Auf einer Covid-Station wird ein Patient von Ärzten und Schwestern mit angeschlossenen Geräten durch einen Flur gefahren. (Bild: dpa/Waltraud Grubitzsch)
Bild: dpa/Waltraud Grubitzsch

Interview | Intensivregister-Leiter Karagiannidis - Warum Berlin bei der Intensivbetten-Koordination Vorbildstadt ist

In Berlin sind besonders viele Intensivbetten derzeit mit Covid-19-Patienten belegt, einige Krankenhäuser sind sogar komplett ausgelastet. Trotzdem ist der Leiter des Intensivbettenregisters Divi mit der Situation zufrieden. Und lobt Berlin explizit.

rbb: Herr Karagiannidis, die zweite Corona-Ampel, die der Intensivbetten, steht jetzt in Berlin nach ein wenig hin und her auf Rot. Das heißt der 25-Prozent-Warnwert ist da überschritten. Auch deutschlandweit liegen etwa 3.900 Corona-Patienten auf Intensivstationen. Wie kritisch ist diese Situation?

Christian Karagiannidis: Wir sehen jeden Tag in unserem Divi-Intensivregister, dass wir in Deutschland immer noch ausreichend Kapazitäten haben, um die Patienten intensivmedizinisch zu versorgen. Es ist aber bei weitem nicht mehr so entspannt wie in den Sommermonaten und auch in der ersten Welle. Die Intensivbetten werden also nicht nur in Berlin knapp. Auch in Köln liegt die Kapazität noch bei etwa zehn Prozent freien Betten. Für ganz Deutschland steht die Ampel insgesamt auf Gelb.

In Berlin ist die Situation besonders angespannt. Mehr als 25 Prozent der Intensivbetten der Stadt sind jetzt mit Covid-19-Patienten belegt. Aber auch viele andere Patienten sind auf Intensivbetten angewiesen. In einigen Kliniken sind die Intensivstationen tatsächlich schon komplett ausgelastet. Wie besorgniserregend ist diese Situation in Berlin?

Unser Register zeigt, dass in Berlin immer noch freie Intensivbetten zur Verfügung stehen. Das ist eine ganz wichtige und sehr gute Nachricht für die Bevölkerung. Und in Berlin gibt es eine Besonderheit, die so nur Berlin als einziges Bundesland hat: Es gibt hier eine extrem gute Koordination innerhalb der Stadt. Das heißt, wenn in einem Krankenhaus keine Kapazitäten mehr sind, dann ist gut koordiniert, dass die Patienten in andere Krankenhäuser gehen. Berlin ist in meinen Augen die Vorbildstadt für Deutschland. Da müssten andere Bundesländer eigentlich nachziehen und die Koordination und Verschiebung von Patienten zwischen verschiedenen Krankenhaus-Standorten genauso durchführen.

Jetzt sinken die Infektionszahlen noch nicht wirklich deutlich - aber sie haben sich immerhin stabilisiert. Sind Sie mit dem Wellenbrecher-Shutdown zufrieden?

Aus intensivmedizinischer Sicht können wir schon zufrieden sein. Wir haben zwar ein relativ hohes Niveau mit den 20 bis 25 Prozent Belegung der Intensivbetten in einigen Hotspots, aber wir haben auch keine wesentliche Steigerung mehr. Deswegen hat dieser Lockdown Light aus unserer Sicht schon eine sehr gute Wirkung. Es pendelt sich zwar auf diesem relativ hohen Niveau ein – aber offensichtlich kommen die Krankenhäuser in Deutschland – auch wenn es knarzt – damit insgesamt zurecht. Ich glaube also, dass das insgesamt gut funktioniert hat. Aber es wäre natürlich wünschenswert wenn wir noch weniger Infektionen hätten.

Einen richtigen Durchbruch dürfte es dann erst mit dem Impfstoff geben. Was halten Sie von den bisher bekannten Impfstoffen?

Die Daten sind insgesamt exzellent. Sie zeigen, dass die Immunantwort, die auf den Impfstoff gebildet wird, sehr gut ist. Was uns vor allen Dingen sehr positiv stimmt, ist der hohe prozentuale Anteil derjenigen, die auch wirklich einen Schutz haben. Das ist mit zum Teil 95 Prozent sehr gut. Sodass wir alle hoffen, dass wir nächstes Jahr irgendwann in der zweiten Jahreshälfte mit dieser Welle wirklich durch sind. Und dass die Impfung einen so guten Schutz bietet, dass diese Erkrankung nur noch vereinzelt auf der Intensivstation vorkommt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führten Julia Menger und Kerstin Hermes, Radioeins

Sendung: Radioeins, 01.12.2020, 07:40 Uhr

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13 Kommentare

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  1. 13.

