Impfung des Pfizer/Biontech-Impfstoffs am 16.12.2020. (Quelle: dpa/Robin Utrecht)
Bild: dpa/Robin Utrecht

Prioritätenliste des Gesundheitsministeriums - Wer sich zuerst gegen das Coronavirus impfen lassen kann

Wer wird zuerst geimpft, wenn der Corona- Impfstoff da ist? Ein Entwurf, der dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt, besagt: Senioren ab 80 Jahren, Bewohner und Personal von Pflegeheimen und Personal in Krankenhäusern. Der Impfstoff könnte allerdings knapp werden.

Das Bundesgesundheitsministerium hat eine Liste von Personengruppen erstellt, die voraussichtlich zuerst gegen das Coronavirus geimpft werden können. Einem Entwurf zufolge, der dem Hauptstadtstudio vorliegt, sind als erstes an der Reihe: Menschen ab 80 Jahren, Bewohner von Pflegeheimen, das Personal in diesen Einrichtungen sowie medizinisches Personal, das auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, Rettungsdiensten, Corona-Impfzentren sowie in anderen infektionsrelevanten Bereichen arbeitet.

Der Entwurf beruht auf Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts und muss noch von den Bundesländern abgesegnet werden. Voraussichtlich am Freitag will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Verordnung erlassen.

Zu wenig Impfdosen für die höchste Prioritätengruppe

Mit der Impfung dieser höchsten Prioritätsgruppe könnte bereits am 27. Dezember begonnen werden. Das Land Berlin will an diesem Tag in seinen sechs Impfzentren den Betrieb aufnehmen, in Brandenburg soll dies nach bisherigen Planungen zunächst in zwei Impfzentren in Potsdam und Cottbus am 5. Januar geschehen. In beiden Bundesländern sind auch mobile Impf-Teams unterwegs und suchen Menschen auch in Pflegeheimen auf. Das medizinische Personal soll in den jeweiligen Einrichtungen und Krankenhäusern geimpft werden.

Bundesweit zählen zur höchsten Risikogruppe insgesamt 8,6 Millionen Menschen. In den ersten Tagen werden sich bundesweit allerdings nur 200.000 Menschen impfen lassen können, denn in einem ersten Schritt könnten laut Spahn nur rund 400.000 Impfdosen ausgeliefert werden. Der ersten Impfung muss immer wenige Wochen später eine zweite folgen.

Drei Prioritätsgruppen

Sobald die höchste Prioritätengruppe durchgeimpft ist, folgt Gruppe 2 mit "hoher Priorität", im Anschluss die dritte Gruppte mit erhöhter Priorität. Welcher Personenkreis in welcher Prioritäts-Gruppe ist, kann man der farbigen Tabelle entnehmen:

Organisatorische Informationen

Zum Nachweis der Zugehörigkeit zu einer dieser Prioritätengruppen müssen in den Impfzentren oder den mobilen Impfteam folgende Unterlagen und Papiere vorgelegt werden:
 
- Personalausweis oder ein anderer Lichtbildausweis, aus dem der Wohnort oder gewöhnliche Aufenthaltsort hervorgeht. Das gilt nicht für Personen, die in einer Einrichtung gepflegt und betreut werden oder tätig sind
- ärztliche Atteste über die jeweiligen Vorerkrankungen
- bei engen Kontaktpersonen eine Bestätigung der zu pflegenden Person oder der schwangeren Partnerin.

Die Terminvergabe für die Impfungen soll per Telefon oder E-Mail erfolgen, dafür betreibt laut Gesetzentwurf die Kassenärztliche Bundesvereinigung ein standardisiertes Modul, das den Ländern zur Organisation der Terminvergabe zur Verfügung gestellt wird. Es soll eine bundesweit einheitliche Telefonnummer geben, über die Callcenter erreichbar sind. Diese organisieren dann die Terminvergaben.

Wie am meisten Leben gerettet werden können

Seit August arbeitet das Robert-Koch-Institut an einer ausgefeilten Impfstrategie, am Donnerstag hat die Ständige Impfkommission Beschluss für die Empfehlung
der COVID-19-Impfung
veröffentlicht. Vier sogenannte Impfziele wurden definiert:

  • - Verhinderung schwerer COVID-19-Verläufe (Hospitalisierung) und -Todesfälle
  • - Schutz von Personen mit besonders hohem arbeitsbedingtem SARS-CoV-2-Expositionsrisiko (berufliche Indikation)
  • - Verhinderung von Transmission sowie Schutz in Umgebungen mit hohem Anteil vulnerabler Personen und in solchen mit hohem Ausbruchspotenzial
  • - Aufrechterhaltung staatlicher Funktionen und des öffentlichen Lebens
Wichtig ist dabei auch, was kein Ziel der Impfung ist: Das Aufrechterhalten der Wirtschaft oder die Teilnahme von Sportlern an Olympia (wie zuletzt diskutiert) haben keine Priorität.
 
Wer als zuerst das Recht auf eine Impfung hat, ist im Kern eine ethische Frage. Berechnen lässt sich aber, welche Effekte unterschiedliche Imfpstrategien auf das Covid-Infektionsgeschen haben. Die Forscher des RKI haben dafür schematisch drei Ansätze durchgerechnet: die Impfung von Menschen über 80 Jahren, von Menschen über 60 sowie von Erwachsenen, die an Vorekrankungen leiden. Besonders entscheidend für die Berechnung ist dabei das Risiko einen schweren Verlauf zu erleiden oder sogar an Covid zu sterben.

