Symbolbild: Eine Frau steht an der Rezeption eines Hotels (Quelle: imago images/Hans Lucas)
Audio: Radioeins | 02.12.2020 | Interview mit Thomas Lengfelder | Bild: imago images/Hans Lucas

Interview | Berliner Hotels als Corona-Quarantäne - "Viele Fragen sind bisher unbeantwortet"

Berlin will Hotelzimmer für Corona-Quarantäne anmieten. Der Hotel- und Gaststättenverband hat gegen die Idee nichts einzuwenden. Viele Dinge sind aber ungeklärt, so der Dehoga-Chef - auch beim Thema, Familienangehörige über Weihnachten in Hotels einzuquartieren.

rbb: Herr Lengfelder, leerstehende Hotelzimmer sollen als Quarantäne-Zufluchtsort angemietet werden. Was halten Sie davon?

Thomas Lengfelder: Unsere Branche steht grundsätzlich bereit. Wir haben tolle Konzepte. Letztendlich kann man bei uns immer sicher übernachten. Es sind natürlich diverse Fragen zu klären. Im Grunde genommen sind es ja Leute, die das Risiko haben, infiziert zu sein. Das heißt, man muss auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schützen.

Da stellen sich natürlich diverse Fragen: Wer checkt die Quarantäne-Gäste ein? Wie werden sie betreut? Wie werden sie versorgt? Gibt es Sicherheitsdienste vor Ort, die kontrollieren, dass die Gäste auch die Anweisungen einhalten, die ihre Zimmer nicht verlassen dürfen? Wie werden diese Zimmer anschließend gereinigt? Das sind viele, viele Fragen, die bisher unbeantwortet sind.

Diesen Fragenkatalog haben Sie bereits an die Senatsverwaltung geschickt, auch beispielsweise, ob die Hotelmitarbeiter Schutzanzüge tragen müssen bei der Arbeit. Sie haben noch keine Antwort erhalten. Enttäuscht Sie das?

Ja, im Grunde genommen hätten wir uns natürlich gewünscht, dass wir im Vorfeld kontaktiert worden wären. Dann hätte man gemeinsam ein schönes Konzept erarbeiten können. Das hätte die ganze Sache ein bisschen einfacher gemacht.

Jetzt gibt es kein Konzept, aber grundsätzlich ist es doch gut, wenn die Hotelzimmer genutzt werden. Was verärgert Sie dabei?

Uns verärgert gar nichts. Nur letztendlich müssen diese Fragen beantwortet werden. Müssen beispielsweise komplette Hotels angemietet werden? Oder hat man beispielsweise im zweiten Stock normale Gäste - in Anführungsstrichen natürlich - und im dritten Stock Quarantäne-Gäste? Diese ganzen Fragen sind unbeantwortet.

Über Weihnachten dürfen sich in Berlin Verwandte, die zu Familienbesuchen anreisen, in Hotels einbuchen. Kanzlerin Angela Merkel hat dafür überhaupt kein Verständnis, vor allem weil Berlin Corona-Hotspot ist. Auch ist es nicht kontrollierbar, ob die Hotelgäste ihre Familie besuchen. Was halten Sie von diesen Plänen über die Feiertage?

Grundsätzlich ist das kein Problem. Die Häuser sind leider sehr, sehr leer. Die Belegung ist weit unter zehn Prozent, weil die Hygienekonzepte schon vor dem Lockdown erarbeitet worden sind. Letztendlich sind wir nicht in der Lage zu kontrollieren, ob es sich wirklich um Verwandte handelt. Da müssen wir das Konzept letztendlich vom Senat zur Verfügung gestellt bekommen.

Also, das heißt, die praktische Umsetzung ist auch hier noch überhaupt nicht besprochen?

Nein. Die Umsetzung erschließt sich mir auch nicht, denn wir dürfen die Gäste nicht fragen, wen sie besuchen, die Schwester oder die Oma. Wie sollen wir das kontrollieren? Das ist für uns gar nicht möglich.

Derzeit haben Sie ja beispielsweise Gäste, die für Dienstreisen nach Berlin kommen. Werden die in irgendeiner Weise von irgendjemandem kontrolliert, ob das wirklich stimmt, ob das Dienstreisen sind?

In diesem Fall ist es sehr einfach, weil die Reservierungen erfolgen meistens über einen Firmenaccount. Die Rechnungen werden an eine Firma gestellt. Ob das tatsächlich stimmt, können wir auch nicht kontrollieren. Aber Plausibilitätsprüfungen sind ganz einfach.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Thomas Lengfelder führten Kerstin Hermes und Julia Menger, Radioeins.

Der Test ist eine redaktionell bearbeitete Fassung. Das Gespräch können Sie auch oben im Audio-Player nachhören.

Sendung: Radioeins, 02.12.2020, 09:10 Uhr

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