Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin
Bild: dpa/Christophe Gateau

Verlauf der Pandemie - Drosten rechnet erst in zweiter Jahreshälfte mit Entspannung

Der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten, erwartet in der Corona-Krise für 2021 herausfordernde erste sechs Monate. "Ich schaue schon optimistisch auf das neue Jahr, aber ich glaube, dass die erste Jahreshälfte sehr kompliziert werden wird, sagte Drosten der "Berliner Morgenpost" [ext. Inhalt]. Er gehe davon aus, "dass ab der zweiten Jahreshälfte eine Entspannung eintreten könnte, aber nur, wenn man es schafft, ganz viele Personen in den ersten sechs Monaten zu impfen".

Verteidigung der Impfstoff-Beschaffung

Zur Kritik am Vorgehen bei der Impfstoffbeschaffung sagte Drosten, es sei "jetzt praktisch unmöglich, das im Nachhinein zu bewerten". Die EU habe den Impfstoff mit Monaten Vorlauf bestellen müssen und zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gewusst, "ob der betreffende Impfstoff auch funktionieren würde". Der Wissenschaftler verwies darauf, dass nach dem Biontech-Impfstoff nun in Großbritannien der AstraZeneca-Impfstoff bereits zugelassen sei. "Da sollte man in der EU ganz schnell hinterherkommen, denn dieser Impfstoff kann auch in normalen Arztpraxen geimpft werden. Bei diesem Impfstoff hat man nicht die besondere Kühlpflicht."

Mit Blick auf die Diskussion über eine Verlängerung des Lockdowns in Deutschland sage der Virologe, angesichts einer geringeren Zahl an Test über die Feiertage lägen derzeit keine belastbaren Daten vor. der Anteil der positiven Tests zeige jedoch, "dass die Zahlen derzeit nicht nach unten gehen. Das ist nicht gut". Erst Mitte Januar könne gesagt, werden, ob der Lockdown bis in den Februar hinein verlängert werden müsse.

Auch Woidke weist Kritik an Impfstoffkauf zurück

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hat vor wohlfeiler Kritik an der Impfstoff-Bestellung von EU und Bundesregierung gewarnt. "Besserwisserei hilft uns heute gar nichts. Wer aus der Vergangenheit schlaue Ratschläge gibt, macht es sich zu einfach", sagte der Sozialdemokrat dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Wichtig seien nun Plausibilität und Verlässlichkeit. "Da ist insbesondere Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gefordert. Alles andere schafft Verunsicherung. Und das braucht niemand."

Unter anderem in der SPD, aber auch bei Linken und FDP war Kritik geäußert worden, dass die EU und die Bundesregierung auf die falschen Impfstoffe gesetzt und zu wenig bestellt hätten und dass bei den Impfungen Chaos herrsche. Spahn hatte sich verteidigt mit dem Hinweis, dass es zu Impfbeginn zwar wenig Impfstoff gebe, er die Liefermengen aber genau so angekündigt habe, wie sie nun auch kämen.

Sendung: Inforadio, 03.01.2021, 9:00 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

15 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 15.

    "Man kann nicht alles dem Steuerzahler auferlegen." Na, ja so ist das
    Wenn der Staat haftet, "haftet" der Bürger, denn der zahlt die Steuern, mit denen dann allfällige Haftung bezahlt wird. Für Impfschäden haftet stets der Steuerzahler. Alle Hersteller haben sich abgesichert, sind aus der Haftung raus! da gibt es keine Kohle! Biontec hat sich von der Haftung befreien lassen!




  2. 14.

    Der Virologe (!) Drosten trifft keine einzige politische Entscheidung, kein Lockdown, keine sonstige Entscheidungen. Entscheidungen werden von Politikern(!)gefällt. Kritik gebührt daher den Politikern aber nicht Wissenschaftlern wie ihm. Auch die Behauptung dass er die Politik tendenziös berät trifft m.E. nicht zu. Er hat durchaus Fehler in seinen Aussagen zur Ausbreitung des Virus gemacht, aber da wäre es an Politkern sich mit Expertenmeinungen verstehend auseinanderzusetzen: Mit der Ausbreitung v Erregern sind hauptsächl. Epidemiologen(!) befasst, und die wurden fast nie von d. Politik gehört. Der Fehler liegt m.E. also in der unüberlegten Auswahl von Experten durch die Politik oder besser formuliert in der mangelnden Urteilskraft der Politik Expertenmeinungen einzuordnen und einzuschätzen. Drosten ist ein ausgezeichneter Virologen - auf dem Gebiet der Coronaviren der Experte in Europa. Weltweit gibt es Coronaexperten seines Kalibers nur noch in Nordamerika und China bzw. Hongkong.

  3. 13.

    Das Virus verschwindet NICHT durch die Impfungen, die nur den Geimpften eine Zeitlang vor Covid-19 schützt. Solange es kein Vernichtungsmittel gegen das Virus gibt, bleiben sämtliche Maßnahmen. Man sollte jetzt auch die Grenzen eine Zeitlang schließen, um dem weiterhin vermehrten Anstieg endlich mal was Wirksames entgegenzusetzen und auch nicht lange mit Ausgangssperren fackeln. Jörg aus Berlin

  4. 12.

    Die Stiko empfiehlt die Corona Impfung.... Dutzende kommen nun die werbe Videos des Bundes. Ich denke mal da wird man nicht wirklich sagen können .... das war aber nicht als Empfehlung gedacht.
    Und die Hersteller Haftung..... bei welchem großen Schaden hat die denn schon mal so geklappt, das jeder entschädigt wurde ?

  5. 11.

