigt rasant

Die Zahl der Neuinfektionen ist zuletzt stark gestiegen. Allein in den 24 Stunden von Mittwoch auf Donnerstag meldete das Gesundheitsministerium erneut 446 neue Fälle. Auf den Intensivstationen in Brandenburger Kliniken liegen 77 Corona-Patienten. Im Klinikum Niederlausitz (Oberspreewald-Lausitz) etwa waren zuletzt zeitweise alle zehn vorhandenen Intensivbetten belegt.

Angesichts rasant steigender Corona-Infektionszahlen in Brandenburg hatte das Regierungskabinett in Brandenburg vergangene Woche neue Corona-Regeln beschlossen. Seit Montag sind Gaststätten, Kinos, Theater, Museen und Fitnessstudios geschlossen, Hotels und Pensionen sind für Touristen tabu. Für die Oberstufe in Gymnasien und Oberstufenzentren gilt Maskenpflicht auch im Unterricht.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 05.11.2020, 19.30 Uhr

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35 Kommentare

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  1. 35.

    Menschen sterben unnötigerweise, wenn andere Menschen Fehler machen. Das passiert im täglichen Leben, z.B. im Straßenverkehr, aber auch während einer Pandemie.
    Wenn Menschen sich nicht an Verhaltensregeln halten sterben dadurch andere Menschen. Wenn man Menschen die Möglichkeit gibt sich nicht an Verhaltensregeln zu halten, sterben ebenfalls andere und unschuldige Menschen. Das zu verhindern ist eigentlich Aufgabe des Staates.
    In Brandenburg werden durch Bürger angezeigte vorsätzliche Coronaverstöße gegenüber Vertretern der Hochrisikogruppen nicht verfolgt und geahndet, weil das Ministerium der Frau Nonnemacher der Meinung ist, dass man das nicht verfolgen (ahnden) muss, solange "nichts passiert“ ist (im Sinne von sie leben doch noch?). Diese Menschen, die die Staatsgewalt darstellen, gefährden dadurch Leben statt es zu schützen. Sie machen sich schuldig und bekleiden trotzdem ein öffentliches Amt.

  2. 34.

    Was ich in unserem Fall so schlimm finde ist, dass zwei Tage nach unserer Veranstaltung unser Teamkollege das Fieber und Husten bekam. Keiner wurde aufgefordert in Quarantäne zu gehen, geschweige ihm wurde gesagt, dass er uns informieren soll. Es wurde lediglich der Test für 7 TAGE später angesetzt. Wir sind zum Zeitpunkt des Beginns seiner Erkrankung auch schon wieder mit vielen Menschen in Kontakt gewesen. Und das dann die Auswertung von seinem Test noch 4 Tage in Anspruch genommen hat ist auch ganz schön schwierig. Nun soll er , wo er schon 10 Tage zu Hause war, noch 12 Tage in Quarantäne bleiben. Das ist alles so unfassbar durcheinander.

  3. 33.

    Wie lange will man noch warten wirksame Maßnahmen zu beschliessen? Kitas Schulen teilweise schon zu echt toll wie berufstätige wenn man erfährt morgen kann das kind nicht mehr zur kita.

  4. 32.

    Ja. Und wir haben schon geliefert. Unser ganzes Erlebnis und was die mit uns gemacht haben. Wir hoffen auf personelle Konsequenzen. Es geht so nicht weiter. Durch die Nichtahndung schwerer Verstöße werden Risikogruppen gefährdet. Es ist unser Leben um das es hier geht.

  5. 31.

    In Berlin ist das Teilweise schon so, je nach Bezirk... Sie bekommen ja die Anordnung noch, aber eben viel zu spät. Um dem vorzubeugen hat man in die Verordnung das mit aufgenommen. Sobald Sie Kenntnis vom positiven Ergebnis haben müssen sie sich umgehend in Quarantäne begeben und das Gesundheitsamt informieren. Da offenbar die Meldeketten über die Ärzte bzw. Labore nicht zeitnahe funktionieren.

  6. 30.

    Warum dürfen in unserem Land solche Leute wichtige Entscheidungen treffen?

  7. 29.

    Ach, so ist das schon: "Dafür gehen sie jetzt 14 Tage in Quarantäne oder sie sind Politiker. Je nach dem in welchem Bezirk sie sich befinden müssen sie das auch jetzt ohne Anordnung vom Gesundheitsamt."?

    Jetzt gibt's nicht einmal mehr Bescheide für freiheitsbeschränkende Maßnahmen???!

  8. 28.

    Ist das der Untersuchungsausschuss, der falsche Entscheidungen der Landesregierung in der Pandemie aufdecken soll?

  9. 27.

    Dafür gehen sie jetzt 14 Tage in Quarantäne oder sie sind Politiker. Je nach dem in welchem Bezirk sie sich befinden müssen sie das auch jetzt ohne Anordnung vom Gesundheitsamt. Genau wegen dieser Überlastung kann das förmliche Schreiben ebenfalls 10 Tage dauern..

    Haben sie denn ihren Laborbefund in der Corona App eingescannt ? So das auch andere mit denen Sie Kontakt hatten gewarnt werden? @RBB vielleicht kann man hier nochmal einen Betrag ausarbeiten wie man seinen positiven Laborbefund in der App registriert. Denn diese ist in der Lage <=24h Kontakte zu warnen, schneller als jedes Gesundheitsamt.

  10. 26.