    Schon interessant,wie hier mal eben unterstellt wird,dass nur der shutdown für das Abflachen der Zahlen verantwortlich sein soll,obwohl das aus den Zahlen überhaupt nicht hervorgeht.

  2. 11.

    Natürlich hat das was mit dem Impfen zu tun, denn die "alten Menschen" die ja zu erst geimpft werden sollen, würden dann nicht mehr (so stark) krank und kämmen nicht in die Krankenhäuser und in die Intensivbetten.
    Natürlich hat das was mit dem Impfen zu tun, denn das Pflegepersonal welches zu erst geimpft werden soll, würde nicht mehr (so stark) krank und die Personalengpässe in den Krankenkäusern und in die _Intensivbetten.
    Auch wenn in den ersten 2 Monaten nur 2 Mio. Menschen aus den benanten Gruppen geimpft würden würde das zu spüren sein.

  3. 10.

    Mal ne doofe Frage:
    Im Fernsehen läuft in Dauerschleife, dass die Intensivbetten immer voller werden und die Maßnahmen nicht reichen.
    Hier liest man erfreulicherweise, dass es keine wesentliche Steigerung mehr gibt.
    Also wenn ich nicht ganz blöd bin, ist dies doch eine gute Nachricht.
    Was stimmt denn jetzt?
    Ich will nicht in so ein Intensivbett.
    Ich reduziere lieber meine Kontakte.

  4. 9.

    Der Zusammenhang mit der Impfung eschließt sich mir nicht. Bis das eine wirklich durchschlagende Wirkung hätte (da dies ja auch eine bestimmte Größenordnung benötigt) tritt der natürliche Effekt der jahreszeitlichen Wirkung im Frühjahr und Sommer ein mit stark abnehmenden Zahlen. Bis dahin werden die Zahlen garantiert nicht großartig durch Impfungen beeinflußt.

  5. 8.

    Ich denke schon. Könnten Sie es im Moment mit ihrem Gewissen vereinbaren, Ihre Eltern in einem "Pflege"heim unterzubringen ?
    Mitunter würden diese dann schon nicht mehr leben.
    Abgesehen davon kann man zur Zeit nicht mal Pflegebedürftige neu im Pflegeheim unterbringen ... Aufnahmestop wegen Corona trotz freier Betten/Zimmer ....

  6. 7.

    "Für den Notruf ist das Handy immer nutzbar."
    Das ist ja nun kein reines brandenburger Problem, aber ...
    Ohne Netz taugt das Ding höchstens als Beißholz. Ähnlich verhält es sich mit der Telefonzellendichte pro Hektar. Die ist annähernd groß wie G5 an der Milchkanne.
    Eine Brieftaube oder Wolldecke wäre schon besser als nix.

  7. 5.

    Ich werde folgenden Gedanken nicht los: Wer muss denn, um seine in Pflege befindlichen Eltern besuchen zu können, in ein Hotel ziehen ??? Ich habe meine damals pflegebedürftigen Eltern jeweils in Heimen unterbringen lassen, die ich möglichst komfortabel aufsuchen konnte - und eben nicht möglichst weit weg ... Denke ich da "zu kurz"?

  8. 4.

    Ich weiß ja nicht, ob Sie sich noch daran erinnern können, es gab da früher mal so Dinger mit ner Wählscheibe und so ein komisches Ding, was man in die Hand nehmen und reinsprechen konnte. Zugegeben, sie sind heutzutage moderner, aber neben dem Handy auch nutzbar, auch in den weiten Brandenburgs.
    Für den Notruf ist das Handy immer nutzbar.

  9. 3.

    Schön, dass andere Bundesländer nachziehen sollen. Wenn der Lausitzer aber einen schweren Verkehrsunfall hat und in der Uckermark ist gerade ein Bett für ihn frei, hilft das wenig. Andere Bundesländer habe andere Probleme.... in den Weiten Brandenburgs ist man sozusagen verloren. Und das bezieht sich nicht nur auf den fehlenden Handyempfang, um überhaupt einen RTW in die Lausitz zu holen... dafür muss man bisweilen den nächsten Hügel erklimmen...

  10. 2.

    Ist ja klar, in Berlin darf nichts aber auch garnichts richtig gemacht werden. Notfalls werden Erfolge gleich wieder mit einem dicken Hammer klein gehämmert. Wär ja auch noch schöner! Hauptsache Berlin kommt nicht gut weg. Ich frage mich manchmal, wieso hier so viele Masochisten leben.

  11. 1.

    Hier lobt ma sich selbst. Es ist aber umgekehrt: Berlin hat sich an den Anderen orientiert und abgeschaut. Da hat sich wohl einer gefragt, wie machen die das blos, dass es keine Überbelegung im Land gibt?

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