Symboldbild: Auf einem Smartphone zeigt die geöffnete Corona-Warn-App nach drei Risiko-Begnungen ein erhöhtes Risiko an. (Quelle: dpa/J. Kalaene)
Bild: dpa/J. Kalaene

Risikobegegnungen - Wenn die Corona-Warn-App grundlos warnt

Nutzer der Corona-App berichten von offenbar falschen Warnhinweisen, die sie erhalten haben - etwa auf ein altes Handy, das nur im Haus herumliegt. Tatsächlich gibt es bei der Bluetooth-Technologie Fehlerquellen.

"Okay, jetzt wird es mysteriös", berichtet der Nutzer "Cyberschlumpf" auf Twitter: Sein altes Zweithandy, das nur im Wohnzimmer herumliege, habe ihm über die Corona-Warn-App eine Warnmeldung geschickt - dabei sei niemand mit einem positiven Test in seinem Wohnzimmer gewesen. Auch andere Nutzer der App berichten von offensichtlich falschen Meldungen, die sie erhalten haben: So seien rote Warnungen mit dem Datum einer erhöhten Risikobewertung verschickt worden, wobei die Nutzer beteuern, an diesem Tag das Haus gar nicht verlassen zu haben.

Entwickler: Genauigkeit liegt bei 80 Prozent

Im Netz wird spekuliert über dünne Wände zum Wohnungsnachbarn, die das Bluetooth-Signal der App durchdringen kann, oder über Menschen, die sich vielleicht längere Zeit in einem Hauseingang aufhalten und ihr Signal in die Wohnungen verbreiten.

Nach Angaben der Entwickler habe die App eine Genauigkeit von 80 Prozent, sagt Robin Houben, Sprecher des Corona-Warn-App-Teams. Und ja, es sei möglich, dass das Bluetooth-Signal Wände durchdringe - und ein Kontakt in die Berechnungen einfließe, auch wenn sich die Nutzer der App nicht persönlich trafen. Über weitere denkbare Konstellationen - etwa Zugreisende, die nur wenige Meter entfernt, aber in verschiedenen Abteilen sitzen und dabei Daten austauschen - wollte Houben nicht spekulieren. Grundsätzlich könne man Irrtümer der Nutzer bei vermeintlich falschen Warnungen aber ebensowenig ausschließen wie einen Messfehler der App, der zu der falschen Risikoberechnung führte.

Die Corona-Warn-App arbeitet bei der Risikoermittlung mit mehreren Parametern, entscheidend ist dabei vor allem die Dauer eines Kontakts zu einer später Corona-positiv getesteten Person sowie die Entfernung zu dieser. Dabei gelten Begegnungen von unter zehn Minuten generell als unbedenklich, ebenso solche, in der beide Personen mindestens acht Meter voneinander entfernt waren. In die Berechnung des Risikos kann außerdem einfließen, wieviele Tage seit der Begegnung vergangen sind, um Rückschlüsse auf die Infektiosität zu ziehen.

Plötzlich ist alles rot

Für Verwirrung bei vielen Nutzern der App sorgte auch die Tatsache, dass nach einer roten Warnung in der App sämtliche Risiko-Begegnungen rot eingefärbt werden - also auch jene, die zuvor grün waren. Dadurch kann der Eindruck entstehen, man habe ausschließlich Hochrisiko-Begegnungen gehabt. Das jedoch soll sich beim nächsten Update ändern, hat das RKI angekündigt - und zwar noch vor Weihnachten.

Was Sie jetzt wissen müssen

15 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 15.

    Tolle Idee, dünnes Konzept, miserable Umsetzung. Das kommt davon, wenn man zu wenig Programmier und die nur halbherzig ausbildet.

  2. 14.

    Die App hat versagt, viel zu wenig Nutzer und somit ohne Sinn. Zudem die ganze Panik bei Falschmeldungen...

  3. 13.

    Lächerlich, dieser Kommentar. Fachleute verlassen Deutschland? Und Sie sind noch hier, ich bin entäuscht.

  4. 12.

    Habe die App von Anfang an drauf, klicke sie jeden Tag an und sie aktualisiert. Hatte bisher nur zwei grüne Meldung mit „gefahrlosem“ Kontakt, sprich: zu kurz oder zu weit entfernt, aber mit der Bitte, mich zu beobachten und bei Symptomen einen Arzt zu kontaktieren.
    Die App macht natürlich nur Sinn, wenn das Handy unterwegs ist und nicht nur zuhause rum liegt, es sei denn, man feiert täglich Partys zuhause. ;-)

  5. 11.