    Wenn's in einigen Gesundheitsämtern personell "klemmt", dann kann Frau Ministerin ja ein paar Leute aus den Ministerien hinschicken. Da sitzen genug rum.

  11. 25.

    Sicher hab ich Kinder, und wenn ich sehe was bei uns in Cottbus an den Schulen los ist können Sie sich Ihre Studien sonst wo hinschieben! Realität ist das was zählt, im übrigen sind Gesundheit und Fürsorge auch Grundrechte. Aber das liegt Ihnen glaube sehr fern.

  12. 24.

    Das passt zu unserem Erlebnis #1. Es wird Zeit, dass hier mal gründlich ausgefegt wird. Mit einem Stahlbesen am besten. Wenden sie sich an ihren Landtagsabgeordneten. Es gibt jetzt den UA 7/1. Man ist für sachdienliche Hinweise dankbar.

  13. 23.

    Die Kontaktverfolgung in den Schulen ist eine Mammutaufgabe in den Gesundheitsämtern. Dazu kommen noch die aufwendigen Telefongespräche mit teilweise sehr besorgten Eltern. Hunderte von Quarantäneanordnungen müssen geschrieben werden. Dann lieber Home Schooling als ständig ausfallender Unterricht, weil Lehrer zum Teil auch im privaten Umfeld in Quarantäne sind.

  14. 22.

    Frau Nonnemacher das war wohl nichts mit dem bitten und mahnen. Im Fußball würde man sagen Eigentor.

  15. 21.

    Sollten Sie Frau nonnemacher noch ein bisschen Ehre haben treten sie zurück

  16. 20.

    Gerade erlebt... am 25.10 waren wir alle zu einer Amateursportveranstaltung. War zu dem Zeitpunkt erlaubt. Am 27.10. ging es unserem Teamkollegen schlecht, Husten, Fieber. Ab zum Arzt. Dort wurde gesagt, DASS MAN MAL IN DEN KALENDER GUCKT WANN EIN TERMIN FÜR EINEN TEST FREI IST!!!! Der war tatsächlich am 2.11. Und das Testergebnis war auch nicht sofort da. Es kam heute. Positiv!!!! 10 TAGE nach Ausbruch ist das Ergebnis da. Keiner von uns wurde in Quarantäne geschickt. War nicht nötig, sagte man. UNFASSBAR

  17. 19.

    Hier noch eine aktuelle Nachricht. "Deutlich mehr Fälle bei Schülern"
    https://www.tagesschau.de/investigativ/schulen-infektionen-corona-101.html
    Tut mir leid, aber der Professor ist leider schlecht. Vielleicht lag es auch daran, weil die Zahlen im August noch niedrig waren, wo er die Pressekonferenz gegeben hat. Wenn die Zahlen nicht aufhören zu steigen, wird man Schulen schließen müssen, außer man will die Kontrolle verlieren.

  18. 18.

    Klar sind Kinder Krankheitstreiber, war vor Corona so und wird auch bei Corona so bleiben. Der einzigste Unterschied ist, dass die Kinder noch keine Gelegenheit hatten, die Krankheit zu verbreiten, da die Schule ja geschlossen wurden.
    Übrigens was bringt mir ein Grundrecht auf Bildung, wenn mein Umfeld erkrankt. Zudem gibt es auch ein Grundrecht auf körperliche Unversehrheit. Wie können sie das eigentlich garantieren? Einbahnstraßenlogik hilft keinem weiter, es gibt auch andere Grundrechte.

  19. 17.

    Ja die Pressekonferenz hab ich gerade angeschaut. Wie dieser Prof. seinen Lehrstuhl erhalten hat ist mir unklar. Wie kann man eine Studie im Mai Juni machen, wo die Infektionszahlen in Sachsen bei 5-7 lagen und dies als Grundlage für die Bewertung für den Winter nehmen.
    Übernimmt dieser Professor auch die Verantwortung, falls in den Schulen mehrfach Corona ausbricht. Weil die Folgeschäden ein Coronaerkrankung werden natürlich ausgeblendet. Klar ist es für Kinder schlimm während des Lockdowns, aber ich kann sie ja nicht als Versuchskaninchen behandeln und schauen was passiert.

    Der Anfang der Pressekonferenz war schon absolut dumm. Er sagt "ich provoziere mal mit meiner Aussage ..." und dann sagt er im 2ten Satz gleich "ich kann mit Provokationen nicht umgehen". Dämlicher geht es kaum.

  20. 16.

    Es ist eine Frage der Strategie und Experten fordern nicht um sonst die Kontaktverfolgung aufzugeben, da sie bei solchen hohen Zahlen nicht mehr zeitnahe durchführbar ist. Hier stellt ja die Corona App eine Sinnvolle Lösung dar.
    Personal ist im Prinzip genug da, die Frage ist nur wo. Da man von Amt zu Amt und zu den Bundesländern erst recht mit unterschiedlichen Systemen und untereinander inkompatible die Daten erfasst ist ein Ausgleich auf Deutschland verteilt nicht möglich. In der Theorie könnte dies auch jemand aus einer anderen Stadt/Gemeinde übernehmen, da wo Kapazitäten vorhanden wären.

    In Frankfurt Oder gäbe es genug Kapazitäten, man hat einen Personalüberhang und ein Staatsorchester. Alles Verwaltungsbeamte, den es zu zumuten wäre solche und andere Aufgaben zu übernehmen. Nur leider hat der OB nicht den Mut dies anzuweisen. So bekommen ca. 180 Verwaltungsbeamte für das herum sitzen auch noch eine Corona Prämie.

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