Die Nonne Mechthilde sitzt im Kloster St. Gabriel im Besucherraum hinter einem Gitter. Nach strengsten Ordensregeln und mit einem minuziös geplanten Alltag leben 16 Nonnen abgeschottet in Berlin-Charlottenburg in einem Anbetungskloster; © dpa/Daniel Bockwoldt
Audio: rbbKultur | 21.05.2020 | Carmen Gräf | Bild: dpa/Daniel Bockwoldt

#Wiegehtesuns? | Die Oberin - "Wir beten für die Kranken, und dass die Pandemie aufhört"

Oberin Maria Mechtildis lebt im katholischen Anbetungskloster St. Gabriel in Berlin. Die 14 Nonnen sind fast komplett abgeschirmt von der Welt. Das Kloster dürfen sie nur für Arzbesuche oder dringende Behördengänge verlassen. Protokoll einer freiwilligen radikalen Abgeschiedenheit.  

Maria Mechtildis, 83, ist Schwester Oberin des Steyler Anbetungsklosters St. Gabriel in Berlin. Sie trägt das rosafarbene Gewand ihres Ordens und darüber eine weiße Tunika sowie einen weißen Schleier. Im Besucherzimmer sitzt sie hinter einem Gitter - so schreiben es die Ordensregeln vor. So geht es Maria Mechtildis:

Corona betrifft uns alle –  nicht nur in Berlin und Brandenburg. In kürzester Zeit hat das Virus unser Leben auf den Kopf gestellt. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir gerade?  

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Mit 22 Jahren habe ich mich für den Orden entschieden. Steyler Anbetungsschwester oder Dienerin des Heiligen Geistes von der Ewigen Anbetung zu sein, heißt: ein Leben nur dem Gebet und der Fürbitte geweiht – im Dienste aller Menschen.

Wir beten rund um die Uhr das Allerheiligste an, eine geweihte Hostie. Mal in der Gruppe, mal nur zu zweit. Mittags haben wir eine Stunde Freizeit, die jede für sich nutzen kann, wie sie möchte. Davon gehen derzeit jedoch zehn Minuten weg für den Barmherzigkeits-Rosenkranz.

Wir beten für alle Kranken, und dass die Pandemie aufhört.

Derzeit rufen uns mehr Menschen an als sonst. Sie sind besorgt um ihre Gesundheit und um ihre Zukunft, weil sie ihre Arbeit verloren haben oder nur in Teilzeit arbeiten. Ein Herr, der uns mit Mineralwasser beliefert, erzählte: "Meine Frau arbeitet eigentlich im Kindergarten, nun ist sie seit zwei Monaten arbeitslos."

Viele machen sich auch um uns Sorgen, fragen, ob sie für uns einkaufen können, bringen uns Apfelsinen mit oder anderes Obst vom Markt. Wir sind mit Grundnahrungsmitteln gut versorgt. Wir sind sehr dankbar dafür, dass die Menschen uns nicht vergessen.

Untertags kommen viele in die Kirche, um still zu beten. Und seit gut einer Woche kommen die Menschen auch wieder zur Heiligen Messe. Unsere Verwandten besuchen uns sehr gerne ein- bis zweimal im Jahr. Nun musste das abgesagt werden. Doch inzwischen empfangen wir auch wieder Menschen im Besucherzimmer: im Sicherheitsabstand von anderthalb Metern.

Wir tragen keine Masken im Kloster, weil wir ja keine Außenkontakte haben. Neulich musste mal eine Schwester hinaus, um ein Foto für ihren Personalausweis zu machen. Da hat sie natürlich zunächst im Geschäft eine Maske aufgesetzt. Obwohl einige Schwestern schon hoch betagt sind, ist an Corona niemand erkrankt.

Man sagt ja immer, dass Krisen sich auch positiv auswirken können.

Die Menschen haben derzeit weniger Ablenkung und mehr Zeit zum Lesen und Nachdenken. Mehr Zeit für Stille. Sie erkennen vielleicht, wie vergänglich doch alles auf Erden ist.

Gesprächsprotokoll: Carmen Gräf

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8 Kommentare

  1. 8.

    Ich bin Mitglied der Anbetungsgemeinschaft.Ich muss lachen,das gerade Menschen,die mit dem christlichen Glauben nichts am Hut haben,sich aber über die rosa Schwestern aufregen und deren Glauben diskreditieren .Die Schwestern sind sehr liebe Menschen und sein Leben im Gebet hinter Gittern zu verbringen,ohne zu missionieren,zeugt von starkem Glauben und einen tiefen Sinn im Leben,um den ich mich noch täglich bemühen muss.Sie können an die Schwestern nicht heranreichen,auch wenn sie sich auf die Zehenspitzen stellen.Woran glauben meine lieben Vorredner,Schreiber,daran Menschen,die sie nicht kennen,herabzusetzen,geht es Ihnen jetzt besser?

  2. 7.

    Warum nehmen Sie es nicht mit Humor? Sie können mir glauben, nicht alle Ordensschwestern( Ordensbrüder mit eingeschlossen) sind derartig verbissen oder gar so Humorlos wie Sie. Als Vollwaise habe ich beide Seiten von Ordensschwestern miterlebt. Die einen schlugen Kinder, während andere versuchten uns eine gute Ersatzmutter zu sein. Letzteres ist bei mir im Kopf hängengeblieben, bis heute. Allerdings trat ich aus gutem Grund aus der Kirche aus. Bis heute sind Schwule, Lesben und besonders Transgender nicht willkommen in dieser Glaubensgemeinschaft.

  3. 6.

    An die drei Ersten: Was haben Sie denn gemacht, was besser geholfen hätte, um die Pandemie zu stoppen?

  4. 5.

    Gebet und Meditation verändern uns selbst, unsere Beziehung zu Anderen. Beten verändert die Welt und schenkt Trost.

  5. 4.

    Hauptsache meckern, motzen, alles negativ sehen und noch mehr meckern.
    Ich finde es schön zu lesen dass Menschen für andere Menschen beten, auch wenn ich selbst nicht sonderlich religiös bin.

  6. 3.

    Voll auf den Punkt gebracht. Danke. Jetzt fehlt nur noch ein Artikel über selbsternannten Schamanen in der Hauptstadt, die der Meinung sind die Pandemie durch ihre Kraft wegzaubern zu können.

  7. 2.

    Hat der Papst am 18. März 2020 auch schon getan: "Papst Franziskus betet für ein Ende der Corona-Pandemie" https://www.derstandard.de/story/2000115898175/papst-franziskus-betet-fuer-ein-ende-der-corona-pandemie

    Ab dem Tag ging es weltweit erst richtig los. Aber hey, einfach noch mehr beten. Und dann, wenn die Pandemie vorbei ist, wird es heißen: Die Gebete wurden erhöht ...

  8. 1.

    Klar, Beten hilft natürlich gegen eine Pandemie, lol
    Logische Atheisten, die auf die niedrigen Fallzahlen hinweisen werden hier nicht präsentiert, aber eine Betschwester, alles klar.

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