Mehr Patienten auf Intensivstationen - Zweite Berliner Corona-Ampel steht weiter auf Rot

So 06.12.20 | 18:58 Uhr
Vor dem Hauptgebäude der Charité leuchtet eine rote Ampel. Erstmals seit Einführung des Ampelsystems zur Bewertung der Corona-Lage in Berlin ist der Warnwert für Intensivbetten überschritten worden. Quelle: Christophe Gateau/dpa
Bild: Christophe Gateau/dpa

Durch die vielen Corona-Neuinfektionen in den vergangenen Wochen ist die Auslastung der Intensivbetten in Berlin über ein Viertel gestiegen. Eine Verschärfung der Corona-Regeln lehnt Berlins Regierender Bürgermeister Müller derzeit aber ab.

Die Corona-Ampel des Berliner Senats für die Belegung der Intensivbetten steht am Sonntag weiterhin auf Rot. Bereits am Samstag war die Auslastung der Intensivbetten in den Krankenhäusern auf mehr als ein Viertel gestiegen. Am Sonntag lag sie bei 26,6 Prozent. Der Grenzwert zur obersten Warnstufe liegt bei 25 Prozent. In der vergangenen Woche schwankte sie immer wieder um diesen Wert.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärte, er sehe in der jetzigen Lage keine Notwendigkeit, die Corona-Maßnahmen anzupassen. Die Senatsmitglieder stünden in engem Kontakt miteinander, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können, sagte Müller dem "Tagesspiegel" am Sonntag. Berlin habe frühzeitig gehandelt und wegen der hohen Infektionszahlen in der Stadt schärfere Maßnahmen als andere Bundesländer beschlossen.

Behandlungszentrum auf dem Messegelände im Bereitschaftsmodus

Um mehr Betten zur Verfügung zu haben und um Personal umschichten zu können, sind die Notfallkrankenhäuser seit dem 7. November dazu aufgerufen, planbare Eingriffe zu verschieben.

Das im Frühjahr errichtete Behandlungszentrum auf dem Messegelände, das seitdem mit 488 Betten im Bereitschaftsmodus ist, ist bislang noch nicht zum Einsatz gekommen. Es soll zur Verfügung stehen, wenn die Berliner Krankenhäuser mit nicht-intensivpflichtigen Covid-19-Fällen überlastet sind. Vorrangig sollen dort Menschen mit leichteren Verläufen behandelt werden. Wann es an den Start gehen könnte, ist offen. "Die Lage wird sorgfältig beobachtet. Zu gegebener Zeit wird der Berliner Senat darüber entscheiden", teilte die Gesundheitsverwaltung Ende November mit.

Zuletzt galt die Sorge weniger der Verfügbarkeit von Betten, Beatmungsgeräten und Schutzkleidung - befürchtet wurden vielmehr Engpässe beim Pflegepersonal. Die Versorgung von Covid-19-Patienten gilt als aufwendig, gefürchtet sind zudem Ansteckungen und Quarantäne-Fälle auch in Reihen der Pflegekräfte. Entsprechend hatte sich kürzlich der Klinkexperte der Berliner Ärztekammer, Thomas Werner, geäußert. Auf den meisten Stationen würden rund 15 Prozent der Pflegekräfte fehlen, weil sie selbst erkrankt oder in Quarantäne seien. Um für solche Lagen gerüstet zu sein, starteten Krankenhäuser kürzlich einen Aufruf, dass sich ehemalige und frei verfügbare examinierte Pflegefachkräfte bewerben sollen.

Ampel für 7-Tage-Inzidenz ebenfalls auf Rot

Wegen der Auslastung der Intensivbetten stehen nun wie bereits Ende November zwei der drei Berliner Corona-Ampeln auf Rot. Der zweite kritische Wert betrifft die sogenannte 7-Tage-Inzidenz. Diese liegt mit 182,9 weiterhin deutlich über der obersten Warnstufe von 30. Der Wert besagt, dass in den vergangenen sieben Tagen bei knapp 183 von 100.000 Menschen eine Infektion entdeckt wurde.

Auch die Lage beim sogenannten R-Wert hat sich leicht verschärft. Noch zeigt die Ampel aber Grün. Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele weitere Personen im Mittel von einer infizierten Person angesteckt werden. Hier steht die Ampel mit einem Wert von 1,05 auf Grün. Bei 1,1 würde sie auf Gelb springen.

Die Zahl der Todesfälle ist am Sonntag auf 683 gestiegen, die Senatsverwaltung für Gesundheit meldete am Nachmittag vier weitere Todesopfer. Am Samstag waren im Zusammenhang mit Covid-19 in der Hauptstadt 22 Tote gezählt worden, wie aus dem Lagebericht des Berliner Senats hervorgeht. Die Zahl der Infizierten liegt inzwischen bei 71.443. Damit stieg ihre Zahl am Wochenende um 1.675. 49.816 dieser Menschen gelten inzwischen als genesen.

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