    Die App ist kein Ersatz für den gesunden Menschenverstand und kompensiert auch nicht fehlendes Nachdenken.
    Wenn das Wohnzimmerhandy anschlägt, heisst es doch zumindest, dass ein Nachbar positiv getestet wurde. Das ist doch auch schonmal eine Aussage, die man über das eigene Hintergrundwissen bewerten kann.
    Bluetooth unsicher würde ich hier auch nicht gelten lassen, es werden ja absichtlich öffentlich zeitbeschränkte Nummern gesendet, damit andere App Instanzen sie für den späteren Infektionsdatenabgleich speichern können. Das ist ein total anderes Konzept, als wenn man Bluetooth als Zahlungsmittel verwendet, beim dem Geheimnisse ausgetauscht werden.
    Und wer bitte hätte sich denn die App installiert, wenn der Nutzer dabei zu etwas gezwungen worden wäre?
    Die App braucht die Exposure Notification Schnittstellen von Google bzw. Apple. Falls Handys diese nicht unterstützen, ist keine Abstandmessung möglich. Allrad kann man beim Auto auch nicht per App nachrüsten.

  6. 10.



    wenn das alles nicht so traurig wäre:

    die Absurditäten der "Corona-Maßnahmen haben ein Riesen Komik-Potential

    .

  7. 8.

    Wars denn nicht auch so, dass die App auf älteren Handys generell gar nicht läuft? (Oder wurde das nachgebessert?)

  8. 7.

    *lach* aber genau diese Idee hatte ich auch! Mein Bett-Handy (Nachrichten lesen, Wetter) wollte ich damit bestücken. Ich glaube, das mach ich wirklich mal!

  9. 6.

    Diese App habe ich nach 10 Minuten wieder gelöscht. Bluetooth-Technologie ist grundsätzlich ungeeignet, da unsicher. Sicherheitsbehörden standen vor 10 Jahren vor der Aufgabe, dass bargeldlose Erheben von Bußgeldern zu ermöglichen. Es gab massive Bedenken von Datenschutzbeauftragten gegen die Nutzung von Bluetooth-Zahlgeräten. Interne Netze werden so abgeschottet, dass nicht mal ein normaler USB-Stick eingesteckt werden darf und dann wollte man eine offene und ungeschützte Funkverbindung in diese Netze integrieren.
    Bei dieser App störte mich außerdem, dass es dem Nutzer obliegt ob sein Handy warnt oder nicht. Das ist die falsche Herangehensweise.

  10. 5.

    Die App misst ja nicht via Kamera sondern anhand der Bluetooth Signalstärke wie weit beide Handys von einander entfernt waren..... alles was das Signal stört, führt zu fehlmessungen .... andersrum erkennt das Handy auch nicht wenn eine pleite Scheibe dazwischen ist .... nettes Spielzeug ....zeigt aber die Grenzen der Technik.

  11. 4.

    Ein altes Handy, das nur zuhause rumliegt, hat die Corono-App drauf, sorry, wenn ich diesen Tweet anzweifel.

  12. 3.

    1. Fehler: Dabei gelten Begegnungen von unter zehn Minuten generell als unbedenklich. Jo, neben mir steht eine Minute nen Typ, der hustet und rotzt. Dann schnoddert er von dannen. 6 Tage später hab ichs auch. Alles grün auf der App - 10 Minuten waren nicht um. So klappt das nicht! Bei KEINER Atemwegsinfektion. Jeden Winter eiern diese Infekte durchs Office, weil einer kurz mal rumkam und guten Tag sagte.... boah...
    Auch das mehrfache Aktualsieren klappt bisweilen nicht. Und auf Anforderung aktualisiert der schon mal gar nix.

  13. 2.

    Lächerlich diese App. Woher sollen denn auch gute Entwicklungen in DE kommen, wenn allein 2019 DE 270.000 Menschen den Rücken gekehrt haben, 2/3 davon mit hohen Qualifikationen und Abschlüssen. In den Jahren zuvor waren es ähnlich viele. Die arbeiten jetzt in den USA, Schweiz, China......

  14. 1.

    Ich hatte diese App 4 Wochen auf meinem
    I Phone X und bin sehr enttäuscht. Laufend kamen Fehlermeldungen oder Meldungen, dass eine Auswertung nicht möglich ist. Also habe ich sie wieder deinstalliert und das wird auch so bleiben.
    Wahrscheinlich wurde hier mehr in Datenschutz investiert als in Funktionalität. Ist halt in Deutschland so. Schade, wäre sicher eine Entlastung für die Gesundheitsämter gewesen.

Das könnte Sie auch interessieren