Die meisten Covid-Infektionen innerhalb von drei Monaten könnte man den Berechnungen zufolge verhindern, wenn man Personen mit Vorerkrankung zuerst impfen würde. Das erklärt sich daraus, dass Menschen mit Herzinsuffizienz, Asthma oder Diabetes in vielen Altersgruppen vorkommen, teilweise noch berufstätig sind und somit mehr Kontakte haben. Sie stecken sich häufiger an und stecken andere häufiger an.

Doch der Krankheitsverlauf ist bei diesen Menschen nicht so schwer wie in einer anderen Gruppe: Weit mehr Krankenhausaufenthalte und Corona-Tote können den Berechnungen entsprechen verhindert werden, wenn man über 80-jährigen zuerst das Recht auf Impfung gibt. Auch wenn Vorerkrankung das Risiko eines schweren Verlaufs erhöhen, der Risikofaktor Nummer eins ist das Alter. So haben beispielsweise über 80-jährige ein 17-prozentiges Risiko an den Folgen einer Covid-Infektion zu sterben.

Selbst der Blick auf die geretteten Lebensjahre bestätigt diese Imfpstrategie: Dabei wird an Hand der statistischen Lebenserwartung berechnet, wie viele Lebensjahre ein Verstorbener statistisch gesehen noch vor sich gehabt hätte. Durch die Impfung könnten allein in den nächsten drei Monaten 11.360 Lebensjahre gerettet werden, sagen die RKI-Forscher.

Sendung: Inforadio, 17.12.2020, 9:40 Uhr

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11 Kommentare

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  1. 11.

    Gruppe 2: Schutzimpfung mit erhöhter Priorität
    Personen, die in Asylbewerberunterkünften untergebracht sind.
    Das ist wohl ein Witz? Die werden vor der gesamten deutschen Bevölkerung geimpft.
    Mir fehlen die Worte...

  2. 10.

    Ich persönlich bin Impfskeptikerin, aber logisch gesehen, erscheint mir für medizinisches und pflegerisches Personal die „Flugzeugvariante“. Legen sie zuerst die Maske an, dann helfen sie anderen.
    Priorität: „Wer hilft, wird zuerst geimpft, damit er weiter anderen helfen kann.“Das klappt aber nur, wenn man zu
    100 % sicher ist, dass der Impfstoff keine ungeplanten Nebenwirkungen hat. Ein Aspekt, der zum nachdenken anregt.

  3. 9.

    Menschen mit Demenz oder geistiger Behinderung ist es oft nicht möglich Abstand zu halten und Hygieneregeln einzuhalten. Bei der Arbeit in den Wohneinrichtungen werden zur Zeit FFP 2 Masken getragen. Trotzdem kommt es täglich vor, dass wir direkt angehustet oder angeniest werden. Es besteht ein hohes Risiko der Verbreitung des Virus.

  4. 8.

    Personen mit Demenz oder geistiger Behinderung sind Risikogruppe 2 und Asthmatiker, also Menschen, bei denen Luftwegserkrankungen ohnehin schwerer verlaufen und mit Atemnot einhergehen, sind Risikogruppe 3???? Wer hat sich denn das ausgedacht?

  5. 7.

    Es wird immer von mobilen Impfteams gesprochen die in Pflegeeinrichtungen gehen und dort Impfen!
    Was ist eigentlich mit den vielen Pflegebedürftigen die zu Hause gepflegt werden?

  6. 6.

    BMI>30 mhhh das sind Einige oder? Zähle ich dazu, ist ja nicht schlecht und wäre vermutlich auch das jemals einzige Positive daran...

  7. 5.

    Und wir wissen überhaupt noch nicht ob geimpfte Menschen ansteckend sind wenn sie sich infizieren und keine Symptome haben... Ich denke wir benötigen noch 2-3 Jahre Maske, Abstand etc in der Öffentlichkeit.
    Viel wichtiger ist die Forschung an Medikamenten die man einsetzen kann bei schweren Verläufen. Das ist doch der eigentliche Skandal, die Impfung wird ohne Ende gefördert und für die Forschung an wirksamen Medikamenten müssen sich die Firmen selber zusammenschließen und erhalten gar nichts bis jetzt. Wieso hört man über dieses Ungleichgewicht so gut wie nichts in der Presse?

  8. 4.

    deutschland sollte ja so rund 16 millonen dosen erhalten dann waren es nur noch 8 und in der letzten woche waren es nach offizellen angaben nur noch 2 millonen das verstehe ich nich wo ist das ganze zeug geblieben ?
    aber egal wichtig ist das es den impfstoff gibt und das er hoffentlich hilft.
    ich werde mich impfen lassen den damit schütze ich nicht nur mich sondern auch meine famillie und freunde .
    ich weis das daß zeug auch nebenwikungen hat so wie alle impfungen und medikamente.
    ich wüste nur gehne wo und wann ich mir den stich holen kann.

  9. 3.

    So ist das mit Theorie und Praxis. Theoretisch könnte ab 27.12. geimpft werden, praktisch reichen die Impfdosen nicht. Woran liegt das, hat Biontec den Mund zu voll genommen?

  10. 2.

    Zum letzten Absatz...
    Das wird die ca vier Millionen 80- und drüberjährigen aber freuen....

  11. 1.

    Ich arbeite ehrenamtlich im medizinischen Bereich für obdachlose Menschen wie sieht es da aus

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