Mehr Patienten auf Intensivstationen - Zweite Berliner Corona-Ampel steht weiter auf Rot

Vor dem Hauptgebäude der Charité leuchtet eine rote Ampel. Erstmals seit Einführung des Ampelsystems zur Bewertung der Corona-Lage in Berlin ist der Warnwert für Intensivbetten überschritten worden. Quelle: Christophe Gateau/dpa
Bild: Christophe Gateau/dpa

Durch die vielen Corona-Neuinfektionen in den vergangenen Wochen ist die Auslastung der Intensivbetten in Berlin über ein Viertel gestiegen. Eine Verschärfung der Corona-Regeln lehnt Berlins Regierender Bürgermeister Müller derzeit aber ab.

Die Corona-Ampel des Berliner Senats für die Belegung der Intensivbetten steht am Sonntag weiterhin auf Rot. Bereits am Samstag war die Auslastung der Intensivbetten in den Krankenhäusern auf mehr als ein Viertel gestiegen. Am Sonntag lag sie bei 26,6 Prozent. Der Grenzwert zur obersten Warnstufe liegt bei 25 Prozent. In der vergangenen Woche schwankte sie immer wieder um diesen Wert.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärte, er sehe in der jetzigen Lage keine Notwendigkeit, die Corona-Maßnahmen anzupassen. Die Senatsmitglieder stünden in engem Kontakt miteinander, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können, sagte Müller dem "Tagesspiegel" am Sonntag. Berlin habe frühzeitig gehandelt und wegen der hohen Infektionszahlen in der Stadt schärfere Maßnahmen als andere Bundesländer beschlossen.

Behandlungszentrum auf dem Messegelände im Bereitschaftsmodus

Um mehr Betten zur Verfügung zu haben und um Personal umschichten zu können, sind die Notfallkrankenhäuser seit dem 7. November dazu aufgerufen, planbare Eingriffe zu verschieben.

Das im Frühjahr errichtete Behandlungszentrum auf dem Messegelände, das seitdem mit 488 Betten im Bereitschaftsmodus ist, ist bislang noch nicht zum Einsatz gekommen. Es soll zur Verfügung stehen, wenn die Berliner Krankenhäuser mit nicht-intensivpflichtigen Covid-19-Fällen überlastet sind. Vorrangig sollen dort Menschen mit leichteren Verläufen behandelt werden. Wann es an den Start gehen könnte, ist offen. "Die Lage wird sorgfältig beobachtet. Zu gegebener Zeit wird der Berliner Senat darüber entscheiden", teilte die Gesundheitsverwaltung Ende November mit.

Zuletzt galt die Sorge weniger der Verfügbarkeit von Betten, Beatmungsgeräten und Schutzkleidung - befürchtet wurden vielmehr Engpässe beim Pflegepersonal. Die Versorgung von Covid-19-Patienten gilt als aufwendig, gefürchtet sind zudem Ansteckungen und Quarantäne-Fälle auch in Reihen der Pflegekräfte. Entsprechend hatte sich kürzlich der Klinkexperte der Berliner Ärztekammer, Thomas Werner, geäußert. Auf den meisten Stationen würden rund 15 Prozent der Pflegekräfte fehlen, weil sie selbst erkrankt oder in Quarantäne seien. Um für solche Lagen gerüstet zu sein, starteten Krankenhäuser kürzlich einen Aufruf, dass sich ehemalige und frei verfügbare examinierte Pflegefachkräfte bewerben sollen.

Ampel für 7-Tage-Inzidenz ebenfalls auf Rot

Wegen der Auslastung der Intensivbetten stehen nun wie bereits Ende November zwei der drei Berliner Corona-Ampeln auf Rot. Der zweite kritische Wert betrifft die sogenannte 7-Tage-Inzidenz. Diese liegt mit 182,9 weiterhin deutlich über der obersten Warnstufe von 30. Der Wert besagt, dass in den vergangenen sieben Tagen bei knapp 183 von 100.000 Menschen eine Infektion entdeckt wurde.

Auch die Lage beim sogenannten R-Wert hat sich leicht verschärft. Noch zeigt die Ampel aber Grün. Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele weitere Personen im Mittel von einer infizierten Person angesteckt werden. Hier steht die Ampel mit einem Wert von 1,05 auf Grün. Bei 1,1 würde sie auf Gelb springen.

Die Zahl der Todesfälle ist am Sonntag auf 683 gestiegen, die Senatsverwaltung für Gesundheit meldete am Nachmittag vier weitere Todesopfer. Am Samstag waren im Zusammenhang mit Covid-19 in der Hauptstadt 22 Tote gezählt worden, wie aus dem Lagebericht des Berliner Senats hervorgeht. Die Zahl der Infizierten liegt inzwischen bei 71.443. Damit stieg ihre Zahl am Wochenende um 1.675. 49.816 dieser Menschen gelten inzwischen als genesen.

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38 Kommentare

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  1. 38.

    In der Abendschau vom 6.12 . Kreuzberger Glühwein Route..... Leute im Überfluss und Trinken fröhlich Glühwein, haben diese Menschen ihr Gehirn nicht eingeschaltet aber der RRG Senat beschließt neue Maßnahmen und Ihre Wähler machen Party.

  2. 37.

    Kapazitäten werden garn nicht voll abgerufen, es könnten gemäß Statistiken ca. 300.000 bis 400.000 mehr in der Woche getestet werden. Deswegen wurde ja sogar der Treffer Faktor auf ca. 9 erhöht. Die Dunkelziffer ist weit aus höher, deswegen gehen ja die Zahlen nicht runter. Mag sein, dass in ihrem Fall alles gut im Sinne der Test gelaufen ist, jedoch kenne ich mittlerweile so viele aus Berlin und Brandenburg, die direkten Kontakt hatten und nicht getestet wurden. Das ist leichtfertig, da sie nur kurz in Quarantäne mussten und erst recht mit dem Wissen dass Symptome nicht entstehen müssen, bei sehr vielen Menschen um den Virus in sich zu tragen und zu verbreiten. Auch handeln Berlin und Brandenburger Ämter völlig anders.
    Herr Müller liegt mal wieder völlig falsch mit seiner Einschätzung, dass war ja schon von Beginn an so. Als erstes zu Beginn seiner Amtszeit wollte er ja Berlin als Vorbild für alle Großstädte, wir sehen ja was aus der Stadt wurde. Langsam, behäbig!

  3. 36.

    Diese Berliner Corona Ampel ist lächerlich!Genau so albern wie der Stufenplan der Schulen. Rot heisst Handlungsbedarf! Hahahah
    Müller sieht keinen?!
    Diese Ampel hilft niemandem.

  4. 35.

    Kollaps ist wenn nicht mehr jeder so behandelt werden kann wie es ginge wenn die Intensivstation nicht voll wäre, zum Beispiel weil kein Beatmungsgerät mehr für jeden da ist, der es braucht, oder keine Pflegekräfte. Davon sind nicht wir nicht weit weg.

  5. 34.

    Schade, daß die Maßnahmen unter diesen Umständen nicht weiter verschärft werden. Das wird unnötigerweise weitere Leben kosten, vor allem weil die Impfstoffe in greifbarer Nähe sind.

  6. 33.

    Das individuelle Verhalten ist wichtig, aber letztlich nicht hinreichend. Ich bezweifle, dass die Zahlen ohne massive Einschränkungen in den Schulen zurückgehen werden. Die Schüler sind nicht die Opfer, aber sie sind die Brücken für die Viren.

  7. 32.

    Herr Müller geht bei Rot über die Ampel.

    Uns Bürgern wurde die einfache Regel mitgeteilt: Zwei Mal Gelb auf der Ampel bedeutet Redebedarf. Zwei Mal Rot heißt Handlungsbedarf.

    Ist das Rot des Herrn Müller nun ein anderes Rot als das auf der Corona-Ampel? Ist sein Rot möglicherweise etwas gelblicher? Verändert sich vielleicht prinzipiell die Farbwahrnehmung von Politikern, wenn eine Rot-rot-grüne Koalition vor einer Rot-rot-grünen Ampel steht? Fühlt sich Farbdeckungsgleichheit mit der Ampel vielleicht total super normal an?