    Wurde die Impfung denn bisher von einer Landesbehörde empfohlen, wie es das IfSG für eine Entschädigung verlangt?
    Soweit ich mitbekommen habe, wurde ein Aufklärungsbogen verschickt, den man unterzeichnen sollte, der vor der unklaren Studienlage und möglichen seltenen lebensbedrohlichen sowie unbekannten Nebenwirkungen warnt. Die Dauer des Schutzes sei unbekannt. Dabei wird Bezug auf die FDA genommen, eine amerikanische Behörde und dass der Impfstoff dort nicht zugelassen sei. Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion solle man "9-1-1" anrufen.

    Ich finde den Vorschlag von Ellen sinnvoll, es handelt sich um Produkthaftung und die sollte gerade in der Medizin besonders hart und nicht besonders lasch greifen oder auf die Steuerzahler abgewälzt werden.

  6. 10.

    Stimmt, der Überbringer der schlechten Nachricht wird bestraft. Er spricht als Virologe nur Tatsachen aus. Meine Güte, die Pandemie hätte auch ohne einen Herrn Drosten ihren Lauf genommen. Bleiben Sie cool und verfallen Sie nicht in Panik.

  7. 9.

    Dass es Anlaufschwierigkeiten geben würde war doch zu erwarten. Als wichtiger betrachte ich, dass die Logistik steht, wenn die Massenimpfungen beginnen sollen. Wenn man bis zum Sommer 60 Millionen Menschen durchimpfen will, sind dass mal ganz simpel 500.000 pro Tag. Bin mal gespannt!

  8. 8.

    In Deutschland zahlt bei impfschäden der Staat (wenn er die Impfung empfohlen hat)... dies kann in andern Ländern anders geregelt sein.

  9. 7.

    Ohja..Ich bin überrascht und auch erfreut das Ihr Kommentar durch kam. Es war doch von Anfang November, mit dem Start vom Lockdown light schon klar, dass es bis mindesten Februar oder sogar März dauern wird. Haben doch auch die Regierigen immer angedeutet. Jetzt wird wieder auf heimlichtuerei gemacht und alle sind überrascht. Das ganze Ding endet erst wenn mehr als 2/3 geimpft sind und der Rest vom Alltag ausgeschlossen wurde, um die Geimpften zu schützen.

  10. 6.

    Europa besteht nicht nur aus der EU und die Welt besteht nicht nur aus Europa. Auch andere Länder und Kontinente wollen mit gutem Recht mit Impfstoff beliefert werden. Und das Leben der Menschen dort ist nicht weniger Wert als das Leben der EU-Bürger oder insbesondere der Deutschen. Nein, aber wir brauchen uns nicht beschweren, wenn der Rest der Welt auch Impfstoff kauft. Biontech-Boss kritisiert Impftrödelei der EU: "Der Prozess in Europa lief sicherlich nicht so schnell und geradlinig ab wie mit anderen Ländern". Den Rest kann man sich selbst denken:)
    Die Impfstoffentwickler werden als Gewinner aus der Coronakrise hervorgehen und sich an Ihren Impfstoffen zu Recht eine goldene Nase verdienen. Andererseits sollten Sie im Gegenzug aus einem Teil ihrer Profite Fonds auflegen, aus denen Impfgeschädigte entschädigt werden.
    Man kann nicht alles dem Steuerzahler auferlegen. Die Wirtschaftshilfen und künftigen Unternehmenspleiten werden für uns teuer genug!

  11. 5.

    Hey Olli101, seh ich auch so!
    Warum immer die gleichen Gesichter, die Panik verbreiten möchten!?
    Halte überhaupt nichts von dem Typen!

    Schön Tag noch...

  12. 4.

    Das dieser schamlose Lobbyvertreter überhaupt so ein gehör in der Öffentlichkeit findet spiegelt sehr gut die aktuelle Situation der Wirtschaft- und Politikverpflechtung wieder.
    Sollten Spezialisten nicht Politiker beraten, die dann darauf Entscheidungen treffen?!
    Hier wird mal wieder der Bock zum Gärtner gemacht.
    Entweder wegen unfähiger Politiker oder viel zu ambitionierter Spezialisten. Beides birgt großen Schaden für unser Land.

  13. 3.

    Herr Drosten hat Recht mit seiner Aussage über Lock Down. Die Aussage mit dem Impfstoff kann ich nicht nachvollziehen es war doch abzusehen daß bedeutend mehr Impfstoff gebraucht wird. Da frage ich mich wieso Medien Wirksam begonnen wurde zu impfen und jetzt auffällt daß zu wenig Impfstoff geordert wurde.

  14. 2.

    Naja das kommt drauf an wie man Entspannung definiert. Wenn man nur schaut wieviele Infizierte gibt es, dann hat er recht. Wenn es einem aber egal ist ob sich 12jährige infizieren, die davon nicht einmal etwas merken, und man schnell alle Bewohner von Altenheimen impft und allen anderen die Möglichkeit gibt sich selbst zu schützen..... dann hat man schnell eine Entspannung.
    Aber bestimmt wird man einen Grund finden warum man alles beim inzwischen gewohnten belässt und wen man dann schützen muss und wem man dann gegenüber solidarisch sein muss.

  15. 1.

    Unser Christian,ich fing schon an ihn zu vermissen,endlich darf er wieder Angst verbreiten und das ist gut so!

Das könnte Sie auch interessieren

leere Ränge im Hinspiel Hoffenheim gegen Hertha BSC (Quelle: Wagner/Witters/Pool/Witters)
Witters GmbH

Hertha BSC gegen Hoffenheim - Krisenduell der Enttäuschenden

Hertha BSC schließt eine wieder einmal enttäuschende Hinrunde ab. Gegen Hoffenheim (Dienstag, 20:30 Uhr) plagen die Berliner Verletzungssorgen - und sie treffen auf einen alten Bekannten, der um seinen Job kämpft. Von Jakob Rüger