Kältehilfe - Obdachlose können in Berlin Wärmeplätze teilweise auch tagsüber nutzen

Mi 02.12.20 | 15:16 Uhr
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Blick in ein Zimmer der Kältehilfe Notübernachtung, einer ganztägigen Unterkunft für obdachlose Menschen. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa/Britta Pedersen

Zur Unterstützung von obdachlosen Menschen in den Wintermonaten der Corona-Pandemie stockt der Berliner Senat die Hilfskapazitäten auf. Zusätzlich zu den rund tausend Notübernachtungsplätzen der Kältehilfe würden mehr Übernachtungsangebote und Aufenthaltsorte für kalte Tage geschaffen, erklärte die Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales am Mittwoch. Gäste und Mitarbeiter der Einrichtungen sollen sich demnach Corona-Schnelltests unterziehen.

Demnach können Wohnsitzlose die Kältehilfeeinrichtungen nun auch tagsüber nutzen, weil viele gängige Aufenthaltsorte für Obdachlose aufgrund der Corona-Pandemie nicht mehr zugänglich sind. Auch eine Einrichtung nur für Frauen und Familien steht zur Verfügung. Die Beherbergungsangebote sind vorerst bis zum 30. April 2021 geplant.

Bis März 46.500 Corona-Schnelltests

Ab dem 15. Dezember werden außerdem täglich 450 warme Mahlzeiten und Lunchpakete verteilt, das Angebot ist finanziert bis März. Auch ein Gastronomiebetrieb in Berlin-Mitte soll tagsüber für bis zu 150 Gäste geöffnet werden.

Um Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, ist der Betrieb in verschiedenen Zeitfenstern mit festgelegten Besucherzahlen geregelt. Weitere Projekte sind laut Senat geplant, geeignete Einrichtungen werden demnach geprüft. Zudem sind 46.5000 Corona-Schnelltestes von November bis März Teil der Strategie, Wohnungslose und Mitarbeiter der Hilfseinrichtungen vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 zu schützen. Ziel sei es, die Gäste der Kältehilfe täglich und die Mitarbeiter einmal die Woche zu testen.

Zusätzlich zum Vorstoß des Berliner Senats beteiligen sich seit November das "Sezer Hotel" in Niederschönweide, die "Pension Reiter" in Friedrichshain und das "Hostel Pfefferbett" in Prenzlauer Berg drei Hotels an der Kältehilfe. Insgesamt 200 Betten stellen sie in Absprache mit der Koordinationsstelle Kältehilfe, zuständigen Bezirken und der Senatsverwaltung zur Verfügung.

Stadtmission: Zu wenige Aufwärmmöglichkeiten tagsüber

Erst am Sonntag hatte die Berliner Stadtmission darauf hingewiesen, dass tagsüber Aufwärmmöglichkeiten für Obdachlose fehlen würden. Während das System der Kältehilfe nachts gut funktioniere, müssten Obdachlose morgens zurück auf die Straße, hieß es. Wegen der Abstandsregeln muss auch die Stadtmission soziale Leistungen wie Essens- oder Kleiderausgaben nach draußen verlegen.

Sendung: Inforadio, 2.12.2020, 14:30 Uhr

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3 Kommentare

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  1. 3.

    Willkommen im Leben, Sie scheinen bisher mit Scheuklappen durch die Welt bzw.Berlin gegangen zu sein. Es gibt zum Beispiel viele Sinti und Roma Familien, die versteckt in Zelten oder in Abbruchhäusern leben. Auch viele Frauen mit Kindern, die vor dem gewalttätigen Partner geflohen sind und aufgrund der wenigen Frauenhäuser oder fehlender Papiere keinen anderen Unterschlupf als die Brücke finden konnten. Diese Menschen fallen häufig durchs Raster, haben Angst, dass man ihnen die Kinder wegnimmt oder schämen sich, dass sie trotz Arbeit die gestiegenen Mietkosten nicht mehr zahlen können. Und Miethaien ist es egal, ob sie da gerade eine Frau mit 3 Kindern auf die Straße setzen. Freie Marktwirtschaft lässt grüßen!

  2. 1.

    "Auch eine Einrichtung nur für Frauen und Familien steht zur Verfügung."
    Bitte WAS? Es gibt ganze FAMILIEN in Berlin die Obdachlos sind? GUTE LEISTUNG RRG!

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