    So muss es sein. Wird bei zweimal (unserem) Rot erklärt, es gäbe keine Notwendigkeit, irgendwas zu ändern, sollten wir uns daher nicht wundern, sondern verzeihen. Sie können unser Rot nicht erkennen! Andernfalls würden sie die einfache Regeln nicht achselzuckend ignorieren. Sonst würden sie ja bewusst bei Rot über die Ampel gehen.

  8. 31.

    Das ist jetzt nicht Ihr Ernst. Mit "Kollaps" meine ich einen Kollaps unseres Gesundheitssystems, aber auch nicht in dem Sinne, dass sämtliche Krankenhäuser und Arztpraxen aufgrund zu vieler Intensiv- bzw. Corona-Patienten einstürzen und nur noch ein Haufen Schutt und Asche sind, sondern in dem Sinne, dass wir in eine Triage-Situation geraten. Muss ich das jetzt auch noch erklären? Übrigens wurde das alles von den Medien, Politikern und Wissenschaftlern stets genauso beschrieben. Sie wollen mir doch jetzt nicht weismachen, dass Sie monatelang(!) dachten, mit "Kollaps" sei ein Zusammenbruch unserer kompletten Gesellschaft inkl. Infrastruktur gemeint gewesen?!

  9. 30.

    So, so. Unternehmerisches Risiko, wenn der Staat einem legal operierenden Unternehmen mal eben 10 von 12 Monaten im Jahr verbietet, seinem Geschäft nachzugehen.

    Haben sie natürlich völlig recht, da sollten diese Unternehmen doch in den zwei Monaten genug Rücklagen gebildet haben...

    Dumm nur, dass die dann im Februar wohl bei 12 von 12 Monaten ohne Einnahmen da stehen...

  10. 29.

    ... die Testungen sind nicht zurückgegangen, siehe Statistik. Beim Arzt wird man mit Erkältungssymptomen i.d.R. sofort auf Covid19 getestet, war zumindest bei mit so. In Berlin wird im Verhältnis zu ländlichen Regionen deutlich mehr getestet, da hier viel mehr Testmöglichkeiten bestehen. Daher ist de Dunkelziffer hier eher geringer als anderswo. Berliner halten sich auch disziplinieter an die AHA-Regeln als bspw. Brandenburger, wo Kunden im Lebensmittelgeschäft ohne MNS oftmals ohne Kommentar toleriert werden - zumindest habe ich das so mehrfach beobachten müssen. Die Situation in Berlin ist nicht so schlecht, wie es hier teilweise dargestellt wird. Klar muss sich noch viel tun, private Treffen sind derzeit die Treiber der Infektionen, nicht das Einkaufen oder U-Bahnfahren. Da kann die Politik nicht so viel machen, sonder nur jeder einzelne...

  11. 28.

    Hallo Mike,

    der Vergleich mit Influenza ist falsch. Die Anzahl von invasiv beatmeten/therapierte Patienten ist um ein vielfaches höher als es 2019 war. Dies wird ihn jeder Intensivmediziner bestätigen. Zweitens kann sich Klinikpersonal gegen Influenza impfen und somit besser schützen als gegen Sars-Cov2. Wir warten sehnsüchtig auf die Impfung. Bis sich die Situation entschärft, wird es es aber sicher noch Monate dauern, dass ist uns in den Kliniken klar. Helfen Sie bitte aktiv mit die Ausbreitung zu reduzieren.

  12. 27.

    " befürchtet wurden vielmehr Engpässe beim Pflegepersonal. "

    und eben dies Engpässe lassen sich nicht wegzaubern

  13. 26.

    " Zweite Berliner Corona-Ampel springt wieder auf Rot "

    und wenn die dritte Berliner Corona-Ampel auf Rot springt ? wird dann eine Verschärfung der Corona-Regeln vom Regierender Bürgermeister Müller auch abgelehnt ? worauf will der warten ?

  14. 25.

    Leider gibt's nicht genug Fachpersonal für das Notfallkrankenhaus. Schlimm wäre es, wenn dort Personen ohne Examen arbeiten. Außerdem ist das Notfallkrankenhaus nicht für beatmungspflichtige Patienten und für Patienten mit ECMO und Dialyse geeignet

  15. 24.

    Eh wieder pauschal alle leiden, sollten die Bezirke den Mut finden, genau die Menschen auf ihr Fehlverhalten anzusprechen, die sich nicht an die Corona-Regeln halten. Gerne mehrsprachig, damit Männercafes, Wettbüros und Shishabars nicht durch die Hintertür öffnen. Da die Quarantäne, auch die der positiv getesteten , mißachtet und der Einkauf bei Aldi, Penny , Lidl und Co trotzdem selber erledigt wird, muss es hier viel strengere Kontrollen geben.Nach unbedarften Besuchen im Zweitland, müssen Einreisende registriert und kontrolliert werden. Nur die Einsichtigen zu kontrollieren weil man sich das bei den anderen nicht traut, führt zu dem, was wir jetzt haben. Ansteckungschaos.

  16. 23.

    Der Lockdown hat eine Wirkung gezeigt, die vielen von Ihnen nicht gefallen wird: Der Mensch - egal ob Corona-Leugner oder Öko-Bourgeois ist bereit, bis zu 500 Corona-Tote am Tag in Deutschland zu akzeptieren - und ich glaube, die Zahl wird noch steigen.
    Ansonsten würden die Leute nämlich drin bleiben oder nicht dicht an dicht in den Straßen rumlaufen.
    Das gibt nur keiner zu!
    Und diese Menschen, die das einfach so hinnehmen, finden sich in allen politischen Strömungen.
    Woran liegt das?
    Das hat einerseits damit zu tun, dass man den Tod auch irgendwie verdrängt.
    Andererseits hört man auch immer wieder die Aussage vom Durchschnittsalter der Toten von ca. 80 Jahren.
    Das führt natürlich dazu, dass ältere Politiker Corona natürlich völlig anders bewerten als junge Studenten.

  17. 22.

    Ich glaube schon garnicht mehr, dass die Zahlen eine Aussagekraft haben. Es wird nicht mehr soviel getestet, Kinder mit Symtomen so gut wie garnicht, manche lassen sich auch bewusst nicht testen weil sie nicht in Quarantäne wollen. Da die meisten Infizierten sowieso nur leichte Symtome entwickeln, wird es so sein, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt.

  18. 21.

    Zu einem Kollaps wird es nicht kommen, denn wenn die Kapazitäten erschöpft sind, legt man ja nicht 2 Personen in ein Bett - sondern dann sind die Krankenhäuser abgesperrt oder durch Polizei oder Militär gesichert.
    Kollaps heißt für mich, dass der Strom ausgeht, Randale ausbricht, Ärzte + Pfleger nach Hause gehen.
    Wie definieren Sie denn den Kollaps, von dem seit Monaten gesprochen wird?
    Jeder Bürger kann hier durch sein Verhalten mithelfen, dass dies nicht passiert, aber die Politik kann auch ihr Versagen der letzten Jahre nicht 1:1 beim einfachen Bürger abladen. Pflegenotstand ist seit Jahren bekannt.

  19. 20.

    Kann ich nur zustimmen, bin auch jahrelang auf Intensiv unterwegs gewesen. Der Personalmangel war schon immer da. Gesperrte Betten und verschobene Untersuchungen bzw. OP. Corona deckt die schlechten Bedingungen endlich für die Öffentlichkeit auf.

  20. 19.

    Wäre auch dafür, dass das Notfallkrankenhaus jetzt an den Start gehen sollte, nur es wird so sein, dass auch dafür überhaupt kein Personal zur Verfügung steht. Finde es schlimm, dass unser RB Müller keinen Handlungsbedarf sieht. Es wurden schon vor Wochen FFP2 Masken für die Risikogruppe für Anfang Dezember angekündigt, leider höre ich davon überhaupt nichts mehr. Die Impfungen werden auch noch lange auf sich warten lassen, bis alles geregelt ist, wird es womöglich noch bis zum Frühjahr dauern. Ich fühl mich immer mehr veräppelt